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BLACKMAIL – DRIVE LIKE MARIA

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 19.04.2013

Im Februar haben BLACKMAIL ihr schlicht “II” betiteltes achtes Studioalbum in die Plattenläden gebracht und sind im Anschluss natürlich auch auf Tour gegangen, um das Material, das es bis auf Platz 81 der Charts geschafft hat, den Fans live zu präsentieren. Den Abschluss ihrer kleinen Konzertreise feierten die Koblenzer im Dortmunder FZW und mit ihnen eine erkleckliche Anzahl bunt gemischter Freunde guter Indie-Mucke aus deutschen Landen, die den kleinen Saal an der Ritterstraße füllten.

Beim Opener des Abends hielten die Dortmunder zunächst jedoch noch einen deutlichen Sicherheitsabstand, doch davon ließen sich DRIVE LIKE MARIA, die BLACKMAIL auch in
Berlin begleitet haben, nicht abschrecken. Der belgisch/ niederländische Vierer läutete das Wochenende mit einem rasanten Start ein, der den Namen „Ghostrider“ erhalten hatte und vom brandneuen, selbst betitelten Album stammte. Die Band beschreibt ihren rotzigen Gitarren-Rock als von LED ZEPPELIN, den frühen ZZ TOP, NEIL YOUNG und QUEENS OF THE STONE AGE beeinflusst und eines wurde ziemlich schnell klar: Gefangene machen Bjorn Awouters (Gesang & Gitarre), Robin van Saaze (Bass), Nitzan Hoffmann (Gitarre) und Bram van den Berg (Drums) nicht. Stattdessen wurde gerockt und gegniedelt, was das Zeug hielt. Viel Platz hatte das hochenergetische Kleeblatt zwar nicht auf der Stage, weil bereits das gesamte BLACKMAIL-Equipment in Position gebracht worden war, sodass Bjorn bei „Talk To Me“ kurzfristig die Bühne verlassen musste, um von links das Drumkit bearbeiten zu können. Unter Lichtgewittern und der staubtrockenen Ägide des Schlagzeugers galoppierten wenig später „Black Horses“ ein, während für das rhythmusbetonte „King of My Town“ vom 2009er Debüt „Elmwood“ auch der erstaunlich raue Gesang der Dame im Bunde gefragt war. Mit dem Seventies-Stomper „So Drive Like Maria“ nahm das Quartett zumindest am Anfang ein wenig Tempo raus, steigerte sich im Laufe des Vortrages jedoch wieder, um am Ende nach 40 Minuten Spielzeit verdienten Applaus zu kassieren. Ein gelungener Auftakt des Konzertabends, der 20 Minuten später seine Fortsetzung fand.

Setlist DRIVE LIKE MARIA
Ghostrider
I’m On A Train
Where The Brokenhearted Go
Talk To Me
Black Horses
King of My Town
So Drive Like Maria

Die Indie-Urgesteine vom Deutschen Eck mussten krankheitsbedingt während der Tour auf ihren Schlagzeuger Mario Matthias verzichten, hatten jedoch eine würdige Vertretung in einem jungen Mann namens Tim gefunden und im Hintergrund agierte auch wieder die „Live-Aushilfe“, deren Name ich nicht kenne, an den Reglern bzw. drosch gelegentlich auf die Hi-Hats ein. Los ging’s mit „Impact“ vom jüngsten Silberling, worauf der grummelnde Stomper „Evon“ (2003 auf „Friend Or Foe?“ erschienen) langsam Fahrt aufnahm. „Shine“ war ebenfalls neues Material, das wohlwollend vom Publikum aufgenommen wurde, bevor es mit Druck und Hochgeschwindigkeit dank „It Could Be Yours“ voran ging. Der schwurbelige Rocker „Deborah“ stand dem in nichts nach und animierte die Ersten zum Tanzen, wohingegen Chefgitarrist Kurt Ebelhäuser zunächst einmal der Sinn nach einer Kippe und Bier stand, ehe es mit dem bassbetonten Kracher „It’s Always A Fuse To Live At Full Blast“ vom 2008er „Tempo Tempo“ ans Eingemachte ging. Der Gesang von Mathias Reetz wurde erneut durch den Verzerrer gejagt, orientalisch angehauchte Keyboard-Parts sorgten für Abwechslung und überhaupt wurde das Stück ausgiebig instrumental zelebriert. „Ken I Die“ begann stattdessen mit sphärischen Klängen, die ihre optische Entsprechung in weißen Lichtbündeln erhielten, um dann wieder in die Vollen zu gehen und den Tastenmann zum wiederholten Male am Schellenkranz zu fordern. Mit „The Rush“ stand knackige frische Kost auf dem Programm und auch „Kiss The Sun“ stammte vom aktuellen Longplayer. Hier riss Kurt eine Gitarrensaite, doch aus dem Wechsel der Langaxt wurde gleich einmal ein kleines musikalisches Intermezzo entwickelt; sind halt Profis und zumindest die Ebelhäuser-Brüder Kurt und Carlos (Bass) mit BLACKMAIL seit 19 Jahren im Geschäft. Beim treibenden „Same Sane“ durften die Krachlatten noch einmal amtlich jaulen und auch fürs ausgiebige Frickeln hatten sich die Jungs Zeit genommen. Keine Frage, dass hier ordentlich mitgeklatscht wurde und die Nummer ebenso wie das folgende „(Feel It) Day By Day“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde.

Inzwischen war eine Stunde vergangen und das Ende der regulären Spielzeit erreicht, aber nach einer kurzen Verschnaufpause, kehrten BALCKMAIL auf die Stage zurück, deren Hintergrund von einem großem Backdrop mit dem „II“-Plattencover eingenommen wurde. „Day of Doom“ stammte von eben diesem Longplayer und ließ sich zunächst etwas ruhiger an, um dann noch einmal eine volle Breitseite abzuliefern. In ähnlicher Weise präsentierte sich „Palms“ inklusive Stagediver, um für das große Finale vorzubereiten: Nachdem sich das FZW so bereits in einen Hexenkessel verwandelt hatte, brachte „Friend“ das Fass im positiven Sinne zum Überlaufen. Der Mann am Licht zeigte noch mal, was er an Effekten mitgebracht hatte und die Herrschaften auf der Bühne wollten gar kein Ende finden. Nach 15 Minuten griff dann auch noch Tourmanager Christoph ins Geschehen ein und bewies, dass auch er mit dem Sechssaiter umgehen kann. Ein grandioser Abschluss des Gigs und der Tour, das sahen auch die Fans so, die begeistert applaudierten und nach nunmehr 90 Minuten in die noch junge Nacht entlassen wurden. Ob BLACKMAIL tatsächlich im Hof noch ein Lagerfeuer entfacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis; ich lenkte mein Terrormobil, das in diesem Monat bereits 1.800 Konzertkilometer gefressen hatte, Richtung Heimat, denn am nächsten Morgen sollte der Wecker verdammt früh klingeln…

Setlist BLACKMAIL
Impact
Evon
Shine
It Could Be Yours
Deborah
It’s Always A Fuse To Live At Full Blast
Ken I Die
The Rush
Kiss The Sun
Same Sane
(Feel It) Day By Day

Day of Doom
Palms
Friend

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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