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BLACKMAIL – WERLE & STANKOWSKI

Ort: Freiburg - Jazzhaus

Datum: 09.10.2006

Gut, eins hab ich an jenem Abend schon gelernt, bevor ich überhaupt im Saal war: Es gibt tatsächlich auch Veranstaltungen, die offensichtlich pünktlich anfangen. Wenn also „Beginn: 20 Uhr“ angegeben ist, kann es durchaus sein, dass tatsächlich nur unwesentlich später die erste Band spielt. Und wenn man dann also eine halbe Stunde später eintrudelt, hat man halt die erste halbe Stunde verpasst. Klingt logisch, oder?

Das ist insofern schade, als dass man im Fall von WERLE & STANKOWSKI eigentlich jede Minute gebraucht hätte, um zu kapieren, was die beiden Herren auf der Bühne da machen. Also, Sänger Johannes Stankowski mit einer Statur und den Klamotten eines Basketballspielers hat sich seine Akustikgitarre umgehängt und singt mit einer wirklich angenehmen Stimme mehr oder weniger klassische Sing’a’Songwriter-Lieder, die an sich noch niemanden vom Hocker reißen und von Liebe und Freizeit und gescheiterten Lebensentwürfen handeln. Sehr leichte Kost also, aber sehr enthusiastisch vorgetragen und – jetzt kommt’s – verfeinert und angereichert mit astreinen Breakbeats, die ihm sein Kollege Simon Werle unterjubelt. Die Kombination ist zumindest mir so neu, dass ich die Show echt erst mal ´ne Viertelstunde sacken lassen musste, bevor sich Mitwippstimmung einstellte. Beim restlichen Publikum ging das schneller; kein Wunder, die waren ja auch pünktlich gewesen. Was dann also das Gewölbe des Jazzkellers durchflutete, war ziemlich lässig, mehr als tanzbar und machte Spaß. Ich würde sagen, es handelt sich bei WERLE & STANKOWSKI um das fast exakte Gegenteil zu Bands wie NAPALM DEATH oder so: Federleichte, seichte, unpolitische Texte mit Zappelbeats.

Nach der Umbaupause ging es um kurz vor dreiviertel Zehn dann mit BLACKMAIL Koblenz weiter. Der relativ weitläufige Keller war gut gefüllt, wahrscheinlich mit fleißigen Studenten, ähem. Der Fairness halber muss ich sagen, dass ich den Fünfer bislang eigentlich nur vom Hörensagen kannte. Ein älteres Lied war mit bekannt, „It could be yours“, allerdings habe ich sie zu meiner Schande musikalisch immer eher als PLACEBO-Klone abgestempelt. Dass ich das revidieren müsste, war mir natürlich schon vor dem ersten Takt irgendwie klar. Immerhin waren nun schon ein paar Jahre ins Land gegangen und die Jungs stellten ihre neue CD „Aerial View“ vor, die übrigens ein sehr ansprechendes Cover hat. Tatsächlich muss ich sagen, dass sie schon irgendwie in die PLACEBO-Kerbe schlagen, aber um einiges dreckiger und explosiver. Sänger Aydo Abay betritt mit brennender Kippe die Bühne und „Everyone safe“ wird intoniert. (Dabei fragte ich mich, wie in Zukunft derartige Konzerte ablaufen sollen, wenn das Rauchverbot in öffentlichen Räumen (Theater!), Gaststätten usw. tatsächlich durchgesetzt wird.) Die Fans wollten einen guten Abend und haben ihn sowohl bekommen, als auch BLACKMAIL beschert. Im Rahmen ihrer Europatour waren sie vorher für vier Konzerte beim Nachbarn in der schönen Schweiz und mussten sich laut eigener Aussage erstmal umstellen, weil die Leute vor ihnen so abgingen.

Der Sound war richtig gut, mit wunderbar fetten Gitarren, die sich richtig schön bei längeren, fast schon jammigen Frickeleinlagen austoben durften und Abay sprang wie aufgezogen herum. Meistens befolgte er seinem eigenen Rat, der besagte, er solle nicht so viel labern, es käme irgendwann eh nur Scheiße raus. Mir war das eigentlich egal, denn mit der Stimme könnte er mir auch die Gebrauchsanweisung meiner Mokkamaschine vorlesen. Jedenfalls unterrichtete er die Jungs und Mädels vor seiner Nase auch darüber, dass er umso besser rieche, je mehr er schwitze. „Nein echt, ich war vorhin im Müller und hab mir einen Emporio-Tester drübergekippt.“ Na, schade, dass ich relativ weit hinten war. Überhaupt war er sehr kontaktfreudig: Ein Fan, der aus Berlin angereist war, bekam ein Bier ausgegeben. Dann ließ sich Energiebündel Abay gerne ablichten, lichtete aber selbst auch mit den Kameras der Fans das Publikum ab. Wenn die Fotobesitzer brav sind, kann man die Bilder vielleicht schon bald auf der BLACKMAIL-Site bewundern.

Alles in allem war der Abend entschieden zu kurz, aber sehr lohnenswert. Netto, wenn überhaupt, nur sehr knappe anderthalb Stunden, inklusive Zugabe. Anbei noch die Setlist (quasi in Originalabschrift), allerdings ohne Gewähr, auch was die Reihenfolge betrifft, da ich (wie gesagt) Novize im Kloster der Erpresser bin. Dass sie aber „It could be yours“ gespielt haben, kann ich bei meiner Seele beschwören.

Setlist BLACKMAIL
Everyone safe
Amelia
Splinter
Dull
Away with the fairies
Evon
Feeble bee
Club 45
Ken i nash mulo
It could be yours
Couldn’t care less
Friend

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