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BLACKFIELD FESTIVAL 2011 – TAG 1

Ort: Gelsenkirchen – Amphi-Theater

Datum: 25.06.2011

Ein Samstag Ende Juni – der Regen plätschert auf die Windschutzscheibe und ich befand mich auf dem Weg nach Gelsenkirchen, wo die vierte Auflage des Blackfield-Festivals im Amphitheater stattfinden sollte. Lieber Sommer, wo steckst Du nur? Auch wenn die schwarze Szene zum Tanze lädt, darfst Du Dich gern blicken lassen! An diesem Sonnabend durfte man allerdings schon froh sein, wenn es zwischenzeitlich mal trocken war und überhaupt zweistellige Temperaturen erreicht wurden. Blieb also nur die Möglichkeit, sich warm zu tanzen und dazu boten die zehn Bands am ersten Tag des Festivals immerhin reichlich Gelegenheit.

BURN

Den Anfang machte eine Kapelle, die aus Münster ins Ruhrgebiet gekommen war und im März ihren ersten Longplayer in die Läden gebracht hat. Die Rede ist von BURN, die sich einen treibenden Mix aus Rock und Wave auf die Fahnen geschrieben haben und die Veranstaltung kurz vor Mittag standesgemäß eröffneten. Das Quartett um Sänger Felix Friberg startete mit dem knackigen Track „Burn For You“ von besagter Langrille „The Truth“, bei dem der Gesang leider ein wenig unterging, da es (wie noch häufiger an diesem Tag) technische Probleme mit dem Mikro gab. Diese Probleme waren auch beim folgenden „Ghost“, das zunächst ruhiger loslegte, um später wieder Gas zu geben, noch nicht ganz vom Tisch, aber dann hatten sich wohl alle in die Technik eingefuchst und es konnte daran gehen, das Publikum vermittels Warmsingen und -Tanzen bei Laune zu halten. Die Schwarzkittel zeigten sich auch durchaus kooperativ, während gelegentlich wie beim druckvollen „Dirt“ ein Schiff die auf dem direkt hinter der Bühne gelegenen Rhein-Herne-Kanal vorbeizog. Gitarrenorientiert beendete der Vierer seinen Gig mit dem Titeltrack „The Truth“ nach einer kurzweiligen halben Stunde –man merkte den Jungs schon an, dass sie auf jede Menge Bühnenerfahrung zurückblicken können (u.a. Supportshows für DIE TOTEN HOSEN, IN EXTREMO, GRAVE DIGGER und SCHANDMAUL), nur in Sachen Augen-Make-Up sollten die Herren vielleicht noch einmal in einer Douglas-Filiale Nachhilfe nehmen.

AUTODAFEH

Aus Schweden war der nächste Act angereist – allerdings nicht in der Original-Besetzung, da ausgerechnet an diesem Samstag Keyboarder Anders Papa geworden ist und sozusagen Vaterschaftsurlaub genommen hat. Unseren Glückwunsch! Sänger Mika und Drummer Jesper hatten jedoch kurzfristig Ersatz aufgetrieben und entsprechend konnte es auf der Stage im Stil von FRONT 242 für die nächsten 30 Minuten flott zur Sache gehen. Die Mucke des Trios, das seit Ende 2007 gemeinsame Sache macht, ging durchaus ins Bein, da machte das Textfragment „moving fast“ beim Track „Divided We Fall“ vom letztjährigen Album „Identity Unknown“ zweifellos Sinn und auch „Souls of Destruction“ blieb im EBM-Tanzmodus, dem sich das blitzschnelle „Stompers“ anschloss, ehe sich mit „Fuel of Fire“ der rhythmusbetonte Ausputzer anschloss.

SOLAR FAKE

Mit seiner Band ZERAPHINE ist Sven Friedrich seit elf Jahren eine feste Größe in der schwarzen Szene. Neben dem Dark Rock, für den ZERAPHINE stehen, widmet sich der Berliner bei seinem Solo-Projekt SOLAR FAKE ausschließlich elektronisch erzeugten Klängen. Die Bandbreite reicht von Synth-Pop, über EBM und Industrial bis hin zu Electro Rock und wurde erstmals 2008 auf einem Silberling namens „Broken Grid“ verewigt. Im Juli kommt nun der zweite Longplayer „Frontiers“, von dem es bereits jetzt sechs Stücke zu hören gab. Angefangen beim temporeichen „Pain Goes By“, dem das druckvolle „More Than This“ folgte, bei dem Sven an den Tasten agierte (für diesen Job hatte Herr Friedrich außerdem noch einen Mitstreiter auf der Stage). Wer die aktuelle Zillo-Compilation sein eigen nennt (natürlich gibt es auch noch den Orkus und den Sonic Seducer, wie Sven gleich hinterherschickte), hatte schon Gelegenheit, die kraftvolle Elektronik von „Parasites“ probe zu hören und auch am Rhein-Herne-Kanal wurde die Nummer wohlwollend beklatscht, ehe es mit „Here I Stand“ einen Track vom Debüt gab, über den sich die Anwesenden ausnehmend freuten. Mit viel Gefühl und „Where Are You“ ging es weiter, ehe das TALK-TALK-Cover „Such A Shame“ das Auditorium zum Mitsingen brachte. Glücklicherweise versuchte der SOLAR-FAKE-Fronter erst gar nicht, die schwindelerregende Stimmlage von Mark Hollis zu erreichen und präsentierte den Song auch einen Tacken schneller als das Original. Mit „The Rising Doubt“ legte das Duo schließlich einen krachenden Abschluss hin, der nach ein bisschen Klaviergeklimper endgültig in die Vollen ging.

Setlist SOLAR FAKE
?
Pain Goes By
More Than This
Parasites
Here I Stand
Where Are You
Such A Shame
The Rising Doubt

ABSOLUTE BODY CONTROL

Das Schöne bei diesen Electro-Kapellen, die im Grunde nur einen Rechner und einen Synthesizer benötigen, ist ja, dass die Umbaupausen angenehm kurz sind. So stand auch das Equipment von ABSOLUTE BODY CONTROL nach schlanken zehn Minuten bereits parat und es konnte mit eingängigem EBM im Amphitheater weitergehen. Mit Dirk Ivens (Synthies & Gesang) und Eric van Wonterghem (Backing Vocals) waren zwei alte Hasen am Start, denn ABC wurde bereits 1980 von Dirk gegründet, kam aber nie wirklich aus dem Underground heraus. Lange war’s auch still um die Belgier, die jedoch im letzten Jahr eine neue Platte („Shattered Illusion“) aufgenommen und als Vorboten für die nächste Full Length vor kurzem eine EP mit Namen „Surrender No Resistance“ ins Rennen geschickt haben. Den gleichnamigen Track gab es knackig-unterkühlt ebenfalls zu hören, ebenso wie das druckvolle „Sorrow“ oder den stoischen Stomper „Love At First Sight“, ehe „Is There An Exit“ und „So Hard“ elektronische Monotonie ins Spiel brachten. Derweil hatte Mr. Ivens seinen Fans nicht wirklich viel zu sagen und erging sich lieber im ausdrucksstarken Posing, bevor mit „Give Me Your Hands“ noch einmal die Synthies von der Leine gelassen wurden.

Setlist ABSOLUTE BODY CONTROL
?
Sorrow
Surrender No Resistance
Love At First Sight
Is There An Exit?
1 2 3 4
So Hard
?
Give Me Your Hands

MONO INC.

Das große MONO-INC.-Backdrop kündete davon, dass der samstägliche Nachmittagskaffeeplausch heuer wohl etwas krachender ausfallen würde. MONO INC. leitet sich von dem Begriff „Monomanie“ ab, ist verbunden mit der Krankheitslehre des frühen 19. Jahrhunderts und bedeutet so viel wie Teilwahnsinn. Damit passte die Truppe doch schon mal gut zum Publikum, dem Außenstehende vermutlich mindestens Teilwahnsinn unterstellen würden. Die Alternative-Rocker um Martin Engler (der Mann mit dem Pandabären-Augen-Make-Up) sind bereits seit elf Jahren und fünf Platten fleißig, können jedoch insbesondere seit ihrer letztjährigen Support-Tour für UNHEILIG auf eine stark angewachsene Fanbase blicken. Die eigene Headliner-Show war vieler Orten ausverkauft und wird deshalb im Herbst in 16 Städten fortgesetzt und auch beim Blackfield überzeugte der Vierer wieder uneingeschränkt mit einem hochenergetischen Gig. Den Anfang machte „This Is The Day“ vom 2009er „Voices of Doom“, ehe die aktuelle Single „Symphony of Pain“ wohlig im Magen grummelte. Beim Viva-Hades“-Titeltrack (der Longplayer hat es immerhin bis auch Platz 50 der Charts gebracht) waren die Bässe dann doch ein bisschen zu viel des Guten, aber bei „Forgiven“, bei dem immer noch die „Hey“-Gesänge der zahlreichen Zuschauer zu hören waren und Martin in dramatischer Pose vor Katha Mias Drumkit kniete, hatte sich der Sound wieder eingependelt. Gleich darauf bekam die Band eine kleine Verschnaufpause und Herr Engler nahm mitsamt seiner Akustikgitarre auf einem Barhocker Platz, um eine Variation von IGGY POPPs „The Passenger“ zum Besten zu geben. Und schon war es wieder an der Zeit, wie bei jedem Konzert eine weitere Folge von Mono-Inc.-TV zu drehen. Inzwischen sind die Hanseaten bei der 100. Ausgabe angekommen, bei der es dieses Mal unter www.monoinc.com wippende Regenschirme zu sehen geben wird. Mit „Voices of Doom“ war dann Katha Mias Solo-Stunde gekommen, die dafür eigens ein Trommelbecken am Bühnenrand erhalten hatte, schließlich aber wieder an ihren voll ausgestatteten Arbeitsplatz wechselte und am Ende auch wieder die Kollegen Martin, Carl Fornia (Gitarre) und Manuel Antoni (Bass) auf der Stage begrüßen konnte, die sich entsprechend des „Viva Hades“-Plattencovers in Schale geworfen hatten. Mit dem hochenergetischen „Get Some Sleep“ endete der kurzweilige Gig nach 40 Minuten, in denen wohl niemand an Schlaf gedacht hat.

Setlist MONO INC.
This Is The Day
Symphony of Pain
Viva Hades
Forgiven
The Passenger (IGGY-POP-Cover)
Voices of Doom
Get Some Sleep

RABIA SORDA

RABIA SORDA ist eine deutsch-mexikanische Co-Produktion, bei der man den Sänger Erk Aicrag wohl nicht näher vorstellen muss. Der fungiert nämlich auch bei der Hardfloor-Legende HOCICO als Mann am Mikro und hat in dieser Funktion die dunkle Seite des Electros maßgeblich mitbestimmt. Sein zweites Standbein RABIA SORDA mischt Ethno-Einflüsse, treibende Achtziger-Melodien und auch eine gewisse punkige Rotzigkeit unter den elektronischen Molotow-Cocktail, der es mit dem Opener „This Is The End“ zunächst ruhig angehen ließ, dann jedoch schnell in die Vollen ging. Agierte Erk hier noch an der Langaxt, wechselte er zu „Out of Control“ an die Tasten. Für die Keys hatte er zudem einen mit „Dreck“ beschmierten Mitarbeiter abgestellt und auch der Drummer sah im Gesicht ein wenig „grün“ aus. „Eye M The Blacksheep” ist ein neuer Song aus der Aicrag Hitschmiede, der eingängig nach vorne trieb und auch „Save Me From My Curse“ rockte ungebremst weiter. „Heart Eating Crows“ und „Walking On Nails“ blieben im fordernden Tanzmodus, bevor mit „Money Talks“ der letzte Highspeed-Kracher der inzwischen fünfjährigen RABIA-SORDA-Geschichte rausgehauen wurde.

Setlist RABIA SORDA
This Is The End
Out of Control
Radio Paranoia
Misery
Eye M The Blacksheep
Save Me From My Curse
Heart Eating Crows
Walking On Nails
Money Talks

APOPTYGMA BERZERK

Bereits 2009 waren APOPTYGMA BERZERK zu Gast beim Blackfield und mir war es eine besondere Freude, dass die Norweger um Bandleader Stephan Groth auch in diesem Jahr wieder auf der Bühne des Amphitheaters aufspielen wollten. Dies gestaltete sich allerdings zunächst ein wenig schwierig, da das Mikro des Fronters zum wiederholten Male an diesem Tag Zicken machte. Dabei dachte Stephan wohl noch, dass nur er seine Vocals nicht über die Monitorboxen hören konnte und machte den Tontechnikern entsprechende Zeichen, bis endlich klar war, dass alle Anwesenden nur von seinen Lippen ablesen, aber keine Stimme vernehmen konnten. Dieses Problem konnte jedoch rasch gelöst werden und dann stand einem viel zu kurzem Abriss durch die mittlerweise 22-jährige Bandgeschichte mit mehr als einem Dutzend Alben nichts mehr im Weg. Zwar wirkte der gute Herr Groth, der wie seine Mitstreiter Ophelia Dax (seit 2010 bei APOP an den Keys), Gitarrist Brandon Smith und Drummer Thomas Jakobsen (beide seit 2009 mit von der Partie) in schwarzen Hosen und rotem Hemd auf der Bühne stand, zwischenzeitlich ein wenig angestrengt, abgefeiert wurden die Future-Pop-Goth-Rock-Songs des umtriebigen Skandinaviers aber auf jeden Fall. So wurde „Love Never Dies“ ebenso wie „Paranoia“ gut mitgeklatscht, bevor Brandon und Thomas ihre Arbeitsplätze verließen und der APOP-Klassiker „Kathy’s Song (Come Lie Next To Me)“ vom 2000er „Welcome To Earth“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde. Für das folgende „Shadows“ wechselte der Schlagzeuger ans Saiteninstrument und übergab seinen Arbeitsplatz an einen Gast, den sich die Band bei COMBICHRIST ausgeliehen hatte, deren Auftritt am nächsten Tag leider unter keinem guten Stern stehen sollte. Das sah bei APOPTYGMA BERZERK zwar anfangs auch so aus, aber inzwischen hatte es sogar aufgehört zu regnen und selbst auf den vollen Rängen war zu „Starsign“ Party angesagt und auch Stephans „Singen Sie mit!“-Aufforderung kam die schwarze Gemeinde gern nach. Mit „Non-Stop Violence“ schloss sich der nächste Hammer an, dem eine englischsprachige APOP-Version von PETER SCHILLINGs „Major Tom“ folgte. Keine Frage, dass hier das Blackfield noch mal richtig steil ging und den Norwegern auch den deutschen Text vorzusingen wusste. Das war es dann leider auch schon nach schmalen 45 Minuten, die wie im Fluge vergangen waren und auch die lauten Zugaberufe zeugten davon, dass das Auditorium gern noch mehr gehört hätte. Genug hervorragend geeignetes Material gäbe die Diskografie ja schließlich auch her…

Setlist APOPTYGMA BERZERK
Intro
?
Love Never Dies
Paranoia
Kathy’s Song (Come Lie Next To Me)
Shadow
Starsign
Non-Stop Violence
Major Tom (PETER-SCHILLING-Cover)

IAMX

Dafür gab es jetzt allerdings auch einen ganz besonderen Leckerbissen, denn IAMX standen als nächste Combo auf der Running Order. Zwar brauchte der Vierer um Bandleader Chris Corner (SNEAKER PIMPS) satte 25 Minuten länger als geplant für ihren Bühnenaufbau und brachte damit den gesamten weiteren Zeitplan ein wenig in Bedrängnis (um 23.00 Uhr muss am Amphitheater Ruhe herrschen, sonst gibt’s Ärger mit den Behörden), dann konnte der Wahnsinn jedoch ungehindert seinen Lauf nehmen. Dem scheint Chris phasenweise nämlich ganz eindeutig anheim zu fallen, aber so etwas zeichnet ja schließlich auch einen richtigen Künstler aus und man muss dem kleinen Kerlchen lassen, dass seine Darbietungen und die seiner Begleitband (vorneweg die androgyne Keyboarderin) fesseln und sich die Musik ziemlich schnell ins Hirn frisst. So drosch Corner beim Opener „Music People“ zunächst einmal auf eine Metallleiter und Fässer ein, bevor es mit dem druckvollen „Nightlife“ für ihn an den Tasten und einem elektronischen Drumkit weiterging. Währenddessen wechselte die Dame an ein Saiteninstrument und trat gleich auch mal (aber wohl nicht absichtlich) nach unserem Fotografen, ehe die aktuelle Single „Ghosts of Utopia“ vom diesjährigen Longplayer „Volatile Times“ mit technoidem Electro-Gefrickel um die Ecke kam. Hier nahm Mastermind Corner auch seine an den venezianischen Karneval erinnernde Maske ab und legte mit „My Secret Friend“ rhythmusbetont, aber insgesamt etwas langsamer nach. Sehr schwungvoll und abwechslungsreich schloss sich „Tear Garden“ an, bei denen Drumsticks ins Publikum geworfen wurden. „Bring Me Back A Dog“ präsentierte recht verquere Sounds, während der Kracher „I Love You, I Hate You“ von Chris mit einer schwarzen Krone auf seinem Haupt vorgetragen wurde. „Cold Red Light“ und „Kiss And Swallow“ wurden auf der Stage exzessiv vorgetragen, was auch schon mal bedeuten kann, dass Corner ein Keyboard mit aller Entschlossenheit aus seiner Halterung reißt oder er diverses Equipment umrwirft, um schließlich einfach hinter der Bühne zu verschwinden. Da half es auch nicht, dass seine Muse noch mal nachsehen ging; der Herr war nach 50 Minuten mit seinem Auftritt durch, weshalb sie nur noch ein „We love you!“ in ihr Mikro hauchte.

Setlist IAMX
Music People
Nightlife
Ghosts of Utopia
My Secret Friend
Tear Garden
Bring Me Back A Dog
I Love You, I Hate You
Cold Red Light
Kiss And Swallow
?

DIARY OF DREAMS

Nun ja, man war ja eh ein bisschen in Verzug und da bei DIARY OF DREAMS heute jede Menge Pyro-Effekte auf dem Plan standen, brauchten die Stagehands hier auch ein bisschen mehr Zeit. Viel Zeit hat auch schon DOD-Mastermind Adrian Hates mit seiner Musik verbracht. Immerhin gibt es auch diese Kapelle schon seit 22 Jahren und am 26.08.2011 wird das zwölfte Studio-Album „Ego:X“ das Licht der Plattenläden erblicken. Bevor es deshalb im September auf Tour geht, spielt der Fünfer nur auf drei Festivals, wovon eines glücklicherweise das Blackfield war. Mit viel farbigem Nebel, der die Bühne des Amphitheaters in eine Art Hexenküche verwandelte und auch dem Geruch nach ähnliche Assoziationen weckte, starteten DOD gleich mal mit ihrem Smasher „The Wedding“ vom 2009er „If“. Hier gab’s auch gleich die ersten Feuer-Inszenierungen, die sich über die gesamten 55 Minuten Spielzeit ziehen sollten, während Adrian für das sehr tanzbare „Individable“ von der kommenden Langrille seinen Sechssaiter aus der Hand gab und Funken sprühten. Mit „King of Nowhere“ ging es Schlag auf Schlag und natürlich wurde diese Nummer ebenso abgefeiert wie das sich anschließende „MenschFeind“ (von der gleichnamigen EP aus 2005). „Echo In Me“ war wieder ein neuer Track, der sich sehr druckvoll den Fans vorstellte und natürlich auch die gewisse Melodramatik nicht fehlen ließ, die zu einem DIARY-OF-DREAMS-Song einfach dazugehört. „Unwanted“ ging ebenfalls umgehend ins Bein, ehe Mr. Hates zu „Nekrolog 43“ vom gleichnamigen 2007er Silberling wieder zur Gitarre griff und es unter Funkenkaskaden wieder in die emotionalen Vollen ging. Auch „Odyssey Asylum“ zeigte sich von einer gefühlvollen Seite, bevor „The Plague“ es wieder amtlich krachen ließ. Gleiches galt auch für „Kindrom“, bei dem auch Bassist und Gitarrist Gaun:A am Gesang beteiligt wurde und abermals feurige Funken durch die beginnende Dämmerung stoben. Letzte Feuerregen begleiteten schließlich die Publikumsgesänge zu „Traumtänzer“ (2002 auf „Freak Perfume“ erschienen), das natürlich auf gar keinen Fall auf der Setlist fehlen durfte und in frenetischem Jubel endete. Auch bei DIARY OF DREAMS hätte ich mir ganz klar mehr Zeit gewünscht, aber so ist das nun einmal bei Festivals, dafür gibt’s mehr Auswahl und die hatte es beim diesjährigen Blackfield wirklich in sich. DOD werde ich einfach im Herbst noch mal intensiv unter die Lupe nehmen, wenn es auf „Ego:X“-Tour geht. Jetzt stand zunächst einmal Synthie-Pop aus der Haupststadt auf dem Spielplan.

Setlist DIARY OF DREAMS
?
The Wedding
Undividable
King of Nowhere
MenschFeind
Echo In Me
Unwanted
Nekrolog 43
Odyssey Asylum
The Plague
Kindrom
Traumtänzer

AND ONE

Denn als Headliner fungierten in diesem Jahr der smarte Herr Naghavi und seine beiden Mitstreiter von AND ONE, die pünktlich um 21.30 Uhr das Tanzkommando für die kommenden 90 Minuten aussprachen. Als Opener hat der gute Steve den Song „Für“ ausgewählt, mit dem das synthetische Tanzvergnügen auch umgehend gestartet werden konnte, ehe sich das AND-ONE-Mastermind zum Sklaven seines Publikums erklärte und „Love And Fingers“ raushaute. Zweifelsohne hatte sich der gebürtige Iraner vorgenommen, die Bühne in ihrem gesamten Ausmaß zu nutzen und tigerte deshalb wie bei „Time Killer“ unablässig auf der Stage umher – Kondition hat das Aushängeschild des deutschen Synthie-Pops auf jeden Fall! Mit „Seven“ vom im März erschienenen Longplayer „Tanzomat“ (Platz 23 der Charts) und dem sich anschließenden „Schwarz“ ging es nicht minder treibend weiter, ehe für „High“ der glatzköpfige Mitarbeiter an der rechten Tastatur den Gesangspart übernahm. Schließlich hatte Steve die Parole rausgegeben, dass derjenige singen muss, der’s komponiert hat und damit war dann die Wahl auf den mir unbekannten Herrn gefallen. Chris Ruiz und Gio van Oli sind ja bei AND ONE nicht mehr mit von der Partie und stattdessen sind Rick Schah und Joke Jay in den AND-ONE-Schoß zurückgekehrt. Auf jeden Fall ist Steve Naghavi der Kopf des Ganzen und übernahm in dieser Funktion auch ganz schnell wieder das Mikro, um „Sometimes“ von seiner „Traumfrau“ zu berichten, die leider noch nicht von der seit 1995 in Betrieb befindlichen „Deutschmaschine“ produziert wird. Als Vorabsingle zur für den Sommer angekündigten „Newcomer“-VÖ gab’s „Zerstörer“ auf die Ohren, ehe die knackigen Dancerhythmen von „Men In Uniform“ das letzte Drittel einläuteten. Es folgte der Hit „Steine sind Steine“ und ein gelungenes Cover der JOHNNY-CASH-Nummer „Personal Jesus“, bevor sich das Amphitheater unter den Lichtgewittern, die „Get You Closer“ begleiteten, langsam in einen Hexenkessel verwandelte. Mit „Techno Man“ vom zweiten AND-ONE-Silberling „Flop!“ aus 1992 gab’s dann endgültig kein Halten mehr, was zur Folge hatte, dass man eigentlich nur noch zuckende Leiber vor und auf der Bühne sah, ehe mit der „Military Fashion Show“ („Bodypop“ – 2006) das große Finale gefeiert werden konnte. Hier versuchte sich Naghavi noch im Jacken-auszieh-Ausdruckstanz, um pünktlich um 23.00 Uhr seine Fans zu verabschieden, die sich für die vergangenen 1 ½ Stunden mit tosendem Beifall bedankten.

Wer noch nicht genug von musikalischen Beschallung und rhythmischer Bewegung hatte, konnte zur Konservenkost im nahen Partyzelt weiter tanzen und feiern. Für die Terror-Abordnung stand jedoch der geordnete Rückzug auf dem Programm, um am nächsten Tag gut ausgeschlafen die Sonne begrüßen zu können.

Copyright Fotos: Uli Klenk

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