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BRUTAL ASSAULT 2010 – TAG 3

Ort: Jaromer - Militärfestung Josefov (Tschechien)

Datum: 14.08.2010

Tag 3 – Der Wettergott ist kein Metaller… oder etwa doch?!

Der Himmel öffnete seine Schleusen noch so einige Male in der Nacht, so dass uns morgens der wunderbarste Matsch nebst gigantischen Pfützen empfing. Auf dem Campinggelände, ebenso wie auf dem Festivalareal. Hier gab man sich aber Mühe, die schlimmsten und tiefsten Pfützen mittels darüber gelegter Paletten gangbar zu machen. Vor den Bühne war dank betoniertem Boden so oder so keine Schlammschlacht angesagt, zum Glück! Das Programm jedenfalls begann unbarmherzig früh, wie auch schon am Tag zuvor. Um 10 Uhr bereits standen COCK AND BALL TORTURE auf der Bühne, gefolgt von RAGNARÖK und LOST SOUL.

Nach genügend Kaffee waren wir dann knapp 2 weitere Bands (SADIST, THE ARUSHA ACCORD) später fit genug, um uns nun endlich BAL-SAGOTH anzusehen, die sich in die Riege der raren Festivalgäste einreihen konnten. Der Sänger, wie gewohnt mit schwarzer, tief ins Gesicht gezogener Kapuze versehen, kündigte die teils ellenlangen Songtitel á la „Starfire Burning Upon the Ice-Veiled Throne of Ultima Thule“ an, der im übrigen einer von fünf Songs war, den die Briten bei ihrem 35-minütigen Gig zum Besten gaben. Sänger Byron Roberts bedankte sich mehrmals bei den Fans, zum einen, dass sie trotz der Verschiebung hier waren, dann noch zu undankbar früher Stunde, und auch dafür, dass dies nun endlich der erste Gig in Tschechien war, nach über 20 Jahren Bandgeschichte.

Setlist BAL-SAGOTH
Atlantis Ascendant
The Empyreal Lexicon
Invocations Beyond the Outer-World Night
A Tale From the Deep Woods
Starfire Burning Upon the Ice-Veiled Throne of Ultima Thule
The Dark Liege of Chaos Is Unleashed at the Ensorcelled Shrine of A’zura-Kai (The Splendour of a Thousand Swords Gleaming Beneath the Blazon of the Hyperborean Empire, Part II)

Nun wäre es eigentlich an der Zeit für BARREN EARTH gewesen, die aber leider auf die Spielzeit der ausgefallenen AHAB gezogen worden waren, was bedeutete, dass sie nun statt mittags um 13:30 nachts um 2:25 an der Reihe waren und somit das Festival ausläuten sollten. Was das sollte, ist mir schleierhaft, hätte man den allerletzten Slot doch wirklich einfach streichen können. Ärgerlich für alle Fans und unfair der Band gegenüber! Noch unverständlicher deswegen, weil nun eine Lücke entstanden war zwischen BAL-SAGOTH und den folgenden ORIGIN. Kann ich nicht nachvollziehen, sorry! Sei’s drum, diese Zeit wurde für einen kleinen Snack und einen Bummel übers Gelände, bzw. zum gemütlichen Sitzen auf dem Greenfield genutzt. Weiter im Programm ging es dann für mich mit GRAVEWORM, die ihren melodischen Black Metal vor einer immer größer werdenden Menge darboten.

Viel interessanter (für Manche vielleicht auch schrecklicher…) war der nun folgende Auftritt einer weiteren Band, die sich recht rar macht: MADDER MORTEM aus Norwegen. Zugegeben, wer deren Liedmaterial noch nie gehört hat und mit der gewöhnungsbedürftigen Stimme von Fronterin Agnete Kirkevaag nichts anfangen kann, wird mit ihnen auch nicht warm werden. So oder so wurde hier etwas andere, bisweilen recht progressive Kost geboten, angefangen mit „Formaldehyde“ und
„Get That Monster Out Here“ vom aktuellen Album „Eight Ways“. Auch die folgenden Songs stammten von jenem Album. Schade, dass nur das neueste Werk Beachtung fand, denn ein Song wie „Necropol Lit“ vom 2002er „Deadlands“, hätte sich live sicherlich ganz vortrefflich gemacht. Aber auch so konnten sie bei den Fans mit ihrem abwechslungsreichen Songmaterial, welches bisweilen beswingte Ausflüge in die 20er zu bieten hatte („The Purest Strain“), glücklich stimmen.

Setlist MADDER MORTEM
Formaldehyde
Get That Monster Out of Here
Two Little Things
Where Dream and Day Collide
The Purest Strain
A Different Kind of Hell

Und schon stand die nächste Rarität in den Startlöchern: LYZANXIA aus Frankreich, die zwar seit 1998 in Abständen von 2-3 Jahren Alben herausbringen, insgesamt aber noch eher zu den unbekannten Acts zählen. Das ist schade, denn ihr melodischer Death Metal kann sich durchaus hören lassen, wie auch das neuste Album „Locust“ wieder einmal unter Beweis stellt. Auch hier war die aktuelle Scheibe im Mittelpunkt. Einerseits verständlich, aus Promogründen, andererseits schadet es aber auch nicht, wenn mehrere alte Stücke ihren Weg in die Setlist gefunden hätten. Dem war allerdings leider nicht so und so kamen nach dem Opener „Hundred Story Moth“ lediglich zwei ältere Tracks zum Zug. Trotz allem ein ordentlicher Gig, der allerdings einen nicht so großen Zuschauerzuspruch erhielt.

Setlist LYZANXIA
1. Hundred-Story Moth
2. Wise Counselor
3. Path Blade
4. Father Râ
5. Mind Tracker
6. Separate World

Ganz anders sah es da dann schon bei den nun folgenden MOONSORROW aus. Die kündigten an, hier nun den letzten Gig vor einer etwas längeren (Studio)pause spielen zu wollen. Hier boten sich keine großen Überraschungen, denn „Kivenkantaja“ oder „Kylän Päässää“ sind live immer eine sichere Bank. Nach zwei eher unbekannten Bands ging die Stimmung hier wieder richtig steil. Daumen hoch für einen ordentlichen Gig.

Es bot sich eine weitere seltsame Anordnung der Running Order, nun waren JESU an der Reihe, die Band von Justin K. Broadrick. Was eine leere Bühne, ein Sänger, ein Bassist, Ende. Mag sein, dass diese durchaus gute Shoegaze/ Ambient/ Postrock Musik eine hypnotische Wirkung auf ihre Zuhörer hat, aber doch nicht am Nachmittag, bei mittlerweile wieder strahlendem Sonnenschein, direkt nach MOONSORROW und vor MACABRE?! Hätte man JESU wesentlich später, bei Dunkelheit auf die Bühne gepackt, wäre die Wirkung der Songs ungleich durchschlagender gewesen. So konnte ich mich beim besten Willen nicht dafür erwärmen. Einige eingefleischte Fans jedoch schienen trotz ungünstiger Bedingungen bereits vollkommen in anderen Sphären versunken zu sein, denn einigen wippten und nickten nur noch mit geschlossenen Augen zum Sound, der da von der Bühne, man muss schon sagen, waberte.

Krasser Stilwechsel, wie schon erwähnt standen nun MACABRE auf der Bühne und die sieht man ja weiß Gott auch nicht oft live. Für mich war es jedenfalls die erste Portion Murder Metal überhaupt und die erste von zwei für diesen Sommer. 4 Alben in knapp 26 Jahren Bandgeschichte sind ja nicht so irre viel Material, dennoch genießen die Wahnsinnigen aus Amiland einen guten Ruf und lieferten eine grimassenreiche Show gespickt mit Hits ab. Der Sänger klingt nach all den Jahren wie eh und je und zu beinah jedem Song gab es eine kurze Einführung über die tragischen Umstände, die zum jeweiligen Stück geführt hatten. Aber auch neue Sachen wie „The Bloody Benders“, welcher sich in gewohnt kranker Manier mit lustig klingenden Melodien einem Mörder oder gar gleich mehreren widmete, verfehlten ihre Wirkung nicht. Singend und tanzend feierte die Menge den Murder Metal ab. „Vampire Of Düsseldorf“ durfte natürlich nicht fehlen. Nicht für jeden Geschmack geeignet, aber eine tolle Parodie und sehr unterhaltsam, das sind MACABRE. Sollte man sich auf jeden Fall mal geben.

Ebenfalls nicht entgehen lassen sollte man sich das DIABLO SWING ORCHESTRA, welches auch eine recht durchgeknallte Darbietung präsentierte, wenn auch anders, als MACABRE zuvor. Auch wenn ich mir nicht den gesamten Gig ansah, luden Songs wie „A Tap Dancer’s Dilema“ oder „Infralove“ auf, vor und abseits der Bühnen zum Feiern, Tanzen und Spaß haben ein. Dieser Einladung folgten viele Festivalbesucher und so sah man überall tanzende Fans, die einfach eine gute Zeit zum swingenden Sound der Schweden hatten.

Setlist DIABLO SWING ORCHESTRA
A Tap Dancer’s Dilema
Infralove
Lucy Fears the Morning Star
Vodka Inferno
Ricerca Dell’anima

Es wurde später, der Magen leerer, so dass nun VOIVOD, TANKARD und auch Teile von DYING FETUS zugunsten eines Spaziergangs in die Stadt ausgelassen wurden. Gulasch im Brot war wieder einmal der Gewinner.

Frisch gestärkt war nun also alles bereit für die nächsten absolut durchgeknallten Schweden. MESHUGGAH! Bewaffnet mit Kamera warteten wir nun auf Einlass in den Fotograben und warteten, und warteten und… Um 21:25 hätte es losgehen sollen, bis 21:40 tat sich allerdings nichts und hier zeigte sich schnell, dass das Publikum hier nicht gerade zum geduldigsten gehörte. Bereits nach 5 Minuten flogen Becher und Co, begleitet von bösen Pfiffen und Gejohle. Man kann ja ungehalten sein über eine Verzögerung, aber gleich so auszuticken, wie Manche das taten, ist dann doch zu viel des Guten. Dann aber ging es endlich los und die Schweden wurden mit lautstarkem Jubel empfangen, als sie mit „Rational Gaze“ in das um 15 Minuten kürzere Set einstiegen. Und ich sagte noch kurz vorher, irgendwas ist immer, wenn MESHUGGAH spielen. Immerhin fiel der Gig aber nicht ganz aus. Aus irgendeinem Grund durfte außer dem ersten Schwung an Fotografen kein weiterer in den Graben, so dass es leider keine Bilder der Grimassen gibt, die der Fronter für gewöhnlich zu ziehen pflegt. Schade! Dennoch kamen „Bleed“, „Lethargica“ und Co gut bei der Menge an, die völlig durchdrehte. Sauber!

Setlist MESHUGGAH
Rational Gaze
Bleed
Electric Red
Pravus
Combustion
Lethargica
Straws Pulled at Random

Wir blieben in Schweden, schalteten nun in punkto Wahnsinn einen Gang zurück und rollten weiter auf dem Death Metal Zug. HYPOCRISY eröffneten mit „Fractured Millenium“, gefolgt vom treibendem „Weed Out The Weak“. Lange genug war Peter Tägtgren hauptsächlich mit seiner anderen Band PAIN unterwegs gewesen, die Fans hatten gierig auf Auftritte von HYPOCRISY gewartet und so war es nicht weiter verwunderlicher, dass auch hier die Hölle los war. Gierig wurde jeder Song, der der Meute um die Ohren geschlagen wurde, aufgenommen „Osculum Obscenum“, „Let The Knife Do The Talking“, es lief wie am Schnürchen. „Roswell 47“ war da der gewohnte Rausschmeißer, der ausnahmsweise nicht in „Jaromer 47“ oder dergleichen umbenannt worden war. Sie sind endlich zurück und bleiben es hoffentlich für ein Weilchen, noch einmal möchte ich nämlich nicht so lange auf Livegigs warten.

Setlist HYPOCRISY
Fractured Millenium
Weed Out the Weak
Eraser
Pleasure of Molestation
Osculum Obscenum
Penetralia
A Coming Race
Adjusting the Sun
Let the Knife Do the Talking
Killing Art
Fire in the Sky
Warpath
Roswell 47

So langsam machte sich die Müdigkeit nach 4 Tagen mit aller Macht breit, so dass nicht einmal AGNOSTIC FRONT noch vom Greenfield herunter zu locken vermochten. Dies hatte allerdings auch den Vorteil, dass man sich das ganze Schauspiel von oben anschauen konnte. Denn hier zeigte sich ganz klar, dass eine Menge und ich meine wirklich eine große Menge von Fans immer noch kein bisschen müde war. Dort unten tobte die Meute vom ersten Song an. Moshpit, Circlepit, Crowdsurfer, was auch immer gefordert wurde, AGNOSTIC FRONT bekamen es. Hammer Auftritt!

Quasi so, als hätte man gewusst, was für ein Hexenkessel sich da bei AF entwickeln würde, hatte man nun MY DYING BRIDE im Anschluss auf die andere Bühne gesetzt, die die Gemüter nun wieder abkühlen sollten. Die ersten Töne von „Fall With Me“ erklangen und schon glitt man nach und nach in die Doomwelt. Die Briten doomten weiter mit „Bring Me Victory“ und dem wunderbaren „Turn Loose The Loose The Swans“. Für mich persönlich war das genau die richtige Band, um das Festival ausklingen zu lassen, langsam runterzukommen und schlichtweg zu relaxen. „The Cry Of Mankind“ beendete somit nicht nur den Gig, sondern für mich auch die 15. Auflage des Brutal Assault. Auch wenn nun noch SARKE, WATAIN und BARREN EARTH folgen sollten, ich hätte mich nicht mehr wirklich vor den Bühnen auf den Beinen halten können. Und wie heißt es doch immer: „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.“ Was wir auch hiermit getan hätten!

Setlist MY DYING BRIDE
Fall with Me
Bring Me Victory
Turn Loose the Swans
Vast Choirs
She is the Dark
The Wreckage of My Flesh
The Cry of Mankind

Fazit: Ein absolutes Value for money Festival, bei dem man für 45 bzw. 50 € ein fettes Bandpaket serviert bekam. Die Mischung war ebenfalls ordentlich, altbekannte Festivalacts gemixt mit sehr seltenen Festivalgästen aus allen Genres. Essen und Getränkepreise waren top, das Bon-System funktionierte sehr gut und auch das Umtauschen der Bands ging zu allen Tageszeiten zügig. Die Merchpreise waren im Vergleich zum Essen teuer, aber dennoch annehmbar. Die Toilettensituation bedarf definitiv einer Verbesserung, denn die Dixis waren bisweilen nicht mehr zu benutzen. Kostenlose Wasserstellen bekommen allerdings ebenso ein „Daumen hoch“ wie der etwas „abgelegenere“ Metalmarkt, der zum gemütlichen Flanieren abseits der Bühnen einlud.
Weitere Entspannung boten das Greenfield und auch das Horror Movie House, bzw. das Zelt, welches unter dem Namen World Cinema lief. Die Organisation war sehr bemüht, Probleme zu lösen, wenn auch nicht immer zügig, aber es wurde etwas getan. Was im nächsten Jahr allerdings noch getan werden sollte, wäre die (nachts wirklich lebenswichtige) Beleuchtung des Hügels runter zu den Campingplätzen, und ein wenig mehr englische Übersetzungen bei den Essensständen wären nett. Viele hatten ihre Menüs bereits zweisprachig und Döner ist Döner, aber gerade bei den einheimischen Spezialitäten, bei denen oft nicht auszumachen war, um was es sich handelte, wäre ein wenig Englisch hilfreich gewesen. Zur Situation im Fotograben wurde alles gesagt und eigentlich kann ich das Festival nur aus fotografischer Sicht nicht empfehlen, das nämlich war wirklich einfach nur noch nervig und ärgerlich.

Ansonsten ist das Festival absolut eine Reise wert – Für jeden, der eine etwas längere Anfahrt nicht scheut und ein wenig abenteuerlich veranlagt ist!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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