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BLUTENGEL – AVOID KHARMA – MISS CONSTRUCTION

Ort: Herford - X

Datum: 20.04.2009

Die Sonne brannte vom Himmel, es war warm, überall bunt und luftig gekleidete Menschen auf den Straßen, nur vor dem X hatte sich eine Horde düster gekleideter Figuren in wenig sommerlicher Kluft eingefunden und ließ sich neugierig von den Besuchern des angrenzenden Fitnessstudios beäugen. Der Anlass dafür an diesem Montag nach den Osterferien war Düsterpopper Chris Pohl, der am heutigen Abend mit seiner Formation BLUTENGEL und den beiden Supportacts MISS CONSTRUCTION sowie AVOID KHARMA in Herford gastierte. Das konnte und durfte sich der Terrorverlag natürlich nicht entgehen lassen und fand sich überpünktlich im X ein. Doch zunächst hieß es warten, denn wie auf der Homepage angegeben startete man tatsächlich erst um 20.30 Uhr mit dem Programm. Für einen Tag mitten in der Woche und mit zwei Vorbands im Gepäck vielleicht nicht unbedingt die beste Uhrzeit. Konnte man doch da schon davon ausgehen, dass es ziemlich spät werden würde für die Schüler und die arbeitende Bevölkerung im Publikum.

Den Anfang machten MISS CONSTRUCTION, ein weiteres „Produkt“ aus dem Hause Pohl. So zeigt er sich zumindest auf dem Debütalbum „Kunstprodukt“ für die Musik verantwortlich, auf der Bühne war er aber (nun) nicht zu finden. Für die auf dem Album weiblich klingenden Vocals sorgt hingegen sein Kollege Gordon von TERMINAL CHOICE. Verwirrend? Die Bühne wurde von drei jungen Herren gestürmt, am Mikro besagter Gordon plus 2 Live Musiker. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein wenig den Überblick verloren und wartete einfach mal ab, was da nun passieren sollte. Gestartet wurde mit „Slaughterhouse“ und die Musik wummerte schon mal ganz ordentlich aus den Boxen, aber von der Stimme war leider kaum etwas zu hören. Das Problem konnte aber bei Titel Zwei behoben werden und so konnte man sich zu „F**K U Bitch“ ganz auf die Show konzentrieren, die dann auch gleich mal mit dem gen Publikum gerichteten Stinkefinger eingeläutet wurde. Schockt heutzutage nicht mehr wirklich und wirkte auf mich eher peinlich. Aber zumindest wurde klar, auf welchem Niveau es weitergehen sollte. Es folgte eine Coverversion von „Totes Fleisch“, im Original von TERMINAL CHOICE und so stumpf ich es fand, so gut gefiel das Gesehene dem Publikum. Zumindest wurde kräftigst applaudiert und die Hände gereckt. Obligatorisch auch die Videoprojektionen im Hintergrund und die unvermeidlichen Samples in den Songs. Sorry, aber das war nun so gar nicht meins. Interessant wurde es dann noch mal beim letzten Stück „Kunstprodukt“, bei dem sich der Keyboarder seiner Haare/ Perücke entledigte und plötzlich jemand anderes an den Drums stand. Bewies man da etwa Selbstironie und nahm den Titel „Kunstprodukt“ wörtlich? Gefiel mir in jedem Fall ganz gut und zeigte, dass dort doch noch so etwas wie Intelligenz zu finden war.

Setlist MISS CONSTRUCTION
Slaughterhouse
F**k U Bitch
Totes Fleisch
Hass und Liebe
Lunatic
Electro Beast
Kunstprodukt

Nach einer 20 minütigen Umbaupause ging es dann mit dem zweiten Act an diesem Abend namens AVOID KHARMA weiter. Man blieb damit zwar auf der elektronischen Schiene, war aber nicht so prollig wie der Vorgänger. Sänger David dürfte mit seinem androgynen Touch bei einigen der Zuschauer(innen) gut angekommen sein. Und ganz witzig war er auch noch. Man startete mit „Picture Book“ vom letztjährig erschienen Debüt „No Paradise“ und zunächst ließ sich die Sache auch ganz gut an. Wirkte die Performance noch etwas statisch, taute David bei „Rebirth“ sichtlich auf und begann nun auch sich über die Bühne zu bewegen. Musikalisch fand ich AVOID KHARMA durchaus ganz ansprechend, aber stimmlich war mir das Ganze etwas zu monoton. Es fehlten irgendwie die Höhen und Tiefen und wurde somit auf Dauer etwas langweilig. Aber Potential ist durchaus vorhanden. Zu „The Hostage“ (auf dem Album eigentlich ein Duett mit Chris Pohl) konnte man das Steuer aber noch mal rumreißen und lieferte einen wirklich guten Titel ab, der bei mir gut ankam und an dem man sich in Zukunft vielleicht orientieren sollte. Dann war mit „No Paradise“ aber auch schon wieder das Ende gekommen und man verließ unter freundlichem Applaus die Bühne, um dem nun anstehenden Hauptact Platz zu machen. Aber zunächst musste natürlich erstmal umgebaut werden.

Setlist AVOID KHARMA
Picture Book
Rebirth
Terrabyte
Love Circuit Switch
Infected
The Hostage
No Paradise

Für den Abend hatte man auf jeden Fall eine schicke Bühnendeko im Gepäck. Zwei alte Laternen, die zum Intro feierlich von einem Nachtwächter(?) entzündet wurden, bevor Chris Pohl die Bühne enterte. Neben dem Mikro gab es für den Herrn extra noch ein Lesepult, eventuell weil die Texte des aktuellen Albums „Schwarzes Eis“ noch nicht so ganz perfekt sitzen. Mit „Behind the mirror“ startete man dann auch gleich mit einem Song des besagten Werks und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Herr Pohl stimmlich etwas zugelegt hat oder ich habe den Auftritt auf dem Mera Luna vor fünf Jahren einfach nur in schlechter Erinnerung. Ich konnte in jedem Fall nicht leugnen, dass mir ganz gut gefiel, was ich da zu hören bekam und auch die theatralischen Gesten passten gut zu der nicht weniger theatralischen Musik. Chris hat übrigens recht schöne Hände, so ganz nebenbei bemerkt. Nun gesellten sich auch die beiden Sängerinnen Ulrike (Ex-SAY Y) und Constance mit auf die Bühne, um „Dreh dich nicht um“ anzustimmen. Im Hintergrund hatten sich zwei weitere Damen eingefunden, welche den Gesang mit einer Tanzeinlage und Feuershow untermalten. Man bekam auf jeden Fall etwas geboten zu dieser späten Uhrzeit. Bevor es dann mit „Beauty and Delight“ weitergehen konnte, posierte der Mastermind noch für die anwesenden Fotographen, man ist halt eben Profi. Und im Hintergrund fielen an diesem Abend nun zum ersten Mal die Hüllen, war die Tänzerin doch eher weniger als mehr bekleidet. Aber das ist bei BLUTENGEL ja nichts unbedingt Neues und dürfte auch den einen oder anderen Zuschauer erfreut haben, welcher schon ganz erpicht auf unverhüllte Details wartete. Es folgte „Kind der Nacht“, ebenfalls auf dem aktuellen Album enthalten und an dieser Stelle muss ich zugeben, dass die beiden Frauenstimmen mir etwas zu anstrengend waren, was die Tonlage anbetrifft. Aber das ist wohl Geschmackssache. Mich hingegen faszinierte dafür mehr die Show, welche man zu sehen bekam. Damit hatte man sich eindeutig Mühe gegeben. Zunächst aber verließ Herr Pohl mit Frau Rudert die Bühne, um diese ganz Ulrike zu überlassen, die eine gefühlvolle Ballade intonierte. Zu „She’s in love with the devil“ wurde es dann aber wieder erotischer und verruchter, hatten sich auf der Bühne doch zwei Nonnen eingefunden die sich nach und nach entblätterten. Das war aber auch schon fast das Letzte, was wir von BLUTENGEL zu sehen bekamen, denn inzwischen war es fast halb zwölf und der Weg nach Hause musste leider angetreten werden. Ein letzter Blick noch zur Bühne und über die Zuschauer von denen vereinzelt BLUTENGEL Fahnen geschwenkt wurden und dann verließen wir das X in die laue Frühlingsnacht.

Am ehesten kann man diesen Abend wohl als „interessant“ beschreiben angesichts des gebotenen Programms und ich habe mich durchaus unterhalten gefühlt, was sicher der Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung ist. Und auch wenn ich nach wie vor kein BLUTENGEL Fan mehr werde, wusste die Band durchaus zu gefallen. Einzig und allein der späte Beginn des Konzerts hat etwas gestört. Sicher hätte man auch einfach eine Stunde früher beginnen können.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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