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CHUCK RAGAN – NORTHCODE

Ort: Münster – Skaters Palace

Datum: 28.01.2025

Leider habe ich im vergangenen November krankheitsbedingt den Jubiläums-Gig von HOT WATER MUSIC im Skaters Palace verpasst. Die Post-Hardcore-Kapelle um Sänger Chuck Ragan ist mit der Venue seit Jahren eng verbunden, weshalb die Westfalen immer wieder in den Genuss eines Konzerts von HOT WATER MUSIC oder auch CHUCK RAGAN kommen. Davon zeugt auch „Live at Skaters Palace“, eine Solo-Platte die in 2014 erschienen ist. An diesem Dienstagabend war der 50-jährige Musiker gemeinsam mit seiner Band erneut am Dahlweg zu Gast, diesmal mit dem Ende 2024 veröffentlichten Studioalbum „Love & Lore“ und seinem Musiker-Kollegen NORTHCOTE aus Kanada.

Die beiden Künstler habe ich bereits 2014 auf einer Bühne gesehen, augenscheinlich matchen die Herrschaften auf Tour hervorragend, sodass man sich erneut gemeinsam auf Konzertreise begeben hat. Matthew Daniel Goud aka NORTHCOTE enterte die Stage pünktlich um 20 Uhr zusammen mit einem Gitarristen namens Steven, der im späteren Verlauf auch CHUCK RAGAN am elektrischen Sechssaiter unterstützte. Das Duo hatte ganz offensichtlich Bock und übertrug die vorhandene Energie auch aufs Publikum. Zwischendrin fegte der 39-jährige auch schon mal ausgelassen mit seiner Akustikklampfe über die Bühne, um jedoch alsbald zu Mikro und Fußtrommel zurückzukehren. Das reduzierte Drumkit kam beispielsweise beim eindringlichen „Keep On Saying Goodbye“ vom 2020er „Let Me Roar“ zum Einsatz, während beim reduziert instrumentierten „Rain Into The Ocean“ („Wholeheart“ – 2023) insbesondere der raue Gesang des Kanadiers wirkte. Für den nächsten, mir nicht bekannten, aber sehr atmosphärischen Track, kam eine Pedal Steel Guitar ins Spiel – natürlich inklusive des dazugehörenden Musikers und auch CHUCK RAGAN fand sich noch zu einem gemeinsamen Liedchen ein. „This Is Our Time“ vom 2015 veröffentlichten „Hope Is Made of Steel“ bestach durch einen tollen Zwiegesang und ordentlich Drive – keine Frage, dass die Nummer auch jede Menge Beifall erntete. Diesen Schwung nahm „Free Tonight“ („Gather No Dust“ von 2011) mit und auch „Stronger Than You Know“ brachte die Köpfe zum Nicken. Auf der Zielgeraden zeigte sich Mr. Goud mitsamt Mundharmonika noch einmal von seiner getragenen Folk-Punk-Rock-Seite, bevor er nach unterhaltsamen 45 Minuten mit kräftigem Applaus verabschiedet wurde.

Da NORTHCOTE nur mit kleinem Besteck hantierte, musste für CHUCK RAGAN und seine CAMARADERIE nicht viel umgebaut werden, da im Grunde schon alles auf den umtriebigen Musiker und seine Gang parat stand. Um 21:10 Uhr fanden sich die fünf Herrschaften dann auch an ihren Arbeitsplätzen für die kommenden 90 Minuten ein – wobei, so ganz richtig ist das nicht, denn Gitarrist Steven verschwand zwischendrin im Off und „Reel My Heart“ vom aktuellen Longplayer „Love & Lore“ sowie „For Broken Ears“ („The Blueprint Sessions – 2007) performte Chuck solo. Bis dahin sollte es jedoch noch ein bisschen dauern, denn bis zu diesem emotionalen Akustik-Intermezzo standen zunächst einmal amtliche Kracher des Folk-Punk-Genre auf dem Programm. Den Anfang machte das mitreißende „Wild in Our Ways“, das ebenso wie das zu Herzen gehende „Northern World“ vom jüngsten Studio-Output stammte. Das filigrane, mit Pedal-Steel-Guitar-Klängen veredelte „Aching Hour“ von eben diesem Silberling zählt bereits zu meinem Favoriten und überhaupt gab es nicht einen Song, der nicht unter die Haut ging. Wie beispielsweise „Rotterdam“ vom 2009er „Gold Country“, das ein wenig ruhiger startete, dann jedoch Fahrt aufnahm. Auch vom 2014er „Till Midnight“ waren einige Stücke zu hören. „Revved“ ging druckvoll nach vorn, für seinen rhythmusbetonten Hit „Something May Catch Fire“ “ bewaffnete sich der Fronter mit einer Mundorgel und alsbald wurde auch nach Kräften mitgeklatscht und auch „Vagabond“ ließ keine Wünsche offen. Mit dem schwungvollen „Bedroll Lullaby“ verknüpfte Mr. Ragan die Aufforderung, einfach mal die Bildschirme auszustellen und Handys wegzulegen, um in der Natur den Kopf frei zu bekommen. Ein Ansinnen, dass auch mit dem geheimnisumwobene „Winter“ verbunden ist. Nach dem kraftvollen „Wish On The Moon“ präsentierte sich „Flame In The Flood“ vom 2016er „The Flame In The Flood“ erneut sehr gefühlvoll, woran insbesondere die präsente Pedal Steel Guitar erheblichen Anteil hatte. Auch „All In“ punktete mit wunderbarer Musik für Herz und Hüften, ehe „One More Shot“ den Kopf zum Nicken brachte und „Echo The Halls“ die Rhythmusfraktion in den Fokus rückte. Nun war die Zeit für Chucks Solo-Part gekommen, den der Mann mit der unverwechselbaren Reibeisenstimme mit Bravour bestritt. Bei dieser Gelegenheit betonte er auch noch mal, welche Bedeutung das Skaters Palace für ihn und HOT WATER MUSIC hat. Für „The Boat“ nahm nicht nur die Band wieder Aufstellung, auch NORTHCOTE erschien im Rampenlicht, um das Lied zu einem weiteren Höhepunkt des Abends zu machen. Das ausgesprochene Highlight der Show kam jedoch noch und wurde von der gesamten Truppe zum Vortrag gebracht. Die Rede ist natürlich von der Hymne „Nomad To Fade“, auf das noch das muntere „Meet You In The Middle“ folgte.

Für die Zugabe erschienen zunächst NORTHCOTE und CHUCK RAGAN auf der Stage, um NORTHCOTEs „Worry“ mit Akustikgitarre und Mundharmonika zu Gehör zu bringen. Lang blieben die beiden jedoch nicht allein; die restlichen Positionen wurden wieder besetzt und es ging ein letztes Mal in die Vollen. Genauso muss Musik sein: voller Herzblut, handgemacht und energiegeladen. Kein Schnickschnack auf der Bühne, wohl dosiertes Licht reicht, um den Sound visuell zu unterstützen. Mehr braucht es nicht, um einen Gig abzuliefern, der gefangen nimmt und in Gedächtnis bleibt. CHUCK RAGAN und NORTHCODE haben gemeinsam mit den Musikern an der Pedal Steel Guitar, dem Tieftöner, der zweiten Gitarre und hinter der Schießbude gezeigt, wie dies in räudiger Perfektion auszusehen hat. Es war mir ein Fest!

Setlist CHUCK RAGAN

  • Wild In Our Ways
  • Northern World
  • Aching Hour
  • Rotterdam
  • Revved
  • Something May Catch Fire
  • Vagabond
  • Winter
  • Nothing Left To Prove
  • Bedroll Lullaby
  • Wish On The Moon
  • Flame In The Flood
  • All In
  • One More Shot
  • Echo The Halls
  • Reel My Heart (Chuck solo)
  • For Broken Ears (Chuck solo)
  • The Boat
  • Nomad By Fate (mit NORTHCOTE)
  • Meet You In The Middle
  • Worry (NORTHCOTE-Cover mit NORTHCODE)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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