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COVENANT – DECODED FEEDBACK – PATENBRIGADE: WOLFF

Ort: Hannover – Capitol

Datum: 23.04.2011

Ein langes, überaus sonniges Oster-Wochenende, die „richtige“ Borussia gewinnt ihr zukunftsweisendes Heimspiel gegen den designierten Meister und ein interessantes Konzert vor der Brust. So darf es gehen. An diesem Samstag machten wir uns auf den Weg nach Hannover, um ein weiteres Mal im Capitol feinsten Electro-Klängen zu lauschen. Die schwedisch-deutschen Dauerbrenner COVENANT im Verbund mit einem kanadischen Duo und einem Potsdamer Bauarbeiter-Kollektiv. Klingt spannend, oder? Dachten sich wohl auch einige Hundert weitere Besucher im allerdings nicht ganz ausverkauften Laden am Schwarzen Bären Numero 2. Nach einer kurzen Musterung der weitestgehend düster gewandeten Anwesenden sollte es auf der Bühne auch schon losgehen, zu meiner Überraschung mit der PATENBRIGADE: WOLFF, die ich eher in der Mittelposition gesehen hatte. Schließlich haben sich Sven Wolff und Lance Murdock mit ihren Veröffentlichungen und dem eigenwilligen Konzept schon einige Meriten erspielt. Doch sei’s drum, vor einer Leinwand, auf welcher die Songs visuell untermalt wurden, nahmen die beiden Brigadiere hinter ihren Gerätschaften Platz und wurden zudem unterstützt von André Hartung (SERO.OVERDOSE) im Trainingsanzug und am Mikro. Offensichtlich hat man das Baustellen-Flair früherer Tage ein wenig zurückgefahren und ist nun überwiegend mit „Gesang“ unterwegs. Allerdings weiterhin recht schräg und mit sehr eigenem Humor. Der wird bei Titeln wie „Führer WC“ oder „Schallplattenunterhalter“ bereits deutlich, der Ostalgie-Faktor bei den filmischen Einspielern mit Honecker und Co. tut sein übriges. Nicht jeder der Anwesenden kam offensichtlich damit klar, doch einige in den vorderen Reihen setzten ihre Tanzbeine in Bewegung. Besonders hervorzuheben das eingängige „Kraftfeld“ und das SCHILLEReske „Mauerradio“, wobei auch insgesamt der Sound zwischen Ambient, Electro Pop und sphärischen Klangcollagen pendelte. Später kamen dann doch die beiden obligatorischen „Streetworker“ ins Spiel, die zu allerhand Späßen aufgelegt waren (Stichwort: „App Laus“) und das Geschehen auflockerten. Ich hätte mir noch die gute Antje Dieckmann gewünscht, die auf Platte den einen oder anderen P:W-Track veredelt, doch auch so ein kauziger, wenngleich noch ausbaufähiger Auftritt vor etwas statischer Menge.

Setlist PATENBRIGADE: WOLFF
Stalinallee
Feind Hört Mit!
Das Kraftfeld
Mauerradio
Gefahrstoffe
Unfall ohne Folgen
Führer WC
Der Brigadier trinkt Bier
Fehler 404
Schallplattenunterhalter
Demokratischer Sektor

Nach atemberaubend kurzer Umbauzeit stand schon der 2te Act des Abends auf den Bühnenbrettern, der auf den Namen DECODED FEEDBACK hörte. Nun gut, allzu viel Equipment braucht das kanadische Duo auch nicht, das immerhin schon seit 1995 durch die Szene geistert. Yone Dudas mit aparter Kurzhaarfrisur im ROXETTE-Marie-Look an den Keys plus Frontmann Marco Biagiotti und einige verstörende Projektionen – fertig ist das Set für einen Electro-Future Pop-Aggrotech-Hybriden, der bereits einige Leute mehr in Wallung brachte. Zugegebenermaßen konnten mich die Beiden noch nie in ihren Bann ziehen, die Stücke sind zwar treibend und stampfend, aber ohne richtiges Alleinstellungsmerkmal und wirkliche Höhepunkte. Nichtsdestotrotz 2 sehr sympathische Künstler, wenngleich Marco an der Gitarre ein wenig lächerlich wirkte, das Gepose hätte er sich schenken können. Immerhin erfüllten sie mit Tracks wie „Monument“ ihre Anheizer-Aufgabe und präsentierten am Ende gar noch eine Zugabe. In diesem Sinne ein solider Auftritt, der aber vor allem die Vorfreude auf den Hauptact steigerte.

Und der stand nun kurz bevor: COVENANT haben sich in ihrer 25-jährigen Bandhistorie den Status einer Ausnahme-Electro-Formation redlich verdient, diverse Klassiker und Hymnen gehen auf ihr Konto. Das aktuelle „Modern Ruin“-Album kann dabei getrost als gelungen bezeichnet werden, nach dem (meiner Meinung nach) kleinen Durchhänger mit dem eher durchschnittlichen „Skyshaper“. Die Leinwand wurde nun abgebaut und eine opulente Lichtanlage trat dahinter hervor, welche Band-typisch für ein einzigartiges Erlebnis aus Klang und Farbe sorgen sollte. Und für sehr schwere Fotobedingungen, aber das ist ein anderes Thema. Bekanntermaßen fehlt Joakim Montelius bei dieser Tour, als Ersatz dient ein anderer charismatischer Landsmann, der bereits seit vielen Jahren in Kontakt zu Eskil und Co. steht. Daniel Jonassen alias Danucci durfte als Mitglied von DUPONT bereits im Jahre 2002 als Opener einer COVENANT-Tour in Erscheinung treten, ich erinnere mich noch gut an den gemeinsamen Auftritt im alterwürdigen PC69 am 7.11.2002 (mit dabei im grandiosen Line Up auch noch SEABOUND!). So wurde Herr Simonsson nun also gleich von 2 „Daniels“ an den Geräten flankiert, zu seiner rechten natürlich auch noch der Deutsche Daniel Myer, der auf „Modern Ruin“ erstmals auch als Songwriter in Erscheinung trat und mittlerweile aus dem Band-Camp nicht mehr wegzudenken ist. Mit den ersten Tönen des Intros ging die Hannoveraner Masse steil und das sollte sich auch während des gesamten Konzerts nicht mehr ändern. Unabhängig davon ob neues Material wie „Dynamo Clock“/ „Judge of my domain“ präsentiert wurde oder das famose „Northern Light“ zum Zuge kam („Bullet“, „We want revolution“, „We stand alone“). Im Mittelteil der Show wähnte man sich gar fast auf einem Techno-Event, so beatlastig der Sound, so ausgelassen die Zuschauer. Dementsprechend zufrieden und aufgekratzt dirigierte Eskil die Massen, während er sich stimmlich keine Blößen gab. Das abschließende Song-Quartett war dann von allerfeinster Klasse: Das bombastische „Ritual Noise“, der innig geliebte „Leiermann“ (2-sprachig vorgetragen), die Single „Lightbringer“ (hier tauschten Myer und Simonsson ihre Arbeitsgeräte!) sowie natürlich „Call the Ships to Port“ ließen keinerlei Wünsche offen. Bis auf den nach einer Zugabe natürlich…

Die wurde selbstredend auch gewährt in Form des gemächlichen „Happy Man“, „20 Hz“ plus das „uralte“ „Figurehead“, zu dem der Bielefelder Electro Mastermind Myer anmerkte, dass COVENANT diesen Track bereits vor 15 Jahren an selber Stelle präsentiert hätten. Aber damals als Support seiner Formation HAUJOBB. Die Zeit vergeht wie im Fluge, kann man nur immer wieder feststellen. Anno 2011 wollte der DJ der nachfolgenden Aftershow-Party nunmehr seine Anwesenheit beweisen, doch das Trio kam abermals zurück an die Arbeitsstätte und bat um einen weiteren, allerletzten Titel, der auf den Namen „Theremin“ hörte und der begeisterten Menge den Rest gab. Auch ohne Herrn Montelius eine schweisstreibende Show voller Energie, „Ersatz“ Jonassen gab die Rampensau mit Sonnenbrille, während Eskil von „gefühlvoll“ bis „mitreissend“ sämtliche Emotionen abdeckte und Daniel das musikalisch perfekte Grundgerüst lieferte. COVENANT haben weiterhin eine Ausnahme-Stellung in der Electro Szene inne, das wurde an diesem Abend im Capitol mal wieder deutlich…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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