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BRUTAL ASSAULT 2010 – TAG 2

Ort: Jaromer - Militärfestung Josefov (Tschechien)

Datum: 13.08.2010

Tag 2 – Festivalschwimmen für Fortgeschrittene

Der zweite Tag begann recht gediegen, mit einem weiteren kurzen Abstecher in die Stadt, weil die erste Band morgens um 10 Uhr vielleicht doch wirklich ein wenig zu viel des Guten war. In punkto Frühstück, bzw. Kaffeetanken war man entweder direkt auf dem Campingplatz versorgt, oder aber man nutzte die günstigeren Preise in der Stadt. Den Freitag, Freitag den 13., um genau zu sein, starteten wir dann so, wie wir den Donnerstag beendet hatten, Finnisch. Während um kurz nach 12 bereits CALLISTO gespielt hatten, waren nun ihre Landsmänner von CATAMENIA an der Reihe.
Die präsentierten ihren melodischen Mix aus Death und Black einer zunächst noch ziemlich lichten Menge, die dann aber, angesichts der Uhrzeit etwas größer wurde. Zum Aufwärmen und Beginn des Festivaltages sicherlich keine allzu schlechte Sache.

Danach wurde es etwas bekloppter, wenn auch musikalisch langweiliger. DEVOURMENT enterten die Bühne mit ihrem, wie es das Infoheftchen nannte „Slam Death Metal“ die Bühne. Während der Bassist ein lustiges Bild abgab – er rockte mit Pferdemaske – zappelte der Rest der Band munter über die Bühne. Das war wieder genau die Mucke, die den Nerv der scheinbar auf „brutal“ getrimmten tschechischen Festivalbesucher traf. Ob im Moshpit oder etwas abseits der Menschentraube, die Mucke kam an. Um die Ohren gab es unter anderem vom „Butcher The Weak“ Album „Masturbating At The Slab“ oder auch „Babykiller“. Nach ein paar Songs ein wenig gleichförmig klingend, war der Auftritt dennoch ordentlich.

And now for something completely different, KYLESA. Die nämlich präsentierten im Anschluss ihr Sludgemetalgebräu mit Fronter und Fronterin, die gleichzeitig auch die Gitarren bearbeiteten. „Hollow Severer“ eröffnete den Reigen, gefolgt von „Unknown Awareness“. Auf der Bühne waren nicht nur die Sänger doppelt, auch hatte man sich gleich zwei Schlagzeuger ins Boot geholt, die damit für eine fette rhythmische Untermalung sorgten. KYLESA spalteten offenbar die Massen. Zwar war vor der Bühne wirklich noch ordentlich was los, jedoch saßen mindestens auch ebenso viele auf dem Greenfield, die eher ent- denn begeistert vom Sound zu sein schienen. Zugegeben, das dort dargebotene Songmaterial war eben etwas spezieller. Aber hey, beim Bass spielenden Pferd hat davor doch auch keiner gemeckert. Das tolle „Scapegoat“ vom 2009er Album „Static Tensions“ markierte dann beinah schon das Ende des Gigs. Definitiv mal etwas anderes und empfehlenswert für die eher experimentell ausgerichteten Hörer.

Setlist KYLESA
Hollow Severer
Unknown Awareness
Said and Done
Where the Horizon Unfolds
Perception
Said and Done
Only One
Scapegoat
?

Es war erst halb drei und schon stand eine weitere fette Death Metal Walze an, dieses Mal Florida Death. Die Rede ist von MONSTROSITY. In den 90ern noch mit George „Corpsegrinder“ Fisher (CANNIBAL CORPSE) am Mikro unterwegs, ist nun Mike Hrubovcak für die gutturale Untermalung des brutalen Sounds zuständig. Auch hier sprang der Funken ziemlich schnell über, was nicht zuletzt an der einnehmenden Art des Fronters, mit seinen ausladenden Gesten gelegen haben mag. Schade, dass dieser Gig erst verspätet anfing, man dann noch ein langes Intro spielen musste und so die Spielzeit beträchtlich zusammenschmolz.

Es ging weiter mit Death Metal, nun allerdings wieder in melodischerer Ausrichtung und wieder einmal aus Finnland. KALMAH mussten sich jahrelang in die CHILDREN OF BODOM Klon Schublade stecken lassen. Man muss aber wohl ganz klar sagen, dass sie weder dorthin gehören, noch direkt den COB Stempel verdient und ein Händchen für abwechslungsreichen Sound haben. Denn dieser Gig bewies ganz klar, dass sie live ein besseres Bild als ihre vermeintlichen Schubladenkollegen abliefern – zumindest aber ein weniger ausgelutschtes. Los ging es mit „Rust Never Sleeps“, welches auch zugleich der Opener des aktuellen Albums „12 Gauge“ ist. Gefolgt von „They Will Return“ vom gleichnamigen 2002er Album. Leider hatten die Finnen nur eine recht knapp bemessene Spielzeit zur Verfügung, aus der sie allerdings das Beste machten und verdientermaßen eine große Menge von Zuschauern anlocken konnten.

Setlist KALMAH
Rust Never Sleeps
They Will Return
The Groan Of Wind
Heroes to Us
The Black Waltz
Hades

Krasser Wechsel wieder mal, auf der anderen Bühne wurde es etwas exotischer, als SIGH aus Japan auf die Bretter stiegen. Blickfang dieser Truppe ist ganz klar Sängerin Dr. Mikannibal, die außerdem noch Saxophon spielt. Auch hier waren wieder zwei Sänger am Start, denn Mirai Kawashima steuerte ebenfalls Vocals bei. Diese Truppe hat nun schon knapp 20 Jährchen auf dem Buckel und dürfte mit zu den bekanntesten japanischen Musikexporten zählen. Hierzulande wohl am ehesten noch bei Avantgarde Metallern bekannt und geschätzt, ist diese Mixtur für die Meisten vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftig. Das tschechische Publikum schien jedoch für so ziemlich jede Metalspielart offen zu sein, denn interessanterweise konnte eigentlich jede Band vor einer großen Anhängerschar spielen. Kommen wir doch noch einmal kurz auf die Sängerin zurück, als hätte die Band nicht so schon genug Exotenbonus, trat die zierliche Japanerin in einem knappen, nicht mehr ganz so weißen, da blutverschmiertem Outfit auf, welches mit Engelsflügeln komplettiert wurde. So oder so kam die Mucke gut an, Daumen hoch!

CRUSHING CASPARS sowie SYBREED, die heute anstelle von BAL-SAGOTH spielten, wurden danach von uns ignoriert. Pünktlich zu NECROPHAGIST war ich dann allerdings wieder vor den Bühnen anzutreffen. Ungeplanter Weise eigentlich, denn normalerweise hätten nun die Dänen MNEMIC spielen sollen, die allerdings den Platz mit den technical Deathern getauscht hatten. So oder so, NECROPHAGIST legten mit „The Stillborn One“ los und Ernüchterung machte sich recht schnell breit. Nicht, dass mit den Songs etwas nicht in Ordnung gewesen wäre, nein, der Sound war es, der für lange Gesichter sorgte. Dabei wäre gerade bei solchem Liedmaterial ein sauberer Sound angebracht gewesen. Gut, nach knapp drei Songs gab ich meinen Platz vor der Bühne auf und beschloss, mir lieber einmal den Metalmarkt etwas näher anzusehen.

Setlist NECROPHAGIST
The Stillborn One
Foul Body Autopsy
Only Ash Remains
Epitaph
Extreme Unction
Stabwound
Ignominious and Pale
Seven
Fermented Offal Discharge

Es folgte tschechischer Death Metal mit HYPNOS, doch erst zu ILL NINO war meiner einer wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Ob man sie mag oder nicht, eines muss man ihnen lassen, sie sorgen für ordentlich Action auf wie vor der Bühne. Wieder eine Band mit zwei Drummern, respektive einem Percussionspieler und Bandmitglieder mit einer Menge Dreadlocks, die ordentlich herumgeschleudert werden. Hier war der Sound glücklicherweise wieder in Ordnung, so dass Songs vom aktuellen Album „Enigma“, ebenso wie ältere Stücke ihre groovende Wirkung voll und ganz entfalten konnten. Das Publikum war voll und ganz bei der Sache und gab von weiter oben betrachtet wieder ein tolles Bild ab. Lang lebe das Greenfield!

Mittlerweile war es kurz vor acht und nun war es dann auch wirklich an der Zeit für die Dänen von MNEMIC, die sich ja zugegebenermaßen auf Festivals eher rar machen. Zumindest kann ich mich kaum an deren letzten Auftritt anno 2005 oder 2006 erinnern. Früher noch mit Tony Jelencovich (ex-TRANSPORT LEAGUE, M.A.N. u.a.), bzw. Michael Bogballe unterwegs, ist man nun mit französischem Sänger (Guillaume Bideau) unterwegs, der bestens in die Band passt. Wer seine frühere Band SCARVE kennt, weiß um dessen Stimme. Los ging der Spaß mit „Liquid“, gefolgt von „Diesel Uterus“ und so hatten die Dänen die Fans ziemlich schnell im Griff. Basser Tomas machte die üblichen irren Grimassen, kurz gesagt, ordentlich Spaß auf der Bühne = ordentlich Spaß in der Menge. Nach „Ghost“ und „Deathbox“ war die Sause auch schon wieder vorbei.
Ein toller Gig!

Setlist MNEMIC
Liquid
Diesel Uterus
Door 2.12
The Erasing
Hero(in)
Ghost
Deathbox

CONVERGE sorgten mit ihrem Hardcore für ein komplettes Ausrasten der Menge. So wild, dass massig Crowdsurfer in den Graben flogen, weswegen der erste Schwung Fotografen recht schnell aus eben jenem komplimentiert und logischerweise kein weiterer reingelassen wurde. Während auf der Bühne noch etwas wie geordnetes Chaos herrschte, tobte im Publikum der Wahnsinn. Ein dermaßen energiegeladener Auftritt sorgte dafür, dass der Funken vom ersten Song an übersprang. Auch wenn das sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist, Stimmung war garantiert. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kilometer der Sänger während eines Gigs so zurücklegt. Wahnsinn, was hier auch nach 20 Jahren Bandgeschichte so abgeht, hier mag zwar Oldschool Mucke geboten werden, ansonsten kann sich auf jeden Fall noch so manch junge Truppe eine Scheibe von abschneiden.

Es folgte eine jüngere Band (12 Jährchen), die aber lauter alte Hasen an Bord hatte. Die Rede ist von LOCK-UP, mit (ex)AT THE GATES Sänger Tompa Lindberg, Shane Embury (NAPALM DEATH) am Bass, Nick Barker (COF, DIMMU BORGIR, uvm.) an den Drums, plus Anton Reisenegger (CRIMINAL, PENTAGRAMM) an der Gitarre. Die servierten den Headbangern eine weitere deftige Portion Grindcore, mit der es nach einem Intro gleich locker flockig los ging „Pleasures Pave Sewers“. Eine Stunde lang grindete sich die Truppe quer durch 17 Songs, mehr Stücke bekam wohl kaum, wenn überhaupt, eine andere Band in ihrer Setlist unter. Im Gedenken an Jesse Pintado (NAPALM DEATH, TERRORIZER), wurden zwei Songs von TERRORIZER zum Besten gegeben: „Storm Of Stress“, „Fear Of Napalm“. Am Ende waren im Publikum eine Menge zufriedener Gesichter auszumachen, ebenfalls toller Gig!

Setlist LOCK UP
Intro
Pleasures Pave Sewers
Feeding on the Opiate
Triple Six Suck Angels
Castrate the Wreckage
Violent Reprisal
Detestation
After Life in Purgatory
Slaughtereous Ways
Retrogression
The Dreams are Sacrificed
Horns of Venus/ High Tide in a Sea of Blood
Submission
Delirium
The Jesus Virus
Storm of Stress/ Fear of Napalm
Cascade Leviathan

Danach wurde alles ein wenig anders. Musikalisch, aber viel schlimmer noch auch wettertechnisch. Hatte das Wetter sich bisher von seiner freundlichn Seite gezeigt, und das entgegen aller Berichte, die drei Tage lang Dauernieseln verhießen, sollte sich das gleich gründlich ändern. Es war nun endlich an der Zeit für DEVIN TOWNSEND, dem das Gros der Festivalbesucher offenbar ganz schön entgegen fieberte, denn der Platz vor der Bühne war nun richtig voll. Gerade als Devin aber die ersten Töne vom Opener „Addicted“ anschlug, kamen einzelne Tropfen vom Himmel, die erst noch niemanden störten, von jetzt auf gleich kam aber ein dermaßen heftiger Platzregen herunter, wie ich ihn glaube ich noch nicht erlebt hatte – beinah so, als würde man über jedem Besucher einen Eimer Wasser ausschütten. Binnen einer halben Minute und den knapp 50 Metern, die es zum rettenden Trockenen in der Bararea gebraucht hätte, war man bis auf die Knochen durchnässt (durch eine Jacke und zwei Shirts wohlgemerkt). Der Regen hörte dann nach knapp 2-3 Songs auch wieder so plötzlich auf, wie er begonnen hatte, so dass sich die Menge völlig durchnässt, aber glückselig noch den Rest des Gigs dieses raren Festivalgastes ansehen konnte. Eines war nach dem Gig jedenfalls klar… es wunderte niemanden mehr, woher die Überschwemmung in Südpolen/ Ostdeutschland und Teilen Nord-Tschechien kam, die zu dieser Zeit in allen Nachrichten war, jedoch das Festival, bis auf diesen Regenguss, verschonte.

Im Anschluss beschlossen wir, nach ein paar Tönen von CANNIBAL CORPSE den Weg zum Zeltplatz anzutreten. Der allerdings gestaltete sich, wie man sich nach Schilderung des Hügels vorstellen kann beinah schon halsbrecherisch. Ein Umweg über die Treppen war also die gesündere Alternative – wenn auch nicht besser beleuchtet.

Auf dem Festivalgelände spielten nun noch (nach halb eins) von gelegentlichem Nieselregen durchzogen: IHSAHN, NAPALM DEATH und AURA NOIR. In Anbetracht der Spielzeiten – kurze Auftrittszeiten plus späte Gigzeiten – kann man allerdings schon mal anmerken, dass weniger Bands besser wären. Wenn der Spaß bereits morgens um 10 Uhr losgeht, wird es wirklich schwer bis nachts um 3 durchzuhalten.

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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