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BUBBLE BEATZ

Ort: Osnabrück - Haus der Jugend

Datum: 23.04.2009

Wenn ich irgendwann noch mal behaupte, die Schweizer seien ein gemütliches Völkchen, das nur selten über den Slow-Motion-Modus hinwegkommt, dann erinnert mich bitte daran, dass ich heute im Rahmen des 22. Osnabrücker European Media Art Festivals die BUBBLE BEATZ aus der Schweiz gesehen habe. Was das Duo Kay Rauber und Christian Gschwend auf der HdJ-Bühne an wahnwitziger Percussion aufgeboten hat, war definitiv alles andere als langsam!

Zunächst einmal lag der Saal, der mit rund 250 Leuten etwa zur Hälfte gefüllt war, um 20.40 Uhr im Dunkeln, als die beiden kreativen Köpfe hinter BUBBLE BEATZ sich durch ein Gewirr aus Metallstangen hangelten, die das Gerüst für die vielfältigen Elemente der Percussion-Show bildeten. Neben klassischem Schlagzeug-Equipment, befand sich so ziemlich alles auf der Stage, worauf man viel Krach erzeugend eindreschen kann. Angefangen bei sämtlichen Formen von Tonnen, Töpfen, Pfannen, Fässern, Kanistern und Blechen, über Verkehrsschilder, Kuhglocken und Ketten bis zum Bein einer Schaufensterpuppe, hatten die Eidgenossen eine eindrucksvolle Arbeitsumgebung aufgebaut, die rechts noch von einem „gewöhnlichen“ Drumkit flankiert wurde, während links eine Art überdimensionierte Panflöte auf ihren Einsatz wartete. Nicht fehlen durfte natürlich das „Don’t Litter“-Schild: Sozusagen als Hinweis auf die aktuelle Studioplatte der beiden, die Anfang des Jahres als zweite VÖ der gut durchtrainierten Herren erschienen ist. Dass die beiden Trommel-Manics, die ihre Performance stets mit blankem Oberkörper absolvieren, derart gut in Form sind, überrascht allerdings auch nicht, wenn man gesehen hat, wie es bei BUBBLE BEATZ zur Sache geht. Vom ersten Moment an gingen die zwei absolut in die Vollen und schlugen so umgehend auch das Publikum in ihren Bann. Während der glatzköpfige Kay am vorderen Rand der Bühne ein kleines, blaues Kunststofffass bearbeitete, welches als mobiles Schlagzeug herhalten musste, bewegte sich Christian affenähnlich im Metallgerüst, um noch letzte Komplettierungen an seinem Drumkit vorzunehmen, bevor die beiden mit extrem viel Drive wieder gemeinsame Sache machten. Neben der eindrucksvollen Live-Percussion wurden auch elektronische Töne aus der Konserve zu Gehör gebracht, was dem ohnehin schon fantastischen Sound zweifellos den letzten Schliff gab. Mitunter präsentierten sich die Songs nicht nur extrem rhythmusbetont, sondern auch sehr tanzbar. So wie bei dem Stück, für das Christian an besagtes Instrument wechselte, das für mich wie eine riesige Panflöte wirkte und mit etwas bearbeitet wurde, was aus der Entfernung wie Schuhsohlen aussah. Im Weiteren demonstrierten die Alpenländer, dass mit der Abwrackprämie lange noch nicht Schluss sein muss mit der weiteren Verwendung von Altmetall aller Art. Bei BUBBLE BEATZ findet wohl so ziemlich jede Form von Klangkörper – insbesondere Metall – eine neue Bestimmung und zwischendrin kommt sogar ein Didgeridoo zum Einsatz, das bis dahin im bereits erwähnten Puppenbein verwahrt wurde und für dessen Benutzung Kay in die obere linke Ecke seines Rohrgevierts klettern musste. Im Gegensatz zur Langrille verzichteten die Schweizer live fast gänzlich auf Gesang, nur bei einem Track griff Rauber zum Mikro und sorgte mit Vocals, die entfernt ebenfalls an ein Didgeridoo erinnerten, für ein weiteres Highlight. Neben den akustischen BUBBLE-BEATZ-Genüssen, wussten auch die visuellen Darbietungen voll zu überzeugen. Mal ganz abgesehen von den beiden ansehnlichen Protagonisten, wirkten auch die Schwarzlicht- Sequenzen oder die Trommelwirbel mit den leuchtenden Drumsticks außerordentlich. Getoppt wurde das ganze jedoch durch den Gebrauch von zwei Trennschleifern, die rhythmisch die Funken fliegen ließen.

Inzwischen war eine gute Stunde wie im Fluge vergangen und BUBBLE BEATZ wollten ihr letztes Stück spielen. An ein derartiges Ende ohne eine Zugabe war allerdings überhaupt nicht zu denken, weshalb die Drum-Dämonen noch mal alles gaben und zum großen Finale ansetzten. Mit abgehackten Roboterbewegungen, die natürlich genau zu den Elektroklängen passten, nahmen sie erneut ihre Positionen an den großen blauen Plastikbecken ein und ließen auch die Flex ein weiteres Mal kreisen, bevor Kay den Job am Drumkit übernahm und Christian sich ein Plätzchen im Stangengewirr suchte, um von dort ein ganz spezielles Cover der THE-PRODIGY-Hymne „Firestarter“ zum Besten zu geben. Als krönender Abschluss folgte noch eine kongeniale Variation von „Insomnia“ (im Original von FAITHLESS), dann verabschiedeten sich die sichtlich erledigten BUBBLE BEATZ um 22.00 Uhr endgültig von ihren restlos begeisterten Osnabrücker Zuschauern, die sich für hiesige Verhältnisse erstaunlich schnell und nachhaltig mitreißen ließen und möglicherweise deshalb auch noch ein Lob von Kay Rauber ernteten, der sich überrascht zeigte, dass das Auditorium an einem Donnerstag Abend derart mitging. Na, bei der Vorlage werden sogar die eher sturen Hasestädter munter!

Copyright Fotos: Jan-Hendrik Kruse

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