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BLACKFIELD 2008 – TAG 2

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 05.07.2008

Samstag Vormittag: Allerbestes Wetter, die Autobahnen frei, ab nach Gelsenkirchen ins Amphitheater. Nach dem Aufgalopp am Freitag machten sich nun 2 weitere Terrorverleger auf ins Ruhrgebiet, um der Premiere des Blackfield Festivals beizuwohnen. Ein wenig skurril ist es ja schon: Da wird das Quasi-Zillo-Nachfolgerfestival an dem Ort abgehalten, welcher der „Konkurrenzveranstaltung“ vom Orkus immer noch den Namen gibt. Und diese findet seit der Erstauflage bekanntermaßen dort ja gar nicht mehr statt… Aber hier soll es natürlich um Musik gehen, um Menschen und Stimmungen. Pünktlich gegen 11 30 erreichten wir den Hauptparkplatz der wunderschön gelegenen Location und dank reibungsloser Orga (und zu diesem Zeitpunkt noch nicht gerade überfüllter Wege) war es auch überhaupt kein Problem, dem Opener zu huldigen, der für mich persönlich bereits einer der Highlights des Tages werden sollte.

COLONY 5

Überraschenderweise schienen das viele weitere Besucher ähnlich zu sehen und so konnten COLONY 5 bereits vor einer sehr ansehnlichen und feierwilligen Menge ihren Elektrosound zelebrieren. Das schwedische Duo (P-O Svensson & Magnus Kalnins) praktiziert bereits seit 1999 und wusste mich schon im Vorprogramm von DE/VISION zu begeistern. Mit dem neuen, außerordentlich gut gelungenen Werk „Buried Again“ legte man an Härtegraden etwas zu und ist nun eher im Bereich Future denn Synthie Pop zuhause. Dem trug man auch bei strahlendem Sonnenschein Rechnung und gestaltete die Setlist bis auf einen Song („Plastic World“) ausschließlich mit neuen Titeln, die dem Publikum aber durchaus schon geläufig schienen. „End of Desperation“, die Single „Knives“ oder das abschließende „Ghosts“ waren aber auch perfekte Brecher, um die mittägliche Lethargie schnellstmöglich zu überwinden. Mit den geradezu euphorischen Reaktionen hatten die Skandinavier offensichtlich gar nicht gerechnet und verließen daher überglücklich nach einer halben Stunde viel zu früh wieder die Bühne vor dem Rhein-Herne-Kanal. Einige andere nachfolgende Acts konnten diesen Energie Level nicht halten, so viel sei schon mal vorweg genommen.

Setlist COLONY 5
Get off my Back
Plastic World
Pills
Knives
End of Desperation
Absolut Religion
Ghosts

IRIS

Weiter gehen sollte es mit IRIS. Die Betonung liegt hierbei auf „sollte“, denn ein technisches Problem mit dem Computer zwang die Herren aus Amerika, sich mit ihrem Auftritt noch etwas zu gedulden. Vielleicht hätte Reagan Jones nicht erwähnen sollen, dass er „day shows“ mag. Trotzdem ließ man sich nicht aus der Ruhe bringen und performte spontan einfach a capella. Bei „It generates“ setzte man dann noch die Gitarre mit ein und bei „Sentimental scar“ funktionierte auch der Rechner wieder und alles konnte seinen geplanten Lauf nehmen. Und der gefiel mir ausgesprochen gut, erinnerte Reagans Stimme doch sehr an Herrn Molko, Sänger der illustren Band PLACEBO. Auch musikalisch machte man einiges her. Elektropop mit melancholischem Einschlag, der beim Publikum durchaus gut ankam und auch ich werde IRIS mal im Auge behalten. Als Abschluss des aufgrund der Verzögerung recht kurzen Sets gab man noch „Sorrow Expert“ vom 2003 Album „Awakening“ zum Besten, bevor man sich aufgrund des straffen Zeitplans schon wieder verabschieden musste.

SOLAR FAKE

Elektro-Berieselung die Dritte: Mit SOLAR FAKE stand ein noch recht junges Projekt in den Startlöchern, welches freilich von einem alten Hasen geleitet wird. Sven Friedrich, der am Vorabend ja bereits den DREADFUL SHADOWS Stimme und Gesicht geliehen hatte, hat mit SF endlich sein Faible für reine Elektro Sounds ausleben können und war kurz vor 14 Uhr aufgerufen, seine Anhänger mit der bekannt samtenen Stimme zu unterhalten. Wobei er hier das eine oder andere Mal durchaus auch heftiger herum“brüllt“. Mit an Bord ein noch sehr jung aussehender Keyboarder namens Frank, doch das Zuschauerinteresse konzentrierte sich natürlich überwiegend auf den sympathischen Berliner, der sich mit seinen typischen Gesten ans Mikro klammerte. So überraschungsarm das natürlich irgendwo ist, so vertraut und elegant wirkt es andererseits. Wobei ich zugeben muss, dass ich das Gros der SOLAR FAKE Debüt Tracklist zwar solide aber nicht unbedingt außergewöhnlich finde, live machten sich die Stücke aber ganz ordentlich, die in fast derselben Reihenfolge wie auf CD dargeboten wurden. Etwa die aktuelle Club-Single „The Shield“ oder das gelungene RADIOHEAD Cover „Creep“. Vor „Lies“ erwähnte Herr F., dass ein Gerät kurz vor dem Auftritt abgeschmiert sei, man würde das Lied aber dennoch in etwas abgewandelter Form performen. Also alles kein Problem, die 40 Minuten verliefen weitestgehend unterhaltsam und man wird sehen, ob sich Sven mit diesem synthetischen Standbein weiter etablieren wird können.

Setlist SOLAR FAKE
Hiding Memories from the Sun
Stigmata Rain
Sometimes
The Shield
Creep (RADIOHEAD-Cover)
Here I stand
Hero & Conqueror
Lies
Your Hell is here

An dieser Stelle sollte mein persönliches Highlight des Festivals folgen. Gehören DIORAMA doch schon seit geraumer Zeit zu meinen Lieblingsbands und ich hatte bisher nur auf dem letztjährigen Mera Luna die Chance, die vier Herren mal live zu erleben. Umso mehr freute ich mich natürlich auf diesen Auftritt und mit mir anscheinend auch ein Großteil der restlichen Zuschauer, war es vor der Bühne doch inzwischen recht voll geworden. Gestartet wurde mit dem wohl bekanntesten Stück „Advance“ vom 2001er Album „Her Liquid Arms“, welches sofort für Stimmung in der Menge sorgte. Gitarrist Sash hatte sich angesichts der sommerlichen Temperaturen und des Sonnenscheins in einen Schottenrock geworfen, bliebe nur zu spekulieren, was er da (nicht) drunter trug. Mit „Erase me“ spielte man einen Song, welcher nur auf der Single von „Synthesize me“ enthalten ist, aber mit zu meinen Lieblingsstücken zählt und somit hatten mich DIORAMA nun endgültig auf ihrer Seite. Am Schluss musste Torben dann noch anmerken, dass er noch lebe, war er doch beim Ausleben seines Bewegungsdrangs zwischen die Boxentürme gefallen. Und auch sonst ging es auf der Bühne gut zur Sache. Sash sprang und poste, was das Zeig hielt und Herr Wendt rannte von einer Seite zur anderen. Es folgte „Kein Mord“ vom aktuellen Album „A Different Life“ und es wurde klar, dass man sich heute mehr auf die treibenderen Stücke konzentrieren wollte. Hatte man doch die leiseren Sachen etwas außen vor gelassen. Das tat der Stimmung aber überhaupt keinen Abbruch und es wurde mitgesungen, geklatscht und getanzt. Torben
lieferte wie üblich eine absolut gute Gesangsleistung ab und gab den Songs ihren ganz eigenen Charakter. Ich jedenfalls war hin und weg. Bei „The Girls“ konnte ich es mir dann auch nicht mehr verkneifen, leise mitzusingen und auch mein Beine wippten schon seit einiger Zeit im Takt. Zum Abschluss gab es dann noch „Synthesize me“ und „Why“ auf die Ohren und damit war der, für meinen Geschmack, viel zu kurze Auftritt auch schon wieder beendet. Ich hoffe einfach auf den Tag, an dem DIORAMA Headlinerstatus erreicht haben und mehr als eine Stunde spielen dürfen. Ich befürchte nur, dass auch das nicht ausreichen würde.

Setlist DIORAMA
Advance
Howland Road
Erase me
Kein Mord
the girls
Synthesize me
Why

Mit NORTHERN LITE hatte ich gerade erst im März diesen Jahres auf ihrer Tour zu ihrem aktuellen Album „Super Black“ das Vergnügen und nun war ich gespannt, wie sie denn bei dem gotischen Publikum ankommen sollten. Fielen sie doch im Line Up etwas aus der Reihe, da eher szeneuntypisch. Dies zeigte sich auch daran, dass vor der Bühne sich die Reihen ziemlich gelichtet hatten. Gestartet wurde mit der Ansage von Andreas Kubat (mit überdimensionaler Sonnenbrille), dass es noch so hell sei und man das gar nicht gewohnt sei, bevor man mit „In Control“ vom aktuellen Album loslegte. Und auch Valerian Herdam, eigentlich bei THE WORLD DOMINATION aktiv, war wieder mit von der Partie. Weiter ging es mit „Alien Girl“ und „Enough“, aber irgendwie wollte keine richtige Stimmung aufkommen und man merkte auch den Herren von NL an, dass sie nicht wirklich Bock hatten. Schade eigentlich, ist es doch eine wirklich interessante Band, die wohl einfach nur vor dem falschen Publikum spielte. Nach „Nowhere“ ging man über zu „Girl with a Gun“ was zumindest bei der weiblichen Zuhörerschaft gut ankam, konnten (oder wollten) sich vermutlich viele damit identifizieren. An dieser Stelle muss ich aber trotzdem noch mal anmerken, dass ich es nach wie vor witzig finde, wenn ein erwachsener Mann singt „I’m a girl, I’m a girl with a gun…“. Aber das nur am Rande. Mit „Reach the sun“ hatte man sich dann einen sehr passenden Titel ausgesucht, knallte die Sonne doch mit aller Macht vom Himmel und verwandelte meine gotisch helle Hautfarbe langsam aber sicher in ein leuchtendes Rot. Mit „Different“, auch auf „Super Black“ enthalten, und dem wohl eher ironischen „Gelsenkirchen – Ich hoffe, ihr hattet Spaß“ verabschiedete man sich dann und räumte die Bühne für eine völlig gegensätzliche Formation.

Setlist NORTHERN LITE
In Control
Alien Girl
Enough
Thousand Year old song
Nowhere
Girl with a gun
Reach the sun
Different

CATASTROPHE BALLET

Jetzt sollte es wieder düsterer zur Sache gehen, hatte sich doch CATASTROPHE BALLET, die Formation um Eric Burton, angekündigt. Interessant zu wissen, dass Herr Burton zugleich bei Hardbeat Propaganda tätig ist, welche das Festival promoten und zusammen mit Tilo Wolff (der ja am Sonntag auch noch mit LACRIMOSA auftreten sollte) die Fäden bei CINEMA BIZARRE zieht. Soviel dann zum Thema Klatsch und Tratsch. Außerdem ist er natürlich ein Urgestein der Szene, immerhin gründete man CATASTROPHE BALLET bereits im Jahre 1989. Ein Zeitpunkt, zu dem viele der Festivalbesucher vermutlich gerade erst geboren waren. Für den Auftritt hatte man sich richtig in Schale geworfen, trug man doch Hemd (in weinrot) und Krawatte. Schade, dass sich vor der Bühne dann trotzdem nur einige wenige Zuschauer eingefunden hatten und der Rest lieber auf den Rängen des Amphitheaters sitzen geblieben war. Ich erkläre mir das einfach so, dass die Fans der Band sicher schon etwas älter sind und einfach nicht mehr so viel stehen können (Vorsicht, an dieser Stelle versteckt sich Ironie). Trotzdem ließ sich Eric davon die Laune nicht verderben und stellte sich als intelligenter Unterhalter heraus, der einem verdammt schnell sympathisch wurde. Und eine Überraschung sollte es auch noch geben. Losgelegt wurde in bester Goth Rock Marnier mit „House of Hate“ und „M-other“. Bevor man „Eyelid“ anstimmte, wies man noch darauf hin, dass man vor 10 Jahren mal versucht habe, MINISTRY zu sein. Und nun zu der Überraschung: Bei „Licht“ konnte man Oswald Henke (GOETHES ERBEN, FETISCH:MENSCH) als Gast“sänger“ gewinnen, der dem Song mit seinem Sprechgesang eine ganz eigene Note gab. Und einen kleinen Seitenhieb hatte Herr Burton auch noch parat, sagte er doch in Hinsicht auf die spärliche Zuschauerzahl, dass es in einer Welt voller Bum- Bum-Musik schwer sei, sich auf so etwas wie Goth Rock zu konzentrieren. Weiter ging es mit „Nothing“ und „Garden of decay“, bevor man mit „21st Century Boy“ noch eine Coverversion der abgedrehten Punks von SIGUE SIGUE SPUTNIK auf Lager hatte. Als Abschluss gab man noch passender Weise „Goodbye“ zum Besten, bevor es mit feinster Bum-Bum-Mucke von MODCOM aka Ronan Harris weitergehen sollte.

Setlist CATASTROPHE BALLET
House of hate
M-other
Consequently inconsequential
Eyelid
Love is dead
Licht (feat. Oswald Henke)
I lost the key to your world
Nothing
Garden of decay
21st Century Boy
Goodbye

MODCOM

Kontrastprogramm deluxe stand nun an. Ronan Harris, hauptberuflich Mastermind von VNV Nation, gab sich mit seinem Ein-Mann-Projekt MODCOM die Ehre. Das sieht dann so aus, dass Ronan Sounds und Sequenzen direkt auf der Bühne und live generiert, modifiziert, manipuliert und mischt. Das heißt: Ein Mann, ein Rechner (natürlich ein Mac), viele komische Maschinen und als Ergebnis Elektro der härteren Gangart. Plötzlich war auch die Jugend wieder auf den Beinen und hatte sich vor der Bühne eingefunden, um dort das Tanzbein zu schwingen. Konnte man dazu auch gut machen, gab es doch auf der Stage eher weniger zu sehen. Ronan grinste hauptsächlich in die Menge und frickelte ansonsten an seinen Arbeitsgeräten herum. Zu erwähnen vielleicht sein Hemd (Schwarz und Cremefarben), das jedem Zuhälter oder zwielichtigem Glücksspieler in Las Vegas alle Ehre gemacht hätte. Bei den Stücken war dann irgendwie auch nicht so ganz zu erkennen, wann und ob sie endeten und mir huschte nur ein Ausdruck der Erkenntnis über das Gesicht, als ich bei einem Sample die Zeilen „I’m still talking and you’re not listening“ erklangen. Verwurstete Harris hier doch gerade seinen „eigenen“ Club Hit „Chrome“. Zwischendurch brachte ihm dann Mark Jackson, seines Zeichens zweites Mitglied bei VNV, etwas zu trinken auf die Bühne. Es war ja auch warm. Trotzdem gebe ich zu, dass ich dieses Projekt eher unspannend finde und lieber bei VNV NATION bleibe, aber dem größten Teil des Publikums schien es zu gefallen und das ist ja die Hauptsache.

SAMSAS TRAUM

Kontrastprogramm die Zweite, boten SAMSAS TRAUM doch schon vor ihrem Auftritt Anlass zu wilden Spekulationen. Würde „er“ alte Sachen spielen? Trägt er, wie auch schon auf der Tour, Corpsepaint? Was wird er dieses mal für lustige Ansagen haben? Um es mal vorweg zu nehmen: Keine alten Stücke, kein Corpsepaint, keine Ansagen – nur bretthartes Geknüppel. Kaschte goes Metal und zwar richtig. Das sollte also nun meine sechste Begegnung mit Alexander werden (ja, ich oute mich als ambivalenter Fan) und finde es immer wieder faszinierend, wie der Herr sich in den sechs Jahren doch verändert hat. Sowohl äußerlich als auch musikalisch. Nur die Arroganz ist geblieben, doch kam mir aus dritter Hand zu Ohr, dass das alles nur Show sei und er privat eigentlich ein ganz Lieber wäre. Ich hoffe, ich habe mit dieser Aussage jetzt kein Image zerstört. Den Auftakt machte „Das Zeitalter der Bäume“, welches, wie alle anderen nun folgenden Stücke, auf dem aktuellen Album „Heiliges Herz“ zu finden ist. Das alles natürlich inklusive wildem Geschüttel des inzwischen recht lang gewordenen Haupthaars. Nach einem „Danke Gelsenkirchen“, was auch nahezu die einzige Ansage des Abends bleiben sollte (Abgesehen von einer kurzen „Beschimpfung“ des sitzenden Publikumteils auf den Rängen), aber dafür mehrmals wiederholt wurde, ging es weiter mit „Auf den Spiralnebeln“ und „Durch springende Lippen“. Haupthaargeschüttel, „Danke Gelsenkirchen“, „Schlaf in den Flammen“, Haupthaargeschüttel, „Danke Gelsenkirchen“, „Liebeslied“… So könnte man das einfach bis zum Schluss fortsetzen, denn viel mehr passierte nicht. Einem Teil des Auditorium schien es dennoch zu gefallen, sah man doch hier und da bangende und tanzende Menschen. Nach „Heiliges Herz“ und „Das Schwert deiner Sonne“ war dann auch Schluss und man verließ ohne Zugabe und ohne auch nur ein einziges der alten Stücke gespielt zu haben, die Bühne. Ich denke, das dürfte einige doch schwer enttäuscht haben. Da ich fast damit gerechnet hatte, hielt sich diese Emotion bei mir in Grenzen und ich will mich auch gar nicht beschweren ob der Titelauswahl, aber hey, ein wenig mehr Show wäre sicher drin gewesen. Und lieber Alexander, lass dir gesagt sein, du wirst mich trotzdem so schnell nicht los.

Setlist SAMSAS TRAUM
Das Zeitalter der Bäume
Auf den Spiralnebeln
Durch springende Lippen
Schlaf in den Flammen
Liebeslied
Hirte der Meere
Im Auge des Sturms
Heiliges Herz
Das Schwert deiner Sonne

SUBWAY TO SALLY

In Sachen Show sollte den Zuschauern jetzt doch einiges mehr geboten werden, standen doch SUBWAY TO SALLY in den Startlöchern für ihren Auftritt als Co-Headliner. Bisher habe ich mich erfolgreich darum „gedrückt“, diese Band live zu erleben, da das einfach nicht meine Musik ist. Aber so ist das nun mal auf Festivals, für jeden Geschmack was dabei und nicht alles muss jeden Geschmack treffen. Ich ging dann aber erst mal ganz unvoreingenommen an die Sache ran und schaute, was mich so erwarten würde. Man begann mit „Die Trommel“ und ein paar kleinen Feuersäulen, die aus dem Bühnenrand schossen. Besser für die Fotographen, dass sie erst danach den Fotograben betreten durften, hätte das neben dem bei einigen eh schon vorhandenen Sonnenbrand sicher zu weiteren Verbrennungen geführt. Bei „Eisblumen“ wurde dann eine hübsche blonde Dame aus dem Publikum auf die Bühne geholt und dort von Eric Fish umgarnt. Ich habe mich dann belehren lassen, dass das bei diesem Lied Gang und Gäbe ist. Vor „Sabbat“ wurden dann auch mal wieder Klischees bedient, kündigte Eric doch an mit dem Publikum eine schwarze Messe feiern zu wollen. Uhhh… gruselig. Dennoch war die Stimmung schon fast auf dem Siedepunkt und mit einer kleinen Feuerspuckeinlage wurde das Ganze noch weiter angeheizt. „Die Ratten“ sollten die SUBWAY TO SALLY Fans dann als Verbeugung für die jahrelange Treue nehmen und mir fiel sofort der Rattenfänger von Hameln dazu ein. Nun folgte auch das erste mir bekannte Stück nämlich „Kleid aus Rosen“. Um dieses kleine Lied habe ich mir schon viele Gedanken gemacht und inzwischen bin ich mir sicher, es geht um Sex. Herr Fish hatte sich in der Zwischenzeit mit roten Rosen bewaffnet, um diese dann im Publikum zu verteilen, bevor es dann mit „Sag dem Teufel“ weiter ging. An dieser Stelle gab es dann auch wieder einige Pyroeffekte und mein mitgereister Fotograph schrie nur laut und total begeistert „FEUER!“, bevor er seine Kamera zückte und in eine andere Welt entschwand. Ich finde es ja schön, wie einfach manche Leute glücklich zu machen sind. Es folgten „Veitstanz“ und „Ohne Liebe“ und das Set näherte sich langsam aber sicher seinem Ende. Bei „Sieben“ kochte die Stimmung dann aber noch einmal über und überall wurde mitgesungen und getanzt. Ich glaube, zuschauertechnisch war dieser Auftritt der Höhepunkt des Festivals. Ein Lied fehlte dann aber doch noch und es wurden schon Rufe laut und so stimmte man dann zum Abschluss noch „Julia und die Räuber“ an, um sich danach unter tosendem Applaus zu verabschieden.

Setlist SUBWAY TO SALLY
Die Trommel
Eisblumen
Falscher Heiland
Sabbat
Feuerland
Die Ratten
Henkersbraut
Kleid aus Rosen
Sag dem Teufel
Veitstanz
Ohne Liebe
Sieben
Julia und die Räuber

NITZER EBB

Nach dieser Vollbedienung in Sachen Mitmach Metal sollte nun der Headliner ganz anderes musikalisches Terrain betreten. NITZER EBB sind zweifellos eine musikalische Legende und einer der Urväter des EBM, ich war dennoch überrascht, wie viele im Amphitheater ausharrten, reine Gitarrenfreaks wird man mit dem Sound nun ganz einfach nicht ansprechen. Auch der nun einsetzende ganz leicht perlende Regen versetzte nur die Allerempfindlichsten in Panik und so konnte das Dreigestirn Bon Harris/ Douglas McCarthy/ Jason Payne vor den riesigen und sehr stimmungsvollen Backdrops loslegen. Leider war nun kein Platz mehr für die äußerst attraktive Drummerin Kourtney Klein, die noch anno 2006 auf dem M’era Luna für die Percussion gesorgt hatte. Aber das störte die vielen anwesenden Ebbheads nicht im Geringsten, die jetzt auch ein wenig für Pogo vor der Bühne sorgten. Sie bekamen wie alle anderen eine packende „Retroshow“ geboten, die kein bisschen bieder oder vergilbt wirkte. Während beim eröffnenden „Getting Closer“ Douglas und Bon noch gemeinsam auf der Stage herumwirbelten, verzog sich Letztgenannter dann nach rechts hinter sein Schlagwerk, welches symmetrisch auf der Linken mit dem von Herrn Payne harmonierte. Knochentrocken, hart, aufs Wesentliche reduziert – so wollen die Fans die klassischen NITZER EBB Tracks und genau das bekamen sie auch geboten. Dazu ein topfitter Douglas McCarthy, der das ab Stück 8 dann auch oberkörperfrei unter Beweis stellte. Unaufhaltsam tigerte er von links nach rechts, legte auch mal lasziv die Hand in den Schritt, Style AND Substance. Mit Songs wie „Shame“, „For Fun“, „Blood Money”, „Lightning Man” oder natürlich “Let your Body learn” kann man ja auch nicht viel falsch machen. Bei „Godhead“ wurden dann auch mal Gitarren-Samples eingesetzt. Leider nahm der Regen nun doch um einiges zu und da eh nur noch eine Spielzeit von 15 Minuten zur Verfügung stand, traten wir in Anbetracht der zu erwartenden „Strapazen“ des Folgetages nun doch den Rückzug an.

Wie ausgezeichnet das Wetter war, konnten wir im nachhinein im Spiegel feststellen (trotz aller Vorsichtsmaßnahmen), wie überwiegend gelungen die musikalischen Auftritte, an unserer guten Laune. Zwar hörte man von dem einen oder anderen auch Kritik an jeweils einzelnen Formationen (SAMSAS TRAUM war nicht sehr überraschend häufig im Fokus), doch so ein Festival ist nun mal irgendwo ein Kompromiss und die allermeisten der etwa 3000 Besucher dürften zufrieden in ihr Bettchen entschwunden sein. Oder in ein fremdes. Oder ins Auto. Oder vielleicht auch ins Zelt zur Aftershow Party, wo sich die überwiegend sehr volksnah gebenden Künstler auch noch getummelt haben dürften.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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