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BONECRUSHER FEST 2012

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 11.02.2012

CARNIFEX – BENEATH THE MASSACRE -WITHIN THE RUINS – MOLOTOV SOLUTION – BETRAYING THE MARTYRS

Hm, wenn Chirurgen sich einen falschen Schnitt leisten, nennt man das „Kunstfehler“, oder? Was ist es dann, wenn sich Tontechniker scheinbar bei der Berufswahl vertan haben? Seit diesem Abend in der Matrix muss ich feststellen: Körperverletzung. Ganz schlimm, was die Verantwortlichen scheinbar unter „erträglichem“ Klang verstehen und den (zugegebenermaßen nicht vielen) zahlenden Gästen an diesem frostigen Samstagabend zumuteten.

Aber der Reihe nach. Zuerst ist man leicht verwirrt ob der nicht vorhandenen Fan-Dichte, welche sich zudem noch aus ziemlich „komischen“ Menschen rekrutiert, die etwa zur Hälfte mit Leibchen des Headliners behangen sind. Von den geschätzten 200 Anwesenden tummeln sich bis auf beim Headliner nie mehr als 100 im vorderen Teil der Matrix, der Rest steht minder interessiert sonst wo herum. Was zumindest bei der hektischen Metalcore-Krabbelgruppe BETRAYING THE MATYRS nicht wirklich schlimm ist. Hier paart sich der grausame PA-Sound noch mit seltsamem Acting einer optisch nicht funktionierenden Band (2 Emo-Frisuren, ein Deathcore-Volltattoo und ein posender Bodybuilder), die ihren wirren „Emocore meets Breakdowns“ ins gelangweilte Auditorium dreschen. Zwar die einzige Band mit „clean vocals“, jene aber so schlecht gemischt (zweites Mikro scheinbar gar nicht auf PA!), dass man sie auch hätte weglassen können.

Danach folgt eine erfreulich kurze Change Over-Zeit, bedingt durch eine von allen 4 Supports genutzte Backline inkl. Amps (umso unverständlicher der fast gleichbleibend schlechte Sound über Stunden!), bevor es mit MOLOTOV SOLUTION auf ihrer ersten Europa-Rundreise weitergeht, und es deutlich besser wird, nicht nur in Sachen Optik. Homogen und humorlos prügelt man sich durch einen Querschnitt der Band-Diskographie, soweit jenes in der ihnen erlaubten halben Stunde möglich ist. Eh ein Hohn, dass man weitaus bessere Acts als den Headliner mit je knapp 30min abspeist… auf jeden Fall ein gelungenes Brett der Amis, wobei insbesondere die wenigen Stücke der aktuellen „Insurrection“-Scheiblette im Set zu gefallen wissen.

Womit wir dann bei den von mir mit Spannung und Vorfreude erwarteten, leicht progressiven Metal-/ Deathcore-Könnern von WITHIN THE RUINS angelangt sind. Auch mit einem minderqualitativen Sound ausgestattet brettern sich die Amis angetrieben vom brutalen Brüllwürfel durch die Highlights ihrer VÖs, wobei besonders Stoff von „Invade“ zu überzeugen weiß, auch wenn alle eigentlich essenziellen spielerischen Feinheiten im matschigen Soundbrei untergehen. Eine Schande. Die Band hat sich ihre BRD-Premiere bestimmt anders vorgestellt, zumal auch die Publikumsreaktion nicht nachzuvollziehen ist: Eher nur schauend und Höflichkeits-Applause spendend… falls man sich überhaupt in der Halle befindet und nicht am Merch oder eine Etage höher an der Bar. Leider nicht im unerfreulich kurzen Set: Die brillante KANSAS-Coverversion von „Carry on my wayward Son“ – schade…

Genauso unenthusiastisch geht’s dann bei den franko-kanadischen Ultra-Blast-Fricklern von BENEATH THE MASSACRE weiter, denen man leider ansieht, einen anderen Verlauf des Events erwartet zu haben. Zwar gibt man sich professionell und rotzt das Material ultratight ins desinteressierte Volk (unfassbar der Aushilfs-Drummer, der das ultra-komplexe Material locker-leicht in die Felle drischt!), aber es will keine Stimmung aufkommen bei einer immer am Brutalitäts-Limit stattfindenden Performance, die unter Anderem gespickt ist mit Songs vom gerade erschienenen Longplayer „Incogruous“. Sehr schade, aber auch hier ist nach kurzweiligen 30 Minuten Schicht.

Und dann füllt sich die Halle merklich auf „knapp über zur Hälfte locker gefüllt“, denn es spricht sich rum: Gleich kommt der Headliner. Oder eher „Captain Schmierbauch & the Deathcore-Crew“. Der unförmige Gitarrist, der jeden Frank Albrecht-Lookalike-Contest gewinnen würde und dem unter der Gitarre beim Gig schwabbelig die Plautze raushängt, ist wie ein Magnet, man kann einfach nicht wegschauen. Ansonsten gehen die nun Anwesenden, viele mit Kappen u/o Sweat-Shorts Szene-gerecht gekleidet und oft cool mit Tunnels oder Plugs unterwegs, nun endlich mal steil und feiern den eigentlich stumpfen Headliner und seine zwischen old school Death Metal und modern rasendem Deathcore pendelnden Kompositionen ab. Endlich geht auch mal der Sound in Ordnung und Lord Wampe und seine Kumpels marschieren durch Hymnen wie den Titeltrack des „The Diseased and the Poisoned“-Album Richtung Sieg. Gekonnt wechselt man zwischen altem Scheiß und Stoff neueren Datums, lässt nichts anbrennen und hat mit Abstand die besten Resonanzen des leider abschließend doch nicht wirklich befriedigenden Abends.

Denn dafür sind ein überflüssiger Opener (der scheinbar unverständlicherweise demnächst mit den genialen VEIL OF MAYA schon wieder bei uns unterwegs ist, und dort noch weniger passt), 3 mit schlechtem Sound verheizte Supports und ein ganz passabler Headliner zu wenig. Schade, wirklich schade…

Copyright Fotos: Jens Schäfer

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