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BLACKFIELD FESTIVAL 2010 – TAG 2

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 13.06.2010

Am 2. Juni-Wochenende fand zum dritten Mal das Blackfield Festival im Amphitheater zu Gelsenkirchen statt. Trotz des noch jungen Bestehens ist das Festival schon zu einem festen Anlaufpunkt sowohl für Bands als auch Anhänger der Gothic-Szene geworden. Wir waren am Sonntag vor Ort, um die Berichterstattung aufzunehmen.

Bei Betreten des Festivalgeländes gegen 12:45 Uhr waren die Ränge des Amphitheaters noch eher mäßig gefüllt. Nicht wenige schienen sich wohl noch vom Vortag zu erholen oder wollten sich erst später die bekannteren Acts ansehen. Er herrschte strahlender Sonnenschein bei über 20 Grad. Auf dem Festivalgelände gab es reichlich Merchandise-Stände mit Fan-Artikeln der Bands, so natürlich ein großer Stand von UNHEILIG und weitere mit szeneüblichen Waren. Auch Essens- und Getränkestände waren reichlich vorhanden, so hatte man beim Essen die Auswahl zwischen Gegrilltem, Backfisch, Pizza bis hin zu einer Asia-Pfanne, natürlich alles zu den festivalüblichen Preisen.

Die zweite Band des zweiten Festivaltages, TRAUMTÄNZER aus Witten, war nach der Absage von SAVA eingesprungen. Die Gruppe um Sänger Marco und Sängerin Eva gibt es seit Mai 2008, hat allerdings auch schon Besetzungswechsel hinter sich. Die Verbindung aus männlichem und weiblichem Gesangspart erinnert an eine Mischung aus UNHEILIG und BLUTENGEL. Sie selber beschreiben sich so: „Traumtänzer sind dabei ausdrucksstark und eingängig wie L’ÂME IMMORTELLE, haben den Tiefgang und den Wiedererkennungswert von ASP und den Druck und die Tanzbarkeit von OOMPH! und EISBRECHER.” Die deutschsprachigen Texte behandeln vor allem den Wunsch nach Freiheit. Titel sind u.a. „Frei zu sein“, „Die Wahrheit“ oder „Krieger“ vom Album „Schattenspiel“. Der Anfang vom letzteren ist sehr stark von „Eva“ von UNHEILIG abgekupfert. TRAUMTÄNZER, die auch schon als Vorband von LEICHENWETTER tourten, haben durchaus das Potential, in Zukunft eine bekanntere Rolle zu spielen. Zur Zeit arbeitet die Band am neuen Album „Das Gift der Engel“.

Als nächstes folgten TYSKE LUDDER (norwegisch für „deutsche Hure“). Die EBM-Band aus Hamburg fällt durch harte Bässe und einen sehr aggressiven Gesang von Sänger Albert-X (Claus Albers) auf. Da die Herren nicht so häufig live auftreten, war der Platz von der Bühne gut gefüllt und die Fans tanzten zu den Bässen. Die Musiker waren alle im Militär-Outfit gekleidet und wollten den Zuschauern ordentlich einheizen, was durch die Ansage von Sänger Albert-X auch deutlich wurde, dass TYSKE LUDDER nicht zum gemütlichen Picknick auf den Rängen tauge. Die Art der Aufforderung zur Unterstützung durch die Zuschauer war auch eher unorthodox, so gab es Ansagen wie „Gebt Gas, ihr Penner“ oder „Ihr Zuckergrufties“. Die deutschsprachigen Texte beinhalten sehr viel Sozialkritik, so geht es in der 2008er-EP „SCIENTific technOLOGY“ gegen Scientology und in einem anderen Song gegen Religion als Schutzmantel für Machtmissbrauch und Gewalt. Auch gegen Kriege und speziell den US-Militarismus wendet sich die Band, so wird in „Panzer“ vom letztjährigen Album „Anonymous“ der Krieg in Afghanistan kritisiert. Beim Publikum kam die Band aufgrund der Lautstärke und Aggressivität eher gemischt an.

Danach waren S.P.O.C.K (kurz für „Star Pilot on Channel K“) an der Reihe. Die Band aus Malmö (Schweden) behandelt in ihren englischsprachigen Songs oft Themen aus dem Bereich Science Fiction und hier speziell Star Trek. Allerdings kamen sie bei ihrem Auftritt eher als Spaß-Combo rüber. So trank Sänger Android (Alexander Hofman) während des Auftritts drei Dosen Becks und konstatierte trocken „Hau weg die Scheiße“ oder er sang „Bier, Bier, Bier ist die Seele vom Klavier”. Eine weitere Ansage war, dass dies ihr frühester Auftritt überhaupt sei und die Band eigentlich eine längere Zeit bräuchte, da er gerne rede. Beim Publikum sorgte die Band so für Erheiterung und kam sehr gut rüber. Die Songs sind teils elektrolastig, teils aber auch rockig oder melodiös. Titel waren u.a. das bekannte „Never Trust A Klingon” oder “E-Lectric”. Später spritzte der Sänger noch mit einer großen Wasserpistole ins Publikum und meinte, da sei Alkohol drin. Nach einem also sehr unterhaltsamen Auftritt und einer aufgrund der Kürze der Auftrittszeit selbst inszenierten Zugabe-Aufforderung wurden S.P.O.C.K mit recht großem Beifall verabschiedet.

Die nächste Band wäre eigentlich SONO gewesen. Diese mussten allerdings kurzfristig ihren Auftritt absagen, da sie fünf Stunden wegen einer Vollsperrung auf der Autobahn bei Berlin standen, wo sie am Abend vorher noch einen Auftritt hatten. SONO hat aber direkt die Zusage für 2011 gegeben. Da so kurzfristig keine Ersatzband einspringen konnte, erhielten die nächsten drei Bands 5-10 Minuten mehr Spielzeit.

Weiter ging es mit der Mittelalter-Rockband SALTATIO MORTIS. Insgesamt kann man von einem sehr abwechslungsreichen Programm beim Blackfield Festival sprechen, gab es doch recht große Unterschiede im musikalischen Stil der Acts. Die sechsköpfige Band um Sänger „Alea dem Bescheidenen“ existiert bereits seit 2000 und hat sich auch im Spektrum zwischen IN EXTREMO und SUBWAY TO SALLY etabliert, was auch durch die großen Andrang vor der Bühne bestätigt wurde. Die Musiker legten direkt rockig los mit „Rastlos“ vom letztjährigen Album „Wer Wind sät“ welches sich auf Platz 10 der deutschen Charts platziert hat. Die Gruppe zeigte vollen Einsatz auf der Bühne, hüpfte in ihren mittelalterlichen Gewändern wild herum und riss das Publikum so auch mit. Besonders gut an kamen „Uns gehört die Welt“, „Worte“ und „Falsche Freunde“. Zwischendurch forderte Alea die Fans auf, vor der Bühne eine Gasse zu bilden. Durch diese sturmte er dann bis auf die ersten Stufen des Amphitheaters vor und heizte die Stimmung noch mal an. Mit „Spielmannsschwur“ beendeten die Mittelalter-Rocker schließlich ihr Set.

Die nächste Combo [:SITD:] hatte auf dem Blackfield Festival ein Heimspiel und trat dort auch schon 2008 auf. Die Musiker um Sänger Carsten Jacek bieten aggressiven Elektro-Sound. [:SITD:] hatten mit „Snuff Machinery“ einen Club-Hit, auch ihr 2007er Album „Bestie Mensch“ ist natürlich ebenfalls bekannt. Vor der Bühne tanzten die Fans enthusiastisch zu den harten Bässen, auf den Rängen kam die Musik aber eher weniger an im Vergleich zu den vorherigen Gruppen. Auch mir persönlich sagt der Sound nicht so zu, wobei man der Band den vollen Einsatz nicht absprechen kann.

Gegen 18:15 Uhr ging es dann weiter mit OOMPH!, um die es in letzter Zeit ein wenig stiller geworden war. Die drei Wolfsburger haben zu Beginn diesen Jahres ihre größten Hits in englischer Sprache auf dem Album „Truth or Dare“ erneut veröffentlicht. Bei ihrem Auftritt auf dem Blackfield Festival trugen Dero, Crap und Flux ihre Lieder aber ausschließlich auf deutsch vor. Da die Band in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen feiert, war die Setlist entsprechend weit gestreut. So wurden vom 2008er Album „Monster“ mit „Beim ersten mal tut’s immer weh“, dieser direkt als erster Song, „Wer schön sein will, muss leiden“ oder „Labyrinth“ mehrere Stücke gespielt. Mit „Sex“ (1992) und „Mitten ins Herz“ wurden aber auch zwei alte Stücke gespielt. Bei OOMPH! war der Andrang vor der Bühne noch größer als bei den vorherigen Bands, und dass, obwohl zur gleichen Zeit die Autogrammstunde von UNHEILIG stattfand… Ein Highlight waren die akkustisch vorgetragenen Stücke „Sex hat keine Macht“ und „Auf Kurs“, bei denen die Fans noch lauter mitsangen als vorher eh schon. Die Band lieferte eine klasse Show ab und Dero flitzte nach links und rechts auf der Bühne. Später ließ er sich von der Bühne ins Publikum fallen und machte auf deren Händen eine Runde. Nachdem mit „Gekreuzigt“ noch mal ein älterer Song vorgetragen wurde, standen zum Ende der Setlist mit „Gott ist ein Popstar“, zu dem Dero in seiner Ansage nach einer Kritik an Castingshows hinleitete, und „Augen auf!“ die beiden größten Charterfolge der Band auf dem Programm. Als Zugabe spielten OOMPH! dann noch ihre letztjährige Single „Sandmann“. Dero hatte in seiner Ansage dazu kritisiert, dass so viel Geld für die Rettung von Banken ausgegeben wird, aber nur wenig gegen Kinderarmut unternommen wird. Unter großen Beifall des Publikums verließen die Musiker schließlich die Bühne.

Setlist OOMPH!
Beim ersten Mal tut’s immer weh
Unsere Rettung
Fieber
Wer schön sein will, muss leiden
Sex
Mitten ins Herz
Sex hat keine Macht (akustisch)
Auf Kurs (akustisch)
Revolution
Niemand
Gekreuzigt
Labyrinth
Gott ist ein Popstar
Augen auf!

Sandmann

Nach einer etwas längeren Pause ging es dann um 20 Uhr weiter mit SUBWAY TO SALLY. Die sieben Mittelalter-Rocker um Sänger Eric Fish wurden vom Ansager mit einer feurigen Bühnenshow angekündigt. Direkt beim ersten Song „Henkersbraut“ ging die Feuershow auch direkt los. Die Band schafft es perfekt, vollkommen unterschiedliche Instrumente wie Gitarre und Violine harmonisch zu vereinen. Weiter ging es mit „Kleid aus Rosen“ und „Feuerland“, bei dem die Pyroeffekte noch mal verstärkt wurden. Die Musiker hielten sich nicht mit langen Ansagen auf, sondern nutzten die Stunde Spielzeit dazu aus, den Fans möglichst viele Stücke zu präsentieren und boten „60 Minuten Power“. Mit „Judaskuss“ und „Besser du rennst“ wurden auch Lieder vom 2009er Werk „Kreuzfeuer“ gespielt. Bei „Veitstanz“, bei dem das Publikum noch stärker abging, kamen SALTATIO MORTIS zur Unterstützung von der Sieben auf die Bühne zurück, was mit viel Beifall belohnt wurde. Nach dem dazu passenden Klassiker „Sieben“ spielte die Band noch als Zugabe „Julia und die Räuber“, welches die Fans zwischen den Songs zuvor schon öfter mal angestimmt hatten. Danach verließen die Rocker schließlich endgültig die Bühne und haben ihren Ruf als klasse Liveband erneut bestätigt.

Nun war also der Headliner des Abends, nämlich UNHEILIG, an der Reihe. Die Band, die mit ihrem Frontmann und Sänger „Der Graf“ sicher wie nur wenige andere Bands nur mit einer Person identifiziert wird, hat zu Beginn diesen Jahres mit ihrer Single „Geboren um zu leben“ und der Nummer 1-CD „Große Freiheit“ den absoluten Durchbruch auch außerhalb der Gothic-Szene geschafft. Durch die vielen TV-Auftritte kamen aus Teilen der Fanszene natürlich auch Kommerz-Vorwürfe auf, man durfte also gespannt sein, wie sich die Combo präsentieren würde. Wenige Minuten vor Beginn des Auftritts wurde durch eine Bandansage das Ablegen der „Großen Freiheit“ angesagt. Auf einer Leinwand über der Bühne wurden während des Auftritts Video-Sequenzen, Bilder vom Auftritt oder Bilder vom Grafen, wie er einen Strand entlang ging, gezeigt. Passend dazu ging es mit dem Song „Das Meer“ vom diesjährigen Album auch los, worauf „Seenot“ folgte. Auf der Bühne sorgte eine große Anzahl an Kerzen für die notwendige Atmosphäre. Mit „Unter deiner Flagge“ und „Abwärts“, vor dem der Graf das Publikum zum Hinhocken und Aufspringen aufforderte, gab es zwei weitere aktuelle Stücke. Die Band spielte aber auch genug ältere Songs. Vor „An deiner Seite“ dankte der Graf den Fans für ihre Unterstützung, es folgten „Freiheit“ und Astronaut“, die von der Menge natürlich lautstark mitgesungen wurden. Der Graf war wie immer viele auf der Bühne unterwegs und zeigte die ihm eigene Show. „Wollt ihr feiern?“ fragte der Graf passend vor „Sage Ja“. Danach ging es weiter mit dem Titeltrack „Große Freiheit“ und dem älteren „Maschine“, bis es schließlich nur Hit-Single „Geboren, um zu leben kam“, die noch lauter mitgesungen wurde. Als Zugabe und letztes Stück durfte „Mein Stern“ natürlich nicht fehlen, bei dem wieder alles was leuchtet im Publikum hochgehalten wurde. Unter lautem Applaus verließ die Band die Bühne, es hatte sich gezeigt, dass UNHEILIG weiterhin auf der Bühne alles geben und die Sympathien ihrer Fans ihnen erhalten bleiben werden.

Setlist UNHEILIG
Das Meer
Seenot
Spiegelbild
Unter deiner Flagge
Abwärts
An deiner Seite
Freiheit
Astronaut
Sage ja!
Große Freiheit
Maschine
Für immer
Geboren um zu leben

Mein Stern

Wie schon eingangs erwähnt, hat sich das Blackfield Festival in der Szene schon fest etabliert, was natürlich auch an der klasse Organisation und der guten Bandauswahl liegt. Dazu kam der strahlende Sonnenschein, bei dem man sich auch schon einen leichten Sonnenbrand einfangen konnte. Bei dem Programm dürfte jeder Festivalbesucher auf seine Kosten gekommen sein und das Gelände zufrieden verlassen haben. Bis zum nächsten Mal!

Copyright Fotos: Dirk Ruchay

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