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BEATSTEAKS – TURBOSTAAT

Ort: Münster - Halle Münsterland

Datum: 06.04.2008

Lange hat das Münsterland auf den Besuch aus der Hauptstadt warten müssen, doch heute ist es endlich soweit: Die BEATSTEAKS kommen! Grund genug für viele, sich bereits auf dem Vorplatz der Münsterlandhalle bei Gerstensaft und Hochprozentigem in Stimmung zu bringen. Bei unserem Eintreffen spürt man schon mit einem Blick über die Szenerie den hohen Adrenalinpegel des angereisten Jungvolks, das Münsters gute Stube bis zur Höchstzulassung (von angeblich 7000 Leuten) in Beschlag nimmt.

Punkt 20 Uhr übernehmen dann voller Freude TURBOSTAAT die Aufgabe, das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen, und verwandeln von der ersten Sekunde an die gute Stube in die wohl denkbar lauteste. Die 5 Nordlichter passen mit ihrer unangepassten Punkmucke ja quasi wie Arsch auf Eimer ins Vorprogramm der BEATSTEAKS und machen diesen Job nicht zum ersten Mal. Eine Kollaboration auf der B-Seite von „Hello Joe“ zeugt von der Konnexion zum Hauptact, Sänger Jan Windmeier scheint sich auch den Tanzstil von Arnim Teutoburg abgeguckt zu haben. Zur Zeit arbeiten die Jungs an neuem Material, der überwiegende Teil der 9 dargebotenen Titel stammt aber von ihrer aktuellen CD „Vormann Leiss“. Dabei fallen die intelligenten Texte zwar zuhauf dem Dezibel-Wahn zum Opfer, aber den Leuten ist’s egal, Hauptsache Party! Deshalb seien hier auch nur mal für den Spassfaktor einige der obskuren Titel aufgelistet: „Der Frosch hat’s versaut“, „Haubentaucherwelpen“, „Harm Rochel“, „Insel“ und „Nach fest kommt ab“. Aber auch ältere Songs wie „Prima Wetter“ haben sich in die Setlist verirrt. Für mich als Uneingeweihten klingen irgendwie alle gleich und gehorchen nur einem Schema: Hart, schnell, laut. Aber das ist wohl genau das, was die restlichen Anwesenden wollen. Die ersten Reihen haben auf jeden Fall schon jede Menge Spaß und nach einer guten halben Stunde bedankt sich Jan begeistert bei den Zuhörern für den dankbaren Job und kündigt „die beste Live-Band des Universums“ an. Tiefstapeln ist hier einfach nicht an der Tagesordnung, aber immerhin: Die 1Live-Krone für den „besten Live-Act“ haben sich die BEATSTEAKS verdientermaßen im letzten Jahr aufsetzen dürfen. Doch ein wenig heißt es noch warten, eine Zeit, die sich die treue Anhängerschaft mit „BEATSTEAKS! BEATSTEAKS!“-Rufen verkürzt.

Dann geht es um 21 Uhr los – mit dem Eierbeisser-Song „She was great“ eröffnet Arnim vor dem schwarzen Vorhang die Show, um erst zur Hälfte des Songs den Blick auf seine Mitstreiter zuzulassen. „As I please“ verwandelt dann die Münsterlandhalle in einen wahren Hexenkessel und Arnim heizt die Menge mit Sprüchen wie „Das ist nix gegen Dortmund morgen“ noch weiter an, muss dann aber bei „Monster“ unterbrechen und ein wenig zur Ordnung aufrufen: „Hier sind Leute umgefallen. Es sind Damen anwesend.“ Danach greift er zur Gitarre und stimmt lässig „Everybody’s got a hungry heart“ vom Boss an, um schließlich bei „Hello Joe“ zu landen. In Erinnerung an alte Konzertzeiten im Gleis 22 dankt er den langjährigen Fans, die am nächsten Tag im Forum bemängeln werden, dass die Setlist inhaltlich seit Tagen die gleiche ist. Aber nicht jeder besucht 20 Konzerte am Stück und so feiert die Masse Klassiker wie „Loyal to none“ und „Coming over you“ entsprechend ab. Nachdem Arnim die bewegungsärmeren Zuschauer auf den Rängen noch mal extra begrüßt, wird dann auch hier im Stehen mitgemacht. Mit „Life’s a gas“ gibt es ein RAMONES-Cover in voller Länge, zu dem der Fronter zu Sex, Drugs und Alkoholkonsum aufruft, ehe es mit dem vollen Hitbrett aus eigener Schmiede weitergeht. Arnim wie gewohnt mit vollem Körpereinsatz und geschwollener Halsschlagader ständig von links nach rechts unterwegs, bis er nach einigen Seitenhieben auf den derzeitigen Casting-Wahn seine Entertainment-Qualitäten am DJ-Pult mit fetzigen Samples unter Beweis stellt, um dann mit „I don’t care“ den zweiten Teil der Show einzuleiten. „Jane became insane“ wird natürlich wieder zur großen Mitmach-Sause: Männlein, Weiblein, 2 Jungs aus dem Publikum und sogar die Security, alle wollen mal ordentlich „Nanana“ grölen. Danach bekommt Arnim seine kleine Verschnaufpause, in denen seine Gitarristen mit „Hey Du“ und „Frieda und die Bomben“ mal das Mikro übernehmen. Mit „Hand in hand“ wird dann der offizielle Teil beendet.

Natürlich weiß der geneigte BEATSTEAKS Fan, dass hier noch mehr geht und so folgen im ersten Zugabenteil noch „Cut off the tops“ und mit 1000 funkelnden Sternchen im Backdrop hinterlegt „Let me in“ mit obligatorischem Massen-Hinsetzen und Aufspringen und – Punk ist schließlich Kontaktsport – einer inszenierten „Wall of death“. Und während die Crowd noch zu „Big attack“ und „Ain’t complaining“ im finalen Zugabenblock locker ausschwingen lassen kann, zwängen wir uns schon durch ein mit abgekämpften, voll geschwitzen Leibern sich füllendes Foyer, um nicht all zu spät unsere Schlafstätte zu erreichen.

Wieder einmal sind die BEATSTEAKS ihrem Ruf als grandiose Live-Band gerecht geworden und haben ihr Talent, Massen mit Neigung zum Radau vorzüglich zu unterhalten, bestens unter Beweis gestellt.

Setlist BEATSTEAKS
She was great
As I please
Demons Galore
Monster
Hello Joe
Loyal to none
Coming over you
Life’s a gas
Atomic love
To be strong
Summer
Panic

Sampler

I don’t care
Hail to the freaks
Jane became insane
Hey Du
Frieda und die Bomben
Barfrau
Hand in hand

Cut off the tops
Let me in

Big attack
Ain’t complaining

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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