Konzert Filter

CALEXICO – DEPREDO

Ort: Bremen – Schlachthof

Datum: 01.07.2013

Man kann wohl nicht wirklich behaupten, dass an der Weser üblicherweise ein heißer Wüstenwind weht, aber immerhin hatte so etwas ähnliches wie der Sommer doch noch nach Bremen gefunden und so lümmelten sich auch kurz vor dem CALEXICO-Konzert im Schlachthof noch viele der Besucher vor den Toren der Konzertstätte und genossen die letzten Sonnenstrahlen des Montages, ehe es in das Innere des Kulturzentrums ging, wo an diesem Abend in der Kesselhalle die Alternative-Country-Rocker aus Tucson/Arizona für das passende Desert-Feeling sorgen sollten. Die tribünenartig angelegte Location war mit etwa 1.000 Besuchern nahezu ausverkauft und bot einem Publikum Platz, das der seit 17 Jahren agierenden Band vermutlich schon ein paar Jahre länger die Treue hält. Im Hintergrund der Bühne verwies ein großes Backdrop auf das Cover der im letzten Herbst erschienenen siebten Studio-Platte „Algiers“, welche CALEXICO im vergangenen Jahr schon an einigen Terminen live präsentiert hatten. Jetzt waren die sieben Musiker erneut nach Deutschland zurückgekehrt und gleich in doppelter Funktion auf der Stage tätig.

Hinter dem Support DEPREDO, der um 20.15 Uhr ins Rampenlicht trat, verbarg sich nämlich niemand anderes als der CALEXICO-Gitarrist Jairo Zavala, der zunächst einmal allein mit seiner Akustikklampfe bewaffnet loslegte. Auf dem Programm des Madrilenen stand auf Spanisch vorgetragene Singer-/Songwriter-Mucke mit mexikanisch anmutenden Akzenten, die im weiteren Verlauf personelle Unterstützung von weiteren CALEXICO-Members erhielt und deutlich an Fahrt aufnahm. Wie sagte Zavala so schön? Mit Freunden klappt’s noch besser und macht auch mehr Spaß, weshalb sich nach und nach die Bühne füllte und die Zuschauer gemeinsam in Stimmung gebracht wurden. Stilistisch war die Musik schließlich auch nicht weit von dem entfernt, was CALEXICO machen und letztlich haben die Herrschaften auch gemeinsam an den DEPREDO-Silberlingen gearbeitet. Wenn’s nach mir gegangen wäre, hätte es da auch gar keine Umbaupause mehr geben müssen, ein gleitender Übergang in die CALEXICO-Gefilde wäre überhaupt kein Problem gewesen.

Tatsächlich verabschiedeten sich die Künstler nach diesem schönen Einstand unter dem Applaus des Auditoriums jedoch noch mal für ein Viertelstündchen, um dann in voller Besetzung mit dem wunderbaren „Convict Pool“ loszulegen. Das lebhafte „Epic“ vom bereits erwähnten aktuellen Longplayer wurde mit Begeisterung aufgenommen, ehe mit viel Gebläse und Jairos Lap-Steel-Gitarre „Across The Wire“ zum Besten gegeben wurde. Derweil sorgte Band-Mitbegründer Joey Burns am akustischen Sechssaiter und Mikro für wohlige Schauer, die sich auch beim temporeichen „Splitter“ fortsetzten. Der Song ging mit sehr präsenten Langäxten und einem elektronischen Bass ins Bein, bevor mit „Roka“ der heiße Wüstenwind, der im Grenzland zwischen den USA und Mexiko vermutlich weht, regelrecht zu spüren war. Dafür bearbeitete Martin Wenk das Vibraphon, Ryan Alfred wechselte wieder zum Kontrabass und Jacob Valenzuela (der mich ein wenig an eine lateinamerikanische Ausgabe von Tim Mälzer erinnerte) stieß in die Trompete, ehe beim sehnsüchtigen Schmachter „Dead Moon“ die Instrumente teilweise reihum gingen. Auch das dramatische „Para“ ging durch und durch, ließ Martin eine gute Figur am guten alten Hohner-Akkordeon machen und wurde optisch von dezenten Lichteffekten untermalt. Im Wesentlichen beschränkten sich die Herren jedoch auf die Wirkung ihrer intensiven Musik. So folgte umgehend die coole „Balled of Cable Hogue”, bevor Kollege Valenzuela seinen Gesangseinsatz beim mexikanisch klingenden „Inspiration“ hatte. „Maybe On Monday“ stand als nächstes auf der Setlist und ist gleichzeitig auch der Titel der EP, die es exklusiv nur während der Tour physisch und als Vinyl zu kaufen gibt. Bei „Minas de Cobre“ sah man die Pistoleros geradezu durch den flirrenden Staub reiten, während „Griptape“ entspannt groovte und „Sinner In The Sea“ kubanische Highlights setzte. Mr. Tarantino hätte in einem seiner Filme sicherlich auch Verwendung für „Alone Again Or“, auf das mit „Puerto“ das krachende Ende der regulären Spielzeit folgte.

70 Minuten waren bis hierher wie im Fluge vergangen und schon bald fand der Konzertabend seine Fortsetzung im hymnischen „Walls Came Down“, ehe „Sunken Waltz“ zwar einen Gang zurückschaltete, gleichzeitig jedoch nicht an Faszination und Hörgenuss verlor. „Unsatisfied“ musste zumindest in musikalischer Hinsicht heute niemand nach Hause gehen und gemeinsam wurde in der gebotenen Ausführlichkeit „Guero Canelo“ abgefeiert, mit dem das Septett abermals unter tosendem Beifall im Off verschwand. Einen Nachschlag gab es noch in Form des gefühlvollen „The Vanishing Mind“, dann wurden die Bremer, die sich fast schon als feurige Latinos entpuppt hatten, nach großartigen 105 Minuten in die laue Sommernacht entlassen.

Setlist CALEXICO
Convict Pool
Epic
Across The Wire
Splitter
Roka
Dead Moon
Para
Balled of Cable Hogue
Inspiration
Maybe On Monday
Minas de Cobre
Griptape
Sinner In The Sea
Alone Again Or
Puerto

Walls Came Down
Sunken Waltz
Unsatisfied
Guero Canelo

The Vanishing Mind

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CALEXICO auf terrorverlag.com