Konzert Filter

CASPER –  PHILINE SONNY

Ort: Bielefeld – SchücoArena

Datum: 15.06.2024

Wie kann man nur mit solch einer rauchigen, gebrochenen Stimme ein Lied veröffentlichen, denke ich mir beim Anhören des Songs „So, Perfekt“ auf der Heimfahrt von meiner Arbeit. Der lief im Radio unter der Rubrik: „Neu für den Sektor“ auf 1Live und ich habe den Namen des Künstlers irgendwie nicht registriert. Egal, so oft wird das Teil in Zukunft auch nicht mehr gespielt, bei der Stimme kein Wunder. Das müsste so 2010 gewesen sein und schon beim zweiten Durchlauf faszinierte mich der Text, der ist persönlich, ehrlich und wirkt nicht aufgesetzt und die Stimme, nun ja, mal was anderes, unverkennbar. Und jetzt konnte ich mir auch den Namen merken: CASPER. Und was in den nächsten 14 Jahren noch folgen sollte, ist absolut bemerkenswert: ein großartiges Album nach dem anderen, das jeweils in Deutschland immer an die Spitze der Charts stürmte, etliche Musikpreise – darunter mehrere 1Live Kronen in unterschiedlichen Kategorien und ausverkaufte, viel umjubelte Konzerte. Und alles gipfelte jetzt in seinem größten Einzelgig in der Bielefelder SchücoArena, in einem Traum, den CASPER sich jetzt erfüllte. Als Fan des DSC Arminia kam für ihn selbstverständlich keine andere Location in Frage.

Wie man so hörte, sind die ersten Hardcore-Fans schon einen Tag vorher zum Fußballstadion gepilgert und haben vor den Toren übernachtet. Und das bei diesem ungemütlichen und regnerischen Wetter! Aber pünktlich zum Einlass kam die Sonne raus und einem Konzert stand nichts mehr im Wege. Als Support fungierte PHILINE SONNY mit ihrer Band. Ihr musikalischer Stil ist irgendwo zwischen Indierock und Singer/Songwriter anzusiedeln und kam beim Publikum sehr gut an, wobei „Lose Yourself“ und „In Denial“ zu den bekannteren Tracks der Combo zählten, da einige der Besucher lautstark mitsangen. Kein Wunder, waren die Fünf schon als Support für LEONIDEN und GIANT ROOKS unterwegs, die im letzten Jahr richtig durchgestartet sind. Und jetzt folgte kurzfristig die Einladung von CASPER, seine Show zu eröffnen und sie nahmen dankend an. Zumal ein Bandmitglied ein riesiger Fan von CASPER ist und sich vorab eine Karte für dieses Event gekauft hatte, wie Philine erzählte. Und so kann es gehen, als zahlender Gast steht man plötzlich auf der Bühne und spielt vor mehr als 25 000 Leuten.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Same Light
  • Gatekeeper
  • Lose Yourself
  • Drugs
  • Lovely
  • Shame
  • Berlin
  • In Denial

Nach dem WHEATUS-Intro „Teenage Dirtback“ betrat pünktlich Benjamin Griffey – so der bürgerliche Name CASPERs – zu den Klängen von „Alles war schön und nichts tat weh“ die riesige, mit vielen Blumen geschmückte Bühne. Im weiten Rund des Fußballstadions brandete sofort Jubel auf und trotz des ruhigen Songs war das Publikum direkt auf Betriebstemperatur. Da Mr. Griffey am Mikrofonständer in der Mitte der Bühne stand, hatten wir Fotografen und die Fans in den ersten Reihen riesige Probleme. Durch die hohe Bühne sah man den Rapper und seine, seit ein paar Jahren neu formierte Band überhaupt nicht, das war nur möglich, wenn man sich links und rechts an den riesigen Monitoren orientierte. Zum Glück änderte sich das sofort beim zweiten Track „Im Ascheregen“ schlagartig, denn ab jetzt wurde es zu einer Stadionrockshow, bei der er die ganze Breite der Stage nutzte und Kontakt zu den Fans im Golden Circle aufnahm; da hatte sich die Nacht vor dem Stadion für einige Hardcore Fans doch gelohnt. Mit voller Power ging`s mit „Alles endet (aber nie die Musik)“, „Mieses Leben/Wolken“ und „Adrenalin“ weiter und beim letztgenannten Track hätte ich MARTERIA auf der Bühne erwartet, ist es doch ein Output von der gemeinsamen Kollaboration „1982“ aus dem Jahr 2018. Naja, letztes Jahr beim ZZHF im Lokschuppen hatte CASPER das Stück auch allein performt, der Marten kam dann etwas später bei „Supernova“ zum Einsatz. Hier und jetzt stürmte DRANGSAL zu seinem Einsatz bei „Keine Angst“ auf die Bühne, auch ein gern gesehener Gast in Bielefeld, wenn auch nur zu Kurzauftritten zu diesem Song. Mit seiner eigenen Truppe wäre doch ein Gastspiel in den hiesigen Clubs auch mal drin, OWL wäre bereit dafür. Mit „Emma“ und „20 qm“ wurde es etwas persönlicher und ruhiger im weiten Rund, aber nur kurz, denn das schon angesprochene „Supernova“ gab wieder Vollgas. Aber auch hier tauchte MARTERIA nicht auf. Was war da los??? Vor sechs Jahren spielten beide noch einen Promo-Gig für ihr gemeinsames Album „1982“ vor dem Stadion und CASPER versprach damals schon: „Ich werde auch im Stadion spielen!“  Nur ein paar Tage später war er Gast im Rostocker Ostseestadion beim ausverkauften MARTERIA-Gig und sie performten dort die beiden oben schon angesprochenen Songs als Duo. Da hätte ich und bestimmt auch viele andere erwartet, dass der Rostocker Rapper sich revanchiert und auf der Alm auftritt. Sei`s drum, es kamen noch andere Gäste zum Einsatz. Allen voran THEES UHLMANN, der „XOXO“ dieses Mal mit seiner Gitarre begleitete und von dem Benjamin einmal sagte, dass Thees am Anfang seiner Karriere an ihn glaubte und ihn auch unterstützte. Für ihre gemeinsame Single „Schwarz“ holte er sich LEA auf die Bühne, wobei sich die beiden bei einem Texthänger am Schluss des Songs vor Lachen kaum halten konnten. Nach dem Smasher „TNT“ mit TUA musste der Wahlberliner einen kurzen Sprint in den hinteren Stadionbereich hinlegen, denn auf ihn wartete eine Hubbühne, genauer gesagt drei kleine, die zusammen eine ergab, auf der er zusammen mit LENA und Vincent von PROVINZ „Lass es Rosen für mich regnen“ darbot. Während die anderen beiden wieder runtergefahren wurden, gab CASPER dort noch „Gib mir Gefahr“ zum Besten, ehe er wieder im Laufschritt zur großen Bühne zurückeilte. Natürlich stellten sich viele Fans in den Weg, um ihn abzuklatschen und Fotos zu machen. Zum Finale schallten dann folgerichtig die bekanntesten Stücke aus den Boxen: „Die letzte Gang der Stadt“, „So Perfekt“, „Auf und davon“ und „Michael X“ ließen keine Wünsche offen und mit „Verliebt in der Stadt, die es nicht gibt“ wurde das reguläre Set beendet. Emotional wurde dann „Hin zur Sonne“ angekündigt, welcher anschaulich beschreibt, wie seine Rückkehr aus den USA zurück nach Deutschland ablief. Mit „Sommer“, „Ganz schön okay“ und „Hinterland“ war das Finale mit abschließendem Feuerwerk erreicht und ein überglücklicher Benjamin Griffey verabschiedete sich von den Fans und betonte immer wieder ergriffen, wie  verrückt es doch sei, dass er mit seinen teils traurigen Liedern so erfolgreich sein und dieses Stadion füllen könne.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Alles war schön und nichts tat weh
  • Im Ascheregen
  • Alles endet (aber nie die Musik)
  • Mieses Leben/Wolken
  • Adrenalin
  • Sirenen
  • Sowas von da (Hellwach)
  • Keine Angst feat. DRANGSAL
  • Emma
  • 20 qm
  • Supernova
  • Jambalaya
  • XOXO feat. THEES UHLMANN
  • Schwarz feat. LEA
  • Falsche Zeit, falscher Ort
  • TNT feat. TUA
  • Lass es Rosen für mich regnen feat. LENA und Vincent von PROVINZ
  • Gib mir Gefahr
  • Die letzte Gang der Stadt
  • So Perfekt
  • Auf und davon
  • Michael X
  • Verliebt in der Stadt, die es nicht gibt
  • Hin zur Sonne
  • Sommer
  • Ganz schön okay
  • Hinterland

Was für ein zweistündiger Abriss auf der Bielefelder Alm und der vorläufige Höhepunkt des musikalischen Schaffens von CASPER. Und das ist nur eine der Stärken des ostwestfälischen Rappers: live spielen. Das funktioniert im kleinen Club genauso – wie gerade erlebt – in einem Stadion. Wie kann ich so etwas behaupten? Weil ich den gebürtigen Ostwestfalen im Laufe der Jahre mehr als 15mal live gesehen habe, ob im kleinen Bielefelder „Forum“, welches am Schluss des Gigs einer Sauna gleichkam oder in der altehrwürdigen Dortmunder Westfalenhalle bis hin zum Serengeti Festival in Schloss Holte-Stukenbrock. Dann noch die ganzen „ZZH“-Festivals und es gab nicht einen Moment, in dem er lustlos seine Songs runterspielte, sondern immer für die Fans rockte.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CASPER auf terrorverlag.com

Mehr zu PHILINE SONNY auf terrorverlag.com