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CHUCK RAGAN AND HIS CAMARADERIE – NORTHCOTE – BILLY THE KID

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 17.06.2014

Weil HOT WATER MUSIC aktuell auf Eis liegen, hat CHUCK RAGAN Zeit für seine Soloprojekte. Eines davon ist THE REVIVAL TOUR, ein Zusammenschluss verschiedener Musiker, die überwiegend in Punkkapellen zuhause sind und gemeinsam eigene und Coversongs akustisch zum Besten geben. Daneben macht der 39-jährige jedoch auch Musik unter eigenem Namen – im April ist in diesem Zusammenhang „Till Midnight“ erschienen, das selbstverständlich auch live präsentiert werden muss. Zu diesem Zweck hält sich Mr. Ragan momentan in Deutschland auf und siehe da: auch ein Teil der REVIVAL TOUR ist wieder mit am Start. Jon Gaunt bearbeitet erneut die Fidel und Joe Ginsberg zupft und streicht den Kontrabass bzw. seinen elektrischen Verwandten. Der Rest der CAMARADERIE rekrutiert sich aus dem Drummer David Hidalgo jr. (SOCIAL DISTORTION, Ex-SUICIDAL TENDENCIES) und dem Pedal-Steel-Gitarristen Todd Beene.

Der war im Rosenhof sogar gleich zweimal gefragt, denn er unterstützte an seinem speziellen Saiteninstrument auch BILLY THE KID. Hinter diesem Namen verbarg sich natürlich nicht der Westernheld, sondern eine Singer/Songwriterin aus Vancouver, die den Abend zunächst einmal a capella eröffnete, um im Anschluss zur Akustikklampfe und gelegentlich auch zur Mundharmonika zu greifen. Leider war die Geräuschkulisse während dieser ersten halben Stunde im ehemaligen Kino am Rosenplatz dem durchaus hörenswerten und abwechslungsreichen Vortrag der dunkelhaarigen Sängerin nicht wirklich zuträglich, aber immerhin wurde sie mit freundlichem Applaus bedacht. Die Pedal Steel Guitar verlieh den Songs weitere Tiefe und so durfte man auch schon mal einem kleinen Ausblick auf das im September erscheinende vierte Album von Miss Pettinger lauschen. Es wird „Horseshoes & Hand Grenades“ heißen und wurde von FRANK TURNER produziert. Als weiterer Gast auf der Stage gesellte sich gegen Ende Matt Goud von NORTHCOTE zu den beiden Akteuren und sang bereits ein erstes Ständchen mit Billy, bevor er selbst im Mittelpunkt stand.

Um 20.50 Uhr war es dann so weit: Ein ziemlich aufgedrehter Matt Goud am Akustik-Sechssaiter und Stephen McGillivray, der die elektrisch verstärkte Krachlatte bediente, enterten die Bühne. Ihre ersten 40 Minuten in Osnabrück wussten die beiden Herren, die aus irgendwelchen kleinen Käffern in Kanada kommen, gut zu nutzen und machten im Vergleich zu BILLY THE KID ein bisschen mehr Alarm. Es galt anscheinend, den Energie-Level bis zum Hauptact kontinuierlich zu steigern und in diesem Sinne ließ das Duo auch nichts anbrennen. Den Anwesenden gefiel’s und sowohl der raue Gesang des geradezu euphorischen Masterminds als auch das gemeinsame Gitarrenspiel überzeugte das Auditorium. Es wurde kräftig mitgeklatscht; Matts Ansagen zwischen den Liedern ließen das Publikum schmunzeln und auch die Mucke kam nicht zu kurz. Zwei Tracks hat Mr. Goud dabei allein performt, musste bei dieser Gelegenheit jedoch alsbald feststellen, dass die Mundorgel gerade so gar nicht in sein Konzept passte und hat stattdessen ohne weitere Hilfsmittel Schlagzeuggeräusche produziert, ehe die beiden Jungs beim finalen „When You Cry“ abermals gemeinsam Gas gaben. Eines wurde überdeutlich: Matt Goud aka NORTHCOTE lebt für die Musik und geht in seinem vom Punk beeinflussten Folk so richtig auf. Diese Spielfreude war absolut ansteckend und so durfte die Aufwärmphase als erfolgreich beendet betrachtet werden.

Setlist NORTHCOTE (ohne Gewähr)
How Can You Turn Around
Hope The Good Things Never Die
A Thousand Nights
Counting Down The Days
Find Your Own Way
Burn Right Past Them All
Walking Home In The Rain
Only One Who Knows My Name
When You Cry

20 Minuten Geduld waren jetzt noch gefragt, dann ging es nach einem Intro im inzwischen sehr gut gefüllten Rosenhof für 95 Minuten so richtig rund. Der Einstieg fiel mit „Nomad By Fate“ vom 2011er „Covering Ground“ vergleichsweise countryesk aus, während es bei „The Trench“ (2009 auf „Gold Country“ erschienen) amtlich krachte. Hier wechselte Jo vom Kontrabass an den elektrischen Stahlsaiter und spätestens bei „Something May Catch Fire“ fragte man sich, warum nicht viel mehr gefiedelt wird. Es war einfach ein Spaß, den Jungs beim Musizieren zuzuschauen – dem hochernergetischen Sound konnte man sich sowieso nicht entziehen und so wurde auch seitens der Zuschauerschaft lauthals mitgesungen. Für „Not Typical“, das vom aktuellen Silberling „Till Midnight“ stammte, erhob auch BILLY THE KID noch einmal ihre Stimme und schwang zusätzlich noch den Schellenkranz, wohingegen Todd sich zur Abwechslung um eine klassische E-Gitarre kümmerte. Das Ergebnis war großartig und auch CHUCK RAGAN schaffte es kaum, still zu stehen und fegte immer wieder über das Podium. Der „Whistleblowers Song“ startete derweil etwas ruhiger, aber die Verschnaufpause währte nur kurz, dann ging’s auch schon wieder ab durch die Mitte. Ebenso gefühlvoll wie rhythmusbetont schloss sich „Rotterdam“ an, bevor „Let It Rain“ wieder in die Vollen ging und das Schlagzeug bei „Do What You Do“ („Feast Or Famine“ – 2007) die Richtung vorgab. „You Get What You Give“ war ein erstklassiger Midtempo-Klopper und auch „Revved“ ließ nichts anbrennen. Hier und beim folgenden „Vagabond“ gab’s erneuten Support von Matt Goud. „Nothing Left To Prove“ zeigte sich etwas sparsamer instrumentiert und gefiel insbesondere durch den Reibeisen-Gesang des Fronters. Schwungvoll übernahm „You And I Alone“ und das brandaktuelle „Gave My Heart Out“ brachte ebenfalls jede Menge Bewegung in die Konzertvenue. Mit „The Boat“ stand nicht nur wieder der Kontrabass auf dem Programm, sondern auch der erste und letzte Walzer des Abends. Gleichzeitig konnten die einzelnen Instrumente ein wunderbares Solo abliefern, ehe der Stomper „Meet You In The Middle“ weiter für gute Laune sorgte. Dass auch die Band ordentlich Spaß hatte, wurde nicht nur bei „For Broken Ears“ deutlich und das wird zumindest beim Kollegen Beene nicht nur an der Flasche Jameson Whiskey gelegen haben, die der Backliner zum passenden Zeitpunkt kredenzt hatte.

Mit „Wake With Me“ eröffnete CHUCK RAGAN den Zugabenblock zunächst im Alleingang und mit einem gerüttelt Maß an Melancholie, um wenig später wieder mit den Kollegen gemeinsame Sache zu machen. Das temperamentvoll groovende „California Burritos“ markierte schließlich das Ende eines tollen Konzertabends, der treibenden Folkrock mit Wumms servierte, den es in dieser Form nur aus dem Hause Ragan gibt. Dies liegt in erster Linie an Chucks unverwechselbarem Organ und zum anderen merkt man sämtlichen Protagonisten auch einfach an, das sie Hummeln im Hintern haben und gar nicht anders können, als es richtig krachen zu lassen. Immer wieder gern, meine Herren!

Setlist CHUCK RAGAN (ohne Gewähr)
Nomad By Fate
The Trench
Something May Catch Fire
Non Typical
Whistleblowers Song
Rotterdam
Let It Rain
Do What You Do
You Get What You Give
Revved
Vagabond
Nothing Left To Prove
You And I Alone
Gave My Heart Out
Right As Rain
The Boat
?
Meet You In The Middle
For Broken Ears

Wake With Me
California Burritos

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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