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BIF NAKED – THE VINCENT BLACK SHADOW – NEUROSONIC

Ort: Bochum - Riff

Datum: 30.09.2006

Kanadisches Tripel in Bochum oder die Bodog Label Nacht im Riff. Suchen Sie sich ein Motto aus! Die nordamerikanische MTV-Moderatorin Schrägstrich Rocksängerin BIF NAKED on Tour in Germany, da hat man was für Augen, Ohren und Herz. So dachten wir Terrorverleger und machten uns auf ins Ruhrgebiet zu noch recht früher Stunde. Das Riff liegt am berüchtigten Bermuda Dreieck, wo zu später Stunde partytechnisch buchstäblich die Post abgeht. Gegen 19 30 Uhr war es aber in der Location selbst noch eher ruhig, so an die 80 Besucher unterschiedlichster Coleur warteten auf den Opener des Abends, darunter die einheimische Szene Ikone Kai Hoffmann von den Goth Rockern SECRET DISCOVERY nebst Bruder. Obwohl in ihren Tourdaten Bochum nicht geführt wurde, waren es doch NEUROSONIC, die den Reigen eröffneten – Gut so, mehr Genuss fürs Geld.

Eins sollten beide Support Acts gemein haben: Ihre Debüts beim Bodog Label sind beide in Europa noch nicht erhältlich, und da mir die Promo Kopien nicht in den Player gekommen waren, harrte ich gespannt des Sounds, der da kommen möge. 4 in schwarz gewandete Herren mit ebenso gefärbten Haaren legten ohne Umschweife gegen 19 40 Uhr los, das Publikum verblieb bis auf eine tanzfreudige Gestalt in ordentlichem Sicherheitsabstand von der Bühne. NEUROSONIC ist im Grunde genommen „nur“ Jason Darr, welcher mit seinem Vorgängerprojekt (OUT OF YOUR MOUTH) und einem MADONNA Cover („Music“) bereits einen Achtungserfolg erzielen konnte. Heute standen er und sein Gitarre natürlich nicht alleine da oben, 2 spielfreudige Kollegen (darunter Mike Wall) unterstützen ihn und wirbelten auch ordentlich auf der Stage herum. Den Sound kann man als Emo meets Pop meets Punk meets Rock bezeichnen, recht mitreißend und dennoch catchy. So brauchte es nicht lange, bis Bewegung in die Reihen kam. Allerdings war diese nur von kurzer Dauer, denn mehr als 6 Stücke, allesamt von der „Drama Queen“-Scheibe wurden nicht geboten. Ich denke, einige hätten gern mehr gesehen. Zur Setlist gehörten u.a. „Crazy Sheila“, „So many People“ und zum Schluss „Until I die.“ Es sollte aber nicht Jasons letzter Auftritt an diesem Abend gewesen sein…

Und in diesem Hasentempo ging es dann auch weiter: Man konnte gerade kurz an seinem nächsten Getränk nippen, da standen auch schon THE VINCENT BLACK SHADOW vor den Anwesenden, gemeinsames Drumkit sei Dank. Es war noch nicht mal 20 30! Das Quartett bestehend aus den drei Kirkhams Rob (Gitarre), Anthony (Drums) und Chris sowie der kleinen, leicht asiatisch angehauchten Frontdame Cassandra Ford hat sich nach einem legendären Motorrad benannt, und auch ihre aktuelle Scheibe „Fears in the Water“ kennt in Europa so gut wie Niemand. Im Gegensatz zu ihren direkten Vorgängern fiel ihr Sound ein wenig avantgardistischer oder sagen wir verspielter aus, so dass ein sofortiges Mitgehen nicht unbedingt möglich war. Einflüsse von den DRESDEN DOLLS über Psychobilly bis hin zu leichten Goth Tupfern konnte man ausmachen, live war des weiteren auch ein Keyboarder dabei. Ungewöhnlich die Kommunikation mit den Zuschauern: Die stimmgewaltige und auch optisch sehr ansprechende Cassandra richtete nicht einmal die Stimme ans Auditorium, in den Pausen machte sie eher einen schüchternen Eindruck, die Ansagen übernahm der Kollege zu ihrer Linken, der sich auch beim Stage Acting ordentlich in Szene setzte. Gemeinsam erinnerte man ein wenig ans Cabaret der 40er Jahre und machte seine Sache insgesamt sehr ordentlich, wenngleich auch hier nur eine halbe Stunde Spielzeit zur Verfügung stand. Titel wie „Surgery“ oder „Control“ bewiesen jedenfalls ihr kompositorisches Potenzial. Noch keine 21 Uhr und schon der Headliner in Sichtweite, soll wohl im Riff (wo man discomässig mit Getränkekarten hantieren musste, inkl. entsprechender Preise) immer so sein…

Und so dauerte es auch nur wenige Minuten, ehe Jason und seine Kumpels an Bass und Drums erneut die Bühne betraten. Diesmal jedoch, um „Her Royal Bifness“ Mrs. Naked musikalisch den roten Teppich auszurollen. BIF NAKED ist sicherlich eine Frau, die schon rein optisch entsprechende Aufmerksamkeit einfordert. Den Oberkörper nahezu komplett tätowiert, ließen ihr heutiges schwarzes Tanktop ihren Körperschmuck nur zur Hälfte zur Geltung kommen, die hübschen Beine zwischen Minirock und Stiletto-Cowboystiefeln bieten noch Platz für so manch weitere kunstvolle Verzierung. Etliche (meist männliche) Die-hard-Fans zog es nun ohne Hemmungen direkt vor die Bühne, auf der Bif mit Titeln ihres aktuellen Albums „Superbeautifulmonster“ losrockte. „My bike“, eine verbal strunzdoofe Liebeserklärung an ihr BMX-Rad bot den ersten Ausflug in älteres Material. Zwischenrufe wie „I love you“ eines Fans zeugten jedoch davon, dass Sinnhaftigkeit nicht unbedingt gefordert wurde, die erste Reihe ging immer entfesselter mit und auch das restliche Publikum brachte der Darbietung ihr Wohlwollen entgegen. So ging Frau Naked bei „After a while“ auch gerne auf Tuchfühlung mit einem Fan, dem daraufhin wohl so heiß wurde, dass er den restlichen Abend nur mit nacktem Oberkörper überstand. Nach druckvollen Temponummern stand nun die Power-Hymne „Everyday“ auf dem Programm, ein „Seize the day“-Appell, dem sich viele textsicher anschlossen. Programmatisch auch für Biffy selbst, die als „straight edge“ bekannt ist und sich mit dem Wort „Hardcore“ ihr Lebensmotto auf den Bauch geschrieben hat. Mit der alten Binsenweisheit, dass es um eine Frau glücklich und stressfrei zu machen nur des Kaufs eines neuen Paar Schuhes bedarf, legte Bif mit „Tango shoes“, einer entsprechenden Tanzeinlage und einigen gehauchten spanischen Sätzen nach, ehe mit „Spaceman“ die Erfolgssingle ihres 1998er Debüts „I Bificus“ erschall. Im weiteren Verlauf ließ es sich Mrs. Naked auch heute nicht nehmen, METALLICAs “Nothing else matters” zu covern, natürlich eine Perle der Musikgeschichte, die hier jedoch für meinen Geschmack nicht zu ihrem eigentlichen Glanz erstrahlte. Für zwei weitere Songs drehten Bif und ihre Jungs noch mal auf, dann war nach gut 50 Minuten Schluss.

Doch was war das? Die Fans forderten lautstark mit den Worten „One more time“ eine Zugabe. Nun ist mein Englisch bad as hell, aber das hatte ich bislang noch nicht gehört… Das Anliegen wurde dennoch verstanden und nachdem Jason mit dem Wechselruf „Bif – Naked“ die Meute noch mal aufgeheizt hatte, setze Biffy diesem Konzertabend mit „Leader“ noch kurz vor 22 Uhr ein Ende. Tja, was nehme ich mit? Nicht immer hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht (bezogen auf den Headliner). Ein solider Powerrock-Abend, bei dem die restlichen Anwesenden ohne Zweifel auf ihre Kosten gekommen sind, der jedoch in meinem Kosmos ohne weiteren Nachhall verpuffen wird.

Setlist NEUROSONIC
Are Solar
Crazy Sheila
Fearless
So many People
I will always be your Fool
Until I die

Setlist BIF NAKED
Yeah you
The question song
I want
My bike
After a while
Everyday
Tango shoes
Spaceman
Funeral of a good girl
Nothing else matters (Metallica)
Let down
I love myself today

Leader

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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