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BROTHER & BONES

Ort: Nijmegen – Merleyn

Datum: 23.02.2014

Zum Abschluss meiner kleinen Benelux-Rundreise erwarteten mich BROTHER & BONES aus London am doch recht späten Sonntagabend in Nijmegen. Im dortigen Merleyn, einem kleinen Schuppen mit einem Fassungsvermögen von schätzungsweise 100 bis 150 Zuschauern, beginnen die Konzerte im Normalfall nämlich erst gegen 22.00 Uhr. Das hatte für mich auf der einen Seite den Vorteil, tagsüber viel Zeit im wirklich schönen Brügge verbringen zu können, auf der anderen Seite war jedoch auch klar, dass es ein langer Tag werden würde. Andrang herrschte auf jeden Fall schon mal reichlich, denn die Briten hatten auch ihr zweites Konzert in den Niederlanden restlos ausverkauft. Ich kann nur vermuten, dass die Holländer die fünf Jungs den Holländer bereits dank ihres diesjährigen Auftritts beim Eurosonic und der bisherigen Radio-Präsenz ins Herz geschlossen hatten, denn das Auditorium zeigte sich recht textsicher und feierte den grandiosen Gig von Rich Thomas (Gesang & Akustikgitarre), Alex Karban (Bass), James Willard (E-Gitarre), Yiannis Sachinis (Drums) und Robin Howell-Sprent (Drums & Percussion) gebührend ab.

Die legten um 22.15 Uhr mit ihrem Opener „Raining Stone“ von der brandaktuellen EP „To Be Alive“ aber auch gleich absolut krachend los. Irgendwo zwischen THE BOXER REBELLION und MUMFORD & SONS zuhause, machen die Jungs keineswegs Lagerfeuer-Folk, sondern drücken mit ihren mitreißenden Songs so richtig auf die Tube. Kein Wunder, dass der Sound wie beim treibenden „Long Way To Go“ mächtig Schmiss hatte – waren doch gleich zwei Drummer am Werke und auch der Rest der Truppe ließ sich an den Instrumenten keinesfalls lumpen. In diesem Sinne ging auch „Follow Me Down“ von der zweiten EP „For All We Know“, die Ende 2012 erschienen ist, ab durch die Mitte. „Hold Me Like The Sun“ startete mit tiefem Bass-Grummeln und natürlich ging es auch hier wieder absolut energiegeladen weiter. Das folgende „For All We Know“ ging es da mit einem Solo von Mr. Willard zunächst ein wenig ruhiger an, das Publikum begann ausgelassen mitzuklatschen und so entwickelte sich auch diese Nummer sehr schwungvoll. „Silver & Gold“ schloss sich mit leisen A-Gitarrenklängen an; hier agierte der langhaarige Bandleader komplett im Alleingang, bevor es mit dem rhythmusbetonten „To Be Alive“ erneut in kompletter Besetzung in die Vollen ging. Die Fans quittierten es mit lautstarkem Mitsingen, es scheint sich gelohnt zu haben, dass dieser Track im vergangenen September „SuperCrazyTurboTopHit“ bei Radio 3fm war – der Text saß schon mal. „Kerosene“ zählte derweil zu den neuen Songs, die aktuell auf ihre Live-Tauglichkeit getestet werden. Da das Lied mit derart viel Herzblut und Schmackes daherkam, konnte das Urteil selbstverständlich ebenso wie beim nahtlos folgenden „Omaha“ nur „Bestanden!“ lauten. Da wurde geschwurbelt und gejault, dass es nur so eine Freude war, was in gleichem Maße auch für „Back To Shore“ (vom ersten Silberling „Skin“ aus 2011) galt, das am Anfang eine leicht countryeske Note ins Spiel brachte, um sich schon bald als echtes Energiebündel zu entpuppen. Während die Schlagwerke ordentlich Druck machten, flogen James’ Finger in atemberaubender Geschwindigkeit über die sechs Saiten, die gelegentlich wie eine Fidel klangen. Der Fünfer war auf der Stage kaum noch zu halten und wurde verdient mit tosendem Beifall für diese Performance bedacht. Mit „I See Red“ stand leider nach einer knappen Stunde bereits der letzte Song auf dem Programm, der sehr abwechslungsreich daherkam und abermals von allen Beteiligten auf und vor der Bühne regelrecht zelebriert wurde.

Einen kleinen Nachschlag servierten die Herrschaften dann aber doch noch. Wahrscheinlich hätten die Zuschauer sie ohne aber auch gar nicht von der Bühne gelassen. Dort blieben sie der Einfachheit halber auch gleich und schoben ein Cover nach, das sie für eine Radio-Show eingeübt hatten. Die Aufgabe war es, einen Top-40-Song zu bearbeiten und getroffen hatte es die PHARRELL-WILLIAMS-Nummer „Happy“, die in der erdigen Version von BROTHER & BONES deutlich gewinnen konnte. Des Weiteren gab es ein neues Stück auf die Ohren, welches im Bus auf dem Weg nach Schottland entstanden ist und einen dezenten Folk-Einschlag zu Gehör brachte. Mit Highspeed und einer nur vermeidlichen Ruhe vor dem Sturm brachten die Jungs den Tanzboden schließlich in letztes Mal zum Beben und bescherten Nijmegen nach 70 mitreißenden Minuten ein furioses Finale.

Das Warten hatte sich eindeutig gelohnt und von Müdigkeit war bei mir trotz der späten Stunde und eines ereignisreichen Wochenendes nichts zu spüren. Mit den High-Energy-Sounds von BROTHER & BONES im Ohr machte ich mich deshalb auf den Nachhauseweg; hoffend, von dieser Band noch viel zu hören. Gentlemen: Es wird Zeit für ein Album!

Setlist
Raining Stone
Long Way To Go
Follow Me Down
Hold Me Like The Sun
For All We Know
Gold & Silver
To Be Alive
Kerosene
Omaha
Back To Shore
I See Red

Happy (PHARRELL-WILLIAMS-Cover)
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