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COPPELIUS – BODENSKI

Ort: Hamburg - Knust

Datum: 13.03.2015

Freitag der 13.ist laut Volksglauben der Tag, an dem besonders viele Unglücke passieren. Für die Hamburg Steampunk-Szene war es aber ein Glückstag, so beehrten die sechs Herren von COPPELIUS an diesem Termin die Gesellschaft im Knust. Die Kälte und Wartezeit vor verschlossener Tür vertrieb sich der Fanclub mit dem Kinderlied „Laurentia“, bis sich kurz vor Acht die Türen öffneten. Jene Fans bevölkerten sofort die ersten beiden Reihen. Dort standen sie nun: Dienstmädchen an Dienstmädchen, zwischen drin ein Butler und der eine oder andere Zylinderträger.

Der Einladung Bastille folgend trat am heutigen Abend BODENSKI von SUBWAY TO SALLY als Vor“band“ auf. Musikalisch wurde BODENSKI durch Jeano, Ben Jacob und Peter Eichstädt unterstützt. Den Auftakt machte die Band mit der deutschen Coverversion von KATE BUSHs „Running up that Hill“. BODENSKIs musikalische Auswahl war ein Sammelsurium an Songs, die ihm selbst Spaß bereiten und auch dem Publikum an diesem Abend eben jenen bereiten sollten. Bereits zum nächsten Stück „Dürre“ schunkelten die Reihen freudig mit. Bei „Mit Kaum 18 Jahren“ ging es unterhaltsam weiter. Es folgte „Lauter“ und noch lauter klatschte das Publikum. Nun war der Auftritt COPPELIUS‘ nur noch einen Absinth und den Song „ Leb Wohl“ entfernt. Mit „Lebwohl und Arme schwenkend“ verschwand die Band um BODENSKI und mit ihm auch der Bär – Metal-Tigger nahm den Platz des Bären ein.

Schon während der Umbaupause sah man, wie Butler Bastille einem Fan in der ersten Reihe ein Bier stilvoll auf dem Tablett servierte. Hier und da wurde aufgebaut und mit den Fans kommuniziert. In kleiner Clubatmosphäre wurde der Zeitbogen von der viktorianischen Zeit ins Hier und Jetzt gespannt. COPPELIUS ist eine Band aus dem 19. Jahrhundert, die Klarinetteninfernos mit IRON MAIDEN verbindet oder auch Cembalo/ Cello mit Drums kombiniert und dabei zwischen englischen und deutschen Texten munter hin und her wechselt. Um es auf den Punkt zu bringen: es gab Kammercore vom Feinsten. Das heutige Tonträgerveröffentlichungskonzert wurde mit „Der Luftschiffharpunist“, einem Stück vom neuen Album „Hertzmaschine“, eröffnet. Von der Ballade „Es fiel ein Himmelstaue“, bei dem das Publikum bedächtig lauschte, über den Song „Surely“, welcher zum Headbangen und Tanzen einlud, zeigte die Band ihr musikalisches Spektrum. Selbst die Beinschiene konnte den Butler Bastille bei „Charlotte the Harlot“ nicht davon abhalten, im Takt zu hüpfen und dazu noch ohne Gürtel! Wie ungebührlich. Dem Publikum sei Dank erbarmte sich ein Herr und vermachte Bastille seinen Riemen. Kreative Fans in der ersten Reihe steuerten gestrickte Augäpfel zu „Schöne Augen“ bei.

Neue und alte Werke reihten sich aneinander und aufgelockert wurde das Ganze durch die Interaktion der Band mit dem Publikum, dessen Klatsch-Rhythmus an seine Grenzen stieß. Technikprobleme meisterte die Band. Schuld war eh das neue Teufelszeug namens Handy mit seinen Frequenzen. Rückkopplungen ermahnten Le Comte Caspar, sich zurück auf die Bühne zu begeben, hatte er sich doch zu weit ins Publikum gewagt. Die Klarinettisten hatten nicht nur eine flotte Beinarbeit vorzuweisen, sondern bewiesen mit ihren schnellen Fingern eindrucksvoll ihr Können. Cello und Kontrabass untermalten und ergänzten perfekt den Kammercore-Sound und wetteiferten in Sachen Schnelligkeit und Härte mit Max Coppella und Comte Caspar.

Leider war die Bühne des Knusts für das Sextett zu klein, da half es auch nur wenig, dass der Butler einen Teil des Bühnenbanners entfernte. Das Cembalo stand seitlich halb verdeckt, so dass einige Fans dem Gastauftritt von Gared Dirge (LORD OF THE LOST) nur akustisch folgen konnten. Cello und Kontrabass waren auch in den hinteren Bereich der Bühne verbannt und zum Leidwesen der Hamburger gab es an diesem Abend kein Cellosolo. Dafür begeisterte Nobusama mit seiner Fußtechnik, die ihm Zeit zum Lesen und Teetrinken bot, bis er die Sticks in die Hand nahm und sein Drumsolo auf die Anwesende niederdonnern ließ. Vollen Celloeinsatz gab es dafür zu dem neuen Track „Glad to be dead“. Ein umfangreiches Zugabenset wurde mit dem unterhaltsamen „Contenance“ eröffnet und es folgte das Stück „Risiko“. Diverse Songs flossen ineinander, so dass man die Übersicht verlor. Bastille selbst verlor dann auch die Übersicht bei seiner Dankesrede, doch dank der soufflierenden Fans wurde keiner der Gastmusiker, wie z.B. Jalte, der das Drumsolo beendete, vergessen.

COPPELIUS vollführen einen Spagat zwischen Theater/ Konzert, dem Hier und Jetzt mit der Vergangenheit. Da trifft Cembalo auf Schlagzeug und LORD OF THE LOST auf COPPELIUS. Spagat geglückt. Nun wagen COPPELIUS im November im Musiktheater im Revier den Spagat zwischen Oper und Kammercore.

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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