Konzert Filter

CHRISTINA STÜRMER – HERBSTROCK

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 26.05.2009

CHRISTINA STÜRMER zählt sicher nicht zu den alltäglichen „Eroberungen“ eines Terrorverlegers, doch ich gebe zu, dass mich ihr Pop Rock in Verbindung mit dem sehr aparten Äußeren durchaus fasziniert. Sie hat es als eine der Wenigen geschafft, sich gänzlich vom Casting Show-Image zu emanzipieren und gilt in ihrer Heimat schon länger als Superstar. Bielefeld stand für sie nun erstmals auf dem Tourplan (ich hatte sie bereits einmal in Osnabrück sehen können) und ich war gespannt, wie Christina in Ostwestfalen aufgenommen würde. Aufgrund eines sehr eng gesteckten persönlichen Terminplans erreichte ich ziemlich abgehetzt, aber immerhin noch rechtzeitig zum Opener den Ort der Veranstaltung. Der hörte auf den etwas eigentümlichen Namen HERBSTROCK und zählt in Felix Austria zu den hoffnungsvollsten Newcomern. So konnte man bereits den „Amadeus Austrian Music Award“ einheimsen, bei unserem südlichen Nachbarn hat Musik halt noch Tradition.

Auf der Bühne befand sich ein schwungvolles Quartett, wobei das Hauptaugenmerk ganz klar auf der noch recht jugendlich wirkenden Frontdame Anna Müller lag. Diese wirkte gleichsam frech-charmant wie ungestüm, wenn sie zwischen den Liedern ihre Ansprachen ans Volk hielt. Offensichtlich war das Jahreszeiten Quartett für den Support-Slot sehr dankbar und musikalisch passte man ja auch bestens zum Headliner. Netter Pop Rock mit ganz leichter Indie Lackierung, der ordentlich auf das spätere Geschehen einstimmte. In den Startlöchern steht aktuell das neue Werk namens „Die bessere Hälfte“, nach dem Debüt „Ende:Gut“ schon der 2te Eintrag in der HERBSTROCK-Discographie. Dementsprechend wurde auch die Setlist genutzt, die u.a. die aktuelle Single „Die bessere Hälfte“ enthielt. Insgesamt gab man eine akzeptable Visitenkarte ab, wobei der Bandname irgendwie in die Irre führt. Herbstliche Melancholie sucht man in den Kompositionen eher vergeblich…

Setlist HERBSTROCK (ohne Gewähr)
So ist das eben
Herz lauf!
Keine Zeit
Auf, ab und davon
Klar
Kopf durch die Wand
Sag mir wieviel davon
Wenn ich wüsste wie
Um dein Leben
Die bessere Hälfte

Zeit für eine kleine Pause und eine Sondierung des Publikums. Dieses war nicht übermäßig zahlreich angetreten, zumindest im Verhältnis zur riesigen großen Halle des Ringlokschuppens. Die 700 bis 800 Besucher gaben allerdings noch einen recht ordentlichen Rahmen ab, wobei das Gros der Zuschauer dem weiblichen Geschlecht angehörte. Produktionstechnisch gaben sich CHRISTINA STÜRMER und Band (die vier männlichen Mitstreiter stammen aus diversen europäischen Ländern) keine Blöße: Neben einer fetten Lightshow sorgten auch 3 LCD Displays im Hintergrund mit passenden Projektionen für Unterhaltung. Doch Christinas Ausstrahlung steht natürlich weit über der irgendwelcher profanen technischen Geräte, sie spielte geradezu mit den Fotographen im Graben, auf der Bühne ist sie Profi und Freundin von Nebenan in Einem. Meinen Ratschlag, doch ein wenig mehr den kulinarischen Genüssen nachzugehen, hat sie offensichtlich nicht befolgt, immer noch schlank wie ein Klappspaten die Hübsche. Dennoch erzählte sie in launiger Manier von dem Day Off in Bielefeld und wie man gemeinsam exzellente Tapas zu sich genommen hätte. Leider ist mir das so gelobte Lokal wieder entfallen. Musikalisch wählte man mit „In dieser Stadt“, „Dieser Tag“ sowie „Unsere besten Tage“ einen optimalen Einstand, mittlerweile hat man ja auch einiges an Material in der Hinterhand. Das aktuelle Werk erreichte zwar in Deutschland nicht ganz den Erfolg des Vorgängers (Platz 6 vs. Chartspitze), enthält aber wieder ein paar schöne Stücke mit einem Hang zur Glorifizierung des Außenseitertums. Dabei sind STÜRMER-Hörer wohl eher Mainstream, aber das sei nur mal am Rande erwähnt. Als besonderes Schmankerl kredenzte man den Bielefeldern mit „Bus durch London“ ein recht unbekanntes Stück, welches in Deutschland nie offiziell veröffentlicht wurde, ansonsten enthielt die Setlist keine großen Überraschungen. „Bleib hier“ wurde als Lieblingsballade angekündigt, bei „Schwarz Weiss“ durfte Oliver ein Gitarrensolo zelebrieren und bei „Jetzt dank ich dir“ wurde Chrissy nur von einem Piano begleitet. Besonderer Höhepunkt aber war ein gemeinsames Duett mit der HERBSTROCK-Anna zum Titel „Jedes Wort“, wo die beiden Hübschen sich unentwegt gegenseitig anfeuerten. Da kam auch das ansonsten eher träge Bielefelder Publikum mal aus den Hufen. Zum Ende erfolgte die obligatorische Bandvorstellung und es wurden auch noch die beiden aus meiner bescheidenen Sicht besten Songs „Ich lebe“ sowie im Zugabenteil das wunderschöne „Engel fliegen einsam“ feilgeboten.

Ein angenehmer Abend mit einer sehr sympathischen Sängerin, die stimmlich wie performancetechnisch alle Anforderungen erfüllte, neigte sich dem Ende zu. Die Stimmung war nun nicht gerade durchgängig auf dem Siedepunkt, doch das war bei dem Sound fast erwartungsgemäß. Einen Kritikpunkt möchte ich allerdings noch loswerden: Die aktuelle Scheibe am Merch für sage und schreibe 20 Euro anzubieten, grenzt fast schon an Größenwahnsinn, selbst wenn die Plattenpreise bei unseren südlichen Nachbarn deutlich höher liegen. So macht man keine Umsätze…

Setlist CHRISTINA STÜRMER (ohne Gewähr)
In dieser Stadt
Dieser Tag
Unsere besten Tage
Nie genug
Nicht mehr weit
Mehr als perfekt
Scherbenmeer
Ist mir egal
Bus durch London
Im Kreis
Bleib hier
Mama
Glücklich
Wir sein
Schwarz Weiss
Jetzt dank ich dir
Lebe Lauter
Jedes Wort
Radio
Sommertage
Ich lebe

Um bei dir zu sein
Ohne dich
Niemals hoffnungslos
Engel fliegen einsam

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CHRISTINA STÜRMER auf terrorverlag.com

Mehr zu HERBSTROCK auf terrorverlag.com