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CHRIS & COSEY – INADE – LUSTMORD – ERALDO BERNOCCHI – IN THE NURSERY

Ort: Leipzig WGT Pantheon (Kuppelhalle/ Kantine)

Datum: 13.06.2011

Es ist unfassbar, aber wir haben schon wieder den letzten Tag des Wave Gotik Treffens 2011. Einen letzten Ausflug in das Heidnische Dorf zogen wir dem Besuch der agra-Shoppingmeile vor. Ziel war dann 18:10 Uhr das Pantheon, der ehemalige Volkspalast. Leider ging unser Zeitplan nicht ganz auf.

So waren wir erst zur Hälfte von IN THE NURSERY in der brechend vollen Kuppelhalle. Besser gesagt haben wir es gar nicht richtig rein geschafft, sondern standen in einer der Eingangstüren zur Halle. Daher leider auch keine Fotos des Auftrittes. Musikalisch war es aber ein Highlight und das konnte man auch noch von draußen sehr gut hören. Ein neoklassischer und martialischer Auftritt, elektronisch erzeugt aber mit vielen Live-Trommeln. Ein tolles Konzert der englischen Band, die bereits seit 30 Jahren existiert.

Nach diesem Auftritt verließen viele Besucher das Pantheon und es war wieder angenehm gefüllt. Das lag wohl daran, dass nebenan in der Halle 15 einige EBM- und Elektro-Top Acts spielten und der Rest der hier stattfindenden Konzerte nicht so populär beim Mainstream waren. Das Konzept aus dem letzten Jahr, im Pantheon beide Bühnen abwechselnd zu bespielen, wurde wieder durchgezogen. So konnte man ohne Pause viele Konzerte goutieren, war aber auch ein wenig atemlos.

In der Kantine spielte dann auch gleich ERALDO BERNOCCHI. Der Italiener war 1985 Mitbegründer VON und ist immer noch BEI SIGILLUM S, sowie neuerdings bei dem Neofolk-Projekt OWLS zusammen mit TONY WAKEFORD von SOL INVICTUS. Ein Mann und sein Laptop, im Hintergrund ein Video. So ist es leider häufig bei INDUSTRIAL oder DARK AMBIENT. Und genau eine Mischung beziehungsweise ein Wechselspiel beider Genres gab es zu hören. Auf hohem Niveau, gar keine Frage, aber nach fünf Tagen haut es nicht mehr so vom Hocker.

Wenig später in der Kuppelhalle dafür umso mehr. Brian Williams Projekt LUSTMORD existiert bereits seit 30 Jahren. Anfang des Jahres hatte er seinen allerersten Auftritt in Deutschland und legte auf dem WGT eine Neuauflage vor. Der Sound war überaus böse, extrem laut und so tief-frequent, dass am Eingang eine Warnung für Menschen mit Herzproblemen hätte stehen müssen. Es wurde einem regelrecht mulmig, und das im Kopf, Herz und Bauch gleichzeitig. Und die riesigen Bassboxen vor der Bühne kamen an ihre Grenzen. Eine knackte nach einer Weile sogar manchmal so, als sei die Membran gerissen. Williams bewies auch live, dass LUSTMORD zu den besten Projekten des Genres zählt. Düsterer geht es nicht mehr und dabei bleibt der Sound doch fein strukturiert. Zur optischen Umsetzung des Alptraums hatte sich Williams professionelle Hilfe geholt. Auch Meister ihres Faches, denn die Liquid- und Morphing-Animations suggerierten dem Betrachter ständig irgendwelche Gesichter oder andere Gebilde, verschwanden aber sofort wieder in einer anderen Form, so dass man nie sicher war, etwas gesehen zu haben oder ob es sich nur um eine Einbildung gehandelt hat. Ein Hammer-Konzert. Auch hier leichtes Aufatmen, als die Boxen endgültig verstummten und die Gewissheit folgte, den Alptraum überstanden zu haben.

Und schon ging es weiter in die kleine Halle zu INADE. Das Duo aus Leipzig ist inzwischen ein regelrechter Stammgast beim WGT und man freut sich immer wieder auf ihren Auftritt. Kürzlich erschien ihre Box „Antimimon Pneumatos“ mit Live-Album und T-Shirt. INADE sind eine der wenigen Bands aus der Dark Ambient-Szene, die neben einem Hintergrund-Film auch andere Sachen auf der Bühne zu bieten haben. So kommen zum Beispiel Geige, E-Gitarre und Gesang zum Einsatz. Der Auftritt war, wie nicht anders zu erwarten, sehr ansprechend und obschon dem Dark Ambient zugehörig wirken INADE immer auch warm und angenehm… und in Anbetracht des direkten Vergleichs mit ihrem Vorgänger LUSTMORD regelrecht fröhlich.

Als für uns letzte Band des WGTs 2011 spielten CHRIS & COSEY im Anschluss. Über Chris Carter und Cosey Fanni Tutti braucht man eigentlich nichts zu erzählen. Als der Rest Europas noch im übelsten Disco-Fieber lag, stiegen die beiden mit THROBBING GRISTLE zu einem der Vorreiter und bis heute bedeutendsten Industrial-Bands auf. Bis schließlich nach dem Ende von TG ihr gemeinsames Projekt entstand und sich vom ursprünglichen Industrial-Sound wandelte. Das Publikum in der Kuppelhalle mutierte in eine tanzende Schar, denn der technoide Elektrosound mit hypnotischen Einflüssen ließ einem fast keine andere Wahl. Pumpende Drums wurden unterlegt mit Industrial-Einlagen oder Melodien, gesungen von Cosey, der auch auf Kornett, Gitarre und anderen Instrumenten musizierte. Der Sound war sehr eingängig, tanzbar und fast massentauglich. Aber sobald man diesen Gedanken auch nur fasste, belehrten und CHRIS & COSEY schon wieder eines Besseren. Ein wunderbares Konzert für den Abschluss der Veranstaltung und mit einer Träne im Auge verließen wir die Kuppelhalle.

Aber noch war nicht alles vorbei. Es ging ja noch nach nebenan zur Neofolk-Abschlussfeier und die blieb wie schon 2010 erfreulich lange richtig gut besucht. Die DJs spielten ein Hit nach dem anderen, dass man es kaum schaffte, sich sein verdientes Bierchen von der Bar zu holen. Als sich auch hier die Reihen gelichtet hatten, ging es noch im großen Tross zur Blauen Stunde, wo wir im „verwunschenen Haus“ das WGT 2011 bei guter Musik, viel Alkohol und netten Gesprächen gemütlich ausklingen ließen und schon Planungen für das nächste Jahr anstellten. Und das Schöne ist: Wir müssen kein ganzes Jahr mehr warten, denn die nächste Auflage beginnt bereits am 25. Mai 2012!

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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