Konzert Filter

BOSSE

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 19.08.2016

Das Gütersloher Kulturangebot lässt zuweilen zu wünschen übrig, besonders in Sachen „Konzerte renommierter Bands“. Nach einem kurzen Zwischenhoch anlässlich des Betreiberwechsels der Weberei kehrte leider diesbezüglich auch dort wieder Ruhe ein. Doch nun möchte man eine neue Offensive starten und einer der ersten namhaften Künstler, der G-Town besuchte, war der sympathische Braunschweiger Axel „Aki“ Bosse – mitsamt Band versteht sich. 2 Jahre und 3 Monate nach seinem letzten Gastspiel in der Webe kehrte er zurück nach Ostwestfalen, ohne Vorband, dafür aber bestens gelaunt und mit vollem körperlichen Einsatz.

Es war doch relativ warm geworden an diesem Freitag, und das Ganze versprach auch aufgrund des „Ausverkauft“-Stempels eine schweißtreibende Angelegenheit zu werden. Ebenso war von vorneherein klar, dass die Fotobedingungen nicht gerade „perfekt“ sein würden. Ohne Graben und bei Rotlicht und Co. sei es hoffentlich verziehen, dass wir nur 3 der 8 Musiker ablichten konnten, immerhin war der bewegungsfreudige „Boss“ einigermaßen im Rampenlicht. Dazu agierte eine sehr ansprechende Begleitgruppe, die teils auch schon länger mit dem Niedersachsen musiziert. Ein wenig Namedropping: Thorsten Sala (Gitarre) und Theofilos Fotiadis (Bass, Bass-Ukulele!), die 1995 mal eine Thrash Scheibe unter dem Banne KIND TOT veröffentlicht haben (sicher eine Jugendsünde…), Stefan Lenkeit an den Keyboards, der Schweizer Chris Heiny (Schlagzeug, in der Funktion schon mit TOM LÜNEBURGER und dem LEICHTMATROSEn unterwegs), Martin Wenk (Trompete, Akkordeon, Gitarre – Mitglied der recht legendären CALEXICO). Dazu die bezaubernde Valentine Romanski (Backing Vocals, Keyboards), die auch erfolgreich eigenes Material veröffentlicht und am Cello für die emotionalen Momente Niklas Hardt.

Kurz nach 20 Uhr ging es direkt mit „Außerhalb der Zeit“, dem Opener der aktuellen Scheibe „Engtanz“ los, die übrigens BOSSEs erstes Nr.1-Album in Deutschland geworden ist. Qualität setzt sich manchmal also doch durch. 6 weitere aktuelle Stücke sollten noch folgen, doch natürlich wurden auch die älteren Gassenhauer mit viel Verve performt, was die Anwesenden von Anfang an mit sehr viel Begeisterung quittierten. Ganz untypisch für uns sture Westfalen eigentlich. Neben den Songs stehen natürlich auch Akis kleine Anekdoten im Vordergrund, die er ohne jede Affektiertheit zum Besten gibt. Hier wirkt einfach alles authentisch, spontan, ehrlich. Ob er nun das Projekt Viva con agua lobt, für das er sich auch persönlich einsetzt (demnächst mit einem Besuch in Nepal), oder eher persönliche Geschichten früher pubertärer Liebe offenbart – der Mann ist der geborene Entertainer. Doch er versteht es auch, ernste Facetten rüber zu bringen, wenn es z.B. um den Song „Istanbul“ geht (seine Frau ist ja bekanntermaßen eine deutschtürkische Schauspielerin). Leider hat die Stadt durch die aktuellen Geschehnisse ein wenig ihrer Leichtigkeit zwischen den Welten verloren. Nichtsdestotrotz wurde auch hier mitgesungen, -gesprungen und -gefühlt – genau wie beim melancholischen „Ahoi Ade“, bei dem es um die ersten Verluste im Freundeskreis geht. Wir werden eben alle nicht jünger. Doch Schwermut beiseite: Es wurde auch genug rumgeblödelt auf der Bühne, Keyboarder Stefan scheint beispielsweise ein Fitnessfreak zu sein, der seine Bandkumpanen gerne joggingtechnisch durchs Gelände jagt. Auch am Nachmittag im Gütersloher Stadtpark, den Axel aufgrund der dort gelegenen Villen gleich mal mit Sylt verglich.

Bei meinem persönlichen Lieblingssong „3 Millionen“ machte sich der Sänger natürlich mal wieder ins dicht gedrängte Publikum auf, danach folgten mit „Schönste Zeit“ und „Alter Strand“ weitere Gassenhauer. Die aktuelle „Krumme Symphonie“ ist auf Platte ein Duett mit CASPER, der obwohl in der Nähe beheimatet, leider/ natürlich nicht vor Ort war. Valentine übernahm die Rap Parts (plus die Backings mit wechselnden Mikros) in perfekter Art und Weise und bekam dafür einen Extra-Applaus. „Frankfurt Oder“ ergänzt von längeren Soli der Protagonisten und einem aufblasbaren Hai im Publikum war dann nach 100 Minuten bereits der Abschied vom regulären Set. BOSSE und Co. waren zu diesem Zeitpunkt bereits genauso durchgeschwitzt wie die meisten Anwesenden, die unaufhörlich tanzten und klatschten.

Es dauerte nicht lange, und die 3-teilige Zugabe brachte die Stimmung noch einmal zum Höhepunkt. Eingeleitet von der ersten „Engtanz“-Single „Steine“ ließ „Du federst“ Titelgerecht noch einmal die Tanzbeine schwingen, bevor „Kraniche“ eine letzte emotionale Duftmarke setzte. Die Mannschaft verabschiedete sich unter Ovationen und Herr Bosse machte glaubhaft deutlich, wie sehr ihm Gütersloh am Herze liege und dass dies ganz und gar nicht sein letzter Besuch in der Webe bleiben würde. Weißt du was Aki? Wir freuen uns auf dich du Träumer und Weltverbesserer!

Setlist BOSSE (ohne Gewähr)
Außerhalb der Zeit
So oder so
Nachttischlampe
Vier Leben
Dein Hurra
Immer so lieben
Istanbul
Ahoi Ade
3 Millionen
Schönste Zeit
Alter Strand
Krumme Symphonie
Frankfurt Oder

Steine
Du federst
Kraniche

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BOSSE auf terrorverlag.com