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BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB – TRANSFER

Ort: Köln – Live Music Hall

Datum: 09.04.2013

Ziemlich genau einen Monat nachdem ich den BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB in Dublin sehen konnte, hatte ich erneut das Vergnügen, Peter Hayes (Gesang, Gitarre & Bass), Robert Levon Been (Gesang, Bass & Gitarre) sowie Drummerin Leah Shapiro live und in Farbe zu erleben. Diesmal war die Anreise nicht ganz so lang, ich musste nur bis Köln fahren, wo die Konzertstätte ebenso wie in der irischen Hauptstadt ausverkauft war. Die etwa 1.800 Fans hatten sich in der Live Music Hall zum letzten Deutschland-Gig der Kalifornier eingefunden, die hier auch ihre vierwöchige Europatour beendeten. Im Gepäck hatte der Dreier natürlich die sechste Studio-Langrille „Specter At The Feast“, die im März in die Plattenläden gekommen ist und auch der Support war bereits in Dublin mit von der Partie.

TRANSFER kommen wie der BRMC aus dem sonnenverwöhnten Kalifornien und werden in den vergangenen Wochen in der alten Welt vermutlich ein wenig gefroren haben, legten jedoch alles daran, das den Kölnern warm wurde. „Dark Behavior“ eröffnete den Abend pünktlich um 20.00 Uhr mit zunächst sphärischen Klängen, um dann ordentlich Gas zu geben. Das Kleeblatt um Fronter Matthew Molarius fand schnell den richtigen Ton, um die Aufmerksamkeit des Auditoriums zu gewinnen und so fanden auch das knackige „Instincts“ ebenso wie das druckvolle „Kills Me Every Time“ regen Zuspruch. Bevor es mit dem zunächst ruhigeren, dennoch mit ausreichend Wumms versehenden „If The Morning Comes“ losgehen konnte, tauchte plötzlich „Patches the clown“ auf der Stage auf. Wer genau der Typ mit der roten Nase und der schwarzen Lockenperücke war, blieb ein Geheimnis, vermutlich handelte es sich bei dieser Aktion um einen bandinternen Gag zum Tourabschluss, denn auch für TRANSFER ging es nach diesem Gig wieder zurück in die Heimat. Derweil machte „Still Bad Blood“ wieder Tempo und ging unversehens in Bein und Ohr, bevor für den abschließenden Stomper „White Horse“ die Bühne in rotes Licht getaucht wurde. Bei „White Horse“ vom kommenden Album wurden die Krachlatten noch einmal ausführlich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bearbeitet und mit leicht psychedelischen Anleihen und viel Schmackes verabschiedeten sich die Jungs aus San Diego nach einer halben Stunde unter dem freundlichen Applaus des Auditoriums.

Setlist TRANSFER
Dark Behavior
Instincts
Kills Me Every Time
If The Morning Comes
Still Bad Blood
White Horse

Noch waren nicht alle Lücken in der LMH geschlossen, der eine oder andere Besucher weilte mit Bier und Kippen lieber vor der Tür des alten Ehrenfelder Industriekomplexes, spätestens mit dem Intro, das um 21.00 Uhr die BRMC-Show einläutete, fanden aber auch die letzten Konzertgänger den Weg ins Innere der LMH. Peter Hayes waren die bundesdeutschen Rauchverbote offensichtlich völlig egal, er kam mit Glimmstengel zwischen den Lippen auf die Stage, um gemeinsam mit seinen Mitstreitern einen gelungenen Einstand abzuliefern. Dafür stimmte das Trio mit „Let The Day Begin“ eine Nummer von THE CALL an, was einen besonderen Grund hat, denn Roberts Vater Michael Been hat bei dieser Kapelle als Sänger und Bassist mitgewirkt. Er verstarb tragischerweise im Alter von nur 60 Jahren ausgerechnet beim Auftritt seines Sohnes auf dem Pukkelpop Festival am 19.08.2010 an einer Herzattacke. Oft wurde er als viertes Bandmitglied bezeichnet und war häufig als Sound Engineer und Tonberater mit auf Tour. Ihm zu Ehren beginnt nicht nur „Specter At The Feast“ mit dem genannten Cover, es eröffnet gleichzeitig die aktuelle Live-Show. Auch das fette „Rival“ stammt vom aktuellen Longplayer und lieferte eine weitere Breitseite ab, bevor mit „Red Eyes And Tears“ ein Grummelmonster aus den Anfangstagen der Band auf dem Programm stand. Der Track mit seinen wunderbaren Ecken und Kanten stammte vom selbstbetitelten Debüt aus 2001 und wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen, während Robert zum ersten Mal mit seinem Stahlsaiter auf dem Boden hockte; eine Position, die er an diesem Abend noch häufig einnehmen sollte, wenn er sein Instrument nicht wie eine Waffe vor sich her trug oder den Gesang übernahm. Dies war mit dem Kracher „Beat The Devil’s Tattoo“ (vom gleichnamigen Silberling aus 2010) erstmalig der Fall. Wie schon beim Vorgänger „Hate The Taste“ lag über dem Geschehen ein wenig Wüstenfeeling, während mit viel Drive gerockt wurde. „Whatever Happened To My Rock’N’Roll“ fragte die Mannschaft wenig später und bekam vom Publikum vermittels Bewegung und Akklamation die gewünschte Antwort: der R’n’R lebt und wurde genau hier amtlich abgefeiert! Zum groovenden Südstaaten-Stomper „Ain’t No Easy Way“ wurde vor der Stage eifrig gehüpft, während Peter in seine Mundharmonika blies und die Saiten seiner Akustikklampfe bearbeitete. Dank „Berlin“ vom 2007er „Baby 81“ ging es zackig weiter, ehe „666 Conducer“ ins Hirn kroch und mit dem hochemotionalen „Returning“ ein Platzwechsel verbunden war. Peter übernahm an der linken Seite den Tieftöner und Robert rechts den Sechssaiter, um dann mit „Mercy“ ganz allein das Sagen zu übernehmen. Leah und Peter verschwanden für eine kleine Zigarettenpause im Off und überließen dem Dritten im Bunde die Bühne, der seine deutschen Fans überschwänglich lobte und mit andächtiger Stille bei seinem zu Herzen gehenden Vortrag belohnt wurde. Auch Mr. Hayes hatte noch einen Solo-Auftritt, der umgehend mit dem bluesigen „Devil’s Waitin’“ in ebenfalls akustischer Manier folgte. Nach diesem ruhigen Intermezzo ließ sich auch „Fire Walker“ zunächst Zeit, um auf Touren zu kommen. Am Ende ging auch dieser Track wieder durch und durch und auch „Windows“ machte keine Gefangenen, sondern ließ es mit treibenden Beats krachen. Großartig schloss sich „Conscience Killer“, das mit einer Art Indianer-Geheul verbunden war und vom straighten „Teenage Disease“ abgelöst wurde. Beim bassbetonten „Stop“ wurde der einzige Crowdsurfer des Abends gesichtet, ansonsten beschränkte sich die Zuschauerschaft auf rhythmische Bewegung, die bei diesem Knaller ausgiebig betrieben werden konnte, ehe „Love Burns“ im Midtempo mitsamt des Kollegen Been am Schellenkranz ins Hirn kroch. Allmählich baute der Song immer mehr Dramatik und Vehemenz auf, die sich auch beim getragenen „Lullaby“ eindringlich entlud. Allerlei Gitarreneffekte standen bei „In Like The Rose“ auf dem Zettel, abermals ließ der flotte Dreier nichts anbrennen und so rappelte es bei „White Palms“ nicht minder gewaltig im Karton. Flirrende Sounds begleiteten derweil „Funny Games“, ehe „Six Barrel Shotgun“ ein wahres Gitarrenfeuerwerk abfackelte und die Live Music Hall in einen echten Hexenkessel verwandelte. „Spread Your Love“ führte wenig später zu einem ausgiebigen Massenhüpfen und während Peter noch einmal die Mundharmonika bemühte, suchte Mr. Been im Graben die Nähe seiner Fans. Der BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB bratzte noch einmal nach allen Regeln der Kunst, um so nach gut zwei Stunden das reguläre Set zu beenden.

Zwei Songs hatten die Rocker jedoch noch auf der Setlist und so kehrte das Trio nach fünf Minuten auf die Stage zurück und performte unter zuckenden Lichtern einen weiteren scheppernden Song, der den Kopf zum Nicken brachte und gleichzeitig unter die Haut ging. Gleiches galt für „Lose Yourself“, mit dem sich die Amis nach 150 Minuten schließlich emotionsgeladen verabschiedeten.

Was für ein fantastisches Konzert! Man merkte dem BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB in jeder Sekunde an, dass er richtig Spaß am Mucken hatten und nicht einfach nur pflichtbewusst ihren Job machten. Die enorme Spielfreude war einfach unüberhörbar und schlug sich zu guter Letzt auch in der Länge des Konzertes nieder. Alle, die im Vorfeld bemängelt hatten, BRMC wäre nicht mehr so mitreißend wie früher, wurden hier eines Besseren belehrt und auch die neuen Songs, denen so mancher Kritiker eine gewisse Beliebigkeit vorgeworfen hat, waren samt und sonders gelungene Bausteine eines überaus gelungenen Abends. Die abwechslungsreiche Lightshow tat ein Übriges, den Sound in das richtige Licht zu rücken, an diesem Gig gibt es wirklich nichts zu bemängeln. Schade nur, dass es kurzfristig in unseren Gefilden nicht mehr davon gibt. Die kommenden Shows finden alle in den USA und Kanada statt – das ist sogar mir zu weit, aber vielleicht sollte ich noch mal über die annoncierten Festival-Termine im Juli in Spanien und Portugal nachdenken…

Setlist BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB
Let The Day Begin (THE-CALL-Cover)
Rival
Red Eyes And Tears
Hate The Taste
Beat The Devil’s Tattoo
Whatever Happened To My Rock’N’Roll (Punk Song)
Ain’t No Easy Way
Berlin
666 Conducer
Returning
Mercy (Solo Robert)
Devil’s Waitin‘ (Solo Peter)
Fire Walker
Windows
Conscience Killer
Teenage Disease
Stop
Love Burns
Lullaby
In Like The Rose
White Palms
Funny Games
Six Barrel Shotgun
Spread Your Love

Sell It
Lose Yourself

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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