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BURGFOLK 2009

Ort: Mülheim - Schloss Broich

Datum: 22.08.2009

Festival der mittelalterlichen Rock- und Folkmusik auf Schloss Broich

Eine Tradition wurde am 22. August in Mülheim an der Ruhr fortgesetzt. Die Schwesterveranstaltung des bundesweit unter den Top-Ten geltenden Castle Rock Festivals – das Burgfolk Festival mit dem Schwerpunkt auf Mittelalterlastigen Bands – fand bei strahlendem Sonnenschein, also bestem Festivalwetter, statt. Der Veranstalter, voran Michael Bohnes, hat sein Bestes gegeben, damit ab 13 Uhr die sanften, harten und folkigen Rhythmen über Schloss Broich, dem angeschlossenen Park und den Dächern von Mülheim an der Ruhr erklingen konnten, um die zahlreichen Fans zu begeistern. Musiker und Fans waren seinem Ruf gefolgt, denn das Festival war ausverkauft.

REINCARNATUS

Den Auftakt im Line-Up bildete die nicht mehr so unbekannte Ladyband REINCARNATUS aus den Niederlanden. Spätestens seitdem sie als Supporter für SCHANDMAUL in Deutschland unterwegs waren, sind sie vielen auch hier bekannt. Alle sechs Musikerinnen haben klassische Musik studiert und sich an der Musikhochschule kennen gelernt. Dort entstand zunächst die Liebe zu den alten Instrumenten. Dann kam die Idee, diese alten Instrumente wieder in das Bewusstsein der Menschen zu holen. Was lag da näher, sich den modernen Rhythmen der Pop- und Rockmusik zu bedienen? So wurden die Instrumente den neuen Bedingungen angepasst und neue Lieder komponiert oder alte Volksweisen adaptiert. Heraus kam ein frischer Sound, der auf der Mülheimer Bühne erneut live dargeboten wurde. Das Live-Repertoire enthielt nicht nur Songs aus ihrem dieses Jahr auf den Markt gekommenen Album „Media Vita“, von dem einzelne Titel bereits die holländischen Charts eroberten, sondern weitere Tanz- und Stimmungslieder, die die Gäste anheizten. Mit einem kräftigen und schnellen Rhythmus, unter Einsatz von Tröten, betraten die Musikerinnen die Bühne und riefen sofortiges Klatschen im Takt hervor. Spätestens mit dem zweiten Titel hatten auch die letzten Gäste um die Burg herum mitbekommen, dass das Festival begonnen hatte. Der Platz im Burghof vor der Bühne war rappeldicke voll. Obwohl es auf solchen Festivals die erste Band gewohnheitsmäßig immer ein wenig schwerer hat, hatten sich die Musikerinnen dieser Herausforderung gestellt und alle Gäste in ihren Bann gezogen. Es wurde sehr laut applaudiert und die Gruppe mit Wehmut von der Bühne entlassen. Dass die Niederländerinnen gefallen hatten, zeigte auch der sich an die Show anschließende Zulauf am Merchandising-Stand, wo die Fans CDs und Autogramme erwarben und sich mit den Mitgliedern der Band fotografieren ließen.

FEUERSCHWANZ

Der Boden war nun bestens vorbereitet für die nächste Band. Selbst in der Umbauphase und beim Soundcheck ließen sich die Zuschauer von den Instrumenten zum Klatschen und Mitsingen animieren. Dann betraten kurz nach 14 Uhr die bunten Komödianten des Hauptmanns geiler Haufen (FEUERSCHWANZ) die Bühne und der Tanz auf dem Burghof begann. Ihre Show und ihre Musik sollte man nicht ganz so ernst nehmen. Für ihre Spielfreude gibt es keine Tabus. Sie bedienen sich des mittelalterlichen Flairs, um ihre Rauf- und Sauflieder unter das Volk zu bringen, scheinen eine archaisch zusammen gewürfelte Truppe zu sein und bringen doch jede Menge Spaß und gute Laune unter die Gäste. Zu ihrem Liedgut gehört auch die eine oder andere Adaption bekannter deutscher Schlager oder Popmusik. Natürlich durften die Miezen, die während der Show um die Beine der Musiker scharwenzeln, nicht fehlen. Schließlich heißt das immerwährende Motto dieser ewig gut gelaunten Sangesfreunde: „Met und Miezen“. Die Herzen der Fans gehörten zweifelsohne dieser gutgelaunten Gruppe. Nur ein einziges Wort von der Bühne herunter und auf dem Burghof erschallte vielfache Antwort in Form von Beifall, Gekreische und Jubel. Es hatte den Anschein, als wäre das Festival bereits auf seinem Höhepunkt angelangt. Selbst einige Stunden nach ihrer Show mussten die zwei Frontmänner Hauptmann Feuerschwanz und Prinz Hodenherz noch mal in ihre Gewandung schlüpfen, um ein Fotoshooting mit ihren Fans zu absolvieren.

RAPALJE

Als dritte Band traten die seit vielen Jahren bekannten Folkmusiker RAPALJE, ebenfalls aus den Niederlanden, auf. Sie begannen vor lauter Spielfreude sogar zehn Minuten vor der Zeit und so mancher Fotograf hatte Schwierigkeiten, in den Graben zu kommen. Ihr Outfit – und nicht nur die Kilts – zeigte bereits an, welche Art von Musik zu erwarten ist. Kräftige Rauf- und Sauflieder, Folk aus Irland, Schottland und nicht zuletzt Holland. Die niederländischen Highlander bieten ihre Musik auf den verschiedensten mittelalterllichen Instrumenten, dominierend dabei immer wieder die Geige und die Flöte, feil. Neben Tanzliedern wie „Wat zullen we drinken“ und „What shall we do with a drunken saylor“, die von vielen Gästen mitgesungen wurden, haben sie eine ganze Reihe besinnlicher Balladen im Programm, denen zu lauschen pure Entspannung ist. Neben vielen alten und bekannten Liedern waren auch neue dabei, eines sogar, welches sie vorher noch nicht einmal richtig geprobt hatten. Sie benutzten wohl die Showbühne, um es bei den Zuhörern einmal anzutesten. So wie ihre Lieder zum Tanzen einluden, so luden sie ihre Fans zur Autogrammstunde in dichtem Gedränge vor ihrem Stand, bei dem wohl alle Artikel (Shirts, CDs und auch Buttons) gut über den Ladentisch gingen, und sie standen den Rest des Tages immer wieder für Fotos mit ihren Fans zur Verfügung.

RABENSCHREY

Mit etwas Verspätung wegen einer Klemme im Sound betraten dann die Heidenrocker aus dem Bergischen die Bühne. In neuem Gewand begrüßte der Rabenvater Donar das Burgvolk zum Burgfolk. Aber nicht nur sein Gewand war neu, die Gruppe RABENSCHREY trat nach mehreren Monaten wieder zu sechst auf die Bühne. Die Spielleute haben sich einen weiteren Gitarristen in den Clan geholt, womit die Band personaltechnisch wieder auf dem Stand des letzten Jahres ist. RABENSCHREY spielte nicht nur mit den Titeln ihres aktuellen Albums „Unvollkommen“ auf, es gab genügend „altes“ Liedgut zum Mitsingen für die recht gut in Stimmung gekommenen Gäste auf und um den Burghof herum. Mit ihren Dauerbrennern „Mädelein“,„Hey, wir sind Heiden“, „Walhalla“, „Templerschaf“ und anderen stillten sie nicht nur die Freude ihrer alten Fans, sondern gewannen mit Sicherheit auch neue Fans hinzu. Fester Bestandteil dieser Show waren die Flammenwerfer am vorderen Rand der Bühne, die für einen besonders feurigen Start sorgten. Nach der Show, die von den Gästen im Burghof laut bejubelt wurde, fanden sich auch diese Musiker vor ihrem Stand ein, um mit den Fans ein paar Worte zu wechseln, einen Becher Met zu trinken und Autogramme zu geben.

KORPIKLAANI

Bereits in der Umbauphase war anhand der Bühnenausstattung zu erahnen, welcher Gesinnung die nächsten sieben Musiker sein werden, denn die Gebeine von Elchen und Rentieren zierten die Mikrofonständer. Es handelte sich um die Folkrocker KORPIKLAANI, die mit ihrem Special Acoustic Folk-Set das Podium betraten und mit starken Rhythmen begannen, den Ton anzugeben. Bei diesem besonderen Folk-Set handelt es sich um Akustik-Gitarre, Akkordeon und Violinen. Alle weiteren Instrumente, die sonst bei ihren Konzerten eine Rolle spielen, hatten sie dieses Mal daheim im hohen Norden gelassen. Die Wilde Horde aus den tiefen Wäldern Finnlands war nach 2006 und 2007 nun zum dritten Mal beim Burgfolk dabei und schickte sich erneut an, die Fans zu begeistern, was ihnen zweifelsohne gelang. Der Spaß, den der „Clan des Waldes“ hat, überträgt sich auf die Gäste und bewegt sie zum Tanzen. Neben dem Folk Rock, der ins Blut ging, schickten sich die düsteren Gesellen an, dieses Mal mit finnischer Folklore aufzutrumpfen und zeigten damit ein anderes Bild ihrer Band, was ihnen in der Mittelalterszene sicherlich nicht nachteilig ausgelegt wird. Auch, wenn kein „Italiener Springtanz“ wie bei REINCARNATUS dabei war, so wiegten sich bei den sanfteren Weisen viele Gäste im schwingenden Rhythmus.

SCHELMISH

Sie waren fett, sie waren hässlich, sie waren asozial. Es waren SCHELMISH, die dann die Bühne betraten. Mittlerweile mit zwanzig Minuten Verspätung. Doch die fetteste Band des Mittelalters, wie sie sich selbst bezeichnen, brachte nach 2004 und 2006 nun erneut die mittelalterlichen Klänge in den Burghof. Mit mittelalterlichen Instrumenten (teilweise drei Dudelsäcke) verpassten sie den vergangenen Epochen die Rhythmen des Rock n Roll und Punk. Das Liedgut reicht von stampfender Tanzmusik (der Bauchtrommel wurde z.B. ein Ton entrissen, der dem gleichmäßigen Galoppieren einer Herde wilder Pferde in der mongolischen Steppe glich.) bis hin zu mystischen Balladen. Für jeden war etwas dabei. Obwohl einer ihrer Spielleute die Nacht zuvor ins Krankenhaus gebracht werden musste, gaben sie ihr Bestes und legten auch in Unterbesetzung mit nur sieben Musikern eine reife Leistung hin. Die Fans haben es ihnen gedankt. Ein Höhepunkt war der Auftritt eines Zuschauers, der auf die Bühne geholt worden war. Da sein Gesang eines SCHELMISH-Songs so gut bei dem Burgvolk ankam, wurden ihm alsdann zwei weitere rockige Titel zugestanden. Einen Abschluss, bei dem es kaum noch einen Gast auf den Bänken hielt, war ein Folksong aus den überaus mittelalterlichen USA: Die SCHELMISH-Version des „Ring of Fire“ von Johnny Cash. Die Flammenwerfer auf der Burgmauer, die im Takt dazu ihre Feuer speiten, trugen ihren Teil zu der guten Stimmung bei.

HAGGARD

Den Abschluss dieses Festivals bildeten kurz vor 22 Uhr die Musiker von HAGGARD, die noch im September in Deutschland mit ihrem aktuellen Album „Tales Of Ithiria“ touren, bevor es weiter in die Türkei und dann durch ganz Europa geht. Die Umbauphase wurde erneut um weitere dreißig Minuten gestreckt, was bei manchen Gästen für Unmut sorgte. Jedoch sollte man den Musikern ihren peniblen Soundcheck nachsehen, denn HAGGARD ist nicht nur eine Band, HAGGARD ist ein Orchester. Selten sind weniger als zehn Musiker auf der Bühne zu sehen. So auch auf Schloss Broich. Es kamen Violine, Cello, Horn, Piano, Laute und Pauken neben den üblichen Schlagzeug, Bass und Gitarre zum Einsatz. Die Notenständer wurden von Kerzen erhält. Da wundert es nicht, dass diese Gruppe in der Lage ist, alle Facetten der Musik zu bieten. Sie beherrschen die Klaviatur aller Instrumente perfekt und haben ihre Arrangements dermaßen im Griff, dass es eine wahre Wonne ist, ihren voluminösen Grooves, die mal von weiblicher, mal von männlicher Opernstimme vorgetragen werden, zuzuhören. Die Klassik-Metaller aus München, wie sie auch bezeichnet werden, verbreiten dank der orchestralen Besetzung einen Klangteppich, wie man ihn sonst nur in monumentalen Abenteuerfilmen erwartet. Alle Facetten ihres Könnens zeigten Sie bereits in dem ersten Stück, den „Tales Of Ithiria“, in welchem sanfte Melodien ruckartig durch metallenen Rock abgelöst wird und umgekehrt. Bestechend waren die Grabesstimme und die lang anhaltenden Shouts von Frontmann Asis, der neben der Gitarre gelegentlich die elektrische Laute spielte, die auf einem Ständer fest montiert war und keinen Korpus hatte.

Ein gelungenes Festival bei passendem Festivalwetter (blauer Himmel, kleine weiße Wölkchen, strahlender Sonnenschein), mit einer passenden Zusammenstellung von Bands, einer sehr guten Organisation, keinen randalierenden Ausfällen. So sollte ein Open Air immer sein. Zwischendurch gab der Veranstalter bekannt, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Burgfolk-Festival stattfindet. Dann aber zum ersten Mal an zwei Tagen. Es wird am letzten Wochenende im August an einem Freitag und Samstag stattfinden. Diese Ankündigung wurde mit lautem Beifall begrüßt. Fans, denen zehn Stunden Konzert und Show am Stück nicht ausreichen, bekommen dann 2010 noch mehr Gelegenheit zum Feiern und Tanzen.
Detlef Knut

Copyright Fotos: Regina Knut

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