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BRAINSTORM – AT VANCE – MERCENARY

Ort: Essen - Zeche Carl

Datum: 21.04.2005

Dass diese erste Headliner-Tour der BRAINSTORMies ein absoluter Triumphzug werden würde, stand für mich schon nach der letztjährigen Support-Tour für EDGUY fest, kündigte man doch dort, ob der überschwänglichen Resonanzen, schon eben jene an. Und die grandiosen Kollegen von EDGUY verbläst man ja auch nicht gerade mal eben so, wie auf jener Tour geschehen. Da die neue Scheibe „Liquid Monster“ auch absolute Maßstäbe setzt und zurecht allerorten abgefeiert wird, war meine Erwartungshaltung schon recht groß. Das die 5 Sympatikusse dann aber mal eben locker ALLES abräumten, was eine Band live nur abräumen kann, ließ nicht nur mir die Kinnlade klappern.

Doch zunächst war es an den Dänen MERCENARY zu überraschen, und das im positivsten Sinne! Die hatte ich nämlich noch als coole Melodic Death Metal-Kapelle in Erinnerung. Aber das neue Album „11 Dreams“ zeigte die neue Ausrichtung mit erneuerter Mannschaft schon auf, und somit passte man doch musikalisch hervorragend in dieses Package, bietet der Fünfer doch mittlerweile hervorragenden Melodic Power Metal mit einem Wahnsinns-Shouter. Der erinnerte optisch zwar eher an Mighty Phil Anselmo, gesanglich brillierte er allerdings in Geoff-Tate-Regionen zu dessen besten Zeiten! Auch wenn er sich dabei anstrengte wie ein Gewichtheber; traten die Halsadern doch des öfteren bedrohlich hervor! Dafür saß aber jeder Ton, und publikumsscheu ist der Gute auch nicht wirklich. Kein Wunder also, dass die schon gut gefüllte Zeche voll abging und die Jungs begeistert abfeierte. Und die drehten von Song zu Song mehr auf, grinsten immer breiter und lieferten eine Wahnsinnsshow ab. So vergingen die knapp 40 Minuten wie im Flug und etliche Anwesende hätten gerne mehr gesehen.

AT VANCE im Anschluss hatten es damit natürlich nicht leicht und konnten das Publikum auch nicht dermaßen aus der Reserve locken wie MERCENARY zuvor. Mag auch an der relativen Eintönigkeit des Materials gelegen haben. Der unverkennbar schwer im speedigen 80er Power Metal wildernde Sound bot einfach zu wenig Abwechslung, wobei man musikalisch doch schwer was auf der Pfanne hat – eigentlich, sind ja alles keine Grünspunde mehr die Herren. Bei deren zahlreichen Ex-Combos fallen u.a. gewichtige Namen wie SCANNER, ZED YAGO, YNGWIE MALMSTEEN, TREAT etc.! Dass das alles handwerklich absolut erste Sahne ist, versteht sich da wohl von selbst. Aber ob Mr. Lenk an der Axt in nahezu jedem Song dudeln muss, bis der Arzt kommt, sei mal dahin gestellt. Brillant der Mann, keine Frage, aber weniger ist manchmal mehr. Fronter Mats Leven erinnert mich immer sowohl optisch wie auch z.t. gesanglich an den unsterblichen Carl Albert (VICIOUS RUMORS, RIP man!), ohne jedoch so variabel und agil zu sein. Auf die Dauer wurde das ewig in höchsten Sphären singende Organ doch mal anstrengend. Und ob Herr Cross an der Schießbude bei einem Support-Slot unbedingt ein Solo hinlegen musste, lassen wir mal dahingestellt. Überflüssig. Insgesamt also eher durchwachsen der Auftritt, was sich auch an den Resonanzen widerspiegelte.

Und dann kam um Punkt 22:00 die unglaublichste Live-Combo seit BOLT THROWER. Was ein Orkan, was ein Abräumergig! Ich hab ja nun in den letzten 15 Jahren mittlerweile Hunderte von Konzerten erlebt und dabei waren Dutzende unglaubliche, aber einen Abend wie diesen gab’s schon ewig nicht mehr, und dieser Gig steht unter meinen Top 5 ever. Kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen, muss man erlebt haben. Dagegen verblasst sogar der phänomenale MORBID ANGEL-Gig ein paar Tage zuvor an gleicher Stelle! Und wenn man die Reaktionen in der Presse und seitens der Fans in den Gästebüchern verfolgt gibt es nur eine logische Konsequenz: BRAINSTORM sind die Band der Stunde und vor allem der Zukunft! Sowohl national als auch international. Da stört es auch überhaupt nicht, dass man sich das eine oder andere Mal arg verhaspelte. Wurde mit breitem Grinsen routiniert überspielt und weiter ging’s. Das Hauptaugenmerk lag natürlich auf dem neuen Hammerscheibchen „Liquid Monster“. Egal, ob thrashiges Marke „Despair to Drown“ oder „Lifeline“ ins bangende Volk gepustet wurde, oder groovigeres wie „Worlds are comin´ through“, jeder Track wurde frenetisch abgefeiert bis auf die obersten Ränge. Kein Wunder, dass dem eigentlich nicht auf den Mund gefallenen Andy ob der komplett ausrastenden Menge mal nix mehr einfiel. Die sehr melodische Single-Auskopplung „All those Words“ stellte ein weiteres Highlight dar, ebenso das brettharte „Soul Temptation“ von selbiger Scheibe. Aber man vergaß auch die älteren Veröffentlichungen nicht und so wurden die gut 90 Minuten sehr kurzweilig. Andy sang einfach brillant alles in Grund und Boden und hatte die Meute voll im Griff, klatschte die ersten Reihen permanent ab und kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Der Rest legte ebenfalls eine brillante Performance an den Tag, das nennt man denn mal Spielfreude pur. Was ja so etlichen Bands mittlerweile schwer abgeht…

Logischerweise gab es 2 Zugaben und die Band wurde danach erneut minutenlang abgefeiert, während die 5 völlig abgekämpft am Bühnenrand standen und ihre Sticks und Pleks an die vordersten Reihen verteilten. Licht an, Konservenmucke an, Roadies auf der Bühne am Werkeln… also trollten sich etliche Besucher nach draußen. Meine Frau wollte auch schon raus und ich sagte nur: „Wart mal noch, das war’s noch nicht, hab ich so in der Nase“. Die Meute vor der Bühne wich nicht und das lauthalsige Bekunden nach mehr BRAIN-Stoff wurde nicht leiser…

Und siehe da, nach ein paar Minuten kamen sie tatsächlich kopfschüttelnd und sich verneigend auf die Bühne zurück! Andy konnte nun gar nix mehr rauskriegen, Klotten eingestöpselt und so kam Essen noch zu der Ehre mit „Voices“ einen Früh-Hit von der 98er-Platte „Unholy“ zu hören zu bekommen. Band und Publikum gaben noch mal alles und setzten einen würdigen Schlusspunkt unter dieses Großereignis.

Copyright Fotos: Mike Tüllmann

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