Konzert Filter

CRADLE OF FILTH – NE OBLIVISCARIS – DARKEST HORIZON

Ort: Hannover - Capitol

Datum: 30.10.2015

Wenn die britischen Vampir-Blackies CRADLE OF FILTH schon mal nicht zu Halloween ein neues Album (das aktuelle „Hammer of the Witches“ erschien bereits im Juli) oder ein anderes Release raushauen, dann müssen sie um diese Zeit einfach unterwegs sein. Dazu an einem Freitag platziert, schien an diesem Tag vor dem Grusel-Fest alles angerichtet für eine ordentliche Ladung bösen Metal!

Etwas überrascht war ich dann aber schon, denn als DARKEST HORIZON überpünktlich um kurz vor 20 Uhr loslegten, war die Anwesenheitsliste vor der Bühne noch recht spärlich aufgestellt. Davon ließen sich die Frankfurter, die den Deutschland-Support auf der Tour geben, ihre Spiellaune nicht verderben. So boten die Melo-Black/ Deather einen erfrischenden Mix aus treibenden Death Metal-Grooves, knallharten Black-Ausbrüchen und episch-cineastischen Melodie-Passagen. Das ganze gut arrangiert und spielerisch top dargeboten, wurden die teils überlangen Tracks wie „Evolution’s Downfall“ oder „A Universe Reborn“ alles andere als langweilig. Sehr ordentlich und unbedingt im Blick zu behalten.

Schon zu einem Geheimtipp in Sachen Extreme Progressive Metal sind NE OBLIVISCARIS herangewachsen! Spielerisch wohl mit einer der Entdeckungen der letzten Monate ließen die Australier auch dieses Mal keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie Großes Vorhaben. Mit einer Kombination aus halsbrecherischer Axt-Akrobatik, sowohl am Bass als auch den 7-Saitern, dem zwischen Groove und Kanten jonglierenden Drumming und den harschen Vocals von Fronter Xen überzeugte die Band nicht nur auf technischem Niveau, sondern brachte auch sogleich einige Bewegung in den sich immer besser füllenden Innenraum. Einen besonderen Akzent im Sound von NE OBLIVISCARIS setzt ohne Frage Tim Charles, der einerseits mit seiner Violine eine zusätzliche, interessante Facette in die Songs mit einbringt und zudem durch seine cleanen Vocals einen gelungenen Kontrast zu der extremen Stimme von Xen bietet. Und obwohl das Set nur 3 Songs umfasste, kam bei den Australiern zu keine Sekunde Langeweile auf. Eine Band, die einiges an Potenzial für die Zukunft bietet!

Setlist NE OBLIVISCARIS
Devour Me, Colossus (Pt.I): Blackholes
Pyrrhic
And Plague Flowers The Kaleidoscope

CRADLE OF FILTH habe ich über die Jahre schon weit mehr als 40 mal live gesehen und mir daher bei den Tourneen zu den letzten Alben eine Pause gegönnt und nicht jede mögliche Show mitgenommen. Nun mit einem starken neuen Album und wieder mal neuem Line Up am Start, wurde es endlich mal wieder Zeit zu schauen, was die Briten (bzw. Briten, Kanadier, Tschechen…) mittlerweile auf die Bühne bringen. Und das war grundsätzlich das, was man von COF kennt, nicht anders erwartet und auch nicht anders haben will: So beherrscht bei einer CRADLE-Show eine düstere Lightshow den Schauplatz, anstatt eines Backdrops werden über eine Leinwand atmosphärisch stimmige Projektionen in Szene gesetzt und etwas schaurige Deko, dieses Mal in Form von an Kreuze gehängten Skeletten und einem gehörnten Fronter, muss auch sein. So gehört sich das!

Wichtiger ist aber natürlich die Mucke und da hat Chef und Front-Kreischer Dani Filth mit seinen neuen Leuten absolut richtig gelegen. Schon auf Platte weiß besonders das neue Axt-Duo Ashok (ex-ROOT) und Richard Shaw voll zu überzeugen und auch live hat sich das neue Team sehr gut in COF-Gefüge eingebracht. Deutlich selbstbewusst und spürbar gut eingespielt, legte man mit dem Klassiker „Heaven Torn Asunder“ vom „Dusk and her Embrace“-Album gleich brachial los und stellte mit dem folgenden Überkracher „Cruelty brought thee Orchids“ gleich klar, dass man richtig Bock hat. „Blackest Magick in Practice“ bewies anschließend, wie gut die neuen Songs zu den bekannten Krachern der Band passen und brachte damit im mittlerweile deutlich besser gefüllten Capitol den ersten Pit zum rotieren. Dazu posierte u.a. Gitarrist Ashok cool und trocken und Axt-Kollege Richard Shaw mimte den leicht durchknallten Rocker, der sich mit wirrem Blick gerne mal selbst eine verpasst. Front-Derwisch Dani Filth will seinen motivierten Mitstreitern natürlich in Nichts nachstehen und bot, anfangs im düster-teuflischen Outfit, endlich wieder eine stimmliche Performance, die COF würdig ist. Natürlich ist der eigenwillige Mix aus fiesen Screams, räudiger Keiferei und fiesen Growls nicht unbedingt jedermanns Sache, aber zu CRADLE OF FILTH gehört dies, wie die Soundvielfalt aus Black Metal-Raserei, knallharten Thrash-Parts und düster-mystischen Melodien inkl. Twin-Leads. Dies alles bieten Song wie u.a. „Lord Abortion“, „Queen of Winter, Throned“ und „Nymphetamine (Fix)“ en Masse.

Zusammen mit den starken cleanen Vocals von Keyboarderin Lindsay Schoolcraft haben CRADLE OF FILTH zu ihrer alten Stärke zurückgefunden und konnten zudem durch einen satten, druckvollen Live-Sound überzeugen. Bei einem Set von gut 90 Min., den des öfteren mal überlangen Songs und dem einen oder anderen Pflichttrack im Set, bleibt bei einem Backcatalogue von gut 13 Alben natürlich auch einiges auf der Strecke, so dass z.B. von den vier Alben vor dem neuen „Hammer of the Witches “ (u.a. „The Manticore and other Horrors“, „Godspeed on the Devil’s Thunder“ und „Thornography“) leider keine Titel geboten wurden. Dafür brachten die gezockten Granaten aber so viel Dampf in den Kessel, dass der eine oder anderen abgehende Fan von den Securities in Schach gehalten werden musste. Und da man an diesem Abend so gut in Fahrt war, gab’s nach dem ansonsten als Finale geballerten Ur-Übersong „The Forest whispers my Name“ mal eben noch „Gilded Cunt“ auf die Glocke gepfeffert! Natürlich müssten CRADLE ein 3stündiges Set bringen, um halbwegs alle Fanwünsche zu treffen, aber mit dieser Darbietung konnten sie auch einen Anhänger der ersten Tage wieder für sich gewinnen! Da kommt einem doch wirklich wieder die Überlegung wie früher bei einer Tour mehr als eine Show zu besuchen. Dazu müssen die Kollegen aber erstmal bald wieder in Reichweite kommen! Bis dahin, weiter so!

Setlist CRADLE OF FILTH
Humana inspired to Nightmare (Intro)
Heaven Torn Asunder
Cruelty brought the Orchids
Blackest Magick in Practice
Lord Abortion
Right Wing of the Garden Triptych
Malice through the looking Glass
Deflowering the Maidenhead, Displeasuring the Goddess
Queen of Winter, Throned

Walpurgis Eve (Intermission)
Yours Immortally…
Nymphetamine (Fix)
The Twisted Nails of Faith
Her Ghost in the Fog
The Forest Whispers my Name

Gilded Cunt
Blooding the Hounds of Hell (Outro)

Copyright Fotos: Michael Werneke

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CRADLE OF FILTH auf terrorverlag.com

Mehr zu DARKEST HORIZON auf terrorverlag.com

Mehr zu NE OBLIVISCARIS auf terrorverlag.com