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BLACKMORE’S NIGHT – GEYERS

Ort: Essen - Philharmonie

Datum: 02.09.2008

Eigentlich kennt man BLACKMORE’S NIGHT, die Band mit dem mittelalterlichen Touch, auf den Bühnen vor Schlössern und Burgen. Dieses Jahr ist es anders. Die Konzerte zur Tour mit der aktuellen CD „Secret Voyage“ finden in Konzertsälen statt. Das Eröffnungskonzert in Essen z.B. am 2. September in der dortigen Philharmonie. Nun muss man nicht glauben, dass die aktuelle Musik der liebreizenden Sängerin Candice Night sowie ihres Lebensgefährten und Ex-Rockers von DEEP PURPLE und RAINBOW, Ritchie Blackmore, nicht in solchen Räumen gespielt werden könnte. Im Gegenteil, ist der Stil der von ihnen dargebrachten Musik durchaus einer Philharmonie angemessen. Wenn auch manch einer bei dem Wort Mittelaltermusik an Rhythmen von SCHANDMAUL, SALTATIO MORTIS oder SUBWAY TO SALLY denkt, so sollte er bei der Musik von BLACKMORE’S NIGHT seine Erwartungen in eine andere Richtung lenken.

Doch bevor Night und Blackmore mit ihren Barden die Bühne um 21 Uhr betreten, werden die etwa 1300 Fans von der deutschen Band GEYERS in die richtige Stimmung versetzt. BLACKMORE’S NIGHT und GEYERS verbindet eine langjährige Freundschaft. Es ist schon Tradition, dass die GEYERS als Vorband auftreten. Zusätzlich bekommen die deutschen Barden während des Konzerts erneut Gelegenheit zu einem Auftritt bei dem Song „The Clock Ticks On“ (original aus dem 15. Jahrhundert), den Blackmore schon vor Jahren von den GEYERS übernommen und adaptiert hat.

Trotz der meist rockigen, von Blackmore gewohnten E-Gitarre sind die Klänge allemal der vergangenen Zeit zugewandt. Bestimmte Tonfolgen sind unüberhörbar und lassen die Gedanken an Burgen und Ritter aufkommen. Aber die musikalische Reise führt auch in ein Land der Elfen und Druiden und lässt Bilder im Kopf entstehen, die einem großen Kino entstammen. Ich denke damit an das orchestrale Eröffnungswerk „God Save The Keg“, welches zum Ende hin in gregorianische Gesänge übergeht. Es scheint geschaffen für eine Konzerteröffnung, haben die Musiker doch genügend Zeit, im Dunkel die Bühne zu betreten, während die Zuschauer gebannt und neugierig versuchen, die dunklen Gestalten auf der Bühne zu erkennen. Nach der etwa dreiminütigen Einführung geht es mit Power und viel Energie zu einem der besten Titel der CD und des Konzerts über: „Locked Within The Christal Ball“, der dem schnellen mittelalterlichen Rhythmus und der Kraft solcher Songs wie „Past Times With Good Company“ oder „Under A Violet Moon“ folgt. Energisch mit einem hervorragenden Zusammenspiel der mittelalterlichen Instrumente, der E-Gitarre und dem lustvollen Gesang von Candice Night werden die Zuhörer in der Philharmonie sofort zum rhythmischen Klatschen animiert. Begleitet wird die Musik von Projektionen mit Bildern, die dem Cover der „Secret Voyage“-CD entsprechen. Für meine Begriffe ist dieser Titel durchaus Chart-verdächtig, wie auch alle anderen Titel in solch einer charmanten Art arrangiert sind, dass man beim Zuhören gleichermaßen ins Träumen verfallen kann als auch manche Körperteile rhythmisch zu zucken beginnen. Ob es nun der Rhythmus von mittelalterlicher Tanzmusik ist oder die harten Klänge der Rockmusik, die Zuhörer ließen sich in ihrer Zustimmung nicht beirren. Sie klatschten und sangen mit. Teilweise standen sie dazu auf, teilweise wurde im Takt mit dem Kopf gewippt. Letzteres besonders bei Titeln von Blackmores vorherigen Bands, wie bei „Soldiers Of Fortune“. Spontan erklangen Beifallsrufe bei Beendigung eines Stückes. Schließlich brachte die FOrmation es soweit, dass die Zuhörer im Stehen zu schunkeln begannen, als die englische Fassung des Liedes „Trink, Trink, Brüderlein trink“ vom Barden Dave of Larchmont, dem Keyboarder, zelebriert wurde. Ritchie Blackmore höchst selbst schenkte dabei Bier vom Fass an die Gäste in der ersten Reihe aus.

Was mich besonders bei dem Konzert überraschte, war der Umstand, dass die Musiker hier eine viel härtete Gangart anschlugen, als auf den CDs heraus zu hören ist. Während gerade in Rezensionen zur aktuellen CD davon gesprochen wird, dass Blackmore nun wohl endlich den Gruppen RAINBOW und DEEP PURPLE abgeschworen und sich dem melodischen und mittelalterlichen Sound zugewandt habe, ist dies meines Erachtens bei dem Konzert in keinster Weise zu beobachten. Schnelle Titel mit kräftigem Takt werden hart und mit langen Gitarrensoli vorgetragen. Neben den bereits genannten Titeln zu Beginn des Konzerts gehören auch „Home Again“ und „Loreley“ dazu. Zeit zum Träumen bleibt da nur bei den klassischen Balladen, wie z. B. „Gilded Cage“, „Streets Of London“ oder „Durch Den Wald Zum Bachhaus“. Aber von Blackmore sollte man sowieso nicht erwarten, dass er einen Song exakt genau so spielt wie zuvor. Das macht die Konzerte von BLACKMORE’S NIGHT so einzigartig. Die Zuhörer jedes einzelnen Konzertes dieser „Secret Voyage“ Tour werden zwar mit einer wenig voneinander abweichenden Setlist konfrontiert, aber mit großer Sicherheit werden die Songs in unterschiedlichen Nuancen gespielt. Dieselben Titel werden beispielsweise in Nürnberg oder Chemnitz anders sein als in Essen und durch den Live-Charakter erst recht anders als auf den CDs.

Jetzt noch ein wenig über die Historie der Band und der beiden musikalischen Protagonisten: Als Kind hat Candice Night wie fast jedes Kind gerne gesungen. Das Besondere bei ihr war, dass sie mit 4 Jahren in einer Theatergruppe mitspielte und in den kleinen Chören zu Stücken wie Tom Sawyer und Mary Poppins sang. Später als Teenager lernte sie Klavier spielen und bekam Schauspiel- und Gesangsunterricht. Die Saat war bei ihr von klein auf gelegt. Als Sie sich mit 18 entscheiden musste, wie ihr beruflicher Weg aussehen sollte, wusste sie nur, dass es etwas mit Musik zu tun haben muss. Sie dachte dabei aber eher an eine Plattenfirma, eine Radiostation oder ähnliches. Sie entschied sich für einen lokalen Rocksender in New York. Glücklicher Zufall, sie traf auf einem Fußballplatz auf Ritchie Blackmore, der sie nicht mehr aus den Augen ließ. Nun sammelte sie 1993 erste Tour-Erfahrungen als Backgroundsängerin bei der „Deep Purple’s Battle Rages On Tour“.

Nachdem Blackmore DEEP PURPLE 1993 zum zweiten Mal wegen musikalischer Differenzen verlassen hatte, formierte er abermals seine Gruppe RAINBOW, diesmal aber mit dem Namenszusatz RITCHIE BLACKMORE’S RAINBOW.Der 1995 in Deutschland als bester Gitarrist ausgezeichnete Musiker scharrte viele Gleichgesinnte aus der Szene um sich. Auch Candice Night gehörte ab 1994 zunächst als Background-Sängerin und Co-Writerin (Ariel) zur Band. Volle Konzerte bis zu 40.000 Zuschauern und die Bitten anderer Musiker brachten ihn dazu, spezielle Gitarreneinlagen zu deren Covertiteln zu bringen. 1996 spielte Blackmore seine ersten Titel im mittelalterlichen Stil ein („Shadow Of The Moon“). Doch diese Musik, die ihm wie ein Hobby erschien, wollte er nicht unter dem Namen RAINBOW herausbringen. Es war schnell der Name der beiden Hauptpersonen zu BLACKMORE’S NIGHT zusammen gesetzt. Das Album enthielt neben neuen Titeln vier Bearbeitungen von Originalen aus dem Mittelalter und kein geringerer als Ian Anderson von JETHRO TULL war Gastmusiker bei dem Titel „Play, Minstrel, Play“. 1997 kam das Album in Europa auf den Markt und hielt sich 17 Wochen lang in den deutschen Charts, während dessen RITCHIE BLACKMORE’S RAINBOW durch Europa tourt und „Deepest Purple“, ein DEEP PURPLE Sampler, in den USA Gold und Silber holt. Gegen Ende des gleichen Jahres beginnen BLACKMORE’S NIGHT mit dem ersten Album zu touren. Seitdem sind sie nicht mehr wegzudenken aus dieser Musikszene. Candice Night und Ritchie Blackmore bringen kontinuierlich ein Album nach dem anderen auf den Markt und bereisen mit ihrer melodischen Musik, die von Gitarrensoli, mittelalterlichen und orientalischen Klängen untermalt wird, die Welt. Auch deutschen Fernsehzuschauern sind sie nicht unbekannt, denn die Abenteuerverfilmung „Der Ring der Nibelungen“ mit Benno Führmann in der Hauptrolle wird mit Musik von BLACKMORE’S NIGHT untermalt.

Copyright Fotos: Detlef Knut

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