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BURGFOLK 2010

Ort: Mülheim – Schloss Broich

Datum: 27.08.2010 - 28.08.2010

Zum ersten Mal in diesem Jahr wurde das beliebte Festival auf zwei Tage ausgedehnt. Das schafft Raum und Zeit für noch mehr Bands, für noch mehr Musik, für noch mehr Mittelalter, für noch mehr Folk, und schließlich last-but-not-least: noch mehr Spaß. Deshalb dröhnten diesmal schon am Freitag die Sackpfeifen, Schlagwerke und Bässe weithin über das beschauliche Mülheim an der Ruhr. Ein Wehrmutstropfen für die, die von weither anreisten, war vielleicht, dass es dem Veranstalter trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen war, Zeltplätze zur Verfügung zu stellen. Dem wird aber laut seinen Aussagen beim nächsten Burgfolk, dem 10-jährigen Jubiläum, nicht so sein. Dafür wird Sorge getragen.

FREITAG

Der Musik und der Freude am Festival tat das alles jedoch keinen Abbruch. Ausverkauft waren die Tickets trotzdem, der Burghof gerammelt voll und der Park um Schloss Broich herum dicht besiedelt von Fans. Auch das Wetter, das von vornherein keine guten Prognosen liefern wollte, hatte doch noch mitgespielt. Zwar gab es am Samstag den einen oder anderen Schauer, meist jedoch nur von kurzer Dauer. Kaum, dass manch ein Gast dem Burghof den Rücken kehren wollte, lächelte schon wieder die Sonne.

VROUDENSPIL

Am ersten Festival-Tag, Freitag, dem 27., eröffneten pünktlich um 17.30 VROUDENSPIL den Konzertmarathon. Ihnen stand eine schwere Aufgabe bevor: die trotz des bedeckten Himmels angereisten Fans in gute Laune zu bringen. Das fiel ihnen jedoch nicht sehr schwer. Die Freibeuter von VROUDENSPIL treiben seit 2005 ihr Unwesen auf den Mittelaltermärkten und erfreuen das Marktvolk mit Musik, Gesang und guter Laune. Sie sind es gewohnt, die Zuhörer mitzureißen und schafften es auch dieses Mal. Das Ganze machen sie nur aus Zeitvertreib, immer mal so zwischen dem Entern schatzträchtiger Schiffe. Doch Mittelaltermärkte reichten nicht, einmal an der Lunte geschnuppert, wollten sie nicht mehr von den Festivalbühnen lassen. So brachten sie ihre unterhaltsame, zum Tanzen mitreißende musikalische Mischung aus Folk-Rock, Mittelalterrock und Ska mit elektronischen Instrumenten als auch mit Dudelsack und Akkordeon unter das weithin jubilierende Burgvolk. Die Show sprudelte voller Lust und Laune.

NACHTGESCHREI

Längst keine Unbekannten in Mülheim waren die Mittelalterrocker der Frankfurter Band NACHTGESCHREI, die gegen halb Sieben die Bühne betraten. Hard’n’heavy ist doch mal eine vernünftige Devise. Entsprechend ließen diese Musiker es krachen. Dudelsäcke, Drehleier und Flöten als mittelalterliche Zugabe und tonangebende Instrumente zu den satten Gitarren und dem rotierenden Schlagzeug. Ihr Sound kommt in den verschiedensten Genres gleichermaßen an, deshalb ist die Mittelalterszene nicht ihr einziger Tummelplatz, auf Metal- und Gothic-Festivals haben sie sich auch ihren Stammplatz erobert. Kein Wunder, dass sich das Burgvolk bei solch moderner und zeitloser Rockmusik nicht lange bitten ließ, stimmungsvoll mitzumachen. Frontmann Hotti gönnte sich keine Pause und zeigte sich als energetischer Nimmersatt beim Einheizen der Leute auf dem Burghof.

ALESTORM

Schade, dass Mülheim an der Ruhr und nicht an der Nordsee liegt. Super jedoch, dass es bei mir um die Ecke ist. So konnte ich erneut eine Piratenbande zu Gehör bekommen, denn mit ALESTORM trat kurz vor Acht eine weitere Freibeutercrew auf die Festivalbühne. Nach eigenen Aussagen bedienen sie ein Genre mit der einzigartigen Bezeichnung „Scottish Pirate Folk Metal“. Dieser Kategorie wie auch der Name der Band trägt schon alles in sich, was diese schottischen Musiker neben der guten Laune mitbrachten. Selbst ohne die gehörige Buddel voll Rum kamen die höchst anständigen Festivalgäste nicht um das Mitsingen der eingängigen Refrains und tanzvollen Rhythmen herum. Dass diese Lieder englisch gesungen wurden, spielte keine besondere Rolle, waren die Refrains doch wirklich simpel und dienten nur dem einen Zweck: gute Stimmung zu verbreiten und Spaß zu haben. Aufgepeppt wurde die Show durch gelegentlich auflodernde Flammen neben der Bühne.

CORVUS CORAX

Planmäßig und voll in der richtigen Zeit bildeten um 21 Uhr die krönenden Headliner, die „Könige der Spielleute“, die Big-Band des Mittelalters, CORVUS CORAX den Abschluss. Nach 2003 und 2005 waren sie nun zum dritten Mal auf Schloss Broich und ließen ihre mittelalterliche Tanzmusik durch das beschauliche Städtchen dröhnen. Die choreografische Performance während ihrer Show beim Spiel auf den vielen unterschiedlichsten Instrumenten und die schlagwerkmonströse Bühnenausstattung sind immer wieder aufs Neue eine Augenweide, genau wie die filigrane und schwungvolle traditionsbewusste Musik ein Ohrenschmaus darstellen. Wen wundert es, dass die Mauern des altehrwürdigen Schlosses dabei zu erneutem Glanz erstrahlten bei diesen Klängen zu alten Mythen und Sagen, die an vielen Stellen vom Burgvolk gesanglich begleitet wurden.

SAMSTAG

Am zweiten Tag begannen die Konzerte bereits mittags um 13 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war es sonnig, aber was sollte das schon bedeuten. Ein Regencape und eine Fleecejacke im Rucksack waren willkommen, wurden allerdings nur für maximal zehn Minuten benötigt. Die Fleecejacke wurde durch die gute Stimmung ersetzt, die die Bands ausstrahlten, das Regencape diente dazu, um den Gottheiten Aceio und Dagda zu drohen, sie mögen ihr Wasser bei sich behalten. Hat allerdings nicht immer geklappt.

VERSENGOLD

VERSENGOLD stand an diesem Tag der Start zu. Die Musiker Snorre Snoerkelfrey, Pinto von Frohsinn, Hengest der Lange und die Lautenspielerin Brigitta, die zum ersten Mal mit dieser Formation auf der Bühne stand, sind keine Kinder von Traurigkeit. Das war bereits auf dem nahegelegenen Parkplatz zu hören (sie hatten etwas vor der Zeit begonnen) und so eröffnete der zweite Tag zünftig stimmungsvoll. Die so mittelalterlich anmutenden Klänge und kräftig derben Texte stammen allesamt aus eigener Feder. Das Instrumentarium ist selbst für Formationen dieses Genres sehr weit gefächert, als da wären Fidel, Nyckelharpa, Bouzouki, Flöten, Bodhrán, Gitarren-Cister, Davul, Drehleier und Laute. Wenn die Gewandeten zwar viel Stimmung unters Volk brachten, so bewiesen sie doch auch einen Spürsinn für feinfühlige Balladen und nicht jeder Song kam mit polterndem Klamauk daher. Den Nachbarn einhaken und schunkeln funktionierte bestens.

ELANE

Aus den Tiefen des Sauerlandes waren die Musiker der Formation ELANE herbeigeeilt, um die bulgarische Gruppe IRFAN, die kurz vor dem Festival absagen musste, zu ersetzen. Der Tausch war gelungen und die Menschen auf dem Burggelände trauerten der fehlenden Gruppe nicht hinterher, sondern widmeten sich mit Freuden den Klängen von ELANE und dem Gesang ihrer Frontfrau Joran Elane. In einer Mischung von Pop, Rock und Softrock präsentierten sie angenehm klingende, verträumte Melodien aus einer Welt jenseits von Gut und Böse. Die wie aus dem Elfenland wirkende Musik brachte erhabene Klangteppiche aus dem virtuosen Zusammenspiel von Gitarren, Streichinstrumenten, Schlagwerk und Percussions hervor.

BLEEDING HEARTS

Kurz nach drei betraten dann die Musiker der englischen Band BLEEDING HEARTS die Bühne und legten ein rhythmisches Tempo vor, welches man vielleicht von den Speedfolkern FIDDLER’S GREEN kennen mag. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Engländer zumindest den ersten Titel nicht doch doppelt so schnell spielten. Doch es sollte sich keiner über das Tempo wundern, supporteten sie doch bereits die Erlanger Gruppe genauso wie DIE ÄRZTE. BLEEDING HEARTS brachten ihre musikalische Mischung aus Folk, Punk und Rock auf Schloss Broich mit genauso viel Power unters Volk wie bereits auf vielen Festivals, auf denen sie sich seit ihrer Gründung 1995 viele Freunde gemacht haben, nicht nur in Deutschland oder ihrer Heimat Großbritannien, sondern im gesamten Europa und in Nordamerika. Neben hartem Schlagzeug und hämmernden Gitarren brachten die vier Jungs folkige Instrumente ins Spiel. Laut und rockig, zum Springen angetan. Der Burghof vibrierte und stimmte ein, als sie ihr letztes Lied („What Shall We Do With A Drunken Sailor“) in ihrem ganz eigenen Arrangement zum Besten gaben.

FEJD

Mit FEJD setzte der Veranstalter Michael Bohnes die Tradition fort, nordische Formationen an die Ruhr zu holen. Die fünf schwedischen Musiker beziehen ihre musikalischen Ideen aus den Mythen, Legenden und Sagen ihrer Heimat. Mit kräftigen Stimmen und schwungvollem Gesang (oft mit dem rollenden „R“), der neben dem Schlagwerk von traditionellen Instrumenten wie Hurdie-Gurdie, Bouzouki, schwedischem Dudelsack und Maulorgel begleitet wird, brachten die Nordmänner Stimmung unter die Gäste. Bassig klingender, vom schweren gleichmäßigen Schlag getriebener folkloristischer Rock, der dem Tanzbein kaum Einhalt zu gebieten vermag. Da hieß es nur springen, feiern und mittanzen! Überwältigt wurden die langhaarigen blonden Musiker von den immer wieder zwischen den Titeln laut skandierten Fejd-Fejd-Fejd-Rufen der Gäste und Fans.

FEUERSCHWANZ

Des Hauptmanns FEUERSCHWANZ geiler Haufen, der nach einer entsprechenden Anfrage beim Publikum etwa zehn Minuten vor der offiziellen Zeit begann, war dieses Jahr erneut zum BURGFOLK gerufen, um den Met fließen und die Miezen tanzen zu lassen. Die humoreske, hardrockige Mittelalterformation hat sich in den letzten Jahren auf vielen Konzerten und Festivals eine ungeheure Freundesschar eingespielt. Es ist anzunehmen, dass die Mitglieder der Truppe bis heute nicht genau wissen, ob sie Musiker oder Kabarettisten sind. Für die Fans sind sie jedenfalls beides und so wundert es nicht, dass das Burgvolk bereits beim Aufbau und Tonstimmen quer stand und so in Wallung gebracht war, dass es nicht mehr bis zum korrekten Start warten wollte und nach dem „Metvernichter“ lechzte. Das mit bissigen und süffisanten Texten unter die Gürtellinie zielende Klanggebräu mit mittelalterlichen und rockigen Takten brachte auch dieses Mal die Stimmung erneut zum Kochen. Seit dem Mittag war bereits eine ungeheure Stimmung auf dem Gelände, umso unmöglicher schien, dass dies noch zu toppen war. Aber es funktionierte, FEUERSCHWANZ war dazu in der Lage. Die gewandeten Mitglieder der Gruppe lieferten eine spaßige Show, die ihresgleichen in der Szene sucht. Dabei waren sie selbst nicht minder überrascht über das Feuerspektakel am Rande ihrer Bühne. Und wer auf der Bühne nicht genug von den Feuerschwänzen bekam, der hatte zuvor und nach deren Show genügend Gelegenheit zu einem Schwatz und Trunk mit ihnen, denn voller Freude tummelten sie sich im Volke. Sauft und rauft war die Devise, die durchaus an ein Leben in einer mittelalterlichen Taverne erinnerte. Der Zugaben gab es gar viele, schließlich hatten sie früher begonnen und konnten ihre Spielzeit ausgiebig nutzen. Für die erste Zugabe wurde eine Gasse unter den Zuschauern gebildet, während eine Hälfte dem Team Johanna angehörte, war die andere Seite Team Prinz Hodenherz. Der Tanz zu „Hurra, Hurra, die Pest ist da“ bestand schließlich in leichten abwechselnden Kniebeugen beider Zuschauerhälften. Gaudi pur.

ELUVEITIE

Mit zwanzig Minuten Verspätung wegen Problemen bei der Tonabstimmung betraten die Schweizer Pagan-Metaller ELUVEITIE die Bühne. Sie hatten eine große Fanschar im Gepäck, kamen aber an die Ruhr, um sich von der ihrer akustischen Seite zu zeigen, wie der Frontmann nach dem ersten Song verlauten ließ. Obwohl kaum noch von den Charts wegzudenken, nahmen sich die Musiker eine kleine, ablenkende Auszeit aus der metallenen Szene, kleideten sich in neue Gewandung, griffen zu traditionellen Folk-Instrumenten und nahmen ein reines Folk-Album auf. Den Folk hatten sie nie verleugnet, doch so, wie auf diesem Album und dem Burgfolk-Konzert hatten sie sich auch noch nicht dazu bekannt. Das Wagnis scheint gelungen. Sie präsentierten nach ihrem ersten Titel in gewohnt knallharter metallener Manier eine naturverbundene, romantische Musik bis hin zu deftigen Schunkelliedern und Folk-Krachern. Leider mussten sie sich an den Zeitplan halten, um den nach ihnen folgenden Headliner nicht zu kurz kommen zu lassen. Gerne hätte so mancher Zuhörer mehr von den Schweizern gehört.

SALTATIO MORTIS

Pünktlich um dreiviertel Neun begannen die Headliner des zweiten Tages mit ihrer Performance. Die mittelalterliche Formation SALTATIO MORTIS noch mal besonders vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen tragen. Sie bietet nun mal Mittelalterrock vom Feinsten und da wundert es kaum, dass sie vordere Plätze in den Charts belegen. Harter Rock, sanfte Balladen, moderne Arrangements auf traditionellen und elektronischen Instrumenten, ein charismatischer Frontmann, alles das kann man von SALTATIO MORTIS erwarten. Und sie enttäuschten nicht! Sie zeigten sich professioneller denn je. Die Arme der Fans waren ununterbrochen in der Luft und klatschten im Takt. Frontmann Alea ist ein reines Energiebündel, der über beinahe zwei Stunden hinweg konstant in Bewegung war, um die Fans anzuheizen. Darin inbegriffen der Lauf mit der SM-Flagge in einer Gasse über den Burghof bis hinauf zur Bühne mit einem Sprung über die Absperrung hinweg. Verschnaufen konnte er erst wieder als er einen Song liegender Weise beim Stage Diving über den Köpfen des Burgvolks sang. Erstaunlich, wie sauber dieser Titel dabei vorgetragen wurde. Doch all das brachte noch keinen Höhepunkt. Der gelang mit dem Überraschungsgast. Der Song „Salome“ wurde wie auf dem Album „Wer Wind Sät“ mit Her Majesty, The Queen Of Rock, DORO PESCH performed, die sich mit einem Mikrofon in der Hand auf die Bühne geschlichen hatte. Der Jubel auf dem Burghof kannte keine Grenzen. Auch der zunächst letzte Song „Geboren, um Spielleut zu sein“, der noch mal Hauptmann Feuerschwanz, Prinz Hodenherz und Doro Pesch auf die Bühne holte, war stimmungsmäßig voll gelungen. SALTATIO MORTIS zeigten mit ihrer Bühnen- und Lichtshow erneut, wie das Mittelalter rockt und brachten am späten Abend die Fans in eine unglaubliche Stimmung, so dass mehrere Zugaben obligatorisch waren.

Nächstes Jahr feiert das BURGFOLK-Festival sein 10-jähriges Jubiläum. Ich freu mich jetzt schon drauf.

Copyright Fotos Regina Knut

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