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BLACKFIELD 2008 – TAG 1

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 04.07.2008

Mit Spannung lange erwartet fiel am vergangenen Freitag endlich der Startschuss und ein neues Festival öffnete seine Tore für die Musikhungrige schwarze Gemeinde. Das Blackfield, welches eine Art Nachfolge des verblichenen Zillo Festivals antritt. Als Location hatte man sich hierfür einen der schönsten Veranstaltungsorte, den das Ruhrgebiet zu bieten hat, ausgesucht: Das Amphitheater im Nordsternpark in Gelsenkirchen, der Ort, der dem inzwischen an den Rhein umgezogenen Amphi Festival ehemals seinen Namen verlieh. Zunächst für lediglich zwei Tage geplant, legte man von Veranstalter Seite jedoch schon im März den Freitag nach bzw. vor, um das Festival Wochenende angemessen einzuläuten. Fünf Bands wurden für diesen Opening Day verpflichtet (in running order): PINK TURNS BLUE, STROMKERN, ICON OF COIL, DREADFUL SHADOWS und die illustren Barden von BLUTENGEL.

Wir, die wir uns eigens anlässlich des Konzertmarathons den Freitag frei genommen hatten, reisten relativ entspannt am frühen Nachmittag aus dem rheinländischen Krefeld in Richtung Gelsenkirchen an, begaben uns gut gelaunt bei bestem Sommerwetter auf das Gelände und mischten uns unter das schwarze Volk. Wie erwartet füllte sich das Gelände am Freitag nur zögerlich, da wahrscheinlich ein Grossteil der arbeitenden Bevölkerung doch nicht so frühzeitig von ihren Arbeitsplätzen weggekommen war, bzw. die Fahrt in den „Pott“ mal wieder durch diverse Staulichkeiten auf den BABs verzögert wurde… Vor dem ersten Gig, der für 17.30 Uhr angekündigt war, blieb uns noch genug Zeit, zunächst das Gelände ausgiebig zu erkunden und vor allem auch ans leibliche Wohl zu denken, welches wir mit Crêpes, Currywurst und div. kühlen Getränken auch taten. Gut gerüstet nahmen wir dann im schönen Rund des Amphitheaters Platz und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Kurze Zeit später erklangen die ersten Töne aus den Gitarren von PINK TURNS BLUE von der Theaterbühne zu uns herüber. Die Band, die sich seit ihrer Gründung in Köln AD 1985 bereits aufgelöst und wiedervereinigt hat und reger Fluktuation der Aktionisten zum Trotze doch final ihrem ursprünglichen, düster melancholischen Sound treu geblieben ist. Sie verbreiteten rasch eine gelöste Stimmung unter den Anwesenden und untermalten mit ihren düster schönen Klängen die Ankunft der Festivalbesucher. In der guten halben Stunde ihres Auftritts wurden wir uns schnell einig: So kann ein Event beginnen. Toller Opener. So sahen das wohl auch überwiegend die anderen Zuschauer und ließen entsprechend respektablen Applaus erklingen, bevor sich die erste Band des Tages verabschiedete.

Eine kleine Umbauphase und etwa 15 Min. später erwartete uns bereits STROMKERN. Eine mir bis dato völlig unbekannte und trotz ihrer deutsch anmutenden Namensgebung aus den USA stammende Band, die seit 1994 aktiv ist. Musikalisch kommen STROMKERN nach eigenem Vernehmen mit elektronischen Klängen daher, die Elemente von Hip-Hop, Klassik und Post-Industrial Rock enthalten. Ich empfand den Auftritt der vier, in schlichte schwarze Business Suits gehüllten Herren als mitreißend und inspirativ, durchaus tanzbar und sehr wohlklingend. Als zweiter Akt des Blackfields spielten sie vor einem mittlerweile etwas volleren Amphitheater auf und ließen Songs mit Namen wie „Night Riders“, „Delete“, „Heretic“ oder „Armageddon“ erklingen. Kurzweilige 40 Minuten lang durften wir dieser Kapelle lauschen, dann wurde zum letzten Tusch geblasen und die Jungs verabschiedeten sich leider schon wieder. Nun kenne also auch ich STROMKERN und werde fortan immer mal wieder ein wohlwollendes Ohr in ihre Richtung ausstrecken.

Wieder gab es eine kurze Verschnaufpause, die allgemein zu einem ersten netten Plausch mit anderen Anwesenden genutzt wurde, bevor es kurzum mit ICON OF COIL weiterging. Darauf hatte ich vornehmlich an diesem Tag gewartet, denn der synthetische Future Pop Sound der Norweger hat es mir nun mal angetan. ICON OF COIL, das sind bekanntermaßen Andy LaPlegua, Sebastian Komor und Christian Lund, die mit diesem Projekt bereits seit 1997 erfolgreich unterwegs sind. Allerdings haben seit einigen Jahren nur noch sehr selten als Formation auf der Bühne gestanden und das letzte Album „Machines Are Us“ erschien bereits im Jahre 2004. Das liegt sicher zum einem großen Teil an den verschiedenen anderen Projekten der einzelnen Mitglieder, wie z.B. COMBICHRIST, mit denen sie intensiv beschäftigt sind. Umso spannender also, diese Formation nun einmal live zu erleben. Wir hörten unter anderem „Thrillcapsule“, „Regret“, „In Shelter“ und „Existence in Progress“, und sehr schnell haben die drei Elektroniker die Menge mit ihren tanzbaren Songs in Wallung gebracht. Da es an diesem Tag auch noch bei weitem nicht so warm war, wie an den zwei darauf folgenden, konnte kräftig geschüttelt werden, was man hatte, ohne dabei zu große Sturzbäche an Schweiß abzusondern. On Top zu dieser guten Musik gab es die nette Einlage eines allseits bekannten Herrn. So wurde laut gejubelt, als Ronan Harris (VNV NATION/ MODCOM) sich als Servicekraft bewies und Andy LaPlegua zu Beginn des dritten Songs ein schönes kühles Bier auf die Stage brachte. Doch auch ICON OF COIL blieben nur die zugedachten 45 Min., bevor sie musikalisch wieder vom Ort des Geschehens abtreten mussten und wir können uns nur wünschen, sie bald wieder einmal in heimatlichen Gefilden begrüßen zu dürfen.

Als vierter und vorletzter Act des Abends standen danach die DREADFUL SHADOWS auf dem Programm und ein halbes Stündchen später, um 20.30 Uhr auch auf der schönen Bühne des Amphitheaters, welches ob seiner wunderschönen Lage im Landschaftspark Nordstern, einem ehemaligen Zechengelände direkt am Rhein-Herne Kanal, auch immer wieder mal kurz zum Träumen einlud. Die DREADFUL SHADOWS, als Band bereits im Jahr 2000 aufgelöst, spielen zur Zeit hin und wieder in ursprünglicher Besetzung auf ausgewählten Konzerten, wollen aber selber nicht als wiedervereinigt gelten, sondern sehen ihre Arbeit lediglich als reine Live-Gigs. Die launige und kurzweilige Darbietung der Darkrocker um Sven Friedrich bescherte dem Freitagspublikum eine bunte Auswahl ihrer Klassiker. „Burning the Shrouds“, „Craving“, „Vagrants in Space“, „The drowning Sun“, „True Faith“ oder „The Cycle“. Nun begann es allmählich zu dämmern im Landschaftspark und mit dem Ende der Darbietung der DREADFUL SHADOWS neigte sich auch das Tageslicht langsam dem Ende zu. Es gingen vereinzelt hier und da Lichter an und die Stimmung war genau so, wie man es sich wünscht: heimelig, erwartungsvoll, vielversprechend und sehr sehr ausgelassen, wenn auch das Publikumsinteresse noch hätte etwas größer sein dürfen. Das änderte sich aber an den Folgetagen noch.

So war es überhaupt keine Mühe, auch noch die letzte Umbauphase des Abends mit netten Gesprächen zu überbrücken, bis sich dann endlich der Headliner des Blackfield Freitags anschickte, für die Menge aufzuspielen – BLUTENGEL. Scheinbar waren etliche der Zuschauer eigens zum Auftritt dieser Band am späten Abend noch angereist, denn das Rund vor der Bühne war nun um einiges belebter als bei den ersten Acts. BLUTENGEL, begründet 1998 von Sänger Chris Pohl, haben inzwischen sechs Alben abgeliefert, welche die schwarze Szene in glühende Verehrung und erbitterte Verachtung geteilt haben. Mit viel Show, Pyrotechnik und Nebel begann die Darbietung, die mich trotz allen Spektakulums nicht überzeugt hat. Man lag gesanglich weit unter dem Durchschnitt des Könnens der bislang performten Acts und das tat Musik bewanderten Ohren schlicht und ergreifend weh. Nichts desto Trotz wurden BLUTENGEL vom Publikum begeistert gefeiert, denn es ist so wie im wahren Leben: die Geschmäcker sind zum Glück völlig verschieden und der Platz unter einem Hut ist immer begrenzt. Pünktlichst um 23.00 Uhr verstummten die Instrumente der Musiker, denn wie schon zuvor von Chris Pohl angedeutet, gab es strenge Vorschriften, nach denen diese Deadline an den Abenden auf keinen Fall überschritten werden durfte.

Setlist BLUTENGEL
My Savior
Beauty and Delight
Bloody Pleasures
Try to forget you?
Love Killer
?
Lucifer
?
Go to Hell
Engelsblut
Vampire Romance

Geschafft, der erste Abend des ersten Blackfield Festivals war vorbei, das Wetter hingegen der Ansagen stabil geblieben und die Stimmung bereits auf einem ersten Hochpunkt angekommen. Zufrieden und in freudiger Erwartung des Samstags begaben wir uns zum Parkplatz, vorbei am großen Festzelt, in dem jetzt die erste Aftershow Party stieg und fuhren gen Heimat.

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