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BURGFOLK 2012 – TAG 2

Ort: Mülheim – Schloss Broich

Datum: 18.08.2012

Am zweiten Tag, der Wettergott hatte die Temperatur noch um einige Grade erhöht, begannen die Konzerte um 13 Uhr. Sengende Hitze, heiße Pflastersteine auf dem Burghof, die schattigen Plätze leicht übervölkert. Die Gäste waren dennoch in Scharen bereits zur Mittagszeit herangestürmt (für beide Tage waren laut NRZ etwa 3000 Besucher registriert worden). Während die Bands spielten, war natürlich auch der Platz vor der Bühne mit Fans und Gästen belegt. In den Pausen hielten sich viele von diesem Platz fern. Während der Konzerte hatten sich die Organisatoren den feinen Wasserschlauch einfallen lassen, mit dem sie die Zuschauer gelegentlich berieselten. Tolle Sache.

Die Reihe der Konzerte wurde am zweiten Tag von der aus dem Norden stammenden Formation VOGELFREY gestartet. Die sechs Spielleute boten ihren folkloristischen Genre-Mix aus Metal, Folk, Rock und Mittelalter mit viel Schwung und Freude an. Knallig und hart brachte der Pakt der Geächteten, wie sie sich auch nennen, den Burghof zum Beben mit solchen Titeln wie „Galgenvogel“, „Feenfleisch“ und vielen weiteren. Die Tanzbeine der Fans wurden stampfenden Takten gekitzelt. Trotz der Integration der verschiedenen Stilrichtungen vereinen sie die Klänge zu ihrer eigenen VOGELFREYen Musik und bekennen sich auch mit der Gewandung zum Mittelalterrock. Die Band gab sich am Abend noch ein zweites Mal die Ehre. Sie spielten erneut live bei der offiziellen After-Show-Party im TIC.

Auch gegen 14 Uhr wurden die Gäste von sechs Musikern in Tanzlaune gehalten. Die im schottischen Outfit spielenden CROMDALE bringen eine explosive Mischung aus modernem Rock und keltischer Folklore zu Gehör. Arnold reizte die E-Gitarre, Thomas sang und spielte die Akustikgitarre, Madiel blähte seine Backen für den Dudelsack, Antje griff in die Tasten und strich die Saiten, Benedikt griff in die Basssaiten und Guido haute auf die Felle des Schlagwerks. Wer einen größeren Hang zum Folk hat, der wurde hier fündig. Ich wurde an THE DUBLINERS erinnert, obwohl die Lieder durch den starken, melodischen Rock wesentlich frischer und moderner klangen als die alten Folk-Legenden. Wundervoller, tanzbarer Rock, der halt immer ein bisschen irisch klingt. Die Westfalen zeigen, wie getanzt werden kann.

Kurz nach 15 Uhr betraten die fünf Mannen von INGRIMM die Bühne. Fenris, der Sänger und Frontmann mit den langen, roten Haaren, die er sehr gut zum Headbangen benutzt, forderte das Publikum zum Mitmachen heraus. Dem fiel das bei den metallisch-mittelalterlichen Klängen nicht schwer. Brachial in ihrem Auftreten und Gebaren brachten sie heiße, schnelle Rhythmen dar. Alex an der Gitarre und Mugl am Bass sorgen für den metallenen Charakter der Lieder, Klaus am Schlagwerk unterstützt sie dabei. Hardy steuert mit seiner Drehleier einen großen Teil aus dem Mittelalter hinzu, denn das unterscheidet Mittelalter von Metal: ganz besondere Instrumente, die teilweise exotisch anmutende Klänge erzeugen. Nur die neue Dame an der Geige verzauberte als neues Bandmitglied die harten Töne mit lieblichem Gesicht und verspielten Streicheleinheiten.

Folk, Punk und Rock haben sich MR. IRISH BASTARD auf die Fahne geschrieben. Sie heizten die Stimmung mit ihrem schnellen Folk an. Jeder Song hat ein überaus hohes Tempo und beherbergt jede Menge Tanzpotenzial. Genremäßig lassen sich die fünf Männer und zwei Frauen in eine Kategorie mit FLOGGING MOLLY und FIDDLERS GREEN einsortieren. Akkordeon, Banjo und Flöte kommen zusätzlich zu den klassischen Instrumenten ins Spiel. Die 2006 gegründete Münsteraner Band hat sich früh auf die internationale Szene eingeschossen und bereits Konzerte in China und Japan absolviert. Ihre Spielfreude auf der Bühne des BURGFOLK sprang sofort auf die Fans über. Schnell zogen sie alle mit. Trotz der überwiegend englischen Texte. Schließlich gab es kein Halten für die Fans, als „Last Pint“ gespielt wurde. Das unaufhörliche Anpeitschen der Fans zahlte sich aus, denn im Burghof war schließlich kaum zu unterscheiden, wer lauter musizierte: die Band oder die Fans.

Um halb Sechs begannen die Spielmannsleute von VERSENGOLD ihre Sauf- und Rauflieder zu zelebrieren. Bei diesen fünf Musikern kann man sich ruhig die mittelalterlichen Spielleute im engeren Sinne vorstellen. Ausschließlich akustische Instrumente werden zum Musizieren benutzt. Ein großes Weinfass auf der Bühne (in welchem sich die Pauke versteckt, damit Paule manchmal was hat, um richtig auf selbige zu hauen) , die Gewandung und das schauspielerische Gebaren zauberten einen Hauch von altem Gauklertum in den Burghof. Die Rauf- und Sauflieder, die gut und gerne in den Tavernen gespielt hätten können, sind manchmal Irish Folk mit deutschen Texten, manchmal aber auch nur mittelalterliche Folklore. Sie bringen Spaß und scheinen ohne besonders Equipment auch am Lagerfeuer nachzuspielen sein. Das Burgvolk bekam Gelegenheit, zusätzlich zu dem Wasser auch noch mit riesigen Wasserbällen zu spielen.

Mit CELTICA kam um 19 Uhr ein neues Konzept auf die Bühne. „CELTICA – Pipes rocks”. Zugegeben, ganz so neu ist das Konzept nicht, CELTICA hat sich einiges bei den RED HOT CHILLI PIPERS abgeschaut. Sogar das Logo haben sie übernommen mit dem Unterschied, dass die RHCP einen Dudelsack mit seinen Pfeifen haben, während dessen CELTICA eine E-Gitarre mit Dudelsack-Pfeifen ihr Logo nennen. Die Musikerinnen und Musiker stammen aus Österreich, Schottland und USA und sind bereits weltweit auf den großen Bühnen bei den Folklore-Festivals zuhause. Denn das Besondere ihrerseits ist die Rockmusik mit Dudelsäcken. Nicht, wie bei jeder Mittelalterband. Sondern die Dudelsäcke ersetzen den Gesang. Anstelle eines Frontmanns gibt es also die Frontsäcke. Aber das mit Bravour von allerhöchster Güte. Die Mischung aus knallig-hartem Rock und den lang gezogenen Tönen der Sackpfeifen machte richtig Spaß. Der Gesang blieb auch nicht komplett außen vor. Es wurde auch Lieder gesungen, aber sehr selten. Und verrockte Folksongs wie „Drunken Sailor“ sorgten dafür, dass die Fans zu tun bekamen. Sie gingen aber nicht nur an Folklore, sondern wagten sich auch an Adaptionen klassischer Musik. Doch wenn ich bis dahin glaubte, CELTICA würde sich von den RHCP dadurch abheben, dass sie keine international bekannten Rocktitel covern, dann wurde ich zum Ende des Konzertes hin eines besseren belehrt. Denn es folgten noch Abräumer, die dem Burgvolk noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben sollte: AC/DC „Highway To Hell“, DEEP PURPLE „Smoke On The Water, QUEEN „We Will Rock You“ und schließlich JOAN JETT AND THE BLACKHEARTS „I Love Roch‘N’Roll“

Pünktlich um halb Neun betraten die Headliner die Bühne: SALTATIO MORTIS. Erst als alle Musiker auf der Bühne waren, kam Alea, der Derwisch, mit einem Salto auf die Bühne. Drei Töne gespielt und schon bebte der Burghof. Wie am ersten Tag des Festivals kam dem Headliner der dunkel werdende Himmel zugute und die Lichtshow konnte voll ihre Effekte entfalten. Gespielt wurden von den Männern um Lasterbalk natürlich Hits und Klassiker der Band, als da wären „Ode an die Feinschaft“, „Hochzeitstanz“, Uns gehört die Welt“, Manus Manum Lavat“, „Wir sähen den Wind“ und vieles mehr. Ein Lied wurde den gerade verurteilten PUSSY RIOT gewidmet. Bei dem Song „Wir sähen den Wind“ kam eine besondere Showeinlage: Alea ließ eine Gasse auf dem Hof bilden, in der er dann mit der Piratenflagge ausgestattet seine Salto schlug. Zum Ende hin, fast schon das letzte Lied des Abends, holte Alea den Veranstalter Michael Bohnes zum Singen und Tanzen auf die Bühne. Das Burgvolk sang mit und es wurde ein Wettsingen zwischen Weiblein und Männlein initiiert. Die Stimmung stieg, die Musiker verschwanden von der Bühne, die ersten Rufe nach Zugabe wurden laut. Die Musiker kehrten zurück, die Musik ging weiter, Alea kletterte auf den Bühnengerüste nach oben. Dann wurden musikalisch die Bandmitglieder vorgestellt. Und einem Ritual folgend startete Alea dann das Stage Diving, wobei er das Mikrofon nicht aus der Hand gibt und weiter singt. Dieses Ritual wurde bei SALTATIO MORTIS während eines BURGFOLK-Festivals kreiert und seitdem immer wieder bei den Konzerten vollzogen. Den wirklichen Abschluss bildete dann der „Spielmannsschwur“. Bewundernswert dabei die Energie des tanzenden Derwisch Alea, der auch noch nach anderthalb Stunden auf der Bühne zum Überschlag fähig ist und die Füße über seinen eigenen Kopf hinaus bekommt.

Alles in allem erneut ein buntes Festival mit stets wachsendem Besucherandrang. Auch am zweiten Tag fanden alle Konzerte überaus pünktlich statt. Die Techniker und Organisatoren haben sehr gute Arbeit geleistet. Die Versorgung des Burgvolks mit Essen und Trinken und sonstigem Mittelaltertum war perfekt. Im nächsten Jahr wird es am dritten Wochenende im August wieder heißen: BURGFOLK – der Burghof rockt.

Copyright Fotos: Detlef Knut

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