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BERND BEGEMANN

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 18.01.2013

BERND BEGEMANN erklärt die Krise für beendet – was kann der Republik da noch passieren, wenn der Wahlhamburger sein musikalisches Konjunkturpaket schnürt? Zunächst einmal dürfen sich die Gäste seiner Shows auf einen äußerst kurzweiligen Abend freuen, weshalb auch die Lagerhalle gut gefüllt war, als der Herr, der sich selbst als „Gene Kelly des Indie-Rocks“ bezeichnet hat, kurz nach 20.00 Uhr im beigefarbenen Anzug die Bühne betrat und zunächst noch einmal das Equipment sortierte und seine Gitarre stimmte, ehe es mit seinen „Heimatliedern und der kommunistischen Propaganda“ beginnen konnte.

Der gebürtige Westfale wandelt aktuell auf Solopfaden und deshalb war er auch allein nach Osnabrück bekommen, wo er sein Publikum mit dem bereits erwähnten „Ich erkläre diese Krise für beendet“ (gleichzeitig Titel seiner 2009er Langrille, die er gemeinsam mit seiner Kapelle DIE BEFREIUNG gemacht hat) begrüßte. Nach Bernds Berechnungen kommt er alle vier Jahre in der Hasestadt, weshalb die Zuschauer auch schon wussten, was sie in etwa erwartet und auch das Mitsingen wie bei „Ich habe nichts erreicht außer Dir“ schon ganz passabel klappte. Zur Belohnung ließ Herr Begemann Jackett und Schlips fallen, präsentierte sein Brusthaar und den Song „Deine schwulen Freunde“, um gleichzeitig die Frage aufzuwerfen, ob Heteros überhaupt „schwul“ sagen dürfen. Beim abstrusen „Sportunfall“ tauschte der Herr mit der ausgeprägten Gesichtsmimik den Sechssaiter gegen ein Rhythmusgerät und animierte seine Fans wie bei „Fernsehen mit Deiner Schwester“ erneut zum Mitmachen. Neben den Songs gab’s natürlich auch allerhand verqueres Gequatsche vom vollschlanken Anzugträger, der wusste, dass Raucher am Limit leben und Ralf Lübcke (?) ein wirklich schlechter Bundespräsident war, bevor die Musik mit „Bleib zuhause im Sommer“ an Dramatik gewann. Für meinen Geschmack hätte „Ich kann Dich nicht kriegen, Katrin“ ein wenig kürzer ausfallen dürfen, unterhaltsam war die Nummer aber allemal. Den folgenden Track „Keine Liebe für mich“ (ein trauriges Lied, das fröhlich klingt) hat aktuell MAX RAABE gecovert, inwieweit auch „Zwei mal zweite Wahl“ von Kollegen bearbeitet wurde, entzieht sich meiner Kenntnis, auf jeden Fall zählte der „Crossover-Sound, der die Leute verrückt macht“ zu den Highlights der Show, da machte es auch nichts, dass das Verstärkerkabel kurzfristig ausfiel. Das war halt eine dynamische Performance, bei der auch schon einmal Material zu Bruch geht. Großes Amüsement bereitete der 50-jährige zudem mit seinen Monologen, die beispielsweise Szenen einer Beziehung widerspiegelten, mit denen er sein Auditiorum um 21.25 Uhr in die Pause schickte. 25 Minuten später kehrte BERND BEGEMANN mit neuem Oberhemd und neuem Binder auf die Bühne zurück und bat: „Gib mir eine zwölfte Chance“. Nach dieser kruden Nummer folgte die Aufforderung „Judith, mach Deinen Abschluss“. Ausufernd wurde wenig später „Ich bin gekommen um zu kündigen und „nach dem Wiederaufbau (blieb das Land zerstört)“ zelebriert. Sehr schön Begemanns Abrechnung mit den Singer-/Songwritern, die auf den Namen „Dein Trottelfreund meint“ hört. Ach ja: Im Übrigen ist es moralisch falsch, einem Lutscher (Singer-/Songwriter) seine gut aussehende Freundin nicht wegzunehmen. Nur so zur Information. Mit Hysterie und wildem Ausdruckstanz schlossen sich die „Slums von Eppendorf“ an und auch „Oh, Sankt Pauli“ wusste zu gefallen. Auch hier wusste Bernie mit allerlei Fakten zu punkten. Etwa der Tatsache, dass statistisch jeder Deutsche einmal in seinem Leben nach St. Pauli fährt und Begemann vor die Haustür kotzt. „Du bist mein Niveau“ bezog einmal mehr die Zuschauerschaft mit ein, bevor als erste Zugabe mit dem wunderbaren „Unten am Hafen“ ein Publikumswunsch auf dem Programm (das es nach eigenem Bekunden gar nicht gab) stand. Der Song zählte vor acht Jahren zu den beliebtesten Liedern des Nordens, wie der Entertainer mit Stolz vermeldete. Inzwischen war es weit nach 23.00 Uhr und weil Bernd die Backstage-Treppe nicht noch mal geschafft hätte, blieb er für seine letzte Zugabe „Wir sind gut im Bett, aber sonst nirgendwo“ gleich auf der Stage, wo der Herr mitsamt Elvis-Imitation noch einmal in die absurden Vollen ging.

Wenn ich BERND BEGEMANN sehe, frage ich mich ja immer, ob der Mann privat wohl genau so durchgeknallt ist wie auf der Bühne. Wenn ja, braucht er unter Umständen Hilfe, ansonsten ist definitiv alles in Ordnung, denn wenn man gern ein paar Stunden bestens unterhalten werden möchte, einen bunten Strauß unterschiedlichster Melodien erwartet und keine Angst vor den Lebensweisheiten des Herrn Begemann hat, ist man hervorragend bei ihm aufgehoben. Vielen Dank für diesen schrägen Abend!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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