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BEATSTEAKS – THE DEATH SET

Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle

Datum: 07.11.2011

Nun ist die OsnabrückHalle mit ihrem etwas verstaubten Charme nicht unbedingt die erste Wahl, sollte man eine Location für ein Rockkonzert suchen. Wenn man an der Hase allerdings rund 4.000 BEATSTEAKS-Fans unterbringen möchte, führt kein Weg an dem sanierungsbedürftigen Gemäuer am Schlosswall vorbei, da schlicht keine andere Konzertstätte in geeigneter Größe in Osnabrück vorhanden ist. Die Anhänger der Berliner Alternative-Pop-Punk-Rocker trugen es mit Fassung und freuten sich darauf, ihre Woche mit einem Gig ihrer Helden zu beginnen. Während draußen der Herbst frösteln ließ, wartete im Europasaal deshalb ein sehr gemischtes Publikum auf das Quintett, das sich in diesem Jahr mit seiner siebten Langrille „Boombox“ erstmals bis an die Chartspitze vorkämpfen konnte.

Das Warten auf den Hauptact sollte ja eigentlich der Support versüßen und die Osnabrücker waren zweifellos in bester Feierlaune, als THE DEATH SET aus down under um 20.20 Uhr die Bühne betraten. Umgehend wurde mitgeklatscht und erwartungsfroh lauschte man den Punk-Elektronikern, die das Auditorium mit ihrem ziemlich strangen Mix allerdings wohl ein wenig überfordert haben. Ziemlich schnell wurde aus Euphorie artiges Klatschen und so richtig wollte der Funken nicht überspringen. Möglich, dass die Versatzstücke vom Band, die stilistisch nicht immer zum Live-Sound passten, den Flow zu sehr bremsten. Johnny Siera, Jahphet Landis und Daniel Walker, die allesamt in eigenen Bandshits angetreten waren, gaben sich zwar alle Mühe, aber so wirklich konnte die 2005 gegründete Kapelle, deren ehemaliger Sänger und Gitarrist Beau Velasco vor zwei Jahren an einer Überdosis gestorben ist, nicht punkten. Die Show wirkte einfach zu hektisch, dabei waren zweifellos gute Ansätze zu erkennen. So klang bei der Truppe, die Anfang des Jahres ihre zweite Platte „Michel Poiccard“ veröffentlicht hat, neben eingängigem Punkrock auch ein bisschen BEASTIE BOYS durch, wenn der Gesang nicht gerade in Richtung Micky Mouse verzerrt wurde. Vielleicht hätte der Dreier vor dem halbstündigen Auftritt an seine Ritalin-Dosis denken sollen…

35 Minuten später war von norddeutscher Zurückhaltung nicht mehr viel zu spüren, denn mit den ersten Takten von „Vision“ ging das Publikum bereits ziemlich steil. Gemeinsam mit den Hauptstädtern, die vor einer riesigen Häuserkulisse spielten, wurde auch das folgende „Monster“ kräftig abgefeiert und auch in Sachen Textsicherheit war die Zuschauerschaft absolut sattelfest. Lediglich die knapp 500 Besucher, die es sich auf der Empore bequem gemacht hatten, brauchten von Sänger und Gitarrist Arnim Teutoburg-Weiß eine Extra-Aufforderung, dann konnte es mit dem knackigen „Fix It“ unter Lichtgewittern weitergehen. Während vor der Stage ausgelassen getanzt und gehüpft wurde und auch diverse Crowdsurfer am Start waren, musste sich Saitenmann Peter Baumann ein wenig zurückhalten und spielte im Sitzen, da er Probleme mit dem Meniskus hatte und er vermutlich sogar gegen den Rat seines Arztes weiterhin auf Tour ist. Nichtsdestotrotz wurde natürlich auch ein Klassiker wie „Jane Became Insane“ (2007 auf „Limbo Messiah“ erschienen) nach allen Regeln der Kunst zelebriert, ehe es mit „Under A Clear Blue Sky“ nicht ganz so ruppig weiterging. Zwischendurch ging Arnim auch mal auf Tuchfühlung mit seinen Fans, wenn er nicht gerade in die Tasten griff oder der ersten Reihe den druckvollen Song „Hail To The Freaks“ vom 2008er „Kanonen auf Spatzen“ verehrte. Zwischenzeitlich hatte sich das Bühnenbild verändert und es gab auf dem Backdrop eine riesige Vinylplatte zu sehen, während Peter die Vocals bei „To Be Strong“ übernahm. Mit „Hand In Hand“ stand erneut ein wahrer BEATSTEAKS-Gassenhauer auf dem Zettel, der 2004 auf „Smack Smash“ das Licht der Plattenläden erblickt hat und selbstverständlich lauthals mitgegrölt wurde. Nach ein wenig Big-Band-Feeling ging’s dann Schlag auf Schlag: Zunächst hauten die BEATSTEAKS ihre aktuelle Single „Automatic“ raus, dann gab’s nicht nur den letzten fallenden Vorhang, hinter dem sich die beleuchteten Buchstaben BTSTKS verbargen, sondern auch den Hit „Milk & Honey“, mit dem Herr Teutoburg-Weiß, Bernd Kurtzke (Gitarre), Thomas Götz (Schlagzeug) und Bassist Torsten Scholz nach 70 Minuten Show recht sang- und klanglos die Stage verließen. Zurück blieb der verletzte Peter, der allein „Hey Du“ anstimmte, jedoch alsbald wieder von seinen Kollegen unterstützt wurde. Als nächstes erwies der Fünfer NIRVANA seine Aufwartung, indem es ein gelungenes Cover von „In Bloom“ auf die Mütze gab. Mit „Cut Off The Top“ stand dann ein Highlight aus eigener Schmiede auf dem Programm, bei dem es ein weiteres Mal zum Massenhüpfen kam. Für das getragene „Soothe Me“ wechselte Drummer Torsten an Peters E-Piano, der sich derweil eine kleine Auszeit nahm, bevor die Jungs es mit „Let Me In“ vom „Live Targets“-Album wieder amtlich krachen ließen. Die ehrwürdige OsnabrückHalle hatte sich längst in einen Hexenkessel verwandelt, wobei natürlich die Hinsetzen-Nummer nicht fehlen durfte. Bis auf ganz wenige Ausnahmen hatten sich die Anwesenden dann auch tatsächlich geschlossen in die Knie begeben, um dann auf Kommando aufzuspringen.

Inzwischen war es 23 Uhr geworden und die Rock-Buletten verschwanden abermals im Off, wo sie sich ein wenig bitten ließen, bis sie schließlich für „Frieda und die Bomben“ auf die Bühne zurückkehrten. Der Track, für dessen Gesang Bernd verantwortlich zeichnete, ging umgehend ins Blut und wurde am Ende nur noch von der BEATSTEAKS-Hymne „I Don’t Care As Long As You Sing“ getoppt, mit welcher der schweißtreibende Abend schließlich um 23.15 Uhr schloss. Mit dem Outro „Bye Bye Love“ von den EVERLY BROTHERS verabschiedeten sich die Berliner von ihrem begeisterten Publikum, das einen ebenso routinierten wie mitreißenden Gig erlebt hatte. Auch nach 16 Jahren Bandgeschichte klingen die BEATSTEAKS immer noch frisch und haben es zweifellos mit ihren straighten Songs nach ganz oben geschafft. Ach ja: Peter, dir natürlich gute Besserung!

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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