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BLINK 182 – THE ALL AMERICAN REJECTS – ROYAL REPUBLIC

Ort: Essen - Grugahalle

Datum: 25.06.2012

Nachdem das Konzert von BLINK 182 um ziemlich genau ein Jahr verschoben werden musste, da es Probleme mit der Fertigstellung und Veröffentlichung des letzten Werkes „Neighborhoods“ gab, konnte es die Band an diesem Montag Abend scheinbar nicht erwarten, endlich auf die Bühne zu kommen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass bei einem für 20 Uhr angekündigten Konzert die erste Vorband um 19.30 Uhr beginnen muss. Da dieses „Verheizen“ des Openers leider in letzter Zeit bei größeren Hallen-Konzerten üblich geworden ist, hatten wir einen früheren Beginn bereits eingeplant und betraten Punkt 19.30 Uhr die Grugahalle in Essen, ungefähr zeitgleich mit ROYAL REPUBLIC ging es dann für die Band direkt auf die Bühne, für mich in den Fotograben.

Erwartet hatte ich laut Ankündigung eigentlich die ALL-AMERICAN REJECTS als Opener und man wäre sehr gut beraten gewesen, diese Reihenfolge auch einzuhalten, doch dazu später mehr. Die Schweden um Sänger Adam Grahn sind in der Szene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nicht nur durch die 2010 erschienene Debut-CD „We are the royal“ konnte das Quartett auf sich aufmerksam machen, vielmehr erspielte es sich auf unzähligen Konzerten zunächst als Opener, dann auch als Headliner, den Ruf einer hervorragenden Live-Band und es fielen immer öfter die nicht nur musikalischen Vergleiche mit ihren Landsmännern von THE HIVES. Lassen wir die mal außen vor, deren Live Show zu schlagen, werden selbst ROYAL REPUBLIC noch Jahre brauchen, aber was da in Essen ab der ersten Minute abging, war schon mehr als beachtlich. ROYAL REPUBLIC begannen ganz stark und schafften es dennoch, das Level nicht nur zu halten, sondern stetig von Song zu Song zu steigern. Das sehr junge Publikum an diesem Abend machte dankbar mit und klatschte, sang und brachte durch rhythmisches Springen den Hallenboden arg zum Schwingen. Zu Mitte des Sets gab es mit dem Song „Addictive“ schon einen kleinen Vorgeschmack auf das neue im August erscheinende Werk „Save the nation“, während man mit einem kleiner 3er-Hit-Feuerwerk das 30minüte Set unter großem Jubel beendete. Das war schon mal ein mehr als gelungener Auftakt eines rockigen Konzertabends und nun stellte sich die Frage „Warum muss eine so geile Liveband den Abend eröffnen?“.

Setlist ROYAL REPUBLIC
The presidents daughter
Walking down the line
All because of you
Make love not war
Addictive
Full steam spacemachine
Underwear
Tommy-gun

Vielleicht lag es am geringen Durchschnittsalter der anwesenden Fans, dass die ALL-AMERICAN REJECTS als zweite Band spielen durften. Einen wirklich großen Gefallen tat man ihnen mit dem Platz im Setting nicht unbedingt. Es ist ja nun auch nicht gerade so, dass die Combo eine völlig unbekannte ist. Schließlich konnte man schon einige Hits landen, der mit Abstand bekannteste „Gives you hell“ war eine Zeitlang ja allgegenwärtig. Doch während bei ROYAL REPUBLIC die Energie der Bandmitglieder echt und mitreißend wirkte, waren die Show und das Acting der ALL-AMERICAN REJECTS eher einstudiert und ein bisschen gezwungen. Der Funke sprang zumindest nicht komplett auf das Publikum über und so ging die Energie, die ROYAL REPUBLIC dem Publikum gegeben haten, mit jedem Stück ein bisschen mehr verloren. Immerhin „Gives you hell“ wird am Ende des Sets mitgesungen und abgefeiert. Ein Wechsel der beiden Vorbands hätte eine in sich stimmigere Steigerung der Stimmung bedeutet.

Setlist ALL-AMERICAN REJECTS
Dirty little secret
Top of the world
Swing, swing
Kids in the street
Gonzo
It ends tonight
Walk over me
Move along
Gives you hell

Dann hätten es BLINK 182 aber auch umso schwerer gehabt, sich im direkten Vergleich behaupten zu können. Dass alleine sie der Headliner sind und einziger Grund, warum die Grugahalle in Essen praktisch ausverkauft war, zeigte der ohrenbetäubende Jubel und das Gekreische einer Horde kleiner Mädels, als die Band um 21.30 schließlich die Bühne betrat und es gleich richtig losging. Glücklich waren da diejenigen (gerade weiblichen Fans), die rechtzeitig gekommen waren und in den mit einem Wellenbrecher abgesperrten Bereich vor der Bühnen ihren Stars ganz nah sein konnten. Die Bühne von BLINK 182 war passend zur Musik eher schlicht gehalten, auf großartige Show- und Bühnenelemente verzichtete man glücklicherweise, lediglich eine große LED-Rückwand und zwei seitliche Videoleinwände hatte man sich gegönnt. Das war bei dieser Größenordnung auch durchaus sinnvoll und überwiegend sah man die gefilmten Bandmitglieder angereichert um einige visuelle Effekte, die die Show und die Songs unterstützen, aber nie wirklich von ihr ablenkten oder unangenehm in den Vordergrund traten.

Gleich zu Beginn des Sets feuerte das Trio aus Ohio mit „The rock show“ und „What´s my age again?“ zwei Mitgröl-Hymnen ins feierwütige Publikum und hatte es danach vollkommen im Griff. Der bereits von ROYAL REPUBLIC zum Schwingen gebrachte Boden musste beweisen, dass er noch einmal ein vielfaches von Energie abfedern konnte, die Statiker der Halle hatten zum Glück ihren Job gut gemacht (böse Zungen könnten behaupten, die springenden Kinder hätten ja auch kein großes Gewicht). Eigentlich war es schon ein bisschen erstaunlich, dass an diesem Abend ein so auffallend junges Publikum den Weg in die Grugahalle gefunden hatte, schließlich war die COMBO hauptsächlich Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre erfolgreich, löste sich dann 2005 sogar komplett auf; bevor sie Ende 2009 wieder zusammen kam. Mit „Neighborhoods“ konnten sie nun allerdings wieder an alte Glanztaten anknüpfen und live machten und machen BLINK 182 einfach nur großen Spaß. Wie es sich für ordentliche Punker gehört; ging dieser Spaß dann auch mal unter die Gürtellinie, aber wie sollte man auch eine seriöse Überleitung zu Songs wie „All the small things“ finden; mit dem BLINK 182 den Saal nochmal ordentlich zum Kochen BRACHTEN, während sie anschließend mit „Happy holidays, you bastards“ im Dunkeln wieder ruhigere Töne anstimmen und schließlich mit „Josie“ den regulären Teil des Sets beenden.

Doch so leicht ließ das Essener Publikum nicht gehen und verlangte lautstark nach einer Zugabe. Die gab es dann auch beginnend mit einem durchaus beeindruckenden Drum Solo von Travis Barker. Danach treten BLINK 182 bei „Carousel“ das Gaspedal noch einmal voll durch. Mit „Dammit“, „Family reunion“ und einem Konfettiregen gingen dann unterhaltsame 90 Minuten zu Ende. Vor der Grugahalle standen schließlich auch schon wartende Horden von Eltern um ihre punkrockenden Sprösslinge ins Bett bringen zu können. Hätten sie mal ihre Kinder zum Konzert begleitet … sie haben an diesem Abend wirklich etwas verpasst.

Setlist BLINK 182
Feeling this
Up all night
The rock show
What´s my age again?
Down
I miss you
Wishing well
Dumpweed
Always
Violence
After midnight
First date
Heart´s all gone
Man overboard
Ghost on the dancefloor
All the small things
Happy holidays, you bastards
Josie

Can a drummer get some (Travis drum solo)
Carousel
Dammit
Family reunion

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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