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COPPELIUS – HARUKO

Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 17.04.2009

Innerhalb einer Woche fand ich mich zum zweiten Male in der Osnabrücker Lagerhalle wieder. Doch im Gegensatz zum DAS ICH Konzert am vergangenen Dienstag war diesmal der Laden sehr gut gefüllt, ja ich würde sogar sagen fast ausverkauft. Damit hatte ich nicht gerechnet und ich musste mir einen Weg bahnen, um nach vorne an den Bühnenrand zu kommen, um halbwegs gute Fotos zu machen. Danke an dieser Stelle an die Leute, die bereitwillig Platz gemacht haben, das ist nicht immer selbstverständlich.

Zunächst war aber der Support an der Reihe und schon beim Betrachten der Stage kamen mir leichte Zweifel, ob die bereitgestellten zwei Stühle und zwei Gitarren das Inventar eines passenden Opener wären. Lassen wir uns aber überraschen, denn pünktlich 20 Uhr begann HARUKO plus Verstärkung in Person von Hlynur Gudjonsson ihr Set und – richtig – nicht nur ich stellte fest, dass der akustische und folkige Musikstil sich weit von dem der Berliner unterschied. Sängerin und Gitarristin Susanne bat das Publikum dann um Gnade, aber das brauchte sie nicht, denn sie und ihr Partner kamen doch recht gut bei den sehr toleranten Leuten an. Dass das Duo mit dieser Musik die Fans nicht auf Betriebstemperatur bringen konnte, war klar, denn hier war passives Zuhören angesagt. Das Auditorium musste ja auch geschont werden, denn COPPELIUS – und das wussten zu diesem Zeitpunkt die wenigsten – würden bei ihrem Auftritt den Fans alles abverlangen. Artig verabschiedeten sich die Osnabrücker und hier und da gab es tatsächlich Zugaberufe. Wer zu den Klängen von Künstlern wie GISBERT ZU KNYPHAUSEN, DIRK DARMSTÄDTER, RON DIVA, TOM WAITS oder den großen BOB DYLAN lauscht, sollte sein Gehör auch diesem Duo leihen.

Setlist HARUKO (ohne Gewähr)
Homeless
The Dragon’s Tears
Home Is Where Your Heart Is
Spring In Your Lungs
Eat And Being Eaten
There Is Love
Memories

Nach einer recht kurzen Umbaupause begann in der guten Stube – so war die Bühne drapiert – ein altes Röhrenradio zu spielen und Diener Bastille schritt mit einer Laterne in Richtung Schlagzeug und entstaubte es – sehr zur Freude der Anwesenden – erst einmal kräftig. Nach und nach traten dann Max Coppella (Klarinette, voc), Graf Lindorf (Cello, voc), Comte Caspar (Klarinette, voc),Sissy Voss (Kontrabass) und Nobusama (Schlagzeug) unter immer größer werdendem Beifall aus dem Hintergrund in das Licht. Das Publikum war schon jetzt euphorisiert und empfing die Herren mit großem Jubel. Diese starteten den Reigen bunter Melodien zugleich mit „Der Advokat“ und ob der recht kleinen Bühne und der ausschweifenden Bewegungen der Herren COPPELIUS wurde der Titel des neuen Albums „Tumult“ gleich Programm. Die Anhänger schüttelten sofort im Takt die Gliedmaßen und selbstredend vor allem die Kopfbehaarung. Ich hatte ja bereits zweimal das Vergnügen, ein Konzert von COPPELIUS mitzuerleben. Aber nie als eigentlicher Hauptact und man muss den fünf in edlem Zwirn gekleideten Mannen plus Nobusama in einem Kimono großen Respekt zollen: Als „Zuglok“ legte man noch einmal eine Schippe drauf und nahm noch einmal an Fahrt auf. Aber da man sich ja bereits seit über einem Jahrhundert auf Konzertreise befindet – laut eigener Biografie – fiel das den Protagonisten auch nicht schwer. Die eigenwillige Musikerschar bot einiges für und auf die Ohren mit eigenen Kompositionen wie „Spring doch“, „Urinstinkt“ und „Die geklaute Komposition“ aber auch gut gelungene Cover von IRON MAIDEN, THE INCHTABOKATABLES oder MOTÖRHEAD. Die beiden Männer an den Klarinetten sorgten dabei abwechselnd mit Bastille für den Gesangspart, aber auch Klarinettensoli kamen nicht zu kurz. Diese ersetzten äußerst eindrucksvoll die altbekannten Gitarren und ließen diese in keinem Fall vermissen. Oftmals gipfelten die Klarinettensoli in einem regelrechten Dialog der beiden klangvollen Instrumente. Aber auch die anderen Musiker kamen mit ihren Arbeitsgeräten nicht zu kurz und bekamen ihre Soli. Selbst bezeichnen COPPELIUS ihren Musikstil als Heavy Wood – angelehnt an Heavy Metal und APOCALYPTICA haben es ja bereits vorgemacht, dass man auch mit Instrumenten, die man eher der klassischen Musikrichtung zuordnet, eine große Anhängerschar mobilisieren kann und musikalisch überzeugt. Das Sextett aus Berlin allerdings „lebt“ die coppelianischen Welten regelrecht: Alle sind in feinem Zwirn gekleidet und auch die Sprache ist dem umgangssprachlichen Ton des vorigen Jahrhunderts angelehnt.

Nach 18 Liedern wurden wir allerdings wieder in die Realität des 21.Jahrhunderts entlassen. Nein, doch noch nicht so ganz: Ohne Da capo durften die Hauptstädter nicht gehen und so kamen wir noch in den Genuss von drei weiteren Songs. Aber auch danach wollte man die Jungs nicht von dannen ziehen lassen und so kehrten sie zurück zu einer weiteren letzten Zugabe und endeten dann mit ihrem Lebensmotto: „COPPELIUS hilft“! COPPELIUS haben Osnabrück erobert, aber das zeichnete sich ja schon bei der „Eisheiligen Nacht“ kurz vor Ende des letzten Jahres ab, denn dort trumpften sie groß auf und stahlen den etablierten Acts die Show. Man konnte dort viele neue Fans gewinnen und dadurch die Lagerhalle füllen. Was mich aber noch mehr beeindruckte, war der Umstand, dass sich in den ersten Reihen ein recht junges Publikum eingefunden hatte und dort den Moshpit bildete. Und das ist das schöne daran, das es doch noch „Kiddies“ gibt, die Wert auf gute Musik legen und nicht dem Einheitsbrei erliegen, welcher tagtäglich bei MTVIVA und anderen Sendern läuft. Selbst Bastille war ergriffen und bedankte sich beim Publikum und lud sie zum Merchandise Stand ein, er selbst bringe dann eine (!) Flasche Sekt mit. Damit konnte er mit Sicherheit nicht jeden befriedigen.
 
Setlist COPPELIUS (ohne Gewähr)
Der Advokat
Schöne Augen
Spring Doch
Komposition
Murders In The Rue Morgue (IRON MAIDEN)
To My Creator
Lilienthal
Urinstinkt
Viel Zu Viel
Zu Dir
Habgier
Die Glocke
Coppelia
Bass Solo
Phantom Of The Opera (IRON MAIDEN)
Amulett
Rightful King (THE INCHTABOKATABLES)
I Get Used To It
Charlotte The Harlot (IRON MAIDEN)
Ouvertüre
1916 (MOTÖRHEAD)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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