Konzert Filter

COPPELIUS – UNZUCHT

Ort: Hannover - Musikzentrum

Datum: 13.11.2010

Unzüchtiges Holzbrett…

Um es vorwegzunehmen, es war ein toller Konzertabend mit zwei sehr unterschiedlichen Bands, die aber beide sehr unterhaltsamen waren und eines gemeinsam hatten: Ihre große Spielfreude. Doch von Anfang an. Bevor es mit der UNZUCHT pünktlich um 21 Uhr losging, hatte ich bereits zwei Erfahrungen müssen:

1. Eine halbe Stunde nach Einlass/ eine halbe Stunde vor Beginn einzutreffen, war definitiv zu spät. Das Musikzentrum war bereits nahezu voll und der Platz vor der Bühne komplett und eng belegt. Mit rund 450-500 Besuchern war das MZ nahezu ausverkauft.
2. Die Garderobe im Musikzentrum ist in der hinteren Ecke direkt zwischen Bühne und Tresen sehr ungünstig gelegen, insbesondere wenn es so voll ist.

Zum Glück war eine Gruppe Mädels direkt vorne am Bühnenrand so freundlich, mich für den Support vorzulassen. Dabei wurde mir aber auch klar gemacht, dass ich bei COPPELIUS diesen Platz wieder würde räumen müssen. Auch wenn COPPELIUS der Headliner des Abends waren, so hatten auch UNZUCHT eine ordentliche Fanschar im Musikzentrum versammelt. Dies lag zum einen sicher daran, dass die Band ein erstmaliges Heimspiel hatte. Zum anderen mag aber auch ihr starker Auftritt auf dem M’era Luna geholfen haben, welches sie dieses Jahr als Newcomer eröffnen durften. Zum Thema Newcomer: Das M’era war erst der sechste Liveauftritt der Düsterrocker, dem Gig an diesem Abend gingen nicht viele weitere voraus. Davon war jedoch überhaupt nichts zu spüren. Die Truppe wirkte so, als würde man schon seit Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen und ließ es gut krachen. Besonders überzeugen konnte die Vielseitigkeit der Musik, die von ruhigen Balladen über klassischen Gothrock bis hin zu Industrial-Einflüßen reicht.

Los ging es zunächst einmal mit einer ruhigen Nummer, bei welcher die Stimme von Daniel Schulz aka „Der Schulz“ richtig gut zur Geltung kam und auch die, die nicht wegen UNZUCHT da waren, sperrten ihre Lauscher auf. Nach diesem „Intro“ war Schluss mit der Ruhe, denn mit „Schwarzes Blut“, bei dem Der Schulz stimmliche Unterstützung von De Clercq bekam, ging es richtig zur Sache und das Publikum kam bereits gut in Wallung. Mit Ansagen hielt sich die Band eher zurück und verwendete die knappe Zeit stattdessen für die eigentlichen Songs. Der Aufforderung zum Tanzen kam das Publikum aber sehr gerne nach und feierte ordentlich ab. Als letzter Song wurde „Engel der Vernichtung“ von der gleichnamigen Erstlings-EP dargeboten und riss das Publikum noch mal richtig mit. Den meisten Besuchern dürfte es wir mir gegangen sein, dass ihnen das Set viel zu kurz vorkam, denn nach 35 Minuten war leider schon wieder Schluss. Aber mit diesem sehr gelungenen Auftritt, der mehr als nur ein „Support“ war, haben sich UNZUCHT definitiv für weitere Auftritte empfohlen und sicher neue Fans dazu gewonnen.

Setlist UNZUCHT
Wie alles Anfing
Sind wir Alleine
Meine Liebe

Schwarzes Blut
Während wir uns verlieren
Der letzte Tanz
Todsünde 8
Engel der Vernichtung

Der Umbau war erstaunlich und angenehm kurz und das, obwohl es einiges anzuschließen und dekorieren gab. Dass es schnell ging, war doppelt angenehm, da die Pausenunterhaltung mit JACK JOHNSON vom Band nicht so wirklich erquicklich war. In nur 15 Minuten war alles fertig und nach weiteren 10 Minuten ging es um Punkt 22:00 Uhr weiter.

COPPELIUS, die Ihre Musik als Kammer-Core oder Heavy Wood bezeichnen haben sich nach eigenem Bekunden vorgenommen, aus Ihren Instrumenten Cello (Graf Lindorf), Kontrabass (Sissy Voss), zwei Klarinetten (Max Copella, Comte Caspar) und Schlagwerk (Nobusama), das herauszuholen, was man gemeinhin als „Brett“ bezeichnet. Nicht zu vergessen ist natürlich noch der Butler „Bastille“, der neben Ordnung, Sauberkeit und Versorgung der Musiker noch einen nicht unerheblichen Gesangspart übernimmt sowie der „Gastgeber/ Moderator“ des Abends war.

Bastille betrat denn auch als erster mit Staubwedel und Besen bewaffnet die Bühne und sorgte für Reinlichkeit. Dabei stieß er auch auf das mitten auf der Bühne stehende Röhrenradio und machte sich daran, einen ansprechenden Sender zu finden, aber ohne Erfolg. Das passende ward erst gefunden, als alle Coppelianer die Bühnen betreten hatten und selber loslegten. Vom ersten Song an kreisten bei den Fans die Köpfe und die Haare flogen, was sich auch während des gesamten Konzertes nicht ändern sollte. So wie auf der Bühne wurde auch im Auditorium alles gegeben. Doch ein COPPELIUS-Abend besteht nicht nur aus musikalischer Darbietung, sondern ist ein ganzheitliches Erlebnis: Von der Bühnendeko über das Outfit (Gehrock, Frack, Zylinder, Handschuhe) bis hin zur Sprache ist alles an die Zeit des 18. Jahrhunderts angelehnt. Diese Liebe zum Detail fand sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei den Fans, die zumeist stilecht gekleidet waren. Oftmals glich das Konzert gar einem Theaterstück, z.B. wenn Bastille scheinbar verzweifelt die Triangel suchte und nicht bemerkte, wie diese ihm von seinem Assistenten gereicht wurde oder wenn die Kommunikation mit dem Publikum über Kreidetafeln (Applaus, Ruhe, Kein Blitzlicht) erfolgte. Die kleine Bühne war mit den sechs Coppelianern gut gefüllt und so verwunderte es nicht, wenn Bastille zwischenzeitlich einen Ausflug in luftige Höhen über der Bühne unternahm oder Comte Caspar neben oder hinter dem Auditorium auf dem Tresen bzw. auf dem Balkon erschien.

Anderthalb Stunden „Heavy Wood“ vergingen wie im Flug. Neben eigenen Stücken wurde auch IRON MAIDEN gehuldigt, die Setlist war gut gemischt mit alten und neuen Stücken vom aktuellen Silberling „Zinnober“. Es ist erstaunlich, was für eine musikalische Wucht man mit dieser Instrumentierung erreichen kann. Man muss dabei gewesen sein und es selbst erlebt haben. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente perfekt und holen wirklich alles aus ihnen raus. Die Klarinetten machen das Fehlen von Gitarren locker vergessen und wie gut sich Cello und Kontrabass für Metal eignen, ist durch APOCALYPTICA hinlänglich bekannt. Doch mit dem regulären Set war der Abend natürlich noch nicht beendet, da die lauten Da Capo-Rufe die Band zu drei weiteren Stücken auf die Bühne zurück holten. So gab es u.a. noch „Coppelius Hilft“ und Time-Zeit zum Abschluss.

Als die Lichter am Ende wieder angingen, waren alle Fans rundum glücklich und auch die Musiker schienen mit dem Verlauf des Abends zufrieden. Dieser fand seinen endgültigen Abschluss bei zahlreichen Gesprächen der Fans mit den Musikern, die noch ausgiebig für Autogramme und Fotos im sich leerenden Saal bereit standen. Es war ein toller Abend mit zwei Bands, die auf ihre eigene Art und Weise individuelle und mitreißende Musik machen und sich wunderbar ergänzten.

Setlist COPPELIUS (ohne Gewähr)
Der Handschuh
Risiko
Nachtwache
Der Advokat
Schöne Augen
Ein Automat
Olimpia
I Told You So
Ouvertüre
Gumbagubanga
Damen
Murder In The Rue Morgue
To My Creator
Klein Zaches
Zu Dir
Habgier
Coppelius Hilft!
Time-Zeit

Copyright Fotos: Holger Bücker

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu COPPELIUS auf terrorverlag.com

Mehr zu UNZUCHT auf terrorverlag.com