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COVENANT

Ort: Leipzig WGT agra-Halle

Datum: 10.05.2008

Nachdem ich eiligst vom Schauspielhaus zur Agra gehechtet war, um dem Auftritt COVENANTs beizuwohnen, ahnte ich direkt nach dem Betreten besagter Veranstaltungsräumlichkeit, dass dies nur eine semi-gute Idee gewesen war. Hatte ja an sich schon Sinn gemacht, dass ich bei der Zusammenstellung meines ganz persönlichen Billings nur ganz wenige Bands an eben diesem Ort heraus gesucht hatte. Stichwort: Gewächshaus. Von einer Sekunde auf die andere genervt bahnte ich mir einen Weg durch die viel zu vielen Menschen und machte mir wahrlich Sorgen um meine Sauerstoffversorgung. Neidvolle Blicke galten den vereinzelten Herrschaften, die ihr Gesicht – wenngleich wohl eher aus modischen, als aus taktischen Überlegungen heraus – hinter Gasmasken versteckten. Rationalen Abwägungen folgend, platzierte ich mich im Bereich ganz hinten – auch wenn der Sound dort i.d.R. ja ganz speziell bescheiden ist. Aber lieber so, als den Erstickungstod zu erleiden. Meine Laune besserte sich auch nicht durch das ewig scheinende Warten – sowohl am Getränkestand, als auch auf den Beginn des bevorstehenden Gigs.

Mit immerhin fast 10 Minuten Verspätung setzte dann endlich ein Intro ein, welches augenblicklich bejubelt wurde. Denn da wusste ja noch keiner, dass das Ganze fast neun Minuten dauern würde… Und dann irgendwann, als ich schon fast ein wenig apathisch von all dem Gewusel und der Hitze wurde, betraten die Herren Eskil Simonsson, Joakim Montelius und Daniel Myer endlich die Bühne und die Menschenmassen zeigten sich erneut entzückt. Von den Klängen, die zu mir nach hinten getragen wurden, ließ sich über weite Strecken nicht wirklich etwas identifizieren. Agra halt. Besonders die Texte waren aber so schwer verständlich, dass dies selbst für Agra-Verhältnisse eigentlich zu schlecht war. Die einzelnen Songs jedenfalls konnte ich nicht immer gleich heraus hören, und umso verwunderter war ich über die begeisterte Masse: War alleine ich zu blöd, die Songs auszuloten, oder herrschte hier das mitunter recht beliebte Lemming-Phänomen vor, nach dem man einfach mal pro forma halber an jenen Stellen frenetisch jubelt, an denen die Anderen das auch tun? Mysteriös. Im gleichen Maße treib mir dann noch das viel zu übertriebene, viel zu pseudo-heroische Getue COVENANTs skeptische Falten auf die Stirn. Was ist denn da los, dachte ich. Zur Songauswahl ist zu sagen (während der Spielzeit gelang es mir dann doch immer noch kurz vor knapp, die eigentlich gemeinten Kompositionen heraus zu hören – so meine ich zumindest…), dass neben einigen Stücken der frühen Schaffensperiode, „Storm“ und dem bejubelten Klassiker „Stalker“ bspw., auch ein Vorgeschmack auf das bevorstehende Album gegeben wurde, so etwa durch den Titel „Come 19“. Dazu dann noch Titel wie „20 HZ”, mit dem der Gig eröffnet wurde, „Bullet“, „Invisible & Silent“ und natürlich „We stand alone“, welches besonders große Freude im Publikum auslöste – in dieser Live-Version schürte es bei mir persönlich aber wenige Begeisterungsstürme. Und ein paar mehr Kracher hätten es dann insgesamt schon in der Setlist sein dürfen, wie ich finde.

Schluss war dann zunächst nach rund einer Stunde Spielzeit, aber COVENANT entschieden sich für – sagen wir mal – eine Art Zugabe: Man bot langes Rumgefrickel an den Gerätschaften ohne eigentlichen Song und kommentierte das Ganze dann mit „We make material noise!“, was vielleicht auch „ritual“ hieß und auf den betreffenden Song anspielte. Was auch immer die Herren dem Publikum damit sagen wollten – mir war es inzwischen schnurzpiepsegal. Statt mich noch weiterhin von undefinierbaren Beats und nebulösen Text- und Melodiefetzen nerven zu lassen, entschloss ich mich für den Rückzug. Eine nach wie vor weise Entscheidung, wie ich finde, die ich so gesehen bereits eine halbe Stunde früher hätte treffen müssen.

Copyright Fotos: Dani Vorndran

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