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C.AARMÉ

Ort: Osnabrück - Bastard Club

Datum: 27.05.2010

Heute hatte ich einen Quickie. Nein, nicht was ihr denkt. Mit meinem Liebesleben verschone ich die Terror-Leserschaft. Es war ein musikalischer Quickie, der im VW Bulli den weiten Weg aus Schweden gemacht hatte, um dann in Windeseile beim ersten Tour-Stop in Osnabrück über die Zuschauer hinwegzufegen. Die Rede ist von C.AARMÉ, die sich seit ihrer Gründung 2002 in ihren skandinavischen Heimat zu einer festen Größe in der Garagen-Rock-Szene entwickelt haben, hierzulande allerdings zumindest in der Hasestadt noch etwas kleinere Brötchen backen mussten.

Rund 20 überwiegend männliche Neugierige und Fans hatten sich Barbereich des Bastard Clubs eingefunden und fast hätte man meinen können, die Schweden hätten jedem ihrer Zuhörer eine Minute Spielzeit zugedacht. Der ganze Gig kam nämlich mit schlanken 25 Minuten Gesamtdauer aus. Die hatten es allerdings in sich! Das Quartett hatte sich wohl so etwas wie ein Intensiv-Express-Konzert vorgenommen, bei dem es komprimiert in die Vollen ging und nicht lange gefackelt wurde. Zwar ging’s erst um kurz vor 22.00 Uhr los, dafür war um 22.20 Uhr der Spuk auch schon wieder vorbei. Dazwischen lagen neun Songs der drei Langrillen, die das Quartett um den exaltierten Sänger Jessie Garon, veröffentlicht hat, wobei C.AARMÉ mit „Assuan“ vom im März erschienen Longplayer „World Music“ starteten. Es wurde geschrammelt und geschrien, was das Zeug hielt und insbesondere der androgyn wirkende Herr, der denselben Namen trägt wie Elvis Presleys tot geborener Zwillingsbruder, war nicht zu bremsen. Ob der schummrigen Beleuchtung und den blitzschnellen Bewegungen auf und vor der Bühne, konnte ich meine Amateur-Kamera alsbald einpacken und stattdessen staunen, was der blonde Fronter mit dem rot geschminkten Kussmund so trieb. Von den weiblich anmutenden Vocals der Platte war zumindest nichts mehr übrig. Vielmehr schepperte der Gesang grummelnd von einer spielfreudigen Saitenfraktion und druckvollen Drums begleitet aus den Boxen. Offensichtlich war dem kleinen Springinsfeld die Stage viel zu klein, denn immer wieder unternahm er Ausflüge ins Publikum, stieg auch schon mal wie bei „We Are The World“ vom 2007er „Vita“ auf einen Barhocker, nachdem er kurz zuvor noch unschuldig auf der niedrigen Bühnenkante gesessen hatte. Eigentlich habe ich nur darauf gewartet, dass er den Mikrofonständer bei passender Gelegenheit in die Abstand wahrende Menge warf, es blieb jedoch bei einem Tamburin, das beim stoischen Stomper „Dogs“ nach dem rhythmischen Gebrauch im hohen Bogen in die Ecke gepfeffert wurde. Dass der nächste Hunde-Track „Golden Retriever“ bereits als letzter Song angekündigt wurde, nahm das Auditorium noch als Scherz und es folgten ja mit „What’s The Problem Mussolini“ und „Gasmask“ auch noch zwei knackige Nummern vom selbstbetitelten Debüt aus 2004, aber das wilde Geschrammel von „M.p.p“ sollte dann nach einem wirkungsvollen Durchpusten der Gehörgänge tatsächlich das frühe Ende der Show markieren. Während die stehende Garde sich bereits verabschiedete, bearbeitete der Drummer seine Felle noch einmal auf das Feinste und dann hieß es bereits Goodbye.

Da nach einem kurzen Moment der Verwunderung bereits Konserven-Mucke einsetzte und sich Bassist David Sundqvist schon daran machte, den bandeigenen Einkaufsladen zu öffnen, war mit einer Verlängerung eher nicht zu rechnen. Wie sprach Schnalli (Bastard-Club-Chef und DAMPFMASCHINE-Trommler): „Wahre Künstler geben keine Zugabe!“. DAMPFMASCHINE begleiten C.AARMÉ übrigens in den kommenden zwei Tagen auf Tour, damit dürfte die Live-Beschallung mit etwas Glück bereits eine volle Stunde ausmachen. Aber ich will nicht meckern, immerhin gab’s die Schwedenhäppchen für schlanke EUR 5,00 und das was der Vierer für die Kohle geboten hat, wusste akustisch und optisch zweifellos zu fesseln.

Setlist
Assuan
We Are The World
Vita
Bodybuilding
Dogs
Golden Retriever
What’s The Problem Mussolini
Gasmask
M.p.p.

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