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BELASCO – SCUMBUCKET – ULME

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 11.12.2010

ALTERNATIVE ROCK NACHT

Gütersloh gleicht konzerttechnisch grösstenteils einer kulturellen Einöde, insbesondere wenn man ins benachbarte Bielefeld mit seinen vielen Angeboten schaut. Da wird natürlich jeder Strohhalm dankbar ergriffen, insbesondere wenn ein so interessantes Line Up wie an diesem Abend in der Weberei auf dem Plan steht. Dafür verantwortlich zeichneten in Kooperation der Jugend Kultur Ring sowie der Verein Crossnight E.V., die immerhin gleich 4 Bands unter dem Banner „Alternative Rock Nacht“ in die Stadt an der Dalke locken konnten. Auf die Lokalmatadoren GONE ASTRAY als Opener mussten wir leider verzichten, doch steht zu vermuten, dass auch diese bereits vor einer ansehnlichen Menge musizieren durften, so um die 150 Anwesende tummelten sich schätzungsweise vor der Bühne, um ordentlich abzurocken.

Gelegenheit hierzu erhielten sie als nächstes bei den Norddeutschen ULME, die eine recht bewegte Historie vorzuweisen haben. Bereits 1994 in Itzehoe gegründet gab es neben einigen Line Up-Wechseln (zwischenzeitlich agierte man als reiner Heesch-Familienclan) auch schon mal deftigen Zoff auf der Bühne, was dem Unterhaltungswert der Noise Rocker sicherlich nicht abträglich war. Mittlerweile geht es etwas gesitteter zu und mit Sänger Arne Heesch ist nur noch ein Gründungsmitglied an Bord, der mit seiner aggressiven Stimme auch gleich zur Sache kam. Alle 3 „Hauptbands“ agierten an diesem Samstag als kompakter Dreier, soundtechnisch sollte es allerdings von Act zu Act ein wenig „schmusiger“ werden. ULME bretterten jedenfalls ohne viel Federlesens direkt drauf los, ohne grossartige Ansagen einfach nur auf die Fresse, was durchaus Anklang fand. Der aktuelle Langspieler namens „Tropic of Taurus“ wurde produktionstechnisch übrigens von SCUMBUCKET-Fronter Kurt Ebelhäuser betreut, der es sich dann auch nicht nehmen ließ, im Auditorium ordentlich mitzugehen. Für uns ein guter Einstieg in den Abend und Zeit für eine kleine Stärkung in den Räumlichkeiten nebenan.

Danach ging es dann mit den eben bereits angesprochenen SCUMBUCKET weiter, bei denen neben Kurt heuer auch Carlos Ebelhäuser am Bass aktiv war. Mithin also die halbe BLACKMAIL-Stammbesetzung und auch der Sound, im druckvollen Indie Rock beheimatet, kam durchaus ähnlich rüber. Das wussten die Anwesenden zu schätzen, die nun mit noch mehr Körpereinsatz feierten. Der Sänger mit seinen schon etwas lichter werdenden Haaren ist aber auch eine mehr als coole Sau, der nach so vielen Jahren im Geschäft genau weiss, wie der Bühnenhase läuft. Immer mal wieder mit einem augenzwinkernden Spruch auf den Lippen präsentierte man einen bunten Mix aus der schon recht großen Diskographie, vom 2010er-Werk „Sarsaparilla“ beispielsweise „Spitting Speed“ oder „Fear Falls On Deaf Ears“. Da wäre eine Zugabe schon angebracht gewesen, doch auch so verabschiedete man sich ehrenvoll und unter lautem Applaus von den grösstenteils recht jungen Besuchern.

Setlist SCUMBUCKET (ohne Gewähr)
Luberon
Spitting Speed
Otro Dia
Breeze
Dia Castado
Drag
Billy Rubin
Con Moto
Fear Falls On Deaf Ears
Crawl To The Sky
Mosca Del Canto
Images Of Devils Burn

Doch der absolute Höhepunkt stand uns noch bevor. Den Briten BELASCO wurde schon mehrfach eine goldene Zukunft vergleichbar mit COLDPLAY oder KEANE vorhergesagt, dass es dazu bis dato noch nicht ganz gerreicht hat, soll uns recht sein. Denn sonst hätten wir sicher auf ein so intimes wie intensives Live-Gastspiel verzichten müssen. Sänger Tim Brownlow zur Rechten verfügt über eine bemerkenswert interessante Stimme, die er im Übrigen auch für Solo Material nutzt, zudem kam er mit seinem englisch/ deutsch-Kauderwelsch sehr sympathisch rüber. So erklärte er vor einem neuen Titel, dass er hoffe, wir würden ihn nicht „scheiseee“ finden. Nein da musste er keine Angst haben, die Mischung aus Melancholie, Zerbrechlichkeit und druckvollen Uptempo-Passagen traf bei den Meisten voll ins Schwarze. Direkt vor der Bühne hatte sich auch ein Hardcore-Fan-Pärchen eingefunden, das inbrünstig mitging. Seit 2007 hat man kein reguläres Studioalbum mehr herausgebracht, vielleicht auch ein Grund dafür, dass BELASCO auf der Erfolgsleiter noch nicht da stehen, wo sie hingehören. Die beiden Singles „Something between us“ und „Chloroform“ bewiesen auf jeden Fall ganz große Songwriterkunst und da hätte es auch mehr als nur eine Zugabe geben dürfen. Nach längerer Live Abstinenz ein sehr gelungenes Konzert mit gutem Sound, vielen Dank noch mal an die Veranstalter, die hoffentlich noch häufiger namhafte Acts in die Terrorverlag-Hauptstadt locken können. Aber der abwechslungsreiche Abend war noch nicht zu Ende, im Anschluss hatten die Besucher noch die Möglichkeit, zu härteren Klängen unterschiedlicher Coleur richtig abzutanzen, was dann auch reichlichst genutzt wurde. Die Alternative Rock Nacht in Gütersloh – eine rundum gelungene und nachahmenswerte Veranstaltung!

Setlist BELASCO (ohne Gewähr)
Joseph Conin
Swallow
15 Secondws
Walk The Moon
Butterflies
Neuer Song
Man
Glass Rock
The Earth
Something Between Us
Finest Things
Chloroform

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Copyright Fotos: Karsten Thurau

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