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BELASCO – A REEL GALLERY

Ort: Osnabrück - Glanz & Gloria

Datum: 14.02.2008

Wer seiner/ seinem Liebsten am Valentinstag neben Blumen und Süßigkeiten etwas Gutes tun wollte, hatte als Osnabrücker auf musikalischem Wege hervorragende Möglichkeiten, waren doch die Briten BELASCO zu Gast im Glanz & Gloria. Die Konzertstätte, die im letzten Jahr noch auf den Namen Unicum hörte, mausert sich langsam zur festen Größe im Veranstaltungskalender der Hasestadt, leider hatten an diesem Donnerstag nur ein paar Dutzend Indies den Weg an den Neuen Graben gefunden.

So sah es um 21.30 Uhr vor der Bühne auch noch recht überschaubar aus, als das Duo A REEL GALLERY aus dem benachbarten Ibbenbüren startete. Wer jetzt noch nicht vor Ort war, hatte allerdings auch nicht so furchtbar viel verpasst. Stefan Boes war hinter der Schießbude tätig, während Kumpel Sebastian Schweigatz in die akustischen Saiten griff und für den Gesang zuständig war. Genau hier lag auch das Problem: Was auf myspace ganz ordentlich klang, wirkte live eher bemüht. So wollte auch keine rechte Stimmung aufkommen und bis auf höflichen Applaus fand keine wirkliche Reaktion des Publikums statt.

Nach einer halben Stunde stand aber erst einmal Umbaupausenmusik aus der Konserve auf dem Programm, bevor um 22.20 Uhr die Herren Bill Cartledge (Drums), Duff Battye (Bass) und Tim Brownlow (Vocals & Guitars) die kleine Stage enterten. Mit „Joseph Conin“ von ihrem 2007-er Album „61“ ließen es die Londoner dann auch gleich ordentlich krachen und schon zum epischen „Swallow“ wurde vereinzelt getanzt, nachdem sich der Club locker gefüllt hatte. Mit dem sehr eindringlichen „15 Seconds“ gab es ein älteres Stück von der Technique“-VÖ aus 2002 zu hören. Sanfter Gesang traf bei „Walk The Moon“ auf eine verspielte Akustikgitarre, ebenfalls ein betagterer Song, der aber keinesfalls an Intensität verloren hatte. Mit „Butterflies“ ging es zurück zu aktuellem Material. Eine sehr einfallsreiche Nummer mit originellen Melodien, die vom flotten „On A Wire“ abgelöst wurde. Hier zeigten BELASCO sich von der harten Seite, um mit dem lange nicht mehr gespielten „Glass Rock“ melancholische Züge an den Tag zu legen. Derweil fragte sich vermutlich der ein oder andere Anwesende, warum BELASCO der große Durchbruch verwehrt geblieben ist, während die Kollegen von COLDPLAY, RADIOHEAD, KEANE, MUSE oder auch SNOW PATROL auf der Überholspur unterwegs sind. Vielleicht fehlt den Jungs einfach ein wenig Bühnenpräsenz oder das richtige Händchen beim Management, an der Qualität der Musik kann es auf jeden Fall nicht liegen, da waren sich auch das Auditorium einig, das sich nicht entscheiden konnte, ob sie lieber ruhigere Titel wie „Finest Things“ hören wollte oder ihm der Sinn mehr nach den tanzbaren Sachen wie „The Earth“ oder das zu Recht abgefeierte „Something Between Us“ stand. Nach einer Stunde war auf Schluss mit dem regulären Set, doch nach einem kurzen Break, bei dem Bassist Duff nicht den Weg von der Bühne fand und sich deshalb hinterm Vorhang versteckte, griff Sänger Tim im Alleingang zur Gitarre und gab „Lawman“ in einer fesselnden Akustikversion zum Besten, welche die Osnabrücker in ergriffenes Schweigen und Staunen versetzte. Zum sehr gefühlvollen „Breathe“ fanden auch seine Mitstreiter wieder den Weg zurück ins Licht und auf die Stage, bevor mit dem sehr treibenden „In The Garden“ ein abwechslungsreicher Schlusspunkt gesetzt wurde. Zum letzten Mal wechselten laute und leise, schnelle und langsame Passagen und durfte Mr. Battye ausgelassen herumspringen und den Evil rauskehren.

Bleibt dem Trio nur zu wünschen, dass ihre Fähigkeiten demnächst auch von einer größeren Fangemeinde erkannt werden. Verdient hätten sie es ohne jeden Zweifel, aber den englischen Arbeitstieren fehlt vielleicht die Prise Glamour, die es im Musikbiz braucht. Nicht gebraucht hätte es leider den Support, wäre ich 50 min früher im Bett gewesen, hätte mir das durchaus behagt.

Setlist BELASCO (ohne Garantie für die richtige Reihenfolge!)
Joseph Conin
Swallow
15 Seconds
Walk the Moon
Butterflies
On A Wire
Glass Rock
Mask
What If God
Finest Things
The Earth
Something between Us
Hunters Song

Lawman
Breathe
In The Garden

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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