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BORKNAGAR – KAMPFAR – DIABOLICAL

Ort: Oberhausen - Kulttempel

Datum: 14.04.2016

Es ist schon eine Weile her, dass die norwegischen Black/ Viking-Pioniere BORKNAGAR in unserer Region on Tour waren. Um so verwunderlicher, dass sich der Andrang ziemlich in Grenzen hielt. Vor allem, da mit KAMPFAR und DIABOLICAL nicht irgendwelche Bands mit on Board waren und der kleine, aber feine Kulttempel direkt neben der Turbinenhalle liegt, also gut erreichbar.

So betraten DIABOLICAL vor einer recht übersichtlichen Zahl von Anwesenden die Bühne und wirkten daher verständlicherweise nicht unbedingt bis in die Haarspitzen motiviert. Dennoch zockten die Schweden, die von Widda Widgren (Vocals/ Gitarre, DEMONICAL/ CENTINEX) ihren gelungenen Mix aus beinharten Death Metal-Attacken und eingängiger Walz-Action tight auf den Punkt. Dabei besann man sich vor allem auf das „Neogenesis“-Album (2013), hatte mit „Requiem“ aber auch einen Vorgeschmack auf neue Schandtaten und dieser offenbarte sogar Melodien mit epischen Anstrich. Man darf gespannt sein. So boten DIABOLICAL durch ihr spielerischen Niveau ein durchaus kurzweiliges Set, welches absolut mehr Beachtung verdient gehabt hätte!

Als KAMPFAR loslegten, war es schon deutlich voller. So waren einige Black Metal-Fans nur wegen den Norwegern und deren Fronter Dolk angereist, der in der Szene sowas wie Kultstatus genießt. Kein Wunder, bietet der Herr mit seiner nun auch schon 22 Jahre aktiven Band auch live einen packenden Mix aus derben Black Metal-Attacken und folkigen Melodie-Einschüben. Zudem strahlt der blonde Sänger eine Aura aus, die einen prompt in seinen Bann zieht. Vocals, Acting und mitreissende Songs wie Hymne (1995) bis hin zu „Daimon“ vom starken, aktuellen Album „Profan“ (2015) kreierten eine runde Show, die durch die spielfreudigen Mitstreiter wirklich fett vervollständigt wurde. Und so wunderte es nicht, dass immerhin einige Fans ihren Weg direkt vor die Bühne fanden und die Band verdienterweise abfeierten. Und dennoch gilt auch für KAMPFAR: Das hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt!

Nach einer letzten kurzen Umbaupause war es soweit. Es war Zeit für die norwegische Ausnahme-Band BORKNAGAR, die den skandinavischen Extrem Metal bereits seit 1994 maßgeblich mit prägt! Leider konnte Mr. Vintersorg (Vocals, VINTERSORG, CRONIAN) auch dieses Mal nicht an der Tour teilnehmen, kämpft der Schwede noch immer an den Folgen der schweren Kopfverletzungen, die er sich vor wenigen Jahren bei einem Unfall zugezogen hat und die das Reisen und auch Live-Konzerte unmöglich machen. Wie Gitarrist Oystein G. Brun in unserem Interview verriet, sehen die Chancen für eine Rückkehr auf die Bühne trotz weitestgehender Genesung auch nicht so gut aus. So ging man auch dieses Mal mit Pal „Athera“ Mathiesen ins Gefecht, der sich mit Bassist ICS Vortex (Bass/ Vocals, ARCTURUS, ehem. DIMMU BORGIR) die Vocals teilte. Dieser trat übrigens mit einem Handicap auf, hatte sich der Hüne am Fuss verletzt und spielte daher auf einem Hocker sitzend. An diesem Abend fehlte zudem noch Lars „Lazare“ Nedland, so dass den Songs ein wenig die durch die Keyboards erzeugte, epische Tiefe versagt blieb.

So, nun aber zur Musik und diese ist und bleibt bei BORKNAGAR nun mal grandios, auch wenn die Band nicht mit voller Wucht agieren kann. Songs wie der geniale Opener „Rhymes of the Mountain“, das packende „Oceans Rise“ oder das natürlich nicht fehlen dürfende „Colossus“ sind einfach Genre-definierende Tracks für die Ewigkeit! Athera beherrscht sowohl cleane Vocals als auch die brutalen Black Metal-Screams nahezu perfekt. Und auch wenn Vintersorgs‘ Vocals z.B. auf „Frostrite“ oder dem genialen „Cold Runs the River“ kaum zu toppen sind, klappt dass Zusammenspiel von Vortex‘ etwas eigenwilliger Stimme und Atheras Gesang bei diesen Songs ebenfalls extrem gut! Und Zusammenspiel ist ein gutes Stichwort. So brillierten auch die Gitarristen Oystein G. Brun und Jens F. Ryland heute mit eindrucksvoller Riffaction aus vertrackten Riff-Folgen, epischen Melodien und packenden Soli. Diese Herren können es einfach, Punkt! Und für diese anspruchsvolle Musik hat man mit dem jungen Baard Kolstad (LEPROUS, GOD SEED) einen der derzeit besten Metal-Schlagzeuger in seinen Reihen. Mit erst Anfang 20 zockt der Typ, dass einem die Kinnlade runterklappt und bekam auch dieses Mal verdienterweise das von den Fans geforderte Drum-Solo!

Als kleine Überraschung hatten die Norweger für diese Tour mit „Icon Dreams“ („Quintessence“) und „Dauden“ vom 1996er Debüt zwei Tracks am Start, die man von ihnen selten bis nie live geboten bekommt. Und diese fügten sich perfekt ins Set ein, welches sein Finale natürlich mit dem Übersong „Winter Thrice“ erhielt, welches auf dem Album durch die Gast-Vocals vom ehem. Sänger Kris „Garm“ Rygg auftrumpft, aber auch nur in der Kombination Athera/ Vortex sehr gut funktioniert.

So lebte dieser Abend vor allem durch die musikalische Performance der tollen Songs als auch von einer herausragende Show. Und auch, wenn das absolut zu schlecht besuchte Konzert sicherlich anfangs nicht motivierend gewesen sein dürfte, bewiesen die Norweger, was für grandiose Musiker sie doch sind und zeigten auch, dass die positiven Reaktionen dieses Abends absolut zu schätzen wissen und auch untereinander ihren Spaß hatten. Und dennoch wünsche mir fürs nächste Mal die volle Besetzung in körperlicher Topform und am besten noch mit Athera, Vintersorg und Garm zusammen in Aktion. Aber auch diese Performance war die Reise mehr als wert!

Setlist BORKNAGAR
Rhymes of the Mountain
Epochalypse
Oceans Rise
Cold Runs The River
Ad Noctum
Universal
Eye of Oden
Frostrite
Icon Dreams
Ruins of the Future
Dauden
Dawn of the End
Colossus
Winter Thrice

Copyright Fotos: Michael Werneke

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