Konzert Filter

CASPER – VIERKANTTRETLAGER

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 31.10.2011

Was konnte man über CASPER in den letzten Wochen und Monaten nicht alles lesen. Als Retter des deutschen Hip Hop wurde er gefeiert und auf seiner letzten Montag in Münster endenden XOXO-Tour wurde ein Konzert nach dem anderen aufgrund der großen Nachfrage an Tickets in größere Locations verlegt, die dann auch überwiegend ausverkauft waren. Nachdem sich der Terrorverlag auf dem VAINSTREAM-Festival 2011 bereits einen ersten Eindruck von den Live-Qualiäten CASPERs machen konnte, war ich gespannt auf ein Headliner-Konzert des Bielefelder Rappers.

Auch der Skaters Palace war seit Wochen ausverkauft und die Halle bereits um 20 Uhr komplett gefüllt. Das war auch gut so, denn das für 20.30 Uhr angekündigte Konzert begann bereits ca. 20 Minuten eher mit der Vorband VIERKANTTRETLAGER. Mit der Wahl des Supports war dann auch schon irgendwie klar, dass CASPER nicht in die typische Hip Hop-Schublade gehört. Kein krasser Kollege stand da auf der Bühne, sondern eine aufstrebende Indie-Band aus Husum. Nicht nur die räumliche Nähe zu Hamburg, auch die Musikalische wurde schnell deutlich. VIERKANTTRETLAGER boten eine halbe Stunde deutschsprachige Songs und gaben dabei keine schlechte Figur ab. Gerade wenn man bedenkt, dass wohl kaum Jemandem diese Band bekannt gewesen sein dürfte, geschweige denn irgendwer im Publikum für eben jene anwesend war, konnten die Jungspunde durchaus überzeugen und dem Publikum Aufmerksamkeit und ordentlichen Applaus abverlangen. Dann kamen auch noch 5 junge Herren mit Scream-Masken über die Bühne getanzt und machten klar, dass zum einem Halloween, zum anderen auch der letzte Tag der Tour war.

An diesem Tage ging alles ganz schnell im Skaters Palace, vielleicht wollte man um 22 Uhr fertig sein, um das überwiegend sehr junge, weibliche Publikum sicher nach Hause kommend zu wissen? Der Umbau dauerte auch kaum eine halbe Stunde, den Bühnenhintergrund zierte ein großes Backbanner mit einem weißen Wolf und gegen 21.15 Uhr wurde es dunkel und die Band betrat mit Wolfsmasken auf den Köpfen die Bühne. Zum ersten Song „Der Druck steigt“ kam dann auch CASPER unter großem Jubel auf die Bühne und dann gingen auch noch bei allen Masken helle Lampen an und die Wolfsaugen strahlten leuchtend ins Publikum. Danach klare Ansage von CASPER: „Lasst uns diesen Laden heute abreißen“ und mit „Blut sehen“ und „Casper Bumaye“ gab er dann auch richtig Gas und riss das Publikum mit seiner ungestümen und ungezügelten Art förmlich mit. Doch CASPER kann auch ruhig, was er im folgenden Teil unter Beweis stellte. Der ganze Gig glich einer Achterbahnfahrt und CASPER konnte sein Publikum nach Belieben anfeuern oder bremsen wie er wollte. Ein weiterer Höhepunkt war dann die mit Thees Uhlmann eingespielte Single „XOXO“, die frenetisch abgefeiert wurde. An Stelle von Thees Uhlmann sprang in Münster gesanglich Max Leßmann von VIERKANTTRETLAGER in die Bresche und machte auch hier seine Sache richtig gut.

Dann wieder den Fuß aufs Gaspedal und bei „Letzte Gang der Stadt“ brachte CASPER die ganze Halle zum Springen, nur um im folgenden „Rock´n´Roll“ sogar noch eine Wall of Death zu initiieren. Mit einem Rap-Konzert hatte das Ganze dann wirklich nur noch am Rande zu tun. CASPER machte noch einmal deutlich, dass dies der letzte Gig der Tour sei und es noch in keiner Stadt gelungen wäre, einen ordentlichen Circle Pit hinzukriegen und dass er sich nichts mehr wünsche, als dass es heute Abend in Münster endlich mal richtig kreisen würde. Sein Wunsch war den Fans Befehl und so kam ein zwar bescheidener aber immerhin ein „echter“ Circle Pit zustande. Auch die eingebaute Hommage an die RAMONES (Hey Ho, Lets Go) wurde lauthals mitgegrölt.

CASPER kam scheinbar bei den weiblichen Fans so gut an, dass ihm ein BH auf die Bühne geworfen wurde, „Mit einer Handy-Nr. drin“ wie er grinsend betonte. Nach so viel Liebe, dann aber doch nochmal richtig „haten“ und bei im Medley eingebauten „Mittelfinger hoch“ zeigte die Skaters Palace geschlossen alle Stinkefinger. Das obligatorische „Jetzt schreit die linke Seite, jetzt die rechte Seite und welche ist wohl lauter“ wurde auch kurz eingebaut, aber wirklich schnell wieder durch ein „unentschieden“ beendet. Sowas musste nun auch wirklich nicht sein und die Kommunikation mit dem Publikum klappte auch ohne solch abgelutschte Mitmachspielchen hervorragend. Zu „Wilson Gonzales“ kam dann noch einmal VIERKATNTRETLAGER-Sänger Max auf die Bühne und hatte sich (letzter Tourtag) mit TURBOSTAAT-Shirt wie ein Spiegelbild CASPERs gekleidet. So gut, dass dieser bemerkte „Ich hoffe Du hast nicht meine Hosen an“. Mit „Michael X“ endet dann nach bereits einer Stunde der reguläre Teil des Sets wieder mit leisen, nachdenklichen Tönen. Doch so einfach wollte man CASPER nicht gehen lassen und mit Sprechchören und lautem Geschrei wurden er und die Band zurück auf die Bühne geholt.

Es folgten 2 weitere Songs und mit „So perfekt“, bei dem die komplette Besetzung von VIERKANTTRETLAGER und die Crew über die Bühne dölmerten, endete dann ein knapp 70-minütes Konzert von CASPER und somit auch seine XOXO-Tour. Diese wird jedoch ab Dezember aufgrund des großen Erfolges weitergeführt. Man könnte überlegen, ob eine Konzertlänge von 70 Minuten für einen Headliner nicht evtl. etwas wenig ist, aber erfreulicherweise hat CASPER eine in sich geschlossene, mitreißende und zu keinem Zeitpunkt langweilige Show abgeliefert und keine unnötigen Zeitfüller und Mitmach-Spielchen eingebaut.

Setlist CASPER
Der Druck steigt
Blut sehen
Casper! Bumaye
Auf und davon
XOXO
Unzerbrechlich
Alaska
Letzte Gang der Stadt
Rock´n´Roll
Medley (Verflossene Liebe / Guten Morgen Herzinfarkt / Mittelfinger hoch)
Wilson Gonzales
Hin zur Sonne
Das Grizzly Lied
Michael X

Kontrolle/ Schlaf
So perfekt

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CASPER auf terrorverlag.com

Mehr zu VIERKANTTRETLAGER auf terrorverlag.com