Konzert Filter

BULLET FOR MY VALENTINE – LACUNA COIL – BLEEDING TROUGH – BLACK TIDE

Ort: Berlin - Columbiahalle

Datum: 29.11.2008

Die Hauptstadt rockt – und wie! Gleich vier Bands standen auf dem Speiseplan. So war es gar keine Frage, ob wir an jenem Samstag im November die Hauptstadt besuchen würden. Mit BULLET FOR MY VALENTINE und LACUNA COIL stehen gleich zwei Schwergewichte auf der Bühne der Columbiahalle.

Pünktlich um 19 Uhr öffnen sich die Tore, worauf um 20 Uhr die Live-Action starten soll. Denkste – denn halb 8 betreten BLACK TIDE plötzlich die Bühne und legen furios los. Dumm nur, dass kaum die Hälfte der Gäste den Innenraum bisher betreten hat. Anscheinend kann man sich heutzutage nicht mal mehr auf eine telefonische Bestätigung verlassen. BLACK TIDE zocken vier Songs, unter anderem „Hit The Lights“ von METALLICA. Da die neue Scheibe der Bullets auch nicht weit weg vom alten Sound der Bay Area Thrasher entfernt ist, können die Jungs aus Florida viele Pluspunkte sammeln. Feiner Opener, der die Vorfreude auf die Waliser nur noch vergrößert.

Nach einer viertel Stunde mussten die Knaben die Bühne wieder verlassen und Platz für BLEEDING THROUGH machen. Meine Fresse – was für ein Krach? Sänger Brandan hüpft sofort in den Fotograben, rennt mich fast über den Haufen und springt in die erste Reihe. Diese gehen sofort steil und schreien mit ihm um die Wette. Brandan hüpft zurück und labert gefühlte zwanzig Mal, dass sie aus Orange County, California kommen. Anscheinend soll dies die Kiddies beeindrucken – „krass, aus den USA!“. Mit ihrer Musik können sie mir aber nicht imponieren. Typische amerikanischer Metalcore, viel zu laut, zu viel Geknüppel und viel zu viele schlechte Kitschrefrains. Ganz üble Nummer, die bei der Lautstärke wirklich nur die Flucht als Option zulässt. Auch die Fans bleiben eher kalt, denn auf die Aufforderungen, einen Circle Pit zu starten, reagiert man mit Ignoranz. Zum Glück sind BLEEDING THROUGH nach einer halben Stunde fertig und verlassen endlich die Bühne.

Jetzt sollte es wieder aufwärts gehen. Die italienischen Gothic Rocker von LACUNA COIL stehen zum Angriff bereit. Mit „To The Edge“ legt die Truppe rund um Sänger Andrea Ferro und Sängerin Cristina Scabbia röhrend los. Die Gitarren pusten den Staub aus dem Columbiaclub und auch die Fans gehen etwas ab. Aber nur etwas – das Publikum zeigt sich mal wieder von seiner verwöhnten Seite. Aber das ist in Berlin ja nix neues. Erstmalig richtig laut wird es beim DEPECHE MODE Cover „Enjoy The Silence“, dass von der halben Halle mitgebrettert wird – das ist leider bei so manchen Gesangstalent eine eher kritisch zu betrachtende Geschichte. Andrea grüßt die Guitar Hero Fraktion, während die Ordner Jagd auf rauchende Besucher machen. Hier ist man nicht zimperlich. Auch nicht mit einem jungen Mann, der seine Videokamera ständig auf die Bühne richtet. Tja, nur blöd wenn es die Security mitbekommt. Das gibt Ärger! Nach dem obligatorischen „Heavens A Lie“ und „Our Truth“ endet ein mit der Zeit doch eher monotones Konzert. Fragt mich nicht warum, aber die ersten zwanzig Minuten eines LACUNA COIL Konzertes sind immer Bombe. Danach verfällt das Dargebotene in endlose Wiederholungen und musikalischen Durchschnitt.

Setlist LACUNA COIL
To The Edge
Fragments Of Faith
Swamped
Closer
Enjoy The Silence
Fragile
Heavens A Lie
Our Truth

So…. drei Bands wurden innerhalb von zwei Stunden durchgeprügelt. Richtiges Konzertfeeling mag so einfach nicht aufkommen – schade.

Ca. 21.45 Uhr ist es dann schließlich soweit. Die Mädels haben sich in Schreiposition gebracht, während sich die Jungs an ihrem dritten Bier vergnügen. Die Waliser machen sich noch kurz mit ein wenig Stretching warm bevor es mit dem Titeltrack des aktuellen Albums „Scream Aim Fire“ auf die Bühne geht. Die Fans flippen nun völlig aus und brüllen, was das Zeug hält. Da fällt einem ja fast die Kamera aus der Hand. Apropos Kamera – warum hält eigentlich jeder zweite Besucher sein verflixtes Handy in die Luft. Erfreut ihr euch zu Hause echt an diesen Aufnahmen? Wollt ihr nicht lieber das Konzert ohne diese Ablenkung genießen? Frontmann Matthew Tuck grinst über das ganze Gesicht als er in die funkelnden Augen des vorwiegend weiblichen Publikums schaut – da geht noch einiges heute. Also schnell über zum nächsten Song. Mit „Take It Out On Me“ thrasht man fleißig im 80er Stil durch die Halle. Im Übrigen erneut viel zu laut. Ich weiß nicht, ob man schlechten Sound mit extremer Lautstärke übertünchen möchte. Gesund kann das nicht sein. Den Fans scheint es Wurst und so geben sie sich einer Runde des Debütalbums hin. Mit „The Poison“ startet das Set und endet erst bei „Hands Of Blood“. Hier und da starten Moshpits und sogar ein großer Circle Pit wird nach der Aufforderung Matthews aufgerissen. Mit Ansagen hält sich die Band jedoch sonst stark zurück. Schade, denn ein wenig Kommunikation hält jedes Publikum bei Laune. So spielen die Waliser gekonnt aber monoton ihren Stiefel runter, ohne das sich Schwächen oder besondere Höhepunkte auftun. Mit „Say Goodnight“ und dem fetten „Eye Of The Storm“ kratzen sie kurz die aktuelle Scheibe bevor sie wieder in die Vergangenheit abrutschen. Leider zu oft, denn das neue Album steckt das alte locker in die Tasche. Durch die Bündelung der Songs bekommt dies auch der Letzte im Saal mit. Nach „Hearst Burst Into Fire“ verabschieden sich die Jungs vom Berliner Publikum. Natürlich lassen die Fans die Truppe nicht so einfach von dannen ziehen. Nach den obligatorischen Zugabe-Rufen kehrt das Quartett mit „Waking The Demon“ und dem nervigen „Forever And Always“ für zwei Stücke zurück. Dann ist Punkt 11 Sense und der Tonmann spielt PINK FLOYD – YEAH!

Vier Bands in dreieinhalb Stunden? So was hat man sonst nur auf Festivals. Viel zu hektisch raste der Abend so dahin, ohne nennenswerte Highlights setzen zu können. Trotz aller Kritik zeigten BULLET FOR MY VALENTINE, warum sie eine der heißesten Bands der Gegenwart sind. Charisma, Härte und Melodie vereint der Vierer auf höchst unterhaltsame Art. Beim nächsten Mal wäre eine Band weniger und eine etwas längere Spielzeit des Headliners aber ratsam.

Setlist BULLET FOR MY VALENTINE
Scream Aim Fire
Take It Out On Me
The Poison
All These Things I Hate
4 Words (To Choke Upon)
Hands Of Blood
Say Goodnight
Eye Of The Storm
Tears Don’t Fall
Spit You Out
Hearts Burst Into Fire
Waking The Demon
Forever And Always

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BLACK TIDE auf terrorverlag.com

Mehr zu BLEEDING THROUGH auf terrorverlag.com

Mehr zu BULLET FOR MY VALENTINE auf terrorverlag.com

Mehr zu LACUNA COIL auf terrorverlag.com