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BLACK REBEL MOTORCYLCE CLUB – TRANSFER

Ort: Dublin – The Academy

Datum: 11.03.2013

Was tun, wenn man bis Ende März noch etliche Überstunden abbummeln muss? Ganz einfach: man bemüht das Internet, bucht einen Flug nach Dublin, ordert Mietwagen und Hotel und sichert sich ein Ticket für den BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB. Die Herren Robert Levon Been (Bass, Gesang, Gitarre) und Peter Hayes (Gitarre, Gesang, Harmonica) nebst Drummerin Leah Shapiro bringen am 22.03.2013 ihre sechste Platte „Specter At The Feast“ raus und tourten seit dem Vortag durch Europa, wo sie nach ihrem ersten Gig in Belfast auch in Dublin Station machten. Für mich Grund genug, den Gig zum Anlass für einen Trip auf die Grüne Insel zu machen.

Vermutlich hatten die wenigsten Besucher des Konzertes eine ähnlich lange Anreise, doch zumindest waren jede Menge Leute gekommen, um den BRMC zu sehen, auch wenn dies beim Support TRANSFER noch ein bisschen anders aussah. Ähnlich wie in Deutschland haben Vorbands wohl auch in Irland einen nicht ganz leichten Stand, denn die Reihen in der großen Halle der Academy waren noch recht übersichtlich, als das Kleeblatt um 19.45 Uhr die Stage enterte. Der Vierer ist wie die drei Hauptprotagonisten in Kalifornien zuhause und legte mit „Dark Behavior“ einen druckvollen Start hin. Wenig später brachte „Instincts“ die Langäxte zum Jaulen und auch „Kills“ trieb straight nach vorn. „Breeding“ rückte abermals die Sechssaiter in den Mittelpunkt, bevor es „If The Morning Comes“ etwas ruhiger angehen ließ, ohne es dabei am nötigen Wumms fehlen zu lassen, wofür insbesondere die eruptiven Passagen der Nummer sorgten. Dank „White Horse“ ging es mit den smarten TRANSFER-Jungs noch einmal aufs Ganze. Gelegentlich hatte der Sound der Truppe aus San Diego bei dieser Gelegenheit etwas Psychedelisches; die Kombination aus krachenden Parts und leisen Breaks konnte sich hören lassen und so darf sich auch das deutsche Publikum auf die Mucke der Amis freuen, denn wie mir der hoch gewachsene Fronter nach der Show verriet, werden TRANSFER auch bei den Deutschland-Terminen für den BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB eröffnen.

Setlist TRANSFER
Dark Behavior
Instincts
Kills
Breeding
If The Morning Comes
White Horse

Nach dieser ersten halbstündigen Aufwärmübung folgte eine ebenso lange Umbaupause, in der sich die Venue langsam füllte. 850 Gäste hatten an diesem Abend dafür gesorgt, dass der zentral gelegene Club ausverkauft war. Entsprechend verteilten sich die Fans gleichmäßig vor der Bühne, auf den Seitenflügeln und auf dem rundum laufenden Balkon der Konzertstätte, die am Wochenende auch als Zappelbude genutzt wird. In jedem Fall haben die Dubliner mit der Academy eine nette Location, die allerhand Live-Acts in die Middle Abbey Road lockt und mit einen kraftvollen Soundanlage sowie mehreren einladenden Floors überzeugen konnte. Den wesentlichen Erfolg des Abends hatte allerdings das Trio, das um 20.45 Uhr ins Rampenlicht trat und ihr „Let The Day Begin“ proklamierte. Dieser Song stammte wie das folgende „Rival“ vom kommenden Album, das in der Academy schon mal reichlich Vorschlusslorbeeren erntete, bevor es mit „Hate The Taste“ bassbetonten Stuff vom selben Silberling auf die Ohren gab. „BTDT“ mit Mr. Hayes am Mikro zauberte ein wenig Wüstenfeeling an die Liffy, wobei Irlands Hauptstadt heuer allerdings alles andere als heiß und trocken war. Es schneite bei Temperaturen um den Gefrierpunkt den Tag über immer wieder, doch spielte das indoor natürlich überhaupt keine Rolle. Hier haute der BRMC mit „Punk“ einen weiteren Kracher aus, der ebenso wie „Ain’t No“ amtlich abgefeiert wurde. Peter hatte sich bei dieser Gelegenheit mit einer Mundharmonika bewaffnet, während Robert zu Tamburin und elektrischem Sechssaiter griff, um es mit „Berlin“ gemeinsam krachen zu lassen. Im Hintergrund sorgte Miss Shapiro, die seit 2008 für den seinerzeit aus der Band geworfenen Nick Jago die Felle bearbeitet, stets für das korrekte Rhythmusfundament. Inzwischen war es dem Bassmann offensichtlich zu warm geworden, denn passend zu „Love Burns“ trennte er sich von seiner Lederjacke, um dann erneut in die Stahlsaiten zu greifen. „Returning“ war mit einem Stellungswechsel verbunden, da die Herren bei diesem Track die Arbeitsplätze tauschten. Gleich im Anschluss nahmen sie ihre alten Plätze wieder ein und es war wieder an Robert, für das Bassgrummeln von „Screaming Gun“ zu sorgen, was er zunächst am Boden kniend erledigte. Der Südstaaten-Groove kroch schleichend ins Hirn, bevor „Conscience Killer“ eine Art Indianergeheul inne hatte und abermals aufs Gas trat. Nicht zum ersten Mal gab es nach dem Vortrag tosenden Beifall und inzwischen wurde vor der Bühne auch vermehrt getanzt, wozu auch der kompromisslose Rock’N’Roll von „Teenage Disease“ einlud. Beim folgenden „Acoustic Song“, den Robert allein performte, stand hingegen eher das Zuhören auf dem Programm und auch „Lullaby“, das wieder in Dreier-Formation gespielt wurde, blieb eher getragen. Dafür ging es mit dem großartigen „White Palms“ einmal mehr mit jeder Menge Tempo nach vorn und auch „Funny Games“ haute gewaltig rein, nachdem es schließlich in Fahrt gekommen war. „Weight of The World“ und „In Like The Rose“ schlossen sich mit viel Gefühl an, während das knackige „Six Barrel“ nach einem rhythmusbetonten Start mit einem echten Haudrauf-Finale gefiel. Für einen grandiosen Abschluss des regulären Sets sorgte nach kurzweiligen 105 Minuten „Spread Your Love“, ehe es in die Verlängerung ging.

Die begann mit „Sell It“ und einer Bühne, die überwiegend im Dunkeln lag, wo Kollege Been sein Instrument abermals auf dem Boden hockend bearbeitet, um langsam und unter Lichtblitzen ein wahres Grummelmonster zu erschaffen. Blieb noch „Lose Yourself“, mit dem der BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB ein letztes Emotionen-Feuerwerk abfackelte, mit dem die Show dann auch nach zwei Stunden endete.

Nicht nur wegen des Konzertes hat sich mein Irland-Ausflug gelohnt, aber zweifellos war der Gig eines der Highlights meines verlängerten Wochenendes. Das irische Live-Verhalten unterscheidet sich offensichtlich nur wenig von dem des deutschen Publikums; aufgrund des ausverkauften Hauses war es auch gar nicht möglich, auf Distanz zu gehen, wie es mancherorts in good old Germany üblich ist. Erstaunlich war, dass ich auf meinem Trip gleich mehrere Iren mit deutscher Verwandtschaft getroffen habe. Was u.U. daran lag, dass Irland nach dem letzten Krieg im Rahmen der „Operation Shamrock“ einige tausend Kinder aus dem zerstörten Deutschland aufgenommen hat und diese teilweise über Jahre (und einige auch für immer) auf der Insel blieben. Außerdem gab es nicht nur amerikanische Care-Pakete, auch von der Grünen Insel wurden Butter und Speck in das hungernde Nachkriegsdeutschland geschickt. Eine humanitäre Hilfe, deren Wert heute mit 70 Millionen EUR beziffert wird und für welche die damalige Bundesregierung Mitte der Fünfziger einen Brunnen gestiftet hat, der in Dublins St. Stephen’s Green steht. Da sieht man’s wieder: Reisen bildet und wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. In der Tat sind sowohl Irland als auch der seit 1998 agierende BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB eine Reise wert und bestimmt werde ich bei Gelegenheit beide erneut besuchen.

Setlist BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB
Let The Day Begin
Rival
Hate The Taste
Beat The Devil’s Tattoo
Whatever Happened To My Rock’N’Roll (Punk Song)
Ain’t No Easy Way
Berlin
Love Burns
Returning
Screaming Gun
Conscience Killer
Teenage Disease
Visions of Johanna (Acoustic Song Solo Robert – BOB-DYLAN-Cover)
Lullaby
White Palms
Funny Games
Weight of The World
In Like The Rose
Six Barrel Shotgun
Spread Your Love

Sell It
Lose Yourself

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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