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BUBBLE BEATZ

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 11.05.2011

Als die beiden Schweizer vor zwei Jahren im Rahmen des European Media Art Festivals zum ersten Mal in der Hasestadt waren, kannte ihr Projekt BUBBLE BEATZ nur eine Hand voll Leute und doch konnten Kay Rauber und Christian Gschwend schon damals erstaunlich viele Leute mobilisieren und vor allem begeistern. Inzwischen haben es die Jungs mit ihrer atemberaubende Drum- und Percussion-Performance bis ins Finale der letzten Staffel von „Das Supertalent“ geschafft und sind somit einem Millionenpublikum bekannt. Ob die TV-Präsenz allerdings ausschlaggebend war für eine gut gefüllte Lagerhalle, lasse ich mal dahin gestellt und behaupte einfach, dass sich Qualität schlicht und ergreifend durchsetzt.

BUBBLE BEATZ, die seit 1999 gemeinsam „Trashpercussion“ zu Gehör bringen, machten im Rahmen ihrer ersten Tour durch deutsche Clubs erneut Halt in Osnabrück und auch wenn die Show mit dem letzten Gig identisch war, darf ich schon einmal vorausschicken, dass es wieder ein besonderen Genuss war, dem Duo zuzuhören und zuzuschauen. Um 20.10 Uhr lag die Bühne zunächst im Dunkeln und Rauber und Gschwend hangelten sich noch mit weißen Kapuzen-Sweatern angetan durch das Metallgestänge ihrer überdimensionierten Schießbude, wo es schon bald in die Vollen gehen sollte. Auf der Stage hatten die Alpinisten so ziemlich alles versammelt, was zum musikalischen Krach machen taugte und worauf man rhythmisch eindreschen konnte. Angefangen bei einem klassischen Drumkit, das auf der rechten Seite auf seinen Einsatz wartete, über jede Form von Topf, Pfanne, Blech, Kanister und Fass aus Metall und Kunststoff bis hin zu Straßenschildern, einem Schaufensterpuppenbein und allerlei Ketten blickte man auf Altmetall jeder Sorte und Beschaffenheit. Als kleiner Gruß an die Schweizer Berge waren sogar Kuhglocken mit von der Partie. Untermalt wurde das Ganze von elektronischer Musik aus der Konserve, wobei die Technik zwischendurch ihre Tücken hatte. Der Computer wollte leider nicht mehr mitspielen und es musste ein wenig improvisiert werden, doch so etwas bringt zwei waschechte Eidgenossen nicht aus der Ruhe. Während der wendige Christian am Laptop rumfrickelte, berichtete der glatzköpfige Kay von der Tour, dass sein Kollege ein neues Auto zu kaufen gedenkt und keine Haustiere hat, sich das Wetter halten soll und dass es ab dem 27.05.2011 eine neue Maxisingle namens „No Sleep“ und später im Jahr auch eine DVD geben wird. Nach dieser kleinen Unterbrechung, welche die Herrschaften sympathisch überbrückt haben, ging es mit Musik ihrer letzten Platte „Don’t Litter“, die 2009 erschienen ist, weiter. Dass sie dabei aufgrund der Panne denselben Song zweimal gespielt haben, dürfte niemanden gestört haben. Ein besonderes Highlight war die BUBBLE-BEATZ-Interpretation von FAITHLESS’ „Insomnia“. Hier fand sich Herr Gschwend an einer Art überdimensionierten Panflöte aus Metall wieder, während Rauber im Trommel- und Percussion-Zentrum zum Rundumschlag ausholte. Später spielte er noch eine Art Didgeridoo, wofür er oben auf dem Rohrgeviert Platz nahm und dem ungewöhnlichen Instrument spannende Töne entlockte. Ähnliche Klänge produzierte er im Weiteren verlauf auch noch mit seiner Stimme, ansonsten konzentrierten sich BUBBLE BEATZ bis auf kurze Ansagen und gelegentliche Schreie jedoch auf ihre vielfältigen Klangkörper, die sie mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit zu bearbeiten wussten. Auch zwei Winkelschleifer kamen zum Einsatz und versprühten visuell perfekt aufeinander abgestimmte Funkenregen, so wie überhaupt Musik und Optik bestens harmonierten. Damit ist nicht nur die Lightshow gemeint, sondern auch die durchtrainierten nackten Oberkörper von Christian und Kay, wobei auch der Rest gut ins Schuss zu sein schein – derart behände und leichtfüßig, wie die beiden an ihrem Metallgerüst herumturnten und sich unentwegt über die großen blauen Tonnen in Front schwangen!

Nach einer Stunde war jedoch zunächst Schluss und in Anbetracht der schweißbedeckten Bodies hatten sich die beiden Protagonisten des Abends eine kurze Verschnaufpause wahrlich verdient. Aber schon nach wenigen Minuten kehrten Gschwend und Rauber zurück, um die faszinierten Zuschauer mit einem temporeichen Nachschlag zu versorgen, nachdem das obligatorische Publikumsfoto für die Facebook-Seite geschossen worden war und Kay eingesehen hatte, dass er wohl das Geld für den alten Apple, den er der Band verkauft hat, zurückgeben muss. Auf der Zielgeraden gab’s noch einmal ein grandioses Topfschlagen der besonderen Art und insbesondere die Kunststoffgefäße waren hier noch einmal gefragt. So endete der Abend um 21.30 Uhr nach einer absolut temperamentvollen Show, die keine Wünsche offen ließ und restlos begeisterte. Im Vergleich zum Auftritt im Haus der Jugend war das Publikum heuer vielleicht weniger euphorisch und geriet nicht so sehr in Bewegung, aber das könnte erstens daran gelegen haben, das weniger Platz zum Tanzen vorhanden war und vielleicht war der eine oder andere Zuschauer auch einfach in staunender Ehrfurcht vor der Leistung der begnadeten Musiker erstarrt. Verständlich wär’s.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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