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BILLY TALENT – REUBEN

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 09.10.2006

BILLY TALENT sind angesagt, BILLY TALENT sind fett im Geschäft. Und das war bereits Fakt, bevor sie mal eben den Ringlokschuppen in Bielefeld ausverkauften. Also waren gut 2.500 Zuschauer zu erwarten, die sich ebenso erwartungsgemäß vornehmlich aus der Altersgruppe von 15 bis 25 rekrutierten. Ich kam zu diesem Konzert eher wie die Jungfrau zum Kinde, aufgrund eines gesundheitlichen Ausfalls der etatmäßigen Schreiberin, doch warf ich mich neugierig und mutig ins Getümmel, welches gegen 8 Uhr in der Location herrschte. Bevor es mit „Canada’s Finest“ los ging, stand noch der Auftritt des Support Acts REUBEN (gesprochen „Ruuuben“) an, der pünktlich um 20 30 auf den Bühnenbrettern stand.

Das Trio aus Camberley, England, musiziert seit 1998, zunächst noch unter dem Namen ANGEL, und man konnte mit den bisher erschienenen 2 EPs/ 2 Longplayern bereits einige kleinere Charterfolge in der Heimat einfahren. Gleichwohl waren sie mir bis zum heutigen Tage vollkommen unbekannt. Ein Fehler, wie sich herausstellte, denn das Post Grunge Emo Rock Core Konglomerat ging sehr ordentlich in die Beine. Und in die Lauscher, denn der Sound war heuer insbesondere beim Opener brutalst laut, sogar der Boden vibrierte vorne an den Lautsprechern. Sänger Jamie Lenman macht zwar optisch mit seiner Krawatte und der etwas merkwürdigen Frisur zunächst nicht gerade den Eindruck eines wilden Rock Fronters, belehrte mich aber mit seiner Performance schnell eines besseren. Sowohl der eindringliche Clean Gesang wie auch die hin und wieder eingestreuten Schreie überzeugten. Noch dazu sprach der gute Mann erstaunlich gutes Deutsch und konnte so die feierwillige Menge schnell auf seine Seite ziehen. Dazu trommelte der später zur Combo gestoßene Guy Davis wie ein Berserker, was insgesamt einige treibende und sehr abwechslungsreiche Songs ergab. In Erinnerung blieb mir insbesondere das grungige „Keep it to yourself“. Mit sehr wohlwollendem Beifall wurden die Insulaner nach knapp 40 Minuten verabschiedet – gut gemacht!

Nun wurde es vorne noch enger und die ersten Sauerstoffopfer – vornehmlich weiblich – galt es zu beklagen. Neben der immer mehr anwachsenden Fotographenmeute war mit dem Bielefelder Kanal 21 nun auch das regionale Fernsehen vor Ort. Sie alle beobachteten, wie zunächst das Cover des derzeitigen BT Erfolgsalbums „II“ als Backdrop aufgezogen wurde. Nicht viel später ging es denn auch los und das Quartett wurde mit einem orkanartigen Jubel begrüßt. Gitarrist Ian D’Sa mit seiner eindrucksvollen Flat-Frisur links, Basser Jon Gallant rechts, dazu noch der Schlagwerker und natürlich Wirbelwind Benjamin Kowalewicz am Mikro. Mit einem hervorragenden (und nicht mehr so lauten) Sound ausgestattet verwandelten die Herren insbesondere die vorderen Reihen des Auditoriums in ein Tollhaus. Da wurde gepogt und gesprungen und mitgesungen, was das Zeug hält. Man mag von den etwas zappeligen, teils herausgeschrieenen Vocal Lines halten, was man will: Da ist ganz einfach Party angesagt! Und Ben hatte auch immer die richtigen Ansagen parat wie etwa: „Es geht nicht um eure Muskeln und nicht um eure Schwänze, nur um die Größe eurer Herzen“. Oder vor dem Titel „The Ex“ die Liebeserklärung an (fast) alle Damen dieser Welt, waren ja auch einige sehr hübsche Exemplare anwesend an diesem Abend. Die Setlist mit den allgemein bekannten Songs der beiden Alben enthielt Knaller wie „Devil in a midnight mass“, „Prisoners of Today“ oder „This how it goes“, als Zugabe kamen dann wohl gleich 3 Singles zum Zuge: „Nothing to lose“, „Try honesty“ und das allseits aus dem Radio bekannte „Red Flag“. „Wohl“, weil wir zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr vor Ort sein konnten. Das, was der ab Track 4 T-Shirtlose Ben zum deutschen Tourabschluss angekündigt hatte, wurde in Bielefeld Realität: „We saved the best for last!“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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