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BELTAINE PAGAN FOLK FESTIVAL 2009

Ort: Solingen - Schloss Burg

Datum: 01.05.2009

Der 1. Mai und somit der zweite Tag des Beltaine Festes auf Schloss Burg in Solingen sollte etwas schnellere und härtere Musik bringen als am Tag zuvor. Im Line Up standen abgesehen von FAUN ausschließlich rockige Bands. Das Wetter spielte hervorragend mit, so als hätten die Heiden einen ihrer Götter gebeten, für kräftigen Sonnenschein zu sorgen. Selbst SaTyr von FAUN bat die Technik, doch einmal die Sonne auszuschalten, weil die Instrumente auf der Bühne so heiß wären.

Den Auftakt bildete um 15 Uhr die aus Dinslaken stammende keltische Rockband GALAHAD. Während ich manchen Tags wesentlich ruhigere Songs von ihnen gehört hatte, schlugen sie dieses Mal kräftig in die Seiten und die Tasten. Mit ungewohnter Stärke hämmerten sie los. Die Querflöte von Paul Alexander Jost trug nicht unwesentlich dazu bei, dass der Sound ein wenig an JETHRO TULL erinnerte, mit denen sie auch schon zusammen auf der Bühne gestanden haben. Eine beachtliche Menge an Zuschauern zu dieser frühen Konzertzeit wurde mit den harten Rhythmen zum Klatschen angefeuert. Stücke wie “Celtic Queen“ und “Don’t Talk To Much” geben einen Takt vor, der dem Publikum keine andere Chance als das Mitmachen gibt.

Etwas mehr als eine Stunde später gab eine Band den Ton an, die bereits 2005 ihr Debüt-Album “Punch On!” präsentiert hatte. PUNCH’N JUDY wurden kurzfristig vom Veranstalter ins Line Up geholt, weil sie an anderer Stelle positiv aufgefallen waren. Die eine Frau und die vier Herren stellten sich der Herausforderung und traten auf, obwohl sie nicht auf den Plakaten standen. Dafür war ihre Spielfreude unverkennbar. Ihren Stil aus Rock, Folk und Punk präsentierten sie mit einer Lust und Laune, die für die Gäste ansteckend war. Wegen des Akkordeons von Ute, die allen Stücken damit eine besondere Note verlieh, war der folkige Rock stets präsent. Und wer genauer auf die Texte hörte, bekam zudem noch Geschichten von Hexen und Jagden zu hören.

Als dritte Gruppe betraten gegen halb Sechs die Musiker von FAUN die Bühne. Durch die Umdekorierung der Mikrofonständer mit grünen Blättergirlanden war den eingeweihten Zuschauern klar, wer für die nächste Stunde angesagt war und dass die dargebotene Musik ein Ausdruck der Naturverbundenheit der Musiker darstellt. Die softigen Balladen, vorgetragen auf exotischen mittelalterlichen Instrumenten, bedienen sich unterschiedlichster rhythmischer und regionaler Herkunft. Neben keltischen und bretonischen Sequenzen werden von den fünf Musikern mittlerweile auch skandinavische und osteuropäische Einflüsse eingesetzt. Hervorragend arrangiert und interpretiert zum Beispiel eine bulgarische Weise, die von Sandra (Geige) und Fiona (Dudelsack) zudem noch mit den balkantypischen weiblichen Kehlkopfstimmen intoniert wurden.

RABENSCHREY betraten als vorletzte Band kurz nach 19 Uhr die Bühne und bezogen von da an wie gewohnt ihr Publikum und vor allem ihre Fans in die Show ein. Sie wurden von Donar, dem Frontmann, unaufhörlich zum Mitmachen aufgefordert. Der Zuspruch zu dieser Band scheint ungebrochen. Kein Wunder, dass jeder Ton, der von der Bühne kommt, ein Echo vom Publikum hervorruft. Selbst wenn es sich um das Abmischen der Instrumente mit der Technik handelt. Beispielsweise so: Der Techniker sagt den Leuten auf der Bühne: „Gebt mir mal ’ne Gitarre.“ Daraufhin greift Gahaed zu seiner Gitarre und beginnt einen schnellen rhythmischen und metallenen Gitarrensound. Als er nach zwanzig bis dreißig Sekunden aufhört, klatschen die Fans den Takt weiter und lassen „weiter, weiter“-Rufe ertönen, gefolgt von lautstarkem Beifall. Drei Töne eines Instrumentes reichten und die Fans sangen mit und weiter. Während der kraftvollen Show, in welcher alte und neue Titel der Gruppe gespielt wurden, ohne den Fans allerdings einen Vorgeschmack auf die im Sommer auf den Markt kommende CD zu bieten, denn Überraschung muss sein, wurden die Takte zum Teil mit Flammenwerfer unterstützt, die am vorderen Rand der Bühne aufgestellt waren. Selbst als einer dieser Flammenwerfer explodierte, während die Fotografen noch im Graben hockten, konnte das von der professionellen Band überspielt werden, denn die Pyrotechniker hatten alles im Griff und die Fans ab der zweiten Reihe hatten kaum etwas von dem kleinen Extraspektakel mitbekommen.

Obwohl sich der Auftritt von RABENSCHREY bereits leicht nach hinten verschoben hatte, wurde wegen der Einhaltung des Zeitplans nicht mitten in der Show abgebrochen oder gar auf die Zugaben verzichtet. Doch wer erwartet hatte, vielleicht noch ein Stück vom nächsten Album zu erhaschen, der hatte umsonst gewartet. Das Repertoire der Gruppe ist mittlerweile so umfangreich, dass sie mit unterschiedlichen Setlists mehrere Konzerte bestreiten könnten und doch würde den Fans jeder Titel des Mitsingens und Anstimmens würdig erscheinen.

Ebenso kraftvoll, aber um einiges schneller betraten dann die sechs Leute von FIDDLER’S GREEN aus Süddeutschland die Bühne. Sie präsentierten ihre Speedfolk-Titel der Sportsday-Tour und hatten keinen geringen Anteil des Publikums mitgebracht. Davon abgesehen, dass wohl die Hälfte der Menschen auf dem Burghof zur Fangemeinde der schnellen Truppe gehörten, rissen diese in ihrer Begeisterung die andere Hälfte auf dem geräumigen Platz mit sich. Auf dem Burghof wurde sofort zu den schnellen Takten getanzt. Nicht ganz unwesentlich ist der Gitarrist Patrick im Verlaufe der Show daran beteiligt, der seine Spielchen mit dem Publikum treibt. So hatte er keine Probleme damit, die Besucher aufzufordern, eine Gasse zu bilden und nach bestimmten Worten des folgenden Songs einen Seitenwechsel vorzunehmen. Also dann, das Chaos wurde praktiziert. Zu anderer Gelegenheit geschah, dass die Gäste von der Bühne herunter mit Wasser bespritzt wurden. Für diese war das sicherlich eine erfrischende Abkühlung. Unterdessen sich der Frontmann Albi während der Show immer wieder versuchte, die an den Ständen angebotenen Biersorten auf die Reihe zu bekommen. Auch diesen Jungs war der Spaß unverkennbar ins Gesicht geschrieben und in der von ihnen geprägten rasanten Art performten sie neben den neuen auch die alten, immer wieder gewollten Songs. Ebenso auf der Setlist standen Balladen wie “Down By The Hillside”, die von Albi mit offensichtlicher Freude vorgetragen wurden. Wen wundert’s, dass nicht nur wegen der Verzögerung, sondern auch wegen der geforderten Zugaben um einiges überzogen wurde.

Damit die Umbaupausen den Festivalgästen nicht zu lang erschienen, hatten sich die Veranstalter ein besonderes Schmankerl ausgedacht. Sie hatten die Berliner Formation ADIVARIUS verpflichtet, die unplugged auf dem Walpurgismarkt zusammen mit Caspar, dem Gaukler, für Stimmung sorgten. Ohne elektronische Verstärkung wirkt deren Musik mit Trommel, Pauke, Dudelsack, Flöte und Tröte noch mittelalterlicher und sie zogen immer wieder eine große Schar von Zuschauern an.

Das Beltaine Festival war mit allen Komponenten ein rundum gelungenes Fest, welches nicht nur den Musikliebhabern einiges zu bieten hatte. Denn parallel zu den Konzerten fand auf den anderen Höfen der Burg der Mittelalterliche Walpurgismarkt mit vielen Buden und Handwerkern statt. Wer sich beim Konzert also dank fehlender mittelalterlicher Gewandung für “underdressed” vorkam, der hatte noch Gelegenheit, sich ein entsprechendes Gewand zuzulegen.

Copyright Fotos: Detlef Knut

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