Ort: Köln – Carlswerk Victoria
Datum: 30.11.2025
Vor 20 Jahren hat der BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB sein drittes Album „Howl“ veröffentlicht. Grund genug für die beiden Bandgründer und Schulfreunde Robert Levon Been (Bass, Gesang, Gitarre & Tasten) und Peter Hayes (Gitarre, Gesang & Mundharmonika) mal wieder auf Tour zu gehen und das Plattenjubiläum gemeinsam mit den Fans zu feiern. Mit von der Partie ist natürlich auch die Drummerin Leah Shapiro, die zehn Jahre nach der Bandgründung hinzugestoßen ist und seit 2008 die Felle bearbeitet. Unterstützung erfährt das Trio zudem von den NIGHT BEATS, die in Köln dafür zuständig waren, dass das Auditorium zügig auf Betriebstemperatur kam.
Die drei Herren enterten pünktlich um 20 Uhr die Stage und servierten einen mächtig groovenden Psych-/Garage Rock mit viel Drive, halligem Gesang von Mastermind Danny „Lee Blackwell“ Rajan Billingsley und allerlei Gitarreneffekten. Im zur Seite standen ein Bassist und ein Schlagzeuger, die zwar kurz vorgestellt wurden, doch der Texaner sprach so undeutlich, dass seine Mitstreiter -zumindest für mich – namenlos blieben. Das schadete dem kraftvollen Sound jedoch nicht; auch die Tatsache, dass die Vocals eher den Begriff „Lautmalerei“ verdienten, spielte keine Rolle, denn die hochenergetischen Songs sprachen für sich. Für die beiden letzten Nummern kam zudem Robert Levon Been auf die Bühne. Er und Danny haben bereits vor zehn Jahren gemeinsame Sache gemacht und so wurde ein Blues vorgetragen, bei dem Mr. Been stehend in die Orgeltasten haute, bevor er beim finalen Stück, welches ein wilder Psych-Rocker war, zum Sechssaiter griff. Dem Publikum gefiel’s, und die ersten 45 Minuten konnten sich schon mal hören lassen, auch wenn es nur wenig Interaktion mit den Zuschauern gab und die Stage mehr oder weniger im Dunkeln lag.
Daran sollte sich auch eine gute halbe Stunde später nichts ändern, als Peter Hayes mit seiner akustischen Gitarre an den Mikroständer trat, um das BRMC-Set mit dem folkigen „Devil’s Waiting“ allein zu eröffnen. Angesichts der Tatsache, dass sich der 49-jährige die Kapuze seines schwarzen Hoodies tief ins Gesicht gezogen hatte und es praktisch kein Licht gab, blieb der einnehmende Vortrag optisch ein Schattenspiel, doch die Musik sorgte umgehend für die volle Aufmerksamkeit der ca. 1.500 Anwesenden. Beim nachfolgenden „Shuffle Your Feet“ hatten auch die beiden Kolleg:innen ihre Arbeitsplätze für die nächsten knapp zwei Stunden eingenommen und es folgte rhythmusbetonter Americana-Stuff, ehe Robert den emotionsgeladenen Titeltrack „Howl“ zunächst allein performte. Nach diesem eher getragenen Auftakt ging das mit Begeisterung aufgenommene „Ain’t No Easy Way“ direkt ins Bein. Zu „Still Suspicion Holds You Tight“ begrüßten BRMC einen zusätzlichen Gitarristen in ihrer Mitte und gemeinsam servierte man eine weitere Americana-Perle, bei der auch Peters Mundharmonika erneut zum Einsatz kam. Beim sich anschließenden „Promise“ griff Pete zur Posaune und Robert in die Tasten; gefolgt wurde dieses schöne Lied von „Weight of The World“, das sich alsbald mit repetitiven Tonfolgen und einer guten Portion Schmackes in den Hirnwindungen festbiss. Derweil performte Peter das ruhige „Complicated Situation“ allein, wohingegen „Mercy“ einzig von Robert verantwortet wurde. Das Stück wurde einst auf Tour geschrieben und bereitete einen geradezu andächtigen Moment im gut gefüllten Carlswerk Victoria. Für „Restless Sinner“ kehrten auch Peter und Leah in das rote Bühnenlicht zurück. Was zunächst ruhig startete, wurde von den Drums mit einem unheilvollen Grummeln begleitet, wohingegen „Sympathetic Noose“ mit einem sanften Groove gefiel und der „Gospel Song“ fast schon sphärischer Natur war. Allerdings ließ es der Dreier hier auch noch mal ein wenig krachen, bevor „The Line“ das Licht auf das Drumkit lenkte. Leah kümmertes sich um ein prägnantes Rhythmusspiel, während Roberts Vocals etwas psychedelisches hatten und das Ganze im Zusammenspiel mit den Gitarren geradezu hypnotisch wirkte. Das sollte es dann zunächst einmal mit den Songs des „Howl“-Longplayers gewesen sein. Stattdessen widmeten sich BRMC mit dem druckvollen „Red Eyes And Tears“ ihrem selbstbetitelten Erstling aus dem Jahr 2001. Beim knackigen „White Palms“ erhellten Lichtblitze die Bühne, wohingegen die Stage bei „Beat The Devil’s Tattoo“ vom gleichnamigen 2010er Studio-Output erneut in rotes Licht getaucht war. Für die Zuschauerschaft gab es an dieser Stelle kein Halten mehr und auch das temporeiche „Berlin“ vom 2007er „Baby 81“wurde kräftig beklatscht und ging zudem direkt auf die Hüften. Mit dem kraftvollen „Conscience Killer“ stand schließlich ein totaler Abriss auf dem Programm und zum wunderbaren „Spread Your Love“ wurde gar ein Crowdsurfer gesichtet. Für das Live-Feeling eines Liedes wie „Whatever Happened To My Rock ’n‘ Roll (Punk Song)“ wurde in meinen Augen der Begriff ‚Krawall & Remmidemmi“ erdacht – zumindest der vordere Hallenteil hatte sich an dieser Stelle in einen Hexenkessel verwandelt, weshalb es den mit der Band gealterten Fans vielleicht ganz guttat, dass beim coolen „Shadow’s Keeper“ noch einmal durchgeatmet werden konnte, bis dieses Stück schließlich in einem umfassenden Geschrammel endete. Dank „Open Invitation“ kehrte der BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB ein letztes Mal zur Jubiläumsplatte zurück und nach dem ruhigen Zwiegesang von Robert und Peter endete der Abend schließlich ein wenig abrupt, denn die Band verließ ziemlich sang- und klanglos die Stage und da direkt auch das große Saallicht eingeschaltet wurde, war klar, dass es keine Zugabe mehr geben würde. Tatsächlich war es aber auch bereits 23:15 Uhr und so machte sich die BRMC-Anhängerschaft mit dem Wissen auf den Nachhauseweg, ein großartiges Konzert erlebt zu haben.
Gut, ein bisschen mehr Licht wäre ganz nett gewesen, aber möglicherweise stehen die Herren nicht mehr so gern im Rampenlicht; Robert geht mit seinen 48 Lenzen ja wie Peter auch schon auf die 50 zu. Die Jungs haben sich in meinen Augen (und durch mein Kameraobjektiv) zwar gut gehalten, aber vielleicht sehen sie selbst das ja anders und halten sich deshalb während der Show lieber im Schatten auf. Mal ganz davon abgesehen, dass offensichtlich ist, dass da nicht nur einfach ein paar Songs runtergespielt werden, sondern mit voller Inbrunst die eigene Musik zelebriert wird. Dafür kniete Robert auch immer wieder auf dem Boden oder hielt seine Gitarre beim Spielen fast schon unterm Kinn. Gesprochen wurde dabei nur sehr wenig, Kumpel Pete hielt sich diesbezüglich komplett zurück, was aber auch völlig okay war, denn die Musik sprach für sich. Wenn ich mir jetzt noch was wünschen dürfte, wäre das neues Studiomaterial, schließlich ist die letzte Langrille „Wrong Creatures“ ja auch schon fast acht Jahre alt. Mit ‘ner neuen Platte könnte man dann ja auch wieder auf Tour gehen…
Setlist (ohne Gewähr)
- Devil’s Waitin‘
- Shuffle Your Feet
- Howl
- Ain’t No Easy Way
- Still Suspicion Holds You Tight
- Promise
- Weight of The World
- Complicated Situation
- Mercy
- Restless Sinner
- Sympathetic Noose
- Gospel Song
- The Line
- Red Eyes And Tears
- White Palms
- Beat The Devil’s Tattoo
- Berlin
- Conscience Killer
- Spread Your Love
- Whatever Happened To My Rock ’n‘ Roll (Punk Song)
- Shadow’s Keeper
- Open Invitation
Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff, außer dem Startfoto, hier liegt das Urhaberrecht bei Tessa Angus

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