Konzert Filter

CHILDREN OF BODOM – CANNIBAL CORPSE – DIABLO

Ort: Hamburg - Große Freiheit 36

Datum: 23.02.2009

Was für ein Package: Die Vorreiter des aus Mangel an einem passenden Namen nach ihnen benannten Bodom Metal, die Death Metal Urgesteine und dazu ein Melodic Thrash Support – das dürfte spaßig werden. Etwas unerfindlich war mir ja, dass CANNIBAL CORPSE doch wirklich den mittleren Spielslot besetzen sollten (was mich sogar ein Bier aufgrund verlorener Wette gekostet hat) und irgendwie war bei einer so unterschiedlichen Zielgruppe auch die Frage, wer hier den Kürzeren ziehen würde: Die Bodomfangirls, die die erste Reihe ergattert hatten oder die Kannibalenanhänger zwecks Unterzahl. Ring frei für Runde 1:

DIABLO sind nach 5 Alben sicher keine Anfänger mehr, hier in Deutschland dürfte sich ihre Bekanntheit aber immer noch in Grenzen halten. Trotzdem merkte man ihnen doch an, dass sie bereits zahlreiche Auftritte in ihrem Heimatland Finnland absolviert haben, denn sie wirkten alles andere als scheu auf der Bühne und wussten mit dem Publikum umzugehen. Auch im Bereich Spielfreude und Motivation konnte das Quartett eindeutig punkten, Gitarrist Marko stand hier einem Alexi Laiho in Sachen Posen in Nichts nach (nur seine Laune war doch eindeutig besser). Musikalisch dürften DIABLO mit ihrem recht melodischen Thrash wohl eher bei den Bodomfans auf Gegenliebe stoßen. Meiner Meinung nach der beste Auftritt des Abends!

Ring frei für Runde 2 und die große Frage des Abends: Würde jetzt das Gemetzel losgehen im Moshpit oder doch eher Friede, Freude, Eierkuchen angesagt sein? Rein ohrentechnisch ging es zumindest schmerzhaft zu, denn die Lautstärke der Boxen schien auf Maximum hochgeschraubt zu sein, sodass vor allem direkt vor der Bühne George „Corpsegrinder“ Fishers eh schon alles vernichtendes Gebrüll nicht gerade sanft durch Mark und Knochen ging. Die ersten Reihen schien dies aber kaum in ihrer offensichtlichen Langeweile zu stören, dabei ließen CANNIBAL CORPSE doch so einige Kracher los, die geradezu zum Mattenschwingen einluden. Generell ging in der Meute bis auf eine gewaltige Wall of Death am Ende nicht viel, da stellt sich die Frage, ob die Kannibalenfans sich nicht genug bemerkbar machten oder aufgrund des Headliners gleich ganz fern geblieben waren. Zusammenpassen tun die beiden Bands jedenfalls nicht und wenn man so einige Verlautbarungen aus Menge abwägt, hat wohl kaum einer der Anwesenden Bodomfans hier seine Liebe für die Amis entdeckt, im Gegenteil, da schienen die meisten eher froh, dass die Dauer des Gigs nicht mal 40 Minuten betrug.

Eine unendliche, fast schon unverschämt lange Umbauphase später legten CHILDREN OF BODOM los und ohne dass die Band mit einem Daumen zucken musste, war die Menge auf Hochtouren. Die Mädels in den hartnäckig verteidigten vorderen Rängen kreischten sogar stellenweise die Namen der Finnen, ja sind wir denn hier auf einem TOKIO HOTEL-Konzert?! Gut, bei einem Henkka ohne T-Shirt kann man schon mal weiche Knie bekommen, aber Rotzbengel (das darf wörtlich genommen werden) und Fingerflitzer Alexi, der schon nach dem ersten Satz einen gefühlten „Fuck-Count“ von 375 aufweist und seine zig Mal gehörten Ansagen Marke „How you’re doing?“ oder „I wanna fucking see a fucking moshpit in the fucking crowd!“ etwas zu standardmäßig loslässt, ist ja nun wirklich kein augenscheinlicher Frauenschwarm. Auch wenn – oder besser gerade weil – die Band mit Stücken wie „Silent Night, Bodom Night“, „Lake Bodom“ oder „Hate Me“ hauptsächlich die Crème de la Crème ihrer Schaffensgeschichte im Gepäck hatte, konnte sie objektiv betrachtet überhaupt was reißen, denn das Set wirkte eher lustlos runtergezockt, selbst das Headbangen sah eher nach Pflichtprogramm aus. Vielleicht hätte man sich vorher an DIABLO ein Beispiel nehmen sollen, bei denen locker doppelt so viel Spielfreude zu spüren gewesen war. Auch fiel mit gerade mal 75 Minuten die Spielzeit doch sehr dürftig aus, wenn man bedenkt, dass sie auf der letzten Headlinertour 2005/ 06 locker die 90 Minuten (damals auch noch mit Drum- und Gitarrensoli) voll bekommen haben. Die Fans störte dies am heutigen Abend wohl kaum, in glückseliger Ekstase strömen sie nach nur 2 Zugaben ins Freie, während ich noch sinniere, ob die Bodomkinder einen schlechten Tag hatten oder mittlerweile durch zu viel Ruhm verwöhnt geworden sind!

Copyright Fotos: Juliane John

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CANNIBAL CORPSE auf terrorverlag.com

Mehr zu CHILDREN OF BODOM auf terrorverlag.com

Mehr zu DIABLO auf terrorverlag.com