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BILLY IDOL – EL*KE

Ort: Hannover - GildePark

Datum: 16.07.2008

Nachdem wir vor knapp drei Jahren bereits zweimal das Vergnügen hatten, unseren „alten“ Helden BILLY IDOL und STEVE STEVENS aus den 80ern zu huldigen und uns davon überzeugen konnten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören, hatten wir an diesem Juli-Abend in Hannover erneut die Möglichkeit, mit den beiden und ihrer Band eine Rock ’n’ Roll-Party feiern zu dürfen. Zum Glück hatte auch der Wettergott ein Einsehen und so klarte gegen Abend der wolkenverhangene Himmel auf, für ein Open Air Konzert im Gilde Park schon mal ein gutes Vorzeichen. Mit der Location im Hamburger Stadtpark kann die Gildeparkbühne nicht mithalten, aber sie ist auf jeden Fall schöner als so manch andere Open-Air-Location: Im hinteren Bereich gibt es eine Zuschauertribüne mit ca. 700 Sitzplätzen, die imposante, in stilvollem Weiß überdachte Bühne ragt im Vordergrund in den niedersächsischen Himmel. Insgesamt fanden sich schätzungsweise 3000 Menschen in teilweise „mittlerem“ Alter ein, die BILLY sicherlich schon seit Jahrzehnten die Treue halten, aber auch jüngeres Publikum war zahlreich vertreten. Dabei normale Leute „wie Du und ich“, vereinzelt schwarz Gewandete aus der Gothic-Szene, aber auch ein Anzugträger wurde gesichtet.

Anders als vor drei Jahren hatte BILLY IDOL diesmal einen Support Act im Gepäck: Die Berliner Formation EL*KE, die allerdings mit dem doch recht blassen Sound zu kämpfen hatte und ebenso mit dem Schicksal vieler Vorbands, die einfach nur für die Zuhörer Hintergrund-Musik für den Bierkonsum vor dem eigentlichen Hauptact darstellen. Dabei legte sich das Trio gut ins Zeug, man begann gleich mit dem Knaller „Adrenalin“. Es wurde einfach geradeaus gerockt, mit deutschen Texten und dem freudigen Bewusstsein, für eine Legende anheizen zu dürfen. Mir persönlich fehlte in der Setlist das Cover „Rock ’n’ Roll Highschool“ aus dem Soundtrack von „Die Welle“. Dafür waren Lieder des neuen Albums „Häuser stürzen ein“ vertreten, aber auch „Was machen wir bloß“ oder „Verboten Scheißegal“.

Die Bühne war schon lange umgebaut, alle starrten gebannt auf dieselbige und erste „Billy, Billy“-Rufe wurden laut – der Meister ließ uns aber diesmal länger warten als sonst. Da ertönte aus dem Hintergrund aber auch schon ein mit rauchiger Stimme gegröltes „Are you fuckin’ allright?“ und gegen 21 Uhr enterte das ehemalige Enfant Terrible der 80er zusammen mit Steve Stevens, Drummer Brian Tichy, Bassist Stephen McGrath und Derek Sherinian die Stage! Instrumental eine Garantie für optimale musikalische Umsetzung, aber auch Billy wurde seiner Rolle als Entertainer gerecht. Körperlich durchtrainiert und für seine über 5 Jahrzehnte, die er auf dem Buckel hat, mit einem erstaunlichen Body bestückt, musste er sich zwar zunächst „warm singen“, lief aber dann zu Höchstform auf. Mit „Cradle of Love“ stieg man gleich zur vollsten Zufriedenheit aller ins Geschehen ein und setzte dann mit den Klassikern „Dancing with myself“ sowie „Flesh for Fantasy“ gleich zwei I-Tüpfelchen oben drauf. Die älteren Stücke wurden diesmal genau wie vor drei Jahren in Hamburg frenetisch abgefeiert, aber auch bei den neuen Kompositionen zeigte sich das Publikum äußerst textsicher. Gerade bei den taufrischen Sachen „John Wayne“ und „New Future Weapon“, die sehr gut von der Crowd angenommen wurden, war das zu beobachten. Die beiden Songs stammen vom in diesem Jahr veröffentlichten Longplayer „Idolize yourself“, der außer den beiden neuen Liedern lediglich ein „Best of“ enthält. Unter dem Motto „Idolize yourself“ steht auch die derzeitige Tournee und ein paar Nasen waren doch mit dem Tour-Shirt auszumachen. Aber auch die Stücke des 2006-Albums „Devil’s Playground“ werden lauthals mitgesungen.

Billy versprühte den Rock ’n’ Roll mit jeder Pore und seine Musiker, allen voran Steve Stevens, machten es ihm nach. Auch dieser kann ein neues Soloalbum vorweisen: „Memory Crash“. Wie der Herr sein Instrument beherrscht ist beispiellos, ein intensives Solo nach „Sweet Sixteen“ offenbarte sein technisches Können. Er spielt die irrwitzigsten Melodien auf Akustik- und E-Gitarre, aber auch Schlagzeuger Brian Tichy gab eine fulminante „Rockstar-Show“: Immer wieder warf er während des Spielens seinen Drumstick meterweit in die Höhe, um ihn dann wieder aufzufangen und – ohne mit der Wimper zu zucken – nahtlos weiterzuspielen. Mr. Idol zog sich während Steves ausgedehntem Solo um und erschien danach zu „World coming down“ in einem rot-schwarz karierten Sakko wieder auf der Bühne – ganz der modische Edel-Punk, der darunter mal wieder sein nacktes Sixpack zur Schau stellte. Nach etwa anderthalb Stunden – und natürlich viel zu früh für uns Feierwütigen vor der Bühne – beendete „Rebell Yell“ den ersten Part des Konzerts.

Aber natürlich sollte noch nicht Schluss sein. Mit dem Klassiker „Hot in the City“ kehrten Billy und seine Mannen zurück. Und auch hier wurde dieser Titel kurzerhand in Reminiszenz an die Stadt, in der man sich gerade befand, in „Hot in Hannover“ umgetauft – das gehörte schon fast zum guten Ton. Darauf folgte das DEEP PURPLE-Cover „Highway Star“ und den krönenden Abschluss bildete mal wieder das fulminante „Mony Mony“, bei dem man wieder die schon bekannte Show bot: Tichy griff sich eine Gitarre, während ein Mann aus dem Hintergrund auf dem Drumhocker Platz nahm und lieferte sich mit Steve ein begeisterndes Gitarrenduell. Zu guter Letzt ergriffen auch noch Sherinian und Billy selbst Saiteninstrumente. Diese beeindruckende Choreographie kannte der geneigte Billy-Fan, für den dieses hier nicht das erste Konzert war, schon aus dem Jahr 2005 in Hamburg. Ein fast zweistündiges Feuerwerk der Rockmusik ging zu Ende – und auch wenn uns einiges bekannt vorkam und teilweise im Vergleich zu 2005 schon etwas zu professionell einstudiert wirkte, wir freuen uns schon auf eine neue Tour in ein, zwei Jahren und werden sicher wieder dabei sein!

Setlist BILLY IDOL
Cradle Of Love
Dancing With Myself
Flesh For Fantasy
White Wedding
John Wayne
New Future Weapon
To Be A Lover
Sweet Sixteen
Steve Stevens Solo
World Coming Down
Eyes Without A Face
Blue Highway
L.A. Woman (THE DOORS)
Ready Steady Go (GENERATION X)
Rebel Yell

Hot In The City
Highway Star (DEEP PURPLE)
Mony Mony

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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