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BELA B. & SMOKESTACK LIGHTNIN’ FEAT. PETA DEVLIN

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 05.05.2014

Wann war BELA B. das letzte Mal solo auf Tour? 2009 – verdammt, wie die Zeit vergeht. Umso schöner, dass ihn sein Weg anno 2014 mal wieder nach Bielefeld führte. Es sollte gar der erste Gig der diesjährigen „bye“-Tour sein. Frei nach dem Motto: nach den Ostwestfalen kann es nur noch bergauf gehen!

Als wir an diesem sonnigen und angenehm temperierten Maiabend im Ringlokschuppen ankamen, konnten wir noch einen kleinen Schnack halten, bevor SMOKESTACK LIGHTNIN´ spielen sollten. Damit war dann auch die Frage geklärt, ob es heute überhaupt eine Vorband geben sollte. Nicht direkt, denn BELA B. beabsichtigte, später zu den Musikern auf der Bühne dazu zustoßen.

Aber zunächst war Bernie Batke am Mikrofon und stellte, seinen Bass bearbeitend, den Mittelpunkt der Bühne im kleinen Saal das Ringlokschuppens dar. Es unterstützten ihn Axel Brückner und André Langer an den übrigen Saiteninstrumenten und Keyboard, im Hintergrund bearbeitete Michael Kargel die Drums. Die Jungs aus Nürnberg waren mir das erste Mal aufgefallen, als sie für BELA Bs letzte Solotour den Support machten. Damals war er noch mit den LOS HELMSTEDT unterwegs und offensichtlich hatte sich aus seiner Bewunderung für die Jungs auch eine musikalische Freundschaft und Verbundenheit entwickelt, die in enger Zusammenarbeit für den neuen Silberling des ÄRZTE-Drummers ihren vorläufigen Höhepunkt fand und nun offensichtlich auch live fortgeführt werden sollte. SMOKESTACK LIGHTNIN´, die im letzten Jahr ein neues (und bereits sechstes) Album namens „Stolen Friends“ veröffentlicht haben, kleiden den guten alten amerikanischen Country in ein neues cooles Gewand mit viel Seele. Mir fehlte in der Setlist vielleicht noch das Cover „The Unknown Stuntmen“, die Titelmusik der 80er Jahre Kultserie „Ein Colt für alle Fälle“ und Garant für Partystimmung, aber auch so war es eine gute und unterhaltsame Einstimmung auf das, was da noch kommen sollte.

Setlist SMOKESTACK LIGHTNIN’ (ohne Gewähr)
Everglades
Mean Ol´River
Don`t Think Twice
Carter Cain
Groupy Girl
If I Really Bug You
Run For Your Life
El Camino Real
The Change

Nach einer wirklich recht kurzen Umbaupause kamen dann die Nürnberger – sie hatten sich alle in rote Hemden geworfen – zurück auf die Bretter. Kurz darauf enterte auch BELA B. die Stage, begeistert empfangen von den knapp 400 Anwesenden. Leider nur 400 mussten wir feststellen, zuletzt hatte er auch solo noch den großen Saal des Ringlokschuppens gefüllt. Gut, der Musikstil Country ist nicht jedermanns Sache – meine normalerweise auch nicht, muss ich gestehen – aber ein Auftritt BELAs ist doch nicht nur Musik, sondern auch ganz viel Entertainment drum herum und trotz seiner immensen Bühnenerfahrung wirkte der 51jährige auf mich ein wenig nervös, die Ansagen saßen zum Teil noch nicht so, aber im Laufe des Konzertes legte sich das merklich. Außerdem ist Herr Felsenheimer Profi genug, sich das möglichst nicht anmerken zu lassen. Verständlich fand ich es dennoch, sind seine Soloalben doch seine ganz eigenen „Babys“ – außerdem war heute die erste Livepräsentation in diesem Jahr.

Musikalisch standen ihm allerdings nicht nur SMOKESTACK LIGHTNIN´ zur Seite, er hatte sich auch eine Dame mit an Bord geholt: PETA DEVLIN, eine stimmgewaltige in Hamburg lebende Musikerin und Sängerin – mit einer recht eigenwilligen „Vogelnest“-Frisur, die BELA auch des Öfteren Anlass zu einem Gag bot. Zwischen BELA und PETA herrschte eine ganz besondere Chemie, die mich an die gemeinsamen Auftritte von JOHNNY CASH und JUNE CARTER erinnerte – vielleicht auch gewollt? Kreativ hat BELA eine ganz schön weite Reise hinter sich und man gewinnt den Eindruck, nun ist er angekommen, die Leidenschaft mit der er den Abend bestritt, machte Spaß und war ansteckend. Auch wenn die Country-Attitüde bisweilen etwas seltsam und vielleicht auch noch ein wenig befremdlich anmutete, konnte man doch nicht anders, als im ¾-Takt mitzuwippen. Sogar wenn der alte ÄRZTE–Kracher „Manchmal“ gleich zu Anfang des Konzertes im Countrygewand bzw. als Twist dargeboten wurde.

An Horror und Punk, wofür BELA B. eigentlich steht, erinnerte da wenig, auch der Song „Der Vampir mit dem Colt“ kam verändert daher. Doch so wirkte der ganze Abend wie „aus einem Guss“ – altes Material fügte sich dabei genauso gut in das neue Genre wie die Stücke seines jüngsten Werkes „bye“ oder auch ein HUMAN LEAGUE-Cover, Don‘t you want me“, das man erst im Refrain erkannte. Das Ganze garniert mit BELA B. als Zeremonienmeister, der wie immer gesprächig und schlussendlich souverän durch den Abend führte. Natürlich ließ man ihn nicht nach dem regulären Set schon von dannen ziehen, es waren noch zwei Zugabenblöcke drin. Trotzdem verging die Zeit mit BELA B. wie im Flug und nach gut zwei Stunden wurden wir nicht ans Lagerfeuer gebeten, sondern in die sternenklare Bielefelder Nacht entlassen.

Setlist BELA B.
Lee Hazlewood
Manchmal Haben Frauen
Wenn Das Mal Liebe Wird
Peng!
Der Sünder
Nicht Nice
Zu Meiner Zeit
Abserviert
Bombe Tickt
Sentimental
Belphegor
Immer So Sein
Johnny Remember Me
Der Vampir Mit Dem Colt
Teufelsküche
Verwöhn`
Altes Arschloch Liebe

Bausparvertrag
As Soon As I Hang Up The Phone
Don`t You Want Me

Satan (Mein Soul, Dein Herz)
1.2.3…
Streichelholzmann

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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